COYOTE VS. ACME – Deutschlandstart am 17.09.2026
Spoilerfrei. Solltet ihr doch welche finden stammen die von ACME.
Die vielleicht wichtigste Frage dieses Films wird darin nicht geklärt: Heißt es »Meep Meep« oder »Beep Beep«? Na gut, wenn man genau hinsieht und hinhört: vielleicht doch.
Eins wird allerdings eindeutig geklärt: Dass man in der Warner-Chefetage offensichtlich größere Mengen an ACME-Lack konsumiert. Anders ist es nicht zu erklären, dass man diesen Film zuerst produziert und dann sang- und klanglos in einem schwarzen Cartoon-Loch verschwinden lässt, wie eine Figur im Film, und ihn zu nutzen, um poplige 30 Millionen Dollar Steuerabschreibungen einzustecken. Das ist nicht nur völlig respektlos gegenüber Schauspieler°innen und allen anderen, die an so einem Projekt mitgewirkt haben, sondern angesichts dessen, was man in diesem Film als Cineast und vielleicht auch als uralter Fan der Looney Tunes geboten bekommt, auch noch so richtig dämlich. Denn dem Vernehmen nach hat in eben dieser Chefetage niemand an den Erfolg dieses Streifens geglaubt.
Angesichts dessen kann man sich nur fragen, was die bei Warner so beruflich machen, mit erfolgreichen Kinofilmen kann das nichts zu tun haben (aber den Eindruck hatte man bei Warner in den letzten Jahren bekanntlich des öfteren).
Denn COYOTE VS. ACME ist ein Kleinod.
Bis heute ist es rätselhaft, wie das eigentlich ziemlich kleine und unbedeutende Studio Ketchup Entertainment in der Lage war, Warner nicht nur zu überzeugen, ihnen die Rechte zu verkaufen, ebenso unklar ist, wie Ketchup das Geld dafür aufbringen konnte. Schaut man allerdings in die Besetzung und sieht John Cena, dann erklärt das vielleicht schon etwas. Noch viel mehr erklärt allerdings, wenn man im Abspann erfährt (oder es bereits vorher wusste), dass James Gunn den Film produziert hat. Derselbe James Gunn, dem Warner die Oberhoheit über die filmischen Ableger der DC Comics übertragen hat und der das Film-Universum umkrempeln und neu aufstellen soll – mir bisher durchwachsenem Erfolg. Ich würde sicher davon ausgehen, dass der bei den merkwürdigen Entwicklungen um COYOTE VS. ACME, der Rettung des Films und der Tatsache, dass wir ihn jetzt doch in den Lichtspielhäusern sehen dürfen, seine Finger im Spiel hatte.
Und die Mächtigen bei Warner stehen jetzt noch viel dümmer da. Nicht nur, weil Warner angeblich eine hundertprozentige Tochterfirma der ACME-Corporation ist, sondern auch deswegen, weil der Streifen, der in den USA bereits seit einiger Zeit läuft, nicht nur die Höhe der Steuerabschreibung eingespielt hat, sondern auch seine Produktionskosten – und von Publikum wie Kritik gefeiert wird.
Und in dieses Feiern muss ich mich einreihen. Für Personen die – wie ich – mit den Looney Tunes und den Eskapaden von Karl dem Coyoten und Road Runner aufgewachsen sind, bedeutet COYOTE VS. ACME eine reine Freude. Der erste Glücksgriff ist dabei bereits, dass man das Vorhandensein von Cartoons in der realen Welt überhaupt nicht erklärt. Das ist einfach so, ähnlich wie damals bei ROGER RABBIT, und das einfach vorauszusetzen und hinzunehmen ist schlichtweg grandios und macht den Film in dieser Form überhaupt erst möglich und gleich noch mal drei Stufen besser. Denn es gibt keine weit hergeholten Erklärungen, man nutz das Setting einfach und geht davon aus, dass die Zuschauerin es akzeptiert. Und natürlich tut die das.
Und dennoch gibt es eindeutige Seitenhiebe auf unsere Welt, denn in den Looney Tunes war ACME eine Firma, die fast ausschließlich durch eben die Buchstaben ACME auf Kartons und Verpackungen in Erscheinung trat. In diesem Film ist ACME ein Megakonzern und etliche der Darstellungen und Werbungen, die man so sieht, gemahnen sicher nicht ganz zufällig an die Apple-Sekte.
Das ist dann zwar ein deutlicher, aber im Großen und Ganzen auch der einzige Seitenhieb auf unsere normale Welt. Der Rest ist eine Tour de Force durch ein Szenario in dem Menschen auf Cartoons und deren … Sperenzchen treffen.
