Spiel 2011 in Essen – zwischen Superlativen und Enttäuschungen

[spiel2011] Die Ver­an­stal­ter der 2011 im 29. Jahr statt­fin­den­den Mes­se »Spiel« in den Esse­ner Mes­se­hal­len spar­ten nicht mit voll­mun­di­gen, wer­be­träch­ti­gen Aus­sa­gen. Noch nie zuvor habe es der­art vie­le Aus­stel­ler auf der Ver­an­stal­tung gege­ben und noch nie zuvor sei­en der­art vie­le Neu­vor­stel­lun­gen zu sehen gewe­sen.

Die Pres­se­infor­ma­tio­nen legen einen ein­deu­ti­gen Fokus dar­auf, dass es sich bei der Spiel um die welt­größ­te Mes­se für Gesell­schafts­spie­le han­delt – da scheint man Rol­len­spie­le und LARP offen­bar als unge­lieb­tes Nischen­pro­dukt anzu­se­hen, und die­se Pro­duk­te sowie die Ver­la­ge und Fans als not­wen­di­ges Übel zu betrach­ten, aber dazu an ande­rer Stel­le mehr.

810 Aus­stel­ler aus 34 Natio­nen tum­meln sich laut Aus­sa­gen des Ver­an­stal­ters Fried­helm Merz-Ver­lag in den Mes­se­hal­len, das ist eine Aus­lands­be­tei­li­gung auf einem »Rekord­ni­veau« von 48 Pro­zent. Über 750 neue Pro­duk­te wur­den in die­sem Jahr auf den inter­na­tio­na­len Spiel­eta­gen dem Publi­kum vor­ge­stellt.

In die­sem Arti­kel möch­te eini­ge Ein­drü­cke zur dies­jäh­ri­gen Spiel schlag­licht­ar­tig beleuch­ten, in wei­te­ren Ein­zel­bei­trä­gen gehe ich ggfs. noch auf spe­zi­el­le Aspek­te ein.

Wäh­rend der Pres­se­kon­fe­renz (die trotz der extra beton­ten hohen inter­na­tio­na­len Betei­li­gung [auch bei den Jour­na­lis­ten] aus­schließ­lich in deut­scher Spra­che abge­hal­ten wur­de – es gab für mich völ­lig unver­ständ­lich noch nicht ein­mal eng­li­sche Pres­se­un­terka­gen für die zahl­rei­chen aus­län­di­schen Ver­tre­ter) wies man expli­zit dar­auf hin, dass man aus Platz­grün­den eine wei­te­re Hal­le hin­zu genom­men habe, die in den letz­ten jah­ren ver­schlos­sen blieb. Auch hier lie­fen zumin­dest nach mei­nem Ein­druck PR-Getö­se und Rea­li­tät deut­lich aus­ein­an­der: tat­säch­lich war nur ein ver­gleichs­wei­se klei­ner Teil der Hal­le sie­ben frei­ge­ge­ben, dort fan­den sich eine hand­voll Anbie­ter, die man ob der Abge­le­gen­heit des Ortes nur bedau­ern konn­te, von einer voll­stän­di­gen wei­te­ren Hal­le – wie sug­ge­riert – konn­te aber nicht die Rede sein.

Ein Kartenspiel um antike Weltwunder: 7 WONDERS

Einer der zen­tra­len Punk­te war auch in die­sem Jahr selbst­ver­ständ­lich wie­der der Deut­sche Spie­le­Preis. Gewin­ner in der Kate­go­rie »Bes­tes Familien‑, Gesell­schafts und Erwach­se­nen­spiel« wur­de 7 WONDERS von Repos Production/Asmodee:

»Klap­pen­text«:

Lei­ten Sie die Regie­rungs­ge­schäf­te einer der sie­ben gro­ßen Städ­te der anti­ken Welt.
Nut­zen Sie die Res­sour­cen Ihrer Län­de­rei­en, unterstu?tzen Sie den Fort­schritt, bau­en Sie Han­dels­be­zie­hun­gen auf und sichern Sie lhre mili­tä­ri­sche Vor­herr­schaft.
Hin­ter­las­sen Sie Ihre Spur in der Geschich­te der Zivi­li­sa­tio­nen, indem Sie ein archi­tek­to­ni­sches Wun­der­werk errich­ten, des­sen Bedeu­tung weit in die Zukunft rei­chen wird.

