Was wäre, wenn man das einzige denkende Individuum auf einem trostlosen Planeten ist und nur darauf wartet, in einer Supernova zu vergehen? Für interessierte und mutige Wissenschaftler wären das die besten Plätze, wo ist das Popcorn? Für jemand, der bereits über 11 Jahre auf diesen Moment gewartet hat, ist es eine Erlösung!
In dieser Science Fiction-Story von Mathieu Bablet ist ein Namenloser auf einem fremden Planten mit einem Raumschiff (?) gestrandet und fristet seinem einsamen Dasein. Mit den Jahren hat er die Tücken des Planeten kennengelernt und warten nun sehnsüchtig auf das Ende des Planeten und seine Erlösung. Im Monolog mit einem Tablet bespricht er sich mit seinem verstorbenen Freund Virgil.
Wir befinden uns im Prolog der Geschichte, der mit einem spektakulären Knall und visuell eindrucksvollen Bildern beendet werden wird.
Von da machen wir einen »kleinen Sprung« in die Zukunft, genau eine Million Jahre! Gerade noch die Hitze der Nova gespürt, befindet man sich nun in der Kühle des Weltalls. Wir sehen eine im All treibende Station, umkreisend eines blauen Planeten. Jemand bewegt sich in einem Raumanzug lautlos darauf zu.
Schon diese ersten Seiten zeigen bereits, dass wir uns auf einiges gefasst machen dürfen, was die zahllosen Details, was Raum und Hintergrund der Szenerie betrifft!
Die Station wurde zerstört und der Auftrag lautet, diese zum Absturz zu bringen. Nach einem kurzen Check und einem Dialog mit einer Kollegin, die unerwartet aufritt, gehen beide wieder an Bord ihres Schiffes. Es enthüllt sich: der Unbekannte und es ist Scott, den wir vor eine Millionen Jahren haben bereits sterben sehen!
Scott hat den Auftrags des Konzerns Tianzhu Enterprises, solche ungeklärten Phänomene zu untersuchen und jeden Hinweis zu vernichten. Er stellt seinen Auftrag nicht in Frage und wiegelt jede Kritik diesbezüglich ab. In seinem Team ist auch der im Prolog erwähnte Virgil mit dabei. Die Stimmung zwischen den Beiden ist nicht gerade freundschaftlich, was es um so mehr spannender macht, wie es zum Ende (oder Prolog) kommen wird.
Die Szenen beherrscht immer eine Hauptfarbe, meist Gelb und Blau, und man verliert nie den Faden, wo man sich gerade befindet. Zu der beeindruckenden Darstellung der Raumstation hat man mit der Zeit das Gefühl entwickelt, wie groß es in Wahrheit sein könnte. Mit kleinen Ausnahmen unternehmen wir mit Scott und anderen Charakteren einen Streifzug durch die Station, die immer wieder neue Eindrücke vermittelt. Großartig!
Im Laufe der Geschichte erfahren wir, dass die Erde nicht bewohnbar ist und es eine Raumstation gibt, auf der alle Menschen überlebt haben. Wir begleiten Scott durch seinen Alltag, wie er eingepfercht wohnt, wie er Kritik zurückweist, auf Werbung seitens des Unternehmens sich nicht beeinflussen lässt und dann spontan einen Becherhalter zu kaufen, der um 50% reduziert wurde. Hier flammt direkt die Erinnerung an »Sie leben« von John Carpenter auf, nur mit dem Unterschied, dass es alle bewusst wahrnehmen und keine Spezialbrille dafür benötigen. Die Tafel sagen eindeutig: »Arbeit – Schlafen – Arbeiten!« Was gibt es da misszuverstehen?!?
Einige Zutaten aus anderen Geschichten wurden hier innovativ neu zusammengestellt und ergeben eine Story, die ich in dieser Art noch nicht so gelesen habe. Mobbing und Rassismus, totalitärer Staat, Macht, Freundschaft und Zusammengehörigkeit sind Überschriften, die die Rezeptur abrunden und eine spannende, brutale und unheimliche Geschichte mit sich bringen.
Der Einzelband umfasst 221 Seiten. Hier ist man froh, dass die Story nicht über mehrere Bände und viele Jahre ausgedehnt wurde!
Der Comickünstler ist der französische Mathieu Bablet, der u. a. auch CARBON & SILIZIUM und SILENT JENNY (erscheint voraussichtlich im September 2026 bei Splitter) konzipiert und gezeichnet hat.
SHANGRI-LAScience Fiction Graphic Novel
Story & Text: Mathieu Bablet
Deutsche Übersetzung: Harald Sachse
224 Seiten, Hardcover
ISBN 978–3‑96792–065‑9
Hardcover beim Verlag vergriffen
Im Buchhandel angeblich lieferbar
erschienen: 23.06.2021
Splitter
Coverabbildung Copyright Splitter

