Sind eBooks Telemedien? Eine Anfrage bei der Landesmedienanstalt NRW

FSK18 eBookAus­ge­löst durch meh­re­re Be­haup­tun­gen aus Rich­tung des Bör­sen­ver­eins des Deut­schen Buch­han­dels, eBooks sei­en Te­le­me­di­en, müss­ten zwin­gend mit ei­ner Al­ter­s­kenn­zeich­nung ver­se­hen wer­den und vor al­lem dürf­ten nur zwi­schen 22:00 und 6:00 ver­kauft wer­den, ging in den ver­gan­ge­nen Wo­chen ei­ni­ges Rau­schen durch den vir­tu­el­len Blät­ter­wald.

Lei­der ver­säum­te es der Bör­sen­ver­ein bis­her, sei­ne Aus­sa­gen zu un­ter­mau­ern und zu kon­kre­ti­sie­ren. Es wur­de in der On­line-Ver­si­on des Bör­sen­blat­tes le­dig­li­ch ne­bu­lös be­haup­tet, ir­gend­wer habe ge­gen ei­nen eBook-On­line­shop „ge­klagt“ (war­um ge­n­au blieb of­fen) und es wur­de zu­dem die Be­haup­tung auf­ge­stellt eBooks sei­en Te­le­me­di­en, ohne dies auch nur an­satz­wei­se nach­voll­zieh­bar zu be­grün­den.

Um hier kon­kre­te­re Aus­sa­gen zu er­hal­ten, habe ich mich per Email an die Lan­des­me­di­en­an­s­telt NRW ge­wandt und die­ser ei­ni­ge Fra­gen ge­stellt. Mein Schrei­ben gebe ich im Fol­gen­den wie­der. So­bald ich eine Ant­wort habe, wer­de ich auch die­se hier auf Phan­ta­News ver­öf­fent­li­chen.

Mei­ne Email an die Lan­des­me­di­en­an­stalt NRW vom 20.06.2015:

Sehr ge­ehr­te Da­men und Her­ren,

der Bör­sen­ver­ein des deut­schen Buch­han­dels pro­pa­giert seit ei­ni­gen Ta­gen die The­se, dass eBooks Te­le­me­di­en sei­en und be­ru­fen sich da­bei un­ter an­de­rem auch auf die Lan­des­me­di­en­an­stal­ten. Bei ei­ner Re­cher­ché bei Bas­tei Lüb­be bzw. de­ren Ab­le­ger Beam-eBooks wur­de kon­kret ein An­schrei­ben der Lan­des­me­di­en­an­stalt NRW ge­nannt, wes­halb ich mich in die­ser Cau­sa an Sie wen­de.

Die Aus­sa­gen Lüb­bes wa­ren nicht kon­sis­tent, mal re­de­te man da­von, dass Klap­pen­tex­te und Co­ver in ei­nem On­line­shop für eBooks be­män­gelt wur­den, mal ist die Rede von den eBooks selbst.

Zur Klä­rung des Sach­ver­halts mei­ne fol­gen­den Fra­gen an Sie. Ich wei­se dar­auf hin, dass Ihre Ant­wor­ten im Rah­men ei­nes Ar­ti­kels auf mei­nem Web­por­tal the­ma­ti­siert wer­den.

– Wur­den nach Ih­rer Kennt­nis von der Lan­des­me­di­en­an­stalt NRW Klap­pen­tex­te und Co­ver von auf On­line­shops an­ge­bo­te­nen eBooks be­män­gelt, oder die eBooks selbst?

– Sind Sie eben­falls der An­sicht, dass eBooks Te­le­me­di­en dar­stel­len? Falls ja bit­te ich um eine in­halt­li­che Be­grün­dung.

Ge­gen eine Ein­stu­fung von eBooks als Te­le­me­di­en spre­chen mei­ner Auf­fas­sung nach ver­schie­de­ne Punk­te. Bei­spiels­wei­se kann ich auch Print­bü­cher on­line be­stel­len und mir die­se nach Hau­se lie­fern las­sen. Hier fin­det kei­ner­lei Al­tersprü­fung statt, da Bü­cher kei­ner Al­ters­ein­stu­fung un­ter­lie­gen (es sei denn, sie sei­en ex­pli­zit als ju­gend­ge­fähr­dend ein­ge­stuft wor­den oder gar in­di­ziert wor­den, aber das ist nicht die Sach­la­ge, über die wir hier re­den). eBooks wer­den eben­falls on­line be­stellt, her­un­ter­ge­la­den und dann lo­kal auf ei­nem de­di­zier­ten Re­a­der kon­su­miert, es un­ter­schei­det sich so­mit nur der Trans­port­weg zum Le­ser.

– Falls es Ih­rer An­sicht nach eine Al­ters­ein­stu­fungs­pflicht für eBooks laut Ju­gend­me­di­en­schutz-Staats­ver­trag gibt, müss­te die­se dann (bei Fern­ab­satz) nicht zwangs­läu­fig auch für die Pa­pier­fas­sun­gen gel­ten?

– Un­ter­lie­gen eBooks als in­halt­li­ch werk­glei­che Fas­sun­gen der Print­ver­sio­nen nicht viel­mehr oh­ne­hin dem Ju­gend­schutz­ge­setz?

Für eine Be­ant­wor­tung mei­ner Fra­gen be­dan­ke ich mich im Vor­aus.

Mit freund­li­chem Gruß,
Ste­fan Holz­hau­er
phantanews.de

AutorIn: Stefan Holzhauer

Meist harm­lo­ser Nerd mit na­tür­li­cher Af­fi­ni­tät zu Pi­xeln, Bytes, Buch­sta­ben und Zahn­rä­dern. Kon­su­miert zu­viel SF und Fan­ta­sy und schreibt seit 1999 on­line dar­über.


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