Das neue YPS – mit Gimmick, aber leider ohne Inhalt

Wenn man hört, dass ein Maga­zin neu auf­ge­legt wer­den soll, mit dem man gro­ße Tei­le der Kind­heit ver­bracht hat, dann ist man schon allein aus rein nost­al­gi­schen Grün­den erst ein­mal erfreut – auch wenn man weiß, dass der letz­te Reinkar­na­ti­ons­ver­such auf­grund man­geln­den Käu­fer­in­ter­es­ses geschei­tert ist. Ers­te Beden­ken beschli­chen mich dann aller­dings bereits, als ich das Kon­zept ver­nahm: dies­mal soll­te das YPS auf Erwach­se­ne aus­ge­rich­tet wer­den, Ziel­grup­pe laut Ver­lag die 30- bis 45-Jäh­ri­gen (also die frü­he­ren Leser), mit Gim­mick, aber auch zu die­sen Lesern pas­sen­den Arti­keln.

Als ich das Rezen­si­ons­ex­em­plar dann las, war ich anfangs fast noch bereit, an eine Selbst­per­si­flie­rung zu glau­ben, aber je wei­ter ich im Maga­zin kam, des­to mehr frag­te ich mich, ob man mich für dumm ver­kau­fen will. Oder ob die Redak­ti­on ernst­haft der Ansicht ist, die Arti­kel im neu­en YPS könn­ten die Ziel­grup­pe auch nur ansatz­wei­se zufrie­den stel­len.

Über die Urzeit­kreb­se will ich mal kaum wei­te­re Kom­men­ta­re ver­lie­ren, die sind als DAS Gim­mick aller Zei­ten sicher gut gewählt und zur Not kann man die Sali­nen­kreb­se an sei­ne Zier­fi­sche ver­füt­tern.
Beim Inhalts­ver­zeich­nis ist man noch arg­los und auch die schlag­licht­ar­ti­ge Beleuch­tung der Geschich­te des Maga­zins YPS ist ganz unter­halt­sam. Doch dann kommt der ers­te Tief­punkt: getürk­te Klein­an­zei­gen, die mög­li­cher­wei­se lus­tig sein sol­len, aller­dings lei­der maxi­mal Per­so­nen mit einem IQ nahe am Ver­kaufs­preis zum Grin­sen brin­gen kön­nen.
Die Gebrauchs­an­lei­tung für die Urzeit­kreb­se ist äußerst dünn und es feh­len jeg­li­che Hin­ter­grund­in­for­ma­tio­nen zu den Vet­tern der Sea Mon­keys, wie es wei­land im YPS üblich war. Hier wäre die ers­te Mög­lich­keit für einen infor­ma­ti­ven Arti­kel gewe­sen, der ernst­haf­ten Back­ground zum Gim­mick bie­tet, war­um dar­auf kom­plett ver­zich­tet wird, ist mir schlei­er­haft. Aller­dings wäre dafür Recher­che not­wen­dig gewe­sen und wie wir im spä­te­ren Ver­lauf die­ser Rezen­si­on sehen wer­den, hat man es damit bei der Redak­ti­on nicht so.

Halb­wegs inter­es­sant dann eine Dop­pel­sei­te mit Tech­nik-Gad­gets, von denen aller­dings jemand, der nicht die letz­ten 20 Jah­re in einer Höh­le auf dem Mond ver­bracht hat, bereits die meis­ten aus dem Netz ken­nen dürf­te. Dabei gibt es zahl­lo­se wirk­lich coo­le und vor­stel­lungs­wür­di­ge »Gim­micks« da drau­ßen, die den Nerd erfreu­en wür­den. Doch auch hier – wie so oft im Heft – erweckt die Aus­wahl den Ein­druck, als habe man »mal schnell« was zusam­men gesucht.