7 WONDERS
Autor: Antoi­ne Bau­za
ein Stra­te­gie­spiel für 3 bis 7 Spie­ler
Alter: ab acht Jah­ren
Spiel­dau­er: ca. 30 Minu­ten

7 Won­ders Spiel­ma­te­ri­al

Inhalt:

  • 7 Welt­wun­der-Spiel­plä­ne
  • 7 Welt­wun­der-Kar­ten
  • 49 Kar­ten »1. Zeit­al­ter«
  • 49 Kar­ten »2. Zeit­al­ter«
  • 50 Kar­ten »3. Zeit­al­ter«
  • 42 Kon­flikt-Mar­ker
  • 20 Mün­zen mit dem Wert 3
  • 30 Mün­zen mit dem Wert 1
  • 1 Wer­tungs­block
  • 1 Regel­heft
  • 2 Kar­ten für die Par­tie zu zweit

Repos Production/Asmodee
UVP: 34,99 Euro (Online­preis ab ca. 29 Euro)
(7 WONDERS bei Asmo­dee)

Lei­der war es mir nicht mög­lich, das Spiel zu tes­ten, da jeder Pro­be­ver­such durch die stark bela­ger­ten Test­ver­sio­nen ver­ei­telt wur­de und ich nicht vor­hat­te, mich stun­den­lang anzu­stel­len (man kann sei­ne Zeit sinn­vol­ler nut­zen). Im Über­blick erschien mir 7 WONDERS wie eine wei­te­re Kar­ten­spiel-Vari­an­te im Stil von DOMINION oder RACE FOR THE GALAXY. Man zieht Kar­ten, die sofort ein­ge­setzt wer­den und ent­we­der Sieg­punk­te oder mili­tä­ri­sche Stär­ke ein­brin­gen, wäh­rend des Spiels muss man stän­dig ein Auge auf die Kar­ten der Mit­spie­ler haben, um die­se wenn nötig vom Gewin­nen abzu­hal­ten. Das mach­te auf mich einen maxi­mal »ganz net­ten« Ein­druck, eine wirk­lich qua­li­fi­zier­te Wer­tung kann ich aller­dings auf­grund des feh­len­den Test­spiels nicht abge­ben.

Hasbro: immer wieder MONOPOLY – bis zum Erbrechen

Am Has­bro-Stand konn­te ich mich des Ein­drucks nicht erweh­ren, dass man nun auch noch die fünf­tau­sends­te über­flüs­si­ge Vari­an­te von MONOPOLY an den Spie­ler brin­gen möch­te. Ein paar Bei­spie­le für Vari­an­ten und Able­ger (nein, ich habe mir kei­ne davon aus­ge­dacht): Clas­sic, City, World, Juni­or, Ban­king, Revo­lu­ti­on, »Der ver­rück­te Geld­au­to­mat«, »U‑Build« (bahn­bre­chen­des Prin­zip: man legt sich das Spiel­feld mit Hex­fel­dern selbst), Mega, Dis­ney, Spon­geBob, Welt­rei­se, Simp­sons, Deutsch­land, Welt­rei­se, »Litt­lest Pet Shop« (!), Nost­al­gie, Kar­ten­spiel, Kom­pakt, Cars 2, Mün­chen, Köln, Ham­burg, Öster­reich, Pixar Edi­ti­on, Sylt, Ber­lin, Retro, Frank­furt, 007, Ost­see, Star Wars, Clo­ne Wars, Bay­ern, »Heu­te«, Delu­xe, Sauer­land (!), Hal­le (Saa­le), Herr der Rin­ge, Gar­misch-Par­ten­kir­chen, Sach­sen, Ost­fries­land »Mein ers­tes Mono­po­ly«, Ober­pfalz, Düs­sel­dorf, Müns­ter, Duis­burg, Ulm, Star Wars – Epi­so­de 2, Nie­der­bay­ern, Bre­men, Nürn­berg, Harz und ich habe jetzt kei­nen Bock mehr, obwohl ich noch eine Zeit lang so wei­ter machen könn­te… Dage­gen neh­men sich die zahl­lo­sen Remakes und Reboots der Film- und Fern­seh­schaf­fen­den gera­de­zu hoch­gra­dig krea­tiv und inno­va­tiv aus.

