IM REICH DER AFFEN

Poster Im Reich der AffenMONKEY KINGDOM – Bun­des­start 10.09.2015

Maya lebt im archäo­lo­gi­schen Park der Stadt Polon­na­ru­wa auf Sri Lan­ka. Sie lebt auf der unters­ten Stu­fe ihrer Kas­te, was einen täg­li­chen Nah­rungs­kampf bedeu­tet. Nur Raja und sei­nen drei Frau­en, sowie deren Kin­dern, ist es erlaubt in den obers­ten Zwei­gen des Bau­mes die bes­ten und meis­ten Früch­te zu fres­sen. Maya ist ein Cey­lon-Hutaf­fe, eine Maka­kenart, die in einer sehr stren­gen Sozi­al­hier­ar­chie leben. Und so ist sich Maya auch bewusst, nie­mals von den obers­ten Zwei­gen fres­sen zu dür­fen. IM REICH DER AFFEN erzählt Mayas beschwer­li­chen Weg, und wie sie ihn meis­tert. Es ist die drit­te Zusam­men­ar­beit von Mark Lin­field und Alasta­ir Fotherg­ill in der jetzt zehn Tei­le umfas­sen­den Doku-Rei­he »Dis­ney­na­tu­re«. Eine Zusam­men­ar­beit, die hof­fent­lich noch vie­le wei­te­re rei­fe Früch­te tra­gen wird.

Über drei Jah­re haben sich zehn Kame­ra­teams, unter Lei­tung von Gavin Thur­s­ton, bei den Cylon-Hutaf­fen in Polon­na­ru­wa auf­ge­hal­ten. Und der erfah­re­ne Tier­fil­mer hat atem­be­rau­ben­de Bil­der ein­fan­gen las­sen. Bil­der, die fast schon eine Selbst­ver­ständ­lich­keit bei Dis­ney­na­tu­re bil­den, aber immer noch weit über den Stan­dards ande­rer Tier­fil­me lie­gen. Dis­ney­na­tu­re fes­tigt hier sei­nen Ruf, der bereits mit Kino­le­gen­den wie DIE WÜSTE LEBT von 1953 gegrün­det wur­de.

Zuerst glaubt Maya an einen Sil­ber­streif, der Kumar heißt. Ein vor­wit­zi­ger Bur­sche, der wenig mit sozia­len Hier­ar­chi­en anfan­gen kann. Doch kaum ist sich das Paar näher gekom­men, wird Kumar genau aus die­sem Grund von Raja und sei­nem Gefol­ge ver­trie­ben. Die Zukunft trübt sich nun für Maya noch düs­te­rer. Auf sich allein gestellt wird es kaum mög­lich sein, ihren Nach­wuchs Kip sicher auf­zu­zie­hen. Und hier kommt das beson­de­re Geschick der Fil­me­ma­cher Lin­field und Fotherg­ill in Zusam­men­ar­beit mit Cut­ter Andy Net­ley zum tra­gen, der auch BÄREN und SCHIMPANSEN geschnit­ten hat. Natür­lich hat IM REICH DER AFFEN, wie sei­ne Vor­gän­ger auch, eine künst­lich erzeug­te Dra­ma­tur­gie. The­ma­tisch ver­fol­gen die­se Fil­me auch eine ähn­li­che Struk­tur. In ers­ter Linie geht es um Kin­der, wie sie beschützt wer­den müs­sen, und wie sie in die­se, ihre eige­ne, Welt fin­den. Die wah­re Kunst ist nun, aus dem vor­han­de­nen Mate­ri­al eine Geschich­te zu bas­teln, die nicht ein­fach nur doku­men­tiert, son­dern auch fil­mi­schen Span­nungs­bö­gen folgt.

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Die Macher fin­den stets die im eigent­li­chen Sin­ne mani­pu­la­ti­ven Bil­der, um eine per­fek­te, die Hand­lung erzäh­len­de Wir­kung zu errei­chen. Wenn Maya ihren Kip schüt­zend an ihre Brust drückt, kann das eine voll­kom­men aus dem Zusam­men­hang geris­se­ne Situa­ti­on sein. In der rich­ti­gen Schnitt­fol­ge und dem erklä­ren­den Off-Kom­men­tar, ent­wi­ckelt sich dar­aus eine zu Her­zen gehen­de Geschich­te. Dass die­se Geschich­te durch und durch kon­stru­iert ist, wird aller­dings kei­nen Zuschau­er auch nur im ent­fern­tes­ten stö­ren. Denn hier greift die Film­kunst in ihrer Gän­ze. Ton, Schnitt, Tem­po, dazu sym­pa­thi­sche »Dar­stel­ler«. Die Geschich­te ist per­fekt, und sie bleibt zudem durch­weg glaub­wür­dig.

Die Pro­duk­ti­on hät­te aller­dings ger­ne auf die ver­wen­de­ten Lie­der ver­zich­ten kön­nen, die über­haupt nicht zum Ton die­ser Doku­men­ta­tio­nen pas­sen. Har­ry Greg­son-Wil­liams’ Sound­track ist stim­mungs­voll und ein­fühl­sam genug, um die Dra­ma­tik pas­send zu unter­stüt­zen. Unge­wöhn­lich für die­se Rei­he auch, dass man die Tie­re mit dem Umfeld der Men­schen kon­fron­tiert, und sie dar­in agie­ren lässt. Aber letzt­end­lich tut es dem Film auch gut, und macht ihn ehr­li­cher. Auch wenn es anfäng­lich nicht stim­mig zu sein scheint, und irgend­wie zuerst vom Fluss der Erzäh­lung ablenkt. Doch haben die Macher auch hier einen beson­de­ren Kniff ange­wen­det, indem man Men­schen nur unscharf wahr­nimmt, ihre schimp­fen­den Stim­men nur unver­ständ­lich klin­gen, oder erkenn­ba­re Gesich­ter extrem kurz zeigt und in der Tota­len des Bild­aus­schnit­tes ver­schwin­den lässt.

Ist  IM REICH DER AFFEN in ers­ter Linie ein Stück Unter­hal­tung, birgt er den­noch einen nicht uner­heb­li­chen Teil von inter­es­san­tem Wis­sen. War es doch schon Walt Dis­neys Ansin­nen, Infor­ma­tio­nen spie­le­risch zu ver­mit­teln. Dis­ney­na­tu­re hat die­ses Erbe per­fekt auf­ge­nom­men. Die ein­zel­nen Fil­me mögen ihre qua­li­ta­ti­ven Uneben­hei­ten haben, aber die Attri­bu­te unter­halt­sam, lehr­reich, kurz­wei­lig, und teil­wei­se atem­be­rau­bend, tref­fen auf alle zu. Und IM REICH DER AFFEN reiht sich hier makel­los ein.

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IM REICH DER AFFEN – MONKEY KINGDOM
Spre­cher in der Ori­gi­nal­fas­sung: Tina Fey
Regie: Mark Lin­field, Alasta­ir Fotherg­ill
Kame­ra: Gavin Thur­s­ton
Bild­schnitt: Andy Net­ley
Musik: Har­ry Greg­son-Wil­liams
81 Minu­ten
USA 2015
Pro­mo­fo­tos Copy­right Walt Dis­ney Stu­dio Moti­on Pic­tures

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AutorIn: Stefan Holzhauer

Meist harm­lo­ser Nerd mit natür­li­cher Affi­ni­tät zu Pixeln, Bytes, Buch­sta­ben und Zahn­rä­dern. Kon­su­miert zuviel SF und Fan­ta­sy und schreibt seit 1999 online dar­über.

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