Fantasy Film Fest 2014 – 13 SINS

Poster 13 Sins13 SINS – ab 9. Okto­ber in Deutsch­land auf Blu­Ray & DVD

Nichts treibt den Ame­ri­ka­ner mehr an, als ein erfolg­rei­cher und zudem sehr ori­gi­nel­ler Film aus dem asia­ti­schen Raum. Daher ist es ver­wun­der­lich, dass die thai­län­di­sche Pro­duk­ti­on 13: GAME OF DEATH tat­säch­lich acht Jah­re benö­tig­te, um eine ame­ri­ka­ni­sche Zweit­ver­wer­tung zu fin­den. Wie immer sind sol­che Pro­jek­te gera­de in Fan-Krei­sen sehr umstrit­ten. Nur weni­ge Adap­tio­nen von asia­ti­schen Fil­men fin­den Zustim­mung. Das ist natür­lich auch den Puris­ten geschul­det, die so etwas grund­sätz­lich ableh­nen, ohne den pro­duk­ti­ons­tech­ni­schen Ver­gleich objek­tiv zu zie­hen. Doch die fff2014Wirk­lich­keit sieht eben ein­fach etwas anders aus, egal wie wider­sin­nig man über Remakes dis­ku­tie­ren mag. Der Ame­ri­ka­ner sieht sich kei­ne Fil­me mit Unter­ti­teln an, und er schaut auch kei­ne Fil­me die syn­chro­ni­siert sind. Das betrifft den Durch­schnitt von Kino­gän­gern. Es ist eigent­lich nur eine logi­sche Kon­se­quenz, dass man einen guten Stoff zwangs­läu­fig mit dem ent­spre­chen­den Per­so­nal neu ver­fil­men muss. Rich­tig begon­nen hat das mit RINGU und dem ame­ri­ka­ni­schen Äqui­va­lent THE RING, wo die Umset­zung für ein »west­li­ches Publi­kum« noch funk­tio­nier­te. Wie es bei 13 SINS aus­sieht, dar­über kön­nen sich selbst­er­nann­te Kri­ti­ker und Kunst­ex­per­ten gegen­sei­tig die Köp­fe ein­schla­gen. Doch ist 13 SINS für sich gese­hen ein gelun­ge­ner Film?

Elli­ot Brind­le glaubt sich auf der Über­hol­spur. Job, Ehe, und aus­ste­hen­des Kind. Doch es gibt Mäch­te, die war­ten genau auf die­sen Typ von ver­meint­li­chem Gewin­ner. Als uner­war­tet der Job weg­bricht, wie es trau­ri­ge Tra­di­ti­on in Ame­ri­ka hat, steht auf ein­mal auch die Fami­lie in Fra­ge, und ist in Gefahr. Und dann surrt auf ein­mal des Smart­pho­ne, und eine ein­dring­li­che Stim­me macht dich dar­auf auf­merk­sam, dass mit jeder noch so absurd gestell­ten Auf­ga­be dein Kon­to­stand auf das Uner­mess­li­che anstei­gen wird. Wer immer der Anru­fer auch sein mag, er muss über­all Augen haben, und mit ihm schau­en wohl auch noch unend­lich vie­le ande­re Voy­eu­ris­ten bei die­sen unsäg­li­chen Auf­ga­ben zu. Was mit merk­wür­dig ein­fa­chen Auf­ga­ben­stel­lun­gen beginnt, wie zum Bei­spiel eine Flie­ge zu essen, was immer­hin meh­re­re tau­send Dol­lars bringt, stei­gert sich selbst­ver­ständ­lich ins Absur­de. Elli­ot Brind­le wird an die­sem Abend nicht nur einem Obdach­lo­sen die Iden­ti­tät abkau­fen, son­dern einem gut bezahl­ten Opfer sogar den Arm ampu­tie­ren. Für Geld lässt sich eben alles ermög­li­chen. Es sind drei­zehn Auf­ga­ben, die Elli­ot Brind­le erle­di­gen muss, und der vom Leben gebeu­tel­te jun­ge Mann fin­det auch noch zuneh­mend Gefal­len dar­an, egal wie wider­lich und gefähr­lich sich die­se Her­aus­for­de­run­gen geben. Doch dann gibt es eben noch die letz­te, die drei­zehn­te Auf­ga­be. Die­se invol­viert Men­schen, die Elli­ot Brind­le nie in die­sem per­ver­sen Spiel ver­mu­tet hät­te.

13 SINS ist ein leid­li­cher Thril­ler, der sich immer wie­der mit sei­nen Mög­lich­kei­ten zurück­hält. Das betrifft natür­lich haupt­säch­lich die blu­ti­gen Schau­wer­te. Es könn­te ohne wei­te­res zu einem voll­kom­men über­ra­schen­den Blut­bad aus­ar­ten, aber Regis­seur Dani­el Stamm hat sich dann doch mehr dem Thril­ler-Gen­re ver­schrie­ben. So gene­riert sich ein ver­meint­li­ches Hor­ror-Sze­na­rio zu einem psy­cho­lo­gi­schen Thril­ler, wel­ches den Zuschau­er vor­her längst in eine ande­re Rich­tung gelenkt hat­te. Mit einem Mal funk­tio­niert weder der Thril­ler noch der Slas­her. Dass die ers­ten zwan­zig Minu­ten rein rei­nes Dra­ma-Pro­fil besit­zen, wirkt eben­falls gegen einen ein­neh­men­den Ver­lauf des Films. Von alle drei Rich­tun­gen gibt es schlicht­weg zu wenig, um den Film dann auch dar­an fest­zu­ma­chen. Grund­sätz­lich ist 13 SINS ein gut gespiel­ter, und auch tadel­los insze­nier­ter … Thril­ler? Hor­ror-Film? Man kann sich schlecht fest­le­gen, aber es bleibt ein unter­halt­sa­mer Film. Ja, das ist natür­lich etwas zu wenig. Denn eine ein­heit­li­che Struk­tur ist in jedem Gen­re  von Nöten, um die Span­nung zu hal­ten. Aber wenn man gelacht hat, sich unter­hal­ten fühl­te, viel­leicht auch über­rascht wur­de, was bleibt dann von einem Film, der wesent­lich mehr ver­spro­chen hat, und nichts davon hielt?

13sins

13 SINS
Dar­stel­ler: Mark Web­ber, Devon Graye, Tom Bower, Ruti­na Wes­ley, Ron Perl­man, Pruitt Tay­lor Vin­ce, Cly­de Jones, Tom Law­son Jr., Dene­en Tyler u.a.
Regie: Dani­el Stamm
Dreh­buch: David Bir­ke, Dani­el Stamm, nach dem Film von Choo­ki­at Sak­veer­a­kul & Eaka­sit Thai­rata­na
Kame­ra: Zol­tan Hon­ti
Bild­schnitt: Shil­pa Sahi
Musik: Micha­el Wand­ma­cher
Pro­duk­ti­ons­de­sign: James A. Gel­ar­den
93 Minu­ten
USA 2014

Bild­rech­te: Anchor Bay Enter­tain­ment

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AutorIn: Stefan Holzhauer

Meist harm­lo­ser Nerd mit natür­li­cher Affi­ni­tät zu Pixeln, Bytes, Buch­sta­ben und Zahn­rä­dern. Kon­su­miert zuviel SF und Fan­ta­sy und schreibt seit 1999 online dar­über.

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