OUIJA – Spiel nicht mit dem Teufel

Poster OUIJAOUIJA – Bun­desstart 22.01.2015

Erfun­den wurde das später auch Hex­en­brett benan­nte Oui­ja als lau­niges Gesellschaftsspiel. Wenn im Film von einem »antiken Oui­ja« die Rede ist, sollte es eher anti­quar­isch heißen, denn erst 1890 wurde es zum Patent angemeldet. Und zu diesem Zeit­punkt besaß es noch kein­er­lei para­nor­malen Bezug. Als die zehn­jähri­gen Laine und Deb­bie im Kinderz­im­mer mit einem alten Brett spie­len, glauben sie durch das zum Brett gehörende Planchette tat­säch­lich einen Geist zu sehen, der sich allerd­ings als Laines Schwest­er her­aus stellt. Aber genau so funk­tion­iert eigentlich das Spiel, dass man sich in ein­er Art kollek­tiv­en Unter­be­wusst­sein die Botschaften selb­st schreibt, ohne es zu bemerken. Erst Jahre nach sein­er Erfind­ung brachte man das Oui­ja mit dem Übersinnlichen in Verbindung, was sich über die Zeit nicht nur ver­stärk­te, son­dern das Spiel als eine Art Verbindung zu der Welt der Geis­ter und Dämo­nen regel­recht man­i­festierte. Wie auch Deb­bie sechs Jahre später in Erfahrung brin­gen muss, als sie das schon vergessene Brett beim Putzen auf dem Dachbo­den find­et. Denn was die Mäd­chen vor Jahren aus Jux und Tollerei began­nen, fordert nun seinen Trib­ut.

Eigentlich war Stiles White bei den Stan Win­ston Stu­dios zuhause, wo er die Pro­duk­tion von Spe­cial Effects leit­ete. Allerd­ings ist das schon wieder 13 Jahre her. In dieser Zeit hat er zum Beispiel mit Juli­et Snow­den am Drehbuch zu dem weniger überzeu­gen­den Nicholas Cage-Knüller KNOWING gear­beit­et. Für die bei­den muss es den­noch eine frucht­bare Verbindung gewe­sen sein, weil sich White ger­ade für sein Regie-Debüt wieder mit Snow­den zusam­men tat. Auch für DoP David Emmerichs ist es das Debüt als ver­ant­wortlich­er Kam­era­mann. Diesen Kom­po­nen­ten ver­dankt man ganz klar das Beste, mit dem OUIJA überzeu­gen kann. Das ist seine klare Bildgestal­tung, die klas­sis­che Beleuch­tung, und eine Szenen-Auflö­sung die für mod­ernes Pop­corn-Kino ungewöhn­lich gewor­den ist. Ger­ade in den bei­den Ein­gangsse­quen­zen schafft diese Rück­kehr zu tra­di­tionellen Sehge­wohn­heit­en eine über­raschend dichte Atmo­sphäre. Die nicht zu lan­gen, aber län­geren, Ein­stel­lun­gen führt, die das Pub­likum mit ein­er sich steigern­den Erwartung­shal­tung zu binden ver­ste­ht.

(SPOILER) Was OUIJA dann doch als beson­deren Hor­ror­film scheit­ern lässt, sind seine kon­ven­tionellen Stan­dards. Da ist die Auswahl an berech­net unter­schiedlichen Charak­tere, wie die der Unschuldigen, des Besonnenen, der Freizügi­gen, des Rebellen, und der Heldin. Und dann ist da eine kon­stru­ierte Hand­lung, die sich selb­st im Weg ste­ht. Funk­tion­iert das Grusel-Szenario her­vor­ra­gend, tut es das eigentliche Konzept nicht. Wer sich unter­hal­ten lassen will, ist hier gut aufge­hoben. Wer sich allerd­ings gerne mit Fil­men tiefer­ge­hend auseinan­der­set­zt, wird viel zu viel Fra­gen stellen, die kaum beant­wortet wer­den kön­nen. Grundle­gend muss man in Frage stellen, für was der Geist das Oui­ja über­haupt benötigt. Natür­lich ist das Brettspiel der zen­trale Hand­lungspunkt, und genau darum kreisen auch all seine Ele­mente der Geschichte. Doch ob das alles stim­mig ineinan­der greift, oder nur eine Abfolge von guten Ideen ist, die sin­nentleert zusam­men gefügt wur­den, unter­bricht ständig die grund­sät­zlich gut getrof­fene Atmo­sphäre. Da ist das immer wieder in allen Hor­ror­fil­men ver­wen­dete Span­nungse­le­ment, dass Fig­uren in eigentlichen All­t­agssi­t­u­a­tio­nen sofort unl­o­gisch her­beigedacht­es Unheil ver­muten. Ein Charak­ter unter­quert am hel­l­licht­en Tag eine öffentlich zugängliche Fußgängerun­ter­führung, hört dabei ein Geräusch, und erstar­rt sofort in ängstlich­es Mis­strauen, mit dem wein­er­lichen Ruf eines fra­gen­den »Hal­lo«. Dass diese Fig­ur in besagter Szene dann auch noch eine Taschen­lampe aus der Tasche zieht, weil man am hel­l­licht­en Tage eben eine Taschen­lampe mit sich herum trägt, macht die Atmo­sphäre der Szene nicht real­is­tis­ch­er.