unfass­bar aber wahr: Mono­po­ly »Litt­lest Pet Shop«

Ins­be­son­de­re ange­sichts des deso­la­ten Zustands der Welt­wirt­schaft und der Tat­sa­che, dass das kapi­ta­lis­ti­sche und Finanz­sys­tem wahr­schein­lich in sei­ner der­zei­ti­gen Form eher frü­her als spä­ter aus­ge­dient haben dürf­te, fragt man sich, wer die­ses ohne­hin ohne Haus­re­geln grot­ten­lang­wei­li­ge Spiel über­haupt noch kau­fen möch­te? Es steht zu ver­mu­ten, dass eh in fast jedem Haus­halt bereits min­des­tens eine Vari­an­te steht und ob die Fel­der nun Stra­ßen- oder Pla­ne­ten­na­men haben ist als Allein­stel­lungs­merk­mal für den Erwerb noch einer Fas­sung nicht mal ansatz­wei­se aus­rei­chend. Das Schlim­me dar­an: irgend jemand muss den Kram tat­säch­lich kau­fen..?

Mit Karten und Pöppeln in Ankh-Morpork

Bei KOSMOS gab es die deut­sche Fas­sung von SCHEIBENWELT – ANKH-MORPORK. Auch hier war kein Spiel mög­lich, aber immer­hin ließ sich ein offen­sicht­lich unmo­ti­vier­ter Erklär­bär dazu her­ab, das Pro­dukt zumin­dest ansatz­wei­se zu erläu­tern. Er begann die Ein­füh­rung mit: »Spie­len kön­nen wir das hier aber nicht, ich kann nur erklä­ren, wie es geht!« War­um das so war und war­um man nicht zumin­dest mal ein oder zwei Run­den hät­te test­spie­len kön­nen, erschließt sich mir offen gestan­den nicht.

»Klap­pen­text«

Lord Veti­na­ri ist tot, ent­we­der das oder er ist im Urlaub. Wäh­rend der Herr­scher von Ankh-Mor­pork, der größ­ten Stadt auf der fan­tas­ti­schen Schei­ben­welt, nicht da ist, ver­sucht jeder Spie­ler sei­ne Inter­es­sen durch­zu­set­zen. Eine gehei­me Auf­ga­ben­kar­te gibt das Spiel­ziel vor. Die drei Lords wol­len eine bestimm­te Anzahl von Stadt­be­zir­ken unter ihre Kon­trol­le brin­gen. Veti­na­ri, der heim­lich zurück­gehrt ist, will sei­ne Hand­lan­ger auf mög­lichst vie­le Bezir­ke ver­tei­len. Der Troll Chry­so­pras ver­sucht, eine bestimm­te Men­ge Ankh-Mor­pork-Dol­lar zusam­men­zu­raf­fen. Der Dra­chen­kö­nig der Wap­pen will mög­lichst viel Unru­he in der Stadt ver­brei­ten. Und Haupt­mann Mumm gewinnt ein­fach dann, wenn alle Kar­ten durch­ge­spielt sind, ohne dass einer der ande­ren Spie­ler sein Ziel erreicht hat.Mehr als 100 Cha­rak­te­re und Gebäu­de las­sen die größ­te Stadt auf der Schei­ben­welt leben­dig wer­den.

