Science Fiction ist am Ende! Eine Auswahl an Neuerscheinungen 2012 – Teil eins

Ge­stern er­schien auf Te­le­po­lis ein Ar­ti­kel un­ter dem Ti­tel SCI­ENCE FIC­TION AM ENDE? von Mi­cha­el Szameit, in dem er sich – nur leicht ver­ein­facht aus­ge­drückt – dar­über aus­lässt, dass so ziem­lich al­les, was heu­te im Be­reich SF auf den Markt kommt doch letzt­end­lich nur US-Mi­li­ta­ry-Mist ist und der ak­tu­el­len Sci­ence Fic­tion die Vi­sio­nen feh­len. Be­reits ge­stern be­män­gel­te ich an an­de­rer Stel­le, dass der Rant lei­der we­der in­halt­lich be­grün­det da­her kommt, noch son­der­lich fach­li­chen Hin­ter­grund auf­wei­sen kann. Denn: der Au­tor kennt of­fen­sicht­lich zahl­lo­se Ver­öf­fent­li­chun­gen der letz­ten Jah­re in ge­druck­ter und ge­dreh­ter Form nicht, sonst wür­de er nicht zu sei­nem Fa­zit kom­men – er könn­te es gar nicht. Nach noch­ma­li­gem Le­sen er­scheint es mir auch deut­lich so, als sol­le hier um des Meckerns Wil­len ge­meckert wer­den und mir fal­len spon­tan zwei Sät­ze zum Ar­ti­kel ein: »frü­her war al­les bes­ser!« und »ich habe eine Mei­nung, komm´ mir nicht mit Fak­ten!«.

Nach­fol­gend nur mal eine Aus­wahl – völ­lig sub­jek­tiv und ohne jeg­li­chen An­spruch auf Voll­stän­dig­keit – von SF-Bü­chern, die in die­sem Jahr in Groß­bri­tan­ni­en und den Ver­ei­nig­ten Staa­ten er­schei­nen wer­den.

Wenn Szameit da­bei sei­ne »neu­en Ide­en« und »Ge­dan­ken­ex­pe­ri­men­te« nicht fin­det, ist ihm mög­li­cher­wei­se nicht mehr zu hel­fen … ;o)

Ich li­ste hier die Be­schrei­bungs- bzw. Klap­pen­tex­te (so­weit vor­han­den) und über­set­ze sie .

Be­reits im Ja­nu­ar er­schien als er­ster Band der LU­NAR CHRO­NI­CLES Ma­ris­sa Mey­ers CIN­DER:

A for­bid­den ro­mance. A de­ad­ly pla­gue. Earth’s fate hin­ges on one girl … CIN­DER, a gifted me­cha­nic in New Bei­jing, is also a cy­borg. She’s re­vi­led by her step­mo­ther and bla­med for her stepsister’s sud­den ill­ness. But when her life be­co­mes ent­wi­ned with the handso­me Prince Kai’s, she finds herself at the cent­re of a vio­lent strugg­le bet­ween the de­si­res of an evil queen – and a dan­ge­rous temp­ta­ti­on. Cin­der is caught bet­ween duty and free­dom, loyal­ty and be­tra­yal. Now she must un­co­ver se­crets about her my­ste­rious past in or­der to pro­tect Earth’s fu­ture. This is not the fai­ry­ta­le you re­mem­ber. But it’s one you won’t for­get.

Eine ver­bo­te­ne Ro­man­ze. Eine töd­li­che Epi­de­mie. Das Schick­sal der Erde hängt an ei­nem Mäd­chen … CIN­DER ist eine ta­len­tier­te Me­cha­ni­ke­rin in New Bei­jing – und ein Cy­borg. Ihre Stief­mut­ter schmäht sie und gibt ihr die Ver­ant­wor­tung für die plötz­li­che Krank­heit ih­rer Stief­schwe­ster. Doch als ihr Le­ben mit dem von Prinz Kai ver­bun­den wird, fin­det sie sich im Zen­trum ei­nes ge­walt­tä­ti­gen Macht­kamp­fes zwi­schen dem Wil­len ei­ner bö­sen Kö­ni­gin – un ei­ner ge­fähr­li­chen Ver­su­chung. Cin­der wird ge­fan­gen zwi­schen Pflicht und Frei­heit, Loya­li­tät und Be­trug. Sie muss nun die Ge­heim­nis­se ih­rer im Dun­keln lie­gen­den Ver­gan­gen­heit ent­schlüs­seln, um die Zu­kunft der Erde zu schüt­zen. Das hier ist nicht das Mär­chen, an das Du Dich er­in­nerst. Aber es ist eins, das Du nicht ver­ges­sen wirst.

