STAR WARS: THE OLD REPUBLIC – ein erster Eindruck

Es sind schon viele Entwick­ler und Pub­lish­er ange­treten, um mit einem neuen MMO den Branchen­primus WORLD OF WARCRAFT vom dia­mantbe­set­zten Thron zu schub­sen und ein wenig von den monatlich ein­genomme­nen Mil­lio­nen abzuk­napsen. Man muss auch ganz klar zugeben, dass das bis­lang nie­mand geschafft hat. Die Gründe hier­für sind vielfältig: unfer­tige Spiele gab es ein paar Mal, damit ein­her gehend zu wenig Inhalt. Unin­ter­es­sante The­men sowie schlampig gestal­tete Spiel­wel­ten, man­gel­haftes User Inter­face, haufen­weise Bugs oder mis­er­abler Kun­denser­vice sind weit­ere Prob­leme mit denen neue MMOs zu kämpfen hat­ten; all das führte dazu, dass sich die inter­essierte Gemeinde die neuen Spiele ansah, dann schnell abwink­te und nach Aze­roth zurück kehrte.

Mein­er Mei­n­ung nach wird sich das jet­zt ändern, denn BioWare und LucasArts treten an, um Bliz­zard mit einem Fran­chise das Fürcht­en zu lehren, das zu den pop­ulärsten weltweit gehört: STAR WARS. Und die bei­den machen das Meiste richtig, allerd­ings ohne ein rev­o­lu­tionäres Spiel abzuliefern. Dafür aber eins, das einen Hei­denspaß macht.

Ich hat­te an den let­zten bei­den Woch­enen­den die Möglichkeit, mir SWTOR im Rah­men der Betat­ests anzuse­hen und ein paar Klassen anzus­pie­len. Vor­ab muss man sagen, dass das Spiel zwar noch Fehler hat, die aber in aller Regel aus Kleinigkeit­en beste­hen, die das Spielvergnü­gen nicht deut­lich oder nach­haltig min­dern. Was für ein Unter­schied zu anderen Spielestarts.

Ich kann im Rah­men dieses Überblicks und auf­grund der Kom­plex­ität das Spiel natür­lich nur anreißen. Wer also einen Blick in die Details haben möchte, den muss ich auf die ein­schlägi­gen Web­seit­en der Com­put­er­spielemagazine ver­weisen.

 

Charak­ter­erschaf­fung

Ich fange gle­ich mal mit einem der weni­gen Kri­tikpunk­te an SWTOR an. Die Charak­ter­erschaf­fung bleibt hin­ter dem zurück, was man vielle­icht erwarten würde und ist ger­ade mal eine leicht aufgepeppte Vari­ante der­jeni­gen in WOW. Man kann aus knapp über ein­er Hand­voll Spezies auswählen, die alle humanoid sind und danach Fak­toren wie Geschlecht, Kör­per­form (vier Grund­for­men), Gesicht, Haare oder Make­up und Tat­tooes aus vorgegebe­nen Optio­nen auswählen. Hier­bei ist die Auswahl zwar mit etlichen Vari­a­tio­nen recht groß, das hat man allerd­ings ander­swo schon deut­lich ela­bori­ert­er gese­hen. Am störend­sten fand ich hier­bei, dass man keine Möglichkeit hat, sich wie in anderen Spie­len irgendwelche abge­fahre­nen Aliens zusam­men zu basteln, son­dern auf die paar humanoiden Rassen beschränkt ist (über­haupt sind so gut wie alle maßge­blichen intel­li­gen­ten Spezies in dem Spiel nicht nur humanoid, son­dern Men­schen mit Alienköpfen, aber das ist wohl aus der Herkun­ft des Spiels im Film begrün­det).

Im Großen und Ganzen geht die Charak­ter­erschaf­fung aber in Ord­nung, auch wenn die Charak­tere arg pup­pen­haft wirken. Das ist aber Absicht, wie mir schon vor zwei Jahren auf der GamesCom ein Entwick­ler unter der Hand erläuterte. Zum einen möchte man ein wenig einen CLONE WARS-Look haben, zum anderen ver­mutet man gerin­gere Prob­leme mit der Jugend­freiga­be, wenn die Fig­uren nicht zu echt ausse­hen. Damit hat­te man offen­bar Recht, denn trotz recht der­ber Spielin­halte auf Seit­en des Imperi­ums – inklu­sive angedeuteter Folter – erhielt das Spiel hierzu­lande eine Freiga­be »ab 12 Jahren«. Mein­er Ansicht nach ist das hart an der Gren­ze, geht aber ger­ade noch in Ord­nung.