»Nerd« ist ein gutes Stich­wort. Die wären die rich­ti­ge Ziel­grup­pe für die Neu­auf­la­ge des YPS gewe­sen. Mit einer Mischung aus Com­pu­ter­the­men, Gad­gets und sons­ti­gem Nerd­kram (Musik, eBook, Spie­le) sowie zusätz­li­chen beglei­ten­den Arti­keln auf einem gewis­sen Intel­li­genz­ni­veau hät­te das YPS was wer­den kön­nen, nicht jedoch mit einer lieb­lo­sen Zusam­men­stel­lung, bei der man sich auf den meis­ten Sei­ten fragt, ob die Macher den Leser wirk­lich für so dumm hal­ten und ob für das Zusam­men­schrei­ben der Arti­kel mehr als fünf Minu­ten drauf gegan­gen sind.

Das Inter­view mit dem YINNI & YAN-Schöp­fer Hans Kör­ner ist knapp wie vie­le ande­re Inhal­te des Hefts und wirkt ob sei­ner äußerst kur­zen Ent­geg­nun­gen, als habe der Befrag­te eigent­lich gar kei­nen Bock gehabt, zu ant­wor­ten. Das macht einen höchst eigen­ar­ti­gen Ein­druck und es wäre viel­leicht bes­ser gewe­sen, man hät­te dar­auf ver­zich­tet. Statt­des­sen sieht sich der Leser durch Ant­wor­ten wie »egal« damit kon­fron­tiet, dass er Kör­ner völ­lig egal zu sein scheint.
Beim »fri­schen Mate­ri­al für erwach­se­ne Comic-Fans« will ich mal nicht mau­len, das ist sowie­so Geschmacks­sa­che, hier stößt man aller­dings auch zum ers­ten Mal auf ein wei­te­res Pro­blem, das sich durch das Heft zieht: künst­li­ches Auf­bla­sen der Sei­ten­zahl durch ganz­sei­ti­ge Illus­tra­tio­nen. Dage­gen wäre nichts ein­zu­wen­den, wenn die Illus dafür gemacht wären. Sind sie aber nicht, die hät­ten ohne Pro­ble­me klei­ner abge­bil­det wer­den kön­nen, und die Hand­ha­bung erweckt den Ein­druck, es sei tat­säch­lich nur ums Sei­ten schin­den gegan­gen. Sinn­vol­le Grün­de, war­um ein­zel­ne Ruthe- oder Nicht Lus­tig-Car­toons ganz­sei­tig wie­der­ge­ge­ben wer­den müs­sen, kann ich nicht erken­nen.
Das ZOM­BILL­EN­NI­UM-Comic hat ein ähn­li­ches Pro­blem wie spä­ter auch ande­re Comics in die­sem YPS: an der zu klei­nen Schrift der Sprech­bla­sen kann man erken­nen, dass die­ses ursprüng­lich für grö­ße­re Sei­ten kon­zi­piert war und zuguns­ten eines brei­ten Ran­des ver­klei­nert wur­de. War­um man die­sen über­flüs­si­gen Rand unbe­dingt brauch­te? Kei­ne Ahnung, mei­ne Ant­wort wäre: hät­te man nicht benö­tigt und in pas­sen­der Grö­ße wären die Comics deut­lich bes­ser les- und erkenn­bar gewe­sen. Aber viel­leicht bin ich auch nur kurz­sich­tig – wie wahr­schein­lich grö­ße­re Tei­le der Ziel­grup­pe auch.

Dem Arti­kel, ob und wie man heu­te noch Geheim­agent wer­den kann, möch­te ich mich im Sin­ne mei­ner Leser nicht wei­ter wid­men, denn auch der ist der­art platt (und recher­chefrei), dass ich Gefahr lau­fe, in Fäkal­in­ju­ri­en abzu­glei­ten. Nicht ganz so schlimm der Bei­trag zum The­ma Fos­si­li­en­fun­de in Deutsch­land, aller­dings bleibt auch der weit hin­ter sei­nen Mög­lich­kei­ten zurück und krankt an der in fast allen Arti­keln vor­zu­fin­de­nen flap­si­gen Spra­che und den ver­zwei­felt anmu­ten­den Ver­su­chen, Bezie­hun­gen zu den alten YPS-Hef­ten her­zu­stel­len.