SCHEIBENWELT – ANKH-MORPORK
Autor: Mar­tin Wal­lace
zwei bis vier Spie­ler
Alter: ab zehn Jah­ren (laut Warn­hin­weis für Kin­der unter 36 Mona­ten nicht geeig­net, ich ver­mu­te wegen der ver­schluck­ba­ren Pöp­pel)
Spiel­dau­er: län­ger als 60 Minu­ten

  • 1 Spiel­plan
  • 132 Spiel­kar­ten
  • 1 12-sei­ti­ger Wür­fel
  • 91 Holz­fi­gu­ren
  • 50 Münz­plätt­chen
  • 4 Über­sichts­blät­ter
  • 1 Spiel­re­gel

KOSMOS
UVP: 34,99 Euro (Online­preis ab ca. 28 Euro)
(ich hät­te gern auf die Pro­dukt­sei­te bei Kos­mos ver­linkt, die tech­nisch arg ros­ti­ge Web­sei­te lässt aller­dings kei­ne Direkt­links auf Ein­zel­ar­ti­kel zu)

Spiel­brett ANKH-MORPORK

Laut (äußerst knap­per) Erläu­te­rung sah die­ses Spiel sehr viel­ver­spre­chend aus, ein Rezen­si­ons­ex­em­plar habe ich bereits bei Kos­mos geor­dert. Man spielt ver­schie­de­ne Cha­rak­te­re, alle­samt Bewoh­ner der Stadt Ankh-Mor­pork, bekannt aus Ter­ry Prat­chetts SCHEI­BEN­WELT-Roma­nen, dar­un­ter bei­spiels­wei­se Lord Veti­na­ri oder Mumm, den Chef der Stadt­wa­che.
Jeder Cha­rak­ter und damit jeder Spie­ler hat eine ande­re Auf­ga­be, bei­spiels­wei­se mög­lichst vie­le Stad­vier­tel zu kon­trol­lie­ren, soviel Geld wie nur irgend geht zu schef­feln oder ein­fach am längs­ten durch­zu­hal­ten. Die Cha­rak­ter­kar­ten sind ver­deckt, so dass man erst ein­mal nicht weiß, wel­cher Spie­ler wel­che Auf­ga­be hat. Der wei­te­re Spiel­ver­lauf ergibt sich haupt­säch­lich durch das Zie­hen von Ereig­nis­kar­ten, mit deren Hil­fe man ver­sucht, die Mit­spie­ler dar­an zu hin­dern, ihr Ziel zu errei­chen, hier­zu ist es natür­lich hilf­reich, wenn man die­ses Ziel durch die Spiel­wei­se erra­ten kann. Mir kam die Kri­tik zu Ohren, dass das Spiel auf­dgrund des gro­ßen Ein­flus­ses der zufäl­lig gezo­ge­nen Kar­ten stark vom Zufall geprägt wird, aller­dings sehe ich das nicht wirk­lich als Nach­teil an, denn auch »Bier- und Brezel«-Spiele kön­nen unter­halt­sam sein.
Bei ANKH-MORPORK han­delt es sich um eine »Jeder-gegen-Jeden«-Hasskappen-Spiel, das mit Sicher­heit in der rich­ti­gen Run­de für eini­gen Spaß sor­gen wird. Die Spiel­ma­te­ria­li­en wie Spiel­plan und ins­be­son­de­re die Kar­ten mit zahl­lo­sen bekann­ten Cha­rak­te­ren aus Prat­chetts Roma­nen waren auf jeden Fall sehr lie­be­voll gestal­tet und nach mei­nem Ein­druck auch nah an der deut­schen Über­set­zung der Roma­ne gehal­ten (was bei Lizenz­aus­ga­ben nicht die unbe­dingt immer so ist). Auf jeden Fall einen Blick wert – Fans von Ori­gi­nal­aus­ga­ben konn­ten in einer ande­ren Hal­le übri­gens auch die eng­li­sche Fas­sung erste­hen.

http://www.youtube.com/watch?v=q9FN4TK0mno

Druck Dir Deine Pöppel einfach aus!

3D-Dru­cker »PRo­tos«

Abseits des Spie­le­main­streams gab es inter­es­san­te Klei­nig­kei­ten zu ent­de­cken. Am Stand der »Ger­man RepRap Foun­da­ti­on« (wer denkt sich einen solch sper­ri­gen Namen aus?) gab es 3D-Dru­cker zu sehen, die ähn­lich dem Maker­Bot mit Strän­gen von Kunst­stoff arbei­te­ten. Die­se end­los-Kunst­aoff-Bän­der wer­den in das Gerät geführt, dort ähn­lich wie in einer Heiß­klebe­pis­to­le erhitzt und dann com­pu­ter­ge­steu­ert ein 3D-Objekt »gedruckt«.