Ach ja, vielleicht sollte ich die Handlung noch kurz anreißen: Willy der Coyote …
Ach ja: Er heißt nicht mehr Karl der Coyote. Im Vorfeld fand ich das sehr ärgerlich und das tue ich auch im Prinzip immer noch, ich konnte aber am Anfang des Film aus den Augenwinkeln erhaschen, dass sie den Namenswechsel offenbar irgendwo kurz erläutert haben. Das war allerdings dermaßen blitzschnell, dass ich es nicht lesen konnte, ich meine nur kurz den Namen Karl der Coyote gesehen zu haben. Ich werde das klären, wenn ich die Konserve kaufe (und das ich das tue ist so sicher wie ein Klavier, das vom Himmel fällt).
Also: Willy der Coyote hat die Faxen dicke. Jahrzehnte lang bestellt er sich Krempel bei ACME, um den Road Runner zu fangen und genauso lange geht das schon schief. Immer. Und eigentlich in jedem Fall sind daran eben die bestellten Gerätschaften der ACME-Corporation schuld (wie auch diverse Einspieler aus den alten Cartoons beweisen). Willy entschließt sich, ACME zu verklagen und besucht deswegen den glücklosen und heruntergekommenen Anwalt Kevin Avery, dargestellt von Will Forte, der auch in der Vergangenheit bereits andere Cartoons gegen ACME vertreten hat, aber immer nur im Vergleiche für ein paar poplige hundert Dollar herauszuschlagen. Das will der auch beim Coyoten so halten, aber die Geschichte entwickelt sich vorhersehbar anders.
Der gesamte Film ist eine einzige Hommage an die Looney Tunes und schafft es nicht nur mit Leichtigkeit das Thema in die heutige Zeit zu heben, sondern zeigt auch auf, dass diese Art von Anarcho-Humor immer noch wunderbar funktioniert. Dabei gibt es ein Wiedersehen mit zahllosen der alten Figuren, teil in Rollen, teils in Gastauftritten – und teils auch in ziemlich unerwarteten.
Forte spielt den mit chaotischen Cartoons und ihren Explosionen konfrontierten und stets nahe an der Verzweiflung Anwalt mit Freude, das sieht man ihm an. Sein Gegenspieler, der überhebliche Gewinnertyp Buddy Crane, Chefanwalt von ACME, wird von John Cena dargestellt. Der ist, wie wir wissen, in seinen schauspielerischen Möglichkeiten eingeschränkt, aber für diese Rolle eine wirklich gute Besetzung. An der Stelle fragte ich mich, ob der Name Buddy Crane eine Hommage an die Serie BOSTON LEGAL darstellt, in der William Shatner einen ebenfalls komisch-überheblichen Anwalt names Denny Crane spielte.
Und eigentlich müsste man über die Handlung bei diesem Chaos-Ritt auch keine weiteren Worte verlieren, allerdings hat man es geschafft, zwischen all dem überbordenden Chaos und den irrwitzigen Aktionen der Toons (und Menschen) dennoch tatsächlich so etwas wie eine Handlung hinzubekommen.
Und man darf davon ausgehen, dass auch Menschen, die noch nie was von den Looney Tunes gehört haben, ihren Spaß an diesem Film haben dürften, aber eben lange nicht soviel wie diejenigen, die die Figuren und ihre Sperenzchen schon kennen. Oder schon lange kennen.
Und wenn die Macher°innen es am Ende zwischen all dem unfassbaren Chaos auch noch schaffen, einen emotionalen Moment zwischen zwei … äh … wichtigen Figuren zu inszenieren, dann hat man einen wirklich guten, aberwitzigen, äußerst unterhaltsamen, nostalgischen gleichzeitig modernen Film gesehen.
Und man kann nur hoffen, dass ACME durch die Geschehnisse in diesem Film so weit angeschlagen wurde, dass sie den Lackverkauf in die Warner-Chefetage einstellen müssen. Aber ich halte das für unwahrscheinlich.
p.s.: Ach ja: Eine Filmmusik, in der ein Chor immer wieder »Meep Meep!« singt, muss man auch erst mal hinbekommen.
p.p.s: Danke an die, die sich dafür eingesetzt und es möglich gemacht haben, dass COYOTE VS. ACME doch noch das Licht der Welt erblickt hat. Ihr seid meine Helden!
COYOTE VS. ACME
Besetzung:
Regie: Dave Green
Drehbuch: Samy Burch, basierend auf einer Story von James Gunn, Jeremy Slater und Samy Burch, basierend auf einem New Yorker-Artikel von Ian Frazier
Produzenten: Christopher DeFaria, James Gunn
Ausführende Produzenten: Allison Abbate, Jesse Ehrman, Artur Galstian, Carsten H.W. Lorenz, Chad A. Verdi, Gareth West, Vahan Yepremyan, Carlton Lorenz
Kamera: Brandon Trost
Schnitt: Carsten Kurpanek
Musik: Steven Price
Produktionsdesign: Steve Arnold
Casting: Rachel Tenner
103 Minuten
USA 2026
Promofotos Copyright Keylight Pictures, Warner Bros., Ketchup Entertainment