An­mer­kung: Cin­de­rel­la als Cy­borg in ei­ner SF-Ge­schich­te? Wie geil ist das denn?

Fe­bru­ar:

Wal­ter John Wil­liams: THE FOURTH WALL

Um THE FOURTH WALL zu be­trach­ten soll­ten wir zu­erst ei­nen Blick auf den er­sten Band DEEP STA­TE (Ja­nu­ar 2011) wer­fen:

Dag­mar Shaw is one of the world’s hot­test de­si­gners of al­ter­na­te rea­li­ty ga­mes. She is the Pup­pet­ma­ster and thousands of gamers are dan­cing on her strings. But when the cam­pai­gn she is run­ning in Tur­key co­mes into con­flict with the new, bru­tal ré­gime, she rea­li­ses that ga­mes can have very real con­se­quen­ces. When an old friend ap­proa­ches Dag­mar with a pro­ject so in­sa­ne, so am­bi­tious, she can’t pos­si­bly say no, she is plun­ged into a world of spies and sol­di­ers. A na­ti­on hangs in the ba­lan­ce and in a world of in­tri­gue and be­tra­yal, the ma­ster play­er must face the pos­si­bi­li­ty that she has, herself, been play­ed. Dag­mar is the Pup­pet­ma­ster, but when the bul­lets are real and her ’pup­pets’ start dy­ing, is any cau­se worth it?

Dag­mar Shaw ist eine der hei­ße­sten De­si­gner von Al­ter­na­te Rea­li­ty Ga­mes der Welt. Sie ist der Pup­pen­spie­ler und tau­sen­de von Gamern hän­gen an ih­ren Fä­den. Doch als sie eine Kam­pa­gne in der Tür­kei sie in ei­nen Kon­flikt mit dem bru­ta­len neu­en Ré­gime bringt, muss sie er­ken­nen, dass Spie­le sehr rea­le Kon­se­quen­zen ha­ben kön­nen. Als ein al­ter Freund sie mit ei­nem der­art ver­rück­ten und am­bi­tio­nier­ten Pro­jekt an sie her­an tritt, dass sie nicht nein sa­gen kann, wird sie in eine Welt vol­ler Spio­ne und Sol­da­ten ge­wor­fen. Eine Na­ti­on steht vor dem Ab­grund und die Pup­pen­spie­le­rin muss er­ken­nen, dass man mit ihr ge­spielt hat. Dag­mar ist die Pup­pen­spie­le­rin, aber wenn die Ku­geln echt sind und ihre »Pup­pen« zu ster­ben be­gin­nen – kann ir­gend­ein Grund das wert sein?

Der Nach­fol­ge­band ist THE FOURTH WALL

Dag­mar Shaw got out of the game …and into the mo­vies. Sean is a wa­s­hed-up child ac­tor re­du­ced to the lo­west dregs of rea­li­ty te­le­vi­si­on to keep hims­elf af­loat. His life was a down­ward spi­ral of al­co­ho­lism, re­g­ret, and fail­u­re – un­til he met Dag­mar. But Sean has se­crets, dark even for the Hol­ly­wood tre­ad­mill of ab­u­se, ad­dic­tion, and re­hab. And Dag­mar is a ci­pher. The­re are dark ru­mors about her past – peop­le tend to die around her. Now, she wants Sean for so­m­e­thing. A mo­vie, she says, but with her hi­sto­ry, who knows what her real game is?