Der dort vor­ge­stell­te 3D-Dru­cker PRo­tos wirkt deut­lich fra­gi­ler als ein Maker­Bot und auch die aus­ge­druck­ten Plas­tik­tei­le aus einem eher wei­chen Mate­ri­al wie­sen deut­li­che Schicht­mar­ken auf, was sie für vie­le Anwen­dun­gen nicht nutz­bar erschei­nen lässt. Man soll­te aller­dings nicht ver­ges­sen, dass der 3D-Druck sich noch in den Kin­der­schu­hen befin­det und man über jeden wei­te­ren Anbie­ter in die­sem Markt dank­bar sein muss. Per­sön­lich hal­te ich das »Home-Fab­bing«, also dfas Her­stel­len von Gegen­stän­den zu Hau­se für ein höchst inter­es­san­tes The­ma.
Man stel­le sich bei­spiels­wei­se vor, dass man sich nicht mehr erhält­li­che Ersatz­tei­le ein­fach aus­druckt. Oder Gegen­stän­de des täg­li­chen Lebens elbst designt und viel­leicht auch ver­kauft. Die Indus­trie dürf­te aller­dings mei­ner

3D-Dru­cker »PRo­tos«, Detail

Ansicht nach hier­von völ­lig unvor­be­rei­tet getrof­fen wer­den und ich erah­ne bereits die ers­ten Abmah­nun­gen auf­grund angeb­li­cher »Raub­ko­pi­en«, dies­mal nicht von Datei­en, son­dern von real exis­tie­ren­den Objek­ten.
Auch im Spiel­ebe­reich ist Rapid Pro­to­ty­p­ing selbst­ver­ständ­lich ein sehr inter­es­san­tes The­ma, denn mit Hil­fe sol­cher 3D-Dru­cker mann man sich ohne all­zu gro­ßen Ein­satz von Zeit »mal eben« Pro­to-Pöp­pel und ande­re Spiel­ma­te­ria­li­en »aus­dru­cken«. Auch für Spie­le­au­toren und sogar für mit­tel­gro­ße oder gro­ße Her­stel­ler dürf­ten die 3D-Dru­cker somit von eini­gem Inter­es­se sein.

Für Pri­vat­per­so­nen ist der Spaß aller­dings ähn­lich wie beim Maker­bot nicht ganz preis­wert: der GRRF PRo­tos kos­tet der­zeit ca. 800 Euro (und kann wie gesagt bei den Objek­ten noch nicht ganz über­zeu­gen, das ist aller­dings zuge­ge­be­ner­ma­ßen auch vom ver­wen­de­ten Kunst­stoff abhän­gig – ein Maker­Bot als Bau­satz kos­tet im Ver­gleich aller­dings der­zeit 1300 Dol­lar), 2.2 Kilo Kunst­stoff auf Spu­le gibt’s ab ca. 50 Euro (ABS) bzw. 67 Euro (PLA).

»Home Fab­bing« ist auf jeden Fall ein The­ma, das man im Auge behal­ten muss, hier auf Phan­ta­News natür­lich auch wegen der Mög­lich­kei­ten im Spiel­ebe­reich oder zur Her­stel­lung von Props für die Gewan­dung beim LARP oder Cos­Play. Und weil es der­zeit zu mei­nen Lieb­lings­the­men gehört! :o)

MindWave von NeuroSky – beweg den Fisch!

In den ein­schlä­gi­gen Medi­en macht es immer wie­der die Run­de: Steue­rung von Com­pu­ter­spie­len mit­tels eines Head­sets, das Gehirn­wel­len (und ande­re Ein­flüs­se) in Spiel­steue­run­gen umsetzt.
Das auf der Mes­se vom Anbie­ter »home of atten­ti­on« prä­sen­tier­te Mind­Wave des Her­stel­lers Neu­roSky zielt aller­dings pri­mär in eine ande­re Rich­tung: es geht um Bio­feed­back und Kon­zen­tra­ti­ons­übun­gen. Den­noch wer­den etli­che davon als Spie­le­prä­sen­tiert, was aller­dings auch nicht ver­wun­dert, denn durch eine anspre­chen­de und untech­ni­sche Visua­li­sie­rung wird die Arbeit mit dem Gerät deut­lich ange­neh­mer, als wür­de man nur auf drö­ge Zah­len reagie­ren.