Es ist davon auszuge­hen, dass auch bei diesem Spiel der Zeit­druck groß war und dass die Entwick­ler weit­ere Rassen und Optio­nen im Rah­men von Erweiterun­gen nach­liefern wer­den. Ich ver­mute, dass eine der näch­sten spiel­baren Rassen die Wook­iees sein wer­den.

Nach der Charak­ter­erschaf­fung begrüßt SWTOR den Spiel­er selb­stver­ständlich mit der STAR WARS-Fan­fare und einem klas­sis­chen, gel­ben Intro­scroller, in dem der Hin­ter­grund des gewählten Charak­ters erläutert wird, dann geht’s gle­ich in medias res, also ins Spiel.

Bedi­enung und Mis­sio­nen

Man hat sich viel Mühe gegeben, WOW-Anhängern sofort ein bekan­ntes Spiel­er­leb­nis zu ermöglichen, Bedi­enung und Inter­face gemah­nen deut­lich ans Vor­bild (das sein­er­seits heftigst bei EVERQUEST abgekupfert hat­te) und wer schon Mal ein oder zwei MMOs gespielt hat, der wird sich ohne große Prob­leme zurecht find­en.

Unge­wohnt ist die Dar­bi­etung der Mis­sio­nen (ander­swo »Questen« genan­nt). Jede, aber auch wirk­lich jede Auf­gabe wird nicht mit ein­er sim­plen Textbox erläutert, son­dern mit ein­er in der Game-Engine real­isierten Film­se­quenz. Im Vor­feld hat­te ich Bedenken, dass das lang­wierig und störend sein kön­nte, tat­säch­lich ist aber das Gegen­teil der Fall. Die Sprech­er der Quest­ge­ber (und auch der Charak­tere) sind in nahezu allen Fällen hochk­las­sig, so dass es allein schon Spaß macht, sich das ein­fach anzuhören (ich habe die englis­che Ver­sion gespielt, bei der deutschen Fas­sung muss man lei­der wie immer Abstriche machen, auch da habe ich aber schon deut­lich Schlechteres gehört).
Durch die Darstel­lung der Ques­tauf­gaben bekom­men die Mis­sio­nen eine ganz andere Qual­ität, man ist »viel tiefer drin« im Spielgeschehen. Auch hier muss man ab und zu mal die üblichen zehn Rat­ten töten. Man weiß aber genau, warum man das tun muss und man ist motiviert, das zu tun. Erfrischend kommt hinzu, dass die »töte zehn NPCs«-Missionen oft­mals Bonus-Auf­gaben sind, die man neben der eigentlichen Auf­gabe abwick­eln kann, aber eben nicht muss.

Die Mis­sion­vielfalt ist groß (was für ein Unter­schied zum stu­pid­en »töte fünf hier­von«, »scanne fünf davon« und »ballere fünf Klin­go­nen weg« bei STAR TREK ONLINE) und unter­schei­det zudem noch zwis­chen all­ge­meinen Auf­gaben und Klasse­nauf­gaben, die eben speziell nur für die Charak­terk­lasse freigegeben sind. Was im Grup­pen­spiel zu Prob­le­men führen kön­nte, geschieht aber nicht. Entwed­er man kann seine Par­tymit­glieder mit in die Klass­enin­stanz nehmen, oder aber der Schmug­gler sieht sich seine Klassen­mis­sion an, während der Jedi das zeit­gle­ich mit sein­er macht. Schön gelöst.