Dag­mar Shaw ist aus dem Spiel raus … und macht jetzt Fil­me. Sean ist ein her­un­ter­ge­kom­me­ner Kin­der­star, re­du­ziert auf die tief­sten Ab­grün­de des Rea­li­ty-Fern­se­hens, um sich am Le­ben zu er­hal­ten. Sein Le­ben war eine Ab­wärts­spi­ra­le aus Al­ko­ho­lis­mus, Be­reu­en und Ver­sa­gen – bis er Dag­mar trifft. Aber Sean hat Ge­heim­nis­se, die so­gar für Hol­ly­woods Tret­müh­le aus Miss­brauch, Ab­hän­gig­keit und Ent­zie­hung äu­ßerst dü­ster sind. Und Dag­mar ist der Schlüs­sel. Es gibt dunk­le Ge­rüch­te über ihre Ver­gan­gen­heit, Per­so­nen um sie her­um ten­die­ren dazu, zu ster­ben. Jetzt will sie Sean für ir­gend­et­was. Sie sagt: ei­nen Film, aber bei ih­rer Ver­gan­gen­heit, wer weiß was ihr wah­res Spiel ist?

An­mer­kung: Im er­sten Band wer­den MMOs wei­ter ge­dacht – ein brand­hei­ßes The­ma, al­ler­dings viel­leicht eher nicht für Nicht­spie­ler (oder Pop­kul­tur-Ab­leh­ner wie den Au­tor des Te­le­po­lis-Ar­ti­kels). Beim zwei­ten bin ich mir an­hand des Klap­pen­tex­tes nicht ganz si­cher, wie er zum er­sten passt und wo die SF ist, aber, hey, wir re­den hier über Wal­ter Jon Wil­liams!

April:

THE NIGHT SES­SI­ONS, Ken Ma­cLeod

Ur­sprüng­lich er­schie­nen 2009 in Groß­bri­tan­ni­en wird im April Ken Ma­cLeods Near-Fu­ture-Thril­ler THE NIGHT SES­SI­ONS in den USA neu auf­ge­legt:

A priest is dead. Picking through the rub­b­le of the de­molished Edin­burgh te­nement, De­tec­tive In­spec­tor Adam Fer­gu­son dis­co­vers that the ex­plo­si­on wasn’t an ac­ci­dent. When a bi­shop is as­sas­si­na­ted soon af­ter­wards, it be­co­mes clear that a tar­ge­ted cam­pai­gn of kil­lings is un­der­way. No one has seen any­thing like this sin­ce the Faith Wars. In this en­ligh­te­ned age there’s no re­li­gious per­se­cu­ti­on, but be­lie­vers are a mar­gi­nal and mi­stru­sted mi­no­ri­ty. And now so­meo­ne is kil­ling them. But who? And – perhaps more im­port­ant­ly – why? The more his team learns, the more the sus­pi­ci­on grows that they may have stumb­led upon a con­spi­ra­cy way out­side their re­mit. No­bo­dy be­lie­ves them, but if Fer­gu­son and his peop­le fail, the­re will be many more kil­lings – and dis­a­ster on a li­ter­al­ly bi­bli­cal sca­le …

Ein Prie­ster ist tot. Als er die Trüm­mer ei­nes zer­stör­ten Edin­burg­her Wohn­hau­ses durch­sucht, ent­deckt In­spek­tor Adam Fer­gu­son, dass die Ex­plo­si­on kein Un­fall war. Als man kurz dar­auf ei­nen Bi­schof er­mor­det auf­fin­det, wird klar dass eine ge­ziel­te Tö­tungs­kam­pa­gne vor­liegt.  Seit den Glau­bens­krie­gen hat nie­mand mehr so et­was ge­se­hen. In die­sem er­leuch­te­ten Zeit­al­ter gibt es kei­ne re­li­giö­se Ver­fol­gung mehr, aber Gläu­bi­ge sind eine Min­der­heit, der man miss­traut. Und nun tö­tet sie je­mand. Aber wer? Und – wahr­schein­lich viel wich­ti­ger – war­um? Je mehr sein Team her­aus fin­det, de­sto mehr wächst die Ver­mu­tung, dass man über et­was ge­stol­pert ist, das ein paar Num­mern zu groß ist. Nie­mand will ih­nen glau­ben, aber soll­ten Fer­gu­son und sei­ne Leu­te schei­tern, dann wird es vie­le wei­te­re Mor­de ge­ben – und eine Ka­ta­stro­phe wort­wört­lich bi­bli­schen Aus­ma­ßes …