Dann end­lich mal was ganz Unter­halt­sa­mes und nicht zu Plat­tes: der Bericht des Aben­teu­rers Rüdi­ger Neh­berg; man hat aller­dings auch hier den Ein­druck, dass man ihn vor­her gebe­ten hat, er möge nicht zu sehr in die Tie­fe gehen.

Gefreut hat­te ich mich als alter Retro-Fan, als ich im Inhalt­ver­zeich­nis einen Arti­kel zum The­ma Video­kon­so­len und Home­com­pu­ter in den 1980ern ent­deck­te. Nach dem vor­her­ge­hen­den Inhalt freu­te ich mich schon nicht mehr, ahnend was kom­men muss. Auch wenn das Geschrie­be­ne nicht gar so grot­tig ist, wie manch ande­rer Teil des Hef­tes, ver­sam­melt er sich an All­ge­mein­plät­zen, ohne wirk­lich Inter­es­san­tes oder gar Neu­es vor dem Leser aus­zu­brei­ten. Jemand, der sich mit dem The­ma aus­kennt, muss müh­sam das Gäh­nen unter­drü­cken und selbst ein halb­wegs unbe­darf­ter Leser dürf­te das Meis­te bereits gewusst haben. Sprecht mir nach: es fehlt Recher­che. Seufz. War­um tue ich mir das eigent­lich an?

Als nächs­tes: Gegen­über­stel­lung von Autos aus den 1980ern und heu­te. Ohne gro­ße wei­te­re Infor­ma­tio­nen. Gähn. Dazu der Hin­weis, dass man im Stau anhand von Num­mern­schil­dern Städ­te raten kann. Nein, im Ernst? Bahn­bre­chend! Kann man sich das noch paten­tie­ren las­sen, oder gehört das schon Apple? Inter­view mit Schwim­mer Micha­el Groß. Ach? Den gibt´s noch? Inter­es­siert wen, dass der jetzt im »Coa­ching« tätig ist? Vier Sei­ten Zau­ber­tricks die schon jeder kennt. Ich stump­fe lang­sam ab.

Acht Sei­ten nicht als Wer­bung dekla­rier­te Modere­kla­me für hoch­prei­si­ge Mar­ken-Kla­mot­ten mit Yps, Kas­par, Patsch und Wil­ly. Auch hier wie­der gna­den­lo­se Sei­ten­schin­de­rei. Dann Wer­bung für DMAX, die eben­falls nicht als sol­che gekenn­zeich­net ist. Ein Fra­ge­bo­gen, wie mir das YPS gefal­len hat. Das beant­wor­te ich mal bes­ser nicht, wenn ich kei­ne Kla­ge wegen Belei­di­gung am Hals haben möch­te, außer­dem habe ich eine Erzie­hung genos­sen.

Zum Schluss fol­gen Nost­al­gie-Comics aus alten YPS-Hef­ten. An ers­ter Stel­le YINNI + YAN, dann ein ein­sei­ti­ges Panel mit Kän­gu­ru Yps und Co, als letz­tes HOMBRE. Dage­gen ist in Sachen Erin­ne­rung nichts ein­zu­wen­den, auch wenn YINNI und YAN sowie YPS und sei­ne Freun­de sicher nicht gera­de erwach­se­ne Leser anspre­chen. Aber wie gesagt: das kann man als Erin­ne­rung an alte YPS-Zei­ten durch­ge­hen las­sen. Beim in schwarz-weiß daher kom­men­den HOMBRE wie­der das wei­ter vor­ne bereits bespro­che­ne Pro­blem der zu klei­nen Dar­stel­lung, auch hier hät­te man ein­fach den über­flüs­si­gen und über­gro­ßen Rah­men weg­las­sen kön­nen. Ansons­ten ist der Clas­sic-Comic-Teil wohl der­je­ni­ge, an dem man am Wen­gis­ten aus­set­zen kann