Die Spiel­welt

Toll, stel­len­weise atem­ber­aubend – und das trotz der wie bei MMOs üblich herunter geschraubten Grafik (damit auch Per­so­n­en mit weniger hochgezüchteten Rech­n­ern das Game spie­len kön­nen). Ich hat­te bish­er in genau einem Spiel den Effekt, dass ich mit dem Charak­ter über eine Kuppe kam und dort ver­har­rte, um mir mit einem »Wow!« auf den Lip­pen erst ein­mal die Gegend anzuse­hen. Das war LORD OF THE RINGS ONLINE. Bei THE OLD REPUBLIC gibt es diesen Effekt eben­falls; tritt man zum ersten Mal aus dem Raumhafen auf Cor­us­cant und sieht den Turm des Repub­lik-Sen­ats bleibt man ste­hen und ist über­aus pos­i­tiv beein­druckt.
Das bleibt später so, als ich unge­fähr auf Lev­el 15 mein Raum­schiff erhielt, bin ich glaich als Erstes mal gen Tatooine und Hoth geflo­gen und man erken­nt die Plan­eten wieder – man fühlt sich als STAR WARS-Fan gle­ich zu Hause.

Die gesamte Spiel­welt an sich ist durchgestyltes STAR WARS pur. Es mag sich vielle­icht der ein oder andere Nör­gler daran stören, dass viel genau­so aussieht wie zur Zeit­en der Episo­den eins bis sechs (also der Kinofilme) und die spie­len hun­derte Jahre später, aber der Fan freut sich und das tut auch dem schieren Spielspaß kein­er­lei Abbruch.

»Rot Fünf bere­it« – der Raumkampf

Anfangs hat­te man bei BioWare und LucasArts geplant, Raum­schiff­skampf außen vor zu lassen. Das führte natür­lich bei den Anhängern zu Protesten, dass STAR WARS ohne Wel­traumkampf mal gar nicht geht und da hat­ten diese natür­lich Recht.
Auf­grund dessen entschloss man sich, eine Art Rail­shoot­er ins Spiel einzubauen; im Ver­lauf der Mis­sio­nen fliegt man auf vorgegebe­nen Bah­nen durchs All, um ein bes­timmtes Mis­sion­sziel zu erfüllen und kann dabei das Schiff in Gren­zen steuern und zudem mis­sion­swichtige Ziele mit­tels Blaster und Raketen zu tre­f­fen ver­suchen. Das macht auch tat­säch­lich eine Menge Spaß, man muss abwarten, ob dieser Spaß­fak­tor auf Dauer so bleibt, oder ob sich schnell Langeweile ein­stellt. Vorteil­haft ist die Hand­habung natür­lich für casu­al Gamer, die ohne große Flugsim­u­la­tor­erfahrung gle­ich ins Spiel kom­men, der Profi wird trotz des nicht zu leicht­en Schwierigkeits­grades unter­fordert sein und sich etwas wie in X-WING: ALLIANCE wün­schen. Auch hier nehme ich an, wird man nachar­beit­en.

Kumpels, Begleit­er und das Handw­erk

Dem Charak­ter des Spiel­ers wer­den im Ver­lauf des Spiels ver­schiedene »Com­pan­ions« zur Seite gestellt, die ihn nicht nur im Kampf unter­stützen kön­nen, son­dern auch noch fürs Sam­meln von Ressourcen und »Craft­ing« zuständig sind. Zudem wach­sen einem die Begleit­er durch ihre eige­nen Sto­ries und Questen ans Herz, es soll sog­ar die Möglichkeit zu Beziehun­gen geben, auch gle­ichgeschlechtlichen, wie bei BioWare gern mal üblich. Man bekommt über die Zeit mehrere Begleit­er an die Hand, die selb­stver­ständlich ver­schiedene Fer­tigkeit­en haben und daraus resul­tierend bei unter­schiedlichen Mis­sio­nen helfen kön­nen.

Handw­erks­fer­tigkeit­en gliedern sich in Sam­meltätigkeit­en (hier­von darf man zwei ler­nen) sowie Her­stel­lung von Gegen­stän­den (davon darf man eine ler­nen). Es sah bis jet­zt für mich so aus, als sei man als Spiel­er auch tat­säch­lich in der Lage, sin­nvolle Gegen­stände herzustellen, die einem selb­st oder anderen Spiel­ern helfen kön­nen. Ob sich das auch noch als wahr erweist, wenn erst ein­mal haufen­weise Gamer im Spiel densel­ben Kram pro­duzieren, wird die Zeit zeigen, aber zumin­d­est für die anderen Gilden­mit­glieder wird man sich­er sin­nvolles Zeug frick­eln kön­nen.

Faz­it

Ich schließe das an dieser Stelle mal ab, ich kön­nte noch eine Zeit lang weit­er schreiben, aber dafür ist noch Zeit, wenn das Spiel tat­säch­lich ange­laufen ist.