An­mer­kung: Wir fas­sen zu­sam­men – in ei­ner na­hem Zu­kunft ist nach ei­nem Glau­bens­krieg Re­li­gi­on et­was Ver­ach­te­tes. Wenn das kein ge­wag­ter Ge­dan­ken­gang ist, Herr Szameit, dann weiß ich es auch nicht mehr …

Mai:

RAIL­SEA, Chi­na Mié­vil­le

Bei dem Out­put von Mié­vil­le muss man sich fast schon fra­gen, ob er in­zwi­schen Ghost­wri­ter hat… :o) Und man muss sich ins­be­son­de­re ei­nes Aus­nah­me­ta­lents wie die­sem fra­gen, ob Herr Szameit die SF der letz­ten Jah­re über­haupt an­satz­wei­se wahr­ge­nom­men hat? RAIL­SEA ist ein »All Age«-Roman – frü­her nann­te man das ein Buch für Her­an­wach­sen­de – aber wie wir den Au­tor ken­nen, dürf­ten auch Er­wach­se­ne ihre Freu­de dar­an ha­ben. Mié­vil­le in­ter­pre­tiert Mel­vil­les MOBY DICK mit ei­nem Hauch SCHATZ­IN­SEL auf ein ganz neu­es Meer: Das SCHIE­NEN­MEER.

On board the mo­le­train Me­des, Sham Yes ap So­orap wat­ches in awe as he wit­nesses his first mol­dywar­pe hunt: the gi­ant mole bur­st­ing from the earth, the har­poo­nists tar­ge­ting their prey, the batt­le re­sul­ting in one’s de­ath and the other’s glo­ry. But no mat­ter how spec­ta­cu­lar it is, Sham can’t shake the sen­se that the­re is more to life than tra­ve­ling the end­less rails of the railsea—even if his cap­tain can think only of the hunt for the ivo­ry-co­lo­red mole she’s been cha­sing sin­ce it took her arm all tho­se ye­ars ago. When they come across a wrecked train, at first it’s a wel­co­me dis­trac­tion. But what Sham finds in the derelict—a kind of trea­su­re map in­di­ca­ting a my­thi­cal place un­touched by iron rails—leads to con­s­i­der­ab­ly more than he’d bar­gai­ned for. Soon he’s hun­ted on all si­des, by pi­ra­tes, trains­folk, mon­sters, and sal­va­ge-scrabb­lers. And it might not be just Sham’s life that’s about to chan­ge. It could be the who­le of the rail­sea.

An Bord des Maul­wurfs­zu­ges Me­des ver­folgt Sham Yes ap So­orap vol­ler Ehr­furcht sei­ne er­ste Jagd auf ei­nen Mol­dywar­pe: ei­nen der gi­gan­ti­schen Maul­wür­fe die aus der Erde bre­chen, die Har­pu­ni­sten wie sie auf ihre Beu­te zie­len, der fol­gen­de Kampf, der im Tod des Ei­nen und im Ruhm ei­nes an­de­ren re­sul­tiert. Aber egal wie spek­ta­ku­lär das Gan­ze ist, Sham kann sich des Ge­dan­kens nicht er­weh­ren, dass es mehr ge­ben muss, als nur die end­lo­sen Schie­nen der Schienen­see zu be­rei­sen – auch wenn sein Ka­pi­tä­nin an nichts an­de­res den­ken kann, als an die Jadg auf den el­fen­bein­far­be­nen Maul­wurf, der ihr vor all die­sen Jah­ren den Arm nahm. Als sie ei­nen wracken Zug ent­decken ist das zu­erst eine will­kom­me­ne Ab­wechs­lung. Doch was Sham in dem Wrack fin­det – eine Art