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OUIJA hat in seinem Kern sehr viel Poten­tial. Seine jun­gen, frischen Gesichter sind ihren Auf­gabe dur­chaus gewach­sen. Sym­pa­thisch und überzeu­gend sind Olivia Cooke, Ana Coto, oder Daren Kaga­soff, aber auch der Rest des Ensem­bles. Lei­der ver­mag es kein­er von ihnen, sich aus dem Geflecht der viel zu kon­stru­ierten Hand­lung her­auszuschälen. So ist Laines Schwest­er Sarah tat­säch­lich unfrei­willig in die Geschichte hineinger­at­en, und es macht auch keinen Sinn, sie in diesem Spiel zu belassen, was ihre ältere Schwest­er in Anbe­tra­cht der Sit­u­a­tion sehr schnell erken­nen müsste. Und es stellt sich zudem die Frage, wie ein bes­timmter Geist aus­gerech­net in ein­er son­st auswe­glosen Sit­u­a­tion plöt­zlich zu mate­ri­al­isieren ver­mag, nur damit er als über­raschen­des Ele­ment erscheinen kann, ohne dass dieses Erscheinen wirk­lich zu begrün­den wäre. Zu viel gewollt, zu wenig nachgedacht. Dass OUIJA unter­hal­tendes und wirk­lich orig­inelles Poten­tial hat, beweist er immer und immer wieder, um es dann in sein­er endgülti­gen Insze­nierung in Grund und Boden zu stampfen. (SPOILER ENDE)

Eli­jah Bond hat das Gesellschaft­spiel 1890 erfun­den und paten­tieren lassen. Ein Patent, welch­es William Fuld nur ein Jahr später aufkaufte und damit ein Ver­mö­gen machte. Aber kein­er von bei­den hätte sich all die Auswüchse vorstellen kön­nen, welch­es ihr lau­niges Gesellschaftsspiel her­bor­brin­gen würde. Mit ihrem Film haben es die Mach­er ganz anders gese­hen. Für sie war ein Erfolg pro­gram­miert, was die Ein­spiel­ergeb­nisse zu bestäti­gen scheinen. Allerd­ings nicht son­der­lich gerecht­fer­tigt. Doch wie man in der Insze­nierung schnell erken­nen kann, hat man in weis­er Voraus­sicht eine eventuelle Fort­set­zung in die Hand­lung einge­woben. Und Bradley Fuller hat die Pro­duk­tion eines zweit­en Teiles bere­its bestätigt. Lei­der ist in unser­er heuti­gen Zeit kein Oui­ja mehr nötig, um solche Entwick­lun­gen vorauszuse­hen. Ein­spiel­ergeb­nisse und Reak­tio­nen von Zuschauern und Kri­tik­ern sind zwei völ­lig unter­schiedliche Felder auf einem Brettspiel. So bleibt die Hoff­nung, dass die Umset­zung von Teil zwei einen glaub­würdi­geren Weg inner­halb dieser Welt ein­schla­gen wird. Denn: Hand aufs Herz, wer ver­weigert sich wirk­lich ein­er Fort­set­zung, wenn ihm ein erster Teil auf den Magen geschla­gen hat, aber die Möglichkeit­en dur­chaus aufge­fall­en waren?

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OUIJA – SPIEL NICHT MIT DEM TEUFEL
Darsteller: Olivia Cooke, Ana Coto, Daren Kaga­soff, Bian­ca A. San­tos, Dou­glas Smith, Shel­ley Han­nig u.a.
Regie: Stiles White
Drehbuch: Juli­et Snow­den, Stiles White
Kam­era: David Emmerichs
Bild­schnitt: Ken Black­well
Musik: Anton Sanko
Pro­duk­tions­de­sign: Jere­my Woolsey
89 Minuten
USA  2014
Bil­drechte: Uni­ver­sal Pic­tures Inter­na­tion­al

AutorIn: Bandit

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