Was bin ich froh, dass ich nach dem STAR TREK ONLINE-Desaster nochmal so mutig war, ein Spiel vorzubestellen. Denn mein­er unmaßge­blichen Mei­n­ung nach kommt hier der näch­ste ganz große MMO-Knüller auf uns zu. STAR WARS – THE OLD REPUBLIC macht schlichtweg einen Hei­denspaß; man merkt deut­lich, dass es von BioWare kommt, denn man erken­nt vieles wieder, was man aus anderen Spie­len des Entwick­ler­stu­dios ken­nt. Diese Hand­schrift ist unverkennbar und führt in der Zusam­me­nar­beit mit dem Fran­chise und Liebe zum Detail zu einem großar­ti­gen Spiel­er­leb­nis. Es bleibt zu hof­fen, dass das bis in hohe Lev­el so bleibt und nicht auf ein­mal der Con­tent fehlt, wenn man beispiel­sweise die Stufe 25 erre­icht hat. Ich kann es mir aber nicht vorstellen.

Mit SWTOR wurde keine Rev­o­lu­tion im Bere­ich MMOs geliefert, vielle­icht max­i­mal eine Evo­lu­tion (sog­ar mit ein paar kleineren Schwächen), aber Inhalte und Spielmech­a­nis­men machen ins­ge­samt ein­fach einen Riesenspaß – und das ist das Wichtig­ste bei einem Spiel! Alles in allem ori­en­tiert sich SWTOR aber ein­deutig an WOW – Sand­box-Anhänger soll­ten vielle­icht bess­er bei EVE bleiben …

Möge die Macht mit euch sein!

 

Creative Commons License

 

 

Screen­shots Copy­right 2011 BioWare, LucasArts und EA

AutorIn: Stefan Holzhauer

Meist harm­los­er Nerd mit natür­lich­er Affinität zu Pix­eln, Bytes, Buch­staben und Zah­n­rädern. Kon­sum­iert zuviel SF und Fan­ta­sy und schreibt seit 1999 online darüber.

2 Kommentare for “STAR WARS: THE OLD REPUBLIC – ein erster Eindruck”

Thorn

sagt:

Naja, dass es keine aus­ge­fal­l­enen Aliens gibt, begrün­den die Entwick­ler mit der Sto­ry: wegen der optionalen Romanzen wollte sie nur solche Aliens haben, von denen sie sich vorstellen kön­nen, dass die im Film Prinzessin Leia hät­ten küssen kön­nen. Das Ergeb­nis ist, dass wir jet­zt wis­sen, wie wenig sich man sich in Ameri­ka an gemis­cht-spezies Beziehun­gen vorstellen kann.
Ein ander­er ange­führter Grund ist, dass wir in den Fil­men als Haupt­fig­uren eben auch nur Men­schen und Men­schenähn­liche haben und die ver­rück­ten Aliens höch­stens als Side­kicks auf­tauchen.

Und was Wook­iees als spiel­bare Spezies ange­ht: möcht­est du wirk­lich in allen Ingame-Cutscenes immer wieder die sel­ben x Wook­iee-Brüll-Schleifen als Dia­log von deinem Char hören ?

Stefan Holzhauer

sagt:

Wenn die niedergemäht­en Geg­n­er nach drei Minuten wieder am sel­ben Platz ste­hen und mir das kaum was aus­macht, kann ich auch damit leben, dass Wook­iees englisch kön­nen…

Auf die Herkun­ft der humanoiden Aliens aus der Tat­sache, dass sie in den Fil­men von Men­schen dargestellt wur­den, habe ich im Artikel ja hingewiesen. Da ist auch eher der Grund zu suchen, sowie dabei dass man sich als Kinogänger eher mit men­schenähn­lichen Pro­tag­o­nis­ten iden­ti­fiziert, als in irgendwelchen Prob­le­men mit »gemis­cht-Spezies-Beziehun­gen«. Das sieht man bei BioWare ja bekan­nter­maßen gar nicht eng (siehe z.B. MASS EFFECT).

Den­noch bin ich der ansicht, dass »mehr Alien« dem Spiel gut getan hätte. Aber dafür hat wahrschein­lich die Zeit nicht gere­icht.

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