Das Head­set Mind­wave nimmt im Prin­zip ein EEG ab und kann Alpha‑, Beta‑, Del­ta- und The­ta-Wel­len mes­sen (und anzei­gen). Das ist zwar deut­lich ent­fernt von dem, was der Arzt ver­wen­det (kos­tet aller­dings auch nur einen Bruch­teil medi­zi­ni­schen Geräts), aber den­noch tat­säch­lich funk­ti­ons­fä­hig und ein­setz­bar (zumin­dest kam mir bei einem per­sön­li­chen Test nichts getürkt vor).

Was es mit dem Fisch aus dem Titel auf sich hat? Eines der Pro­gram­me, die die vom Head­set gelie­fer­ten Daten aus­wer­ten, prä­sen­tier­te drei Fische, die hori­zon­tal schwam­men, je nach­dem, wel­che der drei Wel­len­ar­ten gera­de am aktivs­ten waren. Ziel war es in die­sem Fall, nur den grü­nen Was­ser­be­woh­ner schwim­men zu las­sen, um einen Zustand all­ge­mei­ner Auf­merk­sam­keit und Auf­nah­me­fä­hig­keit zu errei­chen. Nach ein wenig Her­um­pro­bie­ren gelang mir das auch recht gut.

Nach Aus­sa­gen der Aus­kunft geben­den Dame am Stand wur­de mit dem Sys­tem mit einer Olym­pia­mann­schaft von Bogen­schüt­zen trai­niert (»eigent­lich nur aus Spaß«) und angeb­lich führ­te das Trai­nig mit dem Mind­Wave und zuge­hö­ri­ger Soft­ware zu einer 20-pro­zen­ti­gen Leis­tungs­stei­ge­rung durch Erhö­hen der Kon­zen­tra­ti­ons­fä­hig­keit. Da ich nur einen sehr kur­zen Test durch­ge­führt habe, kann ich natür­lich über­haupt nichts Kon­kre­tes dazu sagen, aber abwe­gig erscheint mir das nicht.

Der Anbie­ter von Soft­ware für das Gerät, »home of atten­ti­on«, stellt unter ande­rem einen kos­ten­lo­sen Deve­lo­per-Kit bereit, man unter­stützt zudem die Ent­wick­lung von Pro­gram­men für das Gerät und freut sich dar­über, wenn Drit­te etwas bei­steu­ern. Ich fin­de auch das hoch inter­es­sant, lei­der sind die Prei­se zum « ein­fach mal Her­um­spie­len« noch jen­seits von Gut und Böse: In Deutsch­land liegt der Preis des Mind­Wave bei ca. 120 Euro. Zum Ent­wi­ckeln im Deve­lo­per­Kit gab es nur das unge­fähr dop­pelt so teu­re und ungleich klo­bi­ge­re Vor­gän­ger­mo­dell. Auch die Ent­wick­lung die­ser Tech­no­lo­gie wer­de ich im Auge behal­ten.

Nicht gut: oftmals keinerlei Infomaterial

Wirkt mund­ge­klöp­pelt: Info­ta­fel zum DSP

Bei vie­len klei­ne­ren – auch inter­na­tio­na­len – Her­stel­lern fand man durch­aus inter­es­sant aus­se­hen­de Spie­le und Spiel­kon­zep­te und konn­te die­se vor Ort auch tes­ten. Lei­der fehlt dafür oft die Zeit und zudem möch­te ich in der Nach­be­rei­tung auf Infor­ma­tio­nen zurück­grei­fen kön­nen. Als äußerst nega­tiv emp­fand ich es in die­sem Zusam­men­hang, dass etli­che die­ser Anbie­ter nicht in der Lage sind, mir sim­pels­tes Infor­ma­ti­ons­ma­te­ri­al zur Ver­fü­gung zu stel­len.
Mei­ner Ansicht nach soll­ten Infofly­er vor­han­den sein, alter­na­tiv wür­de ich mich als Betrei­ber eines Online­me­di­ums aber auch mit einer Visi­ten­kar­te zufrie­den geben, die mich auf die Web­sei­te des Anbie­ters führt. In viel zu vie­len Fäl­len, ern­te­te ich bei sol­chen Fra­gen aller­dings nur Schul­ter­zu­cken – man fragt sich, ob das Mar­ke­ting sein soll? Kei­ne Infor­ma­ti­ons­ma­te­ria­li­en und in etli­chen Fäl­len offen­bar noch nicht ein­mal eine simp­le Web­sei­te mit wei­ter­füh­ren­den Infor­ma­tio­nen? Nicht pro­fes­sio­nell und dem Absatz des Pro­duk­tes sicher­lich nicht för­der­lich.