Mal im Ernst: das Meis­te davon ist inhalt­lich so dumm und/oder platt, dass ich mich als Leser per­sön­lich belei­digt füh­len soll­te. Das Niveau auf wei­ten Stre­cken der­art sub­ter­ran, dass man es erst in der Nähe des Erd­kerns fin­den dürf­te. Wenn das eine Per­si­fla­ge sein soll­te, dann zün­det sie nicht. Ich pro­phe­zei­he der Neu­auf­la­ge kein lan­ges Leben, wenn wei­ter­hin ver­sucht wird, eine erwach­se­ne Ziel­grup­pe mit der­art dumm-infan­ti­len Inhal­ten zu ver­sor­gen.

Die Lösung wäre ein­fach: Nerds und Geeks als Ziel­grup­pe (davon gibt es heu­te zuhauf für einen hin­rei­chen­den Absatz – und ande­re kau­fen das Ding garan­tiert auch) und bei den Arti­keln einer­seits deut­lich mehr sach­li­chen Inhalt, grund­le­gen­de, oder noch bes­ser, aus­führ­li­che Recher­che und the­ma­ti­sche Cool­ness über dump­fe Kli­schees und ver­zwei­fel­tes Ein­bau­en von Bezie­hun­gen zu alten YPS-Hef­ten hin­aus. Viel mehr neue Comics, die wie bei ZOMBILLENNIUM über ein paar Ein­zel­pa­nels hin­aus gehen und die nicht zuguns­ten eines über­flüs­sig gro­ßen Rah­mens ver­klei­nert wer­den – ja, die Lizen­zen kos­ten Geld. Ganz wich­tig: bit­te nicht wei­ter ver­su­chen, in fast schon unver­schämt zu nen­nen­der Wei­se die Leser durch vor­ge­täusch­te Arti­kel ohne sinn­vol­le Inhal­te für dumm zu ver­kau­fen. Wenn die Redak­ti­on ernst­haft der Ansicht ist, mit die­sen zusam­men­ge­schus­ter­ten Bei­trä­gen die anvi­sier­te Ziel­grup­pe zufrie­den stel­len zu kön­nen, dann muss man sich fra­gen, wo die den­ken las­sen und ob sie glau­ben, dass ich abends mit einer Kan­ne Bier sab­bernd vor RTL & Co auf dem Sofa vor mich hin vege­tie­re. Denn so ähn­lich ist das Niveau gro­ßer Tei­le des Maga­zins. Lei­der.

Das neue YPS ist in sei­nem der­zei­ti­gen Zustand kei­ne nost­al­gi­sche Rei­se oder moder­ni­sier­te Zukunft eines klas­si­schen Hef­tes, son­dern eine vier­farb-Alt­pa­pier-Unver­schämt­heit für fast sechs Euro. Immer­hin kann man den Urzeit­kreb­sen beim Wach­sen zuse­hen …

Viel­leicht fehlt mir aber auch ein­fach der Sinn für die­se Art Humor. Wür­de mich dann auch nicht wei­ter stö­ren.

Creative Commons License

Cover YPS Copy­right Egmond Eha­pa-Ver­lag

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AutorIn: Stefan Holzhauer

Meist harm­lo­ser Nerd mit natür­li­cher Affi­ni­tät zu Pixeln, Bytes, Buch­sta­ben und Zahn­rä­dern. Kon­su­miert zuviel SF und Fan­ta­sy und schreibt seit 1999 online dar­über.

2 Kommentare for “Das neue YPS – mit Gimmick, aber leider ohne Inhalt”

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Colin

sagt:

Sind die 5.99 EUR schon hart, schau mal was da auf eBay gera­de abgeht, da es wohl doch ver­mehrt Nach­fra­ge nach den Hef­ten zu geben scheint…und die Auf­la­ge evt. nicht mit­hält. Sofort-Kauf für 25 EUR, Auk­tio­nen ste­hen bei 9 EUR plus Ver­sand bei 6+ Stun­den Lauf­zeit. Ich schüt­tel nur den Kopf.

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