Und sonst?

So weit mein ers­ter Über­blick zur Spiel 2011. Ich wer­de mich dem Bereich »Rol­len­spiel« in einem wei­te­ren Arti­kel wid­men, denn was man in Hal­le sechs erle­ben muss­te, kann nur als »trau­rig« und ent­täu­schend bezeich­net wer­den und macht eine spe­zi­el­le Betrach­tung not­wen­dig. Dort konn­te von einem Aus­stel­ler­re­kord nicht die Rede sein, ganz im Gegen­teil…

 

Bild­nach­weis:

Men­schen in Hal­le 8: von mir (CC BY-NC-SA)
Box 7 WONDERS Copy­right Repos Productions/Asmodee
Spiel­ma­te­ri­al 7 WONDERS Copy­right Repos Pro­duc­tions
Box MONOPOLY LITTLEST PET SHOP EDITION Copy­right Has­bro
Box SCHEIBENWELT – ANKH-MORPORK Copy­right Kos­mos
Spiel­plan ANKH-MORPORK Copy­right Kos­mos, Bild von mir
3D-Dru­cker PRo­tos, bei­de Bil­der von mir (CC BY-NC-SA)
Pres­se­fo­to Neu­roSky Mind­Wave Copy­right Neu­roSky
Screen­shot Soft­ware zu Mind­Wave Copy­right Neu­roSky & home of atten­ti­on
Bild »Info­ta­fel zum DSP« von mir, CC BY-NC-SA

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AutorIn: Stefan Holzhauer

Meist harm­lo­ser Nerd mit natür­li­cher Affi­ni­tät zu Pixeln, Bytes, Buch­sta­ben und Zahn­rä­dern. Kon­su­miert zuviel SF und Fan­ta­sy und schreibt seit 1999 online dar­über.

4 Kommentare for “Spiel 2011 in Essen – zwischen Superlativen und Enttäuschungen”

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lecontre

sagt:

Inter­es­sant und gut geschrie­ben!
Aber was soll das (!) hin­ter Sauer­land? Willst du damit etwa andeu­ten, das Sauer­land ver­die­ne kei­ne eige­ne Mono­po­ly Edi­ti­on? Weil es viel­leicht zu KLEIN ist? Oder zu HINTERWÄLDLERISCH?? Na???

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Stefan Holzhauer

sagt:

… ich über­las­se die Inter­pre­ta­ti­on dem Leser … :o)

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Joh.Lummel

sagt:

Das The­ma »RepRap« ver­fol­ge ich auch schon seit über einem Jahr, spe­zi­ell auch unter die­sem Gesichts­punkt Spiel­fi­gu­ren und Mate­ri­al – zB. auch für Pen&Paper (oder EWS :-)) selbst erstel­len zu kön­nen. Lei­der hat auch mich der noch rela­tiv hohe Anschaf­fungs­preis (selbst unter dem Aspekt des Selbst­bau) abge­schreckt.
Viel­leicht fin­det (s)ich ja eine Käu­fer­ge­mein­schaft, dass sich die Kos­ten etwas redu­zie­ren… ein Pro­jekt für 2012.

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Stefan Holzhauer

sagt:

Alter­na­tiv kann man sich bis dahin viel­leicht auch mal anse­hen, was i.Materialize oder Shape­ways anbie­ten. Wobei die laut Hei­se gera­de die Prei­se für klei­ne Ein­zel­stü­cke erhöht haben… :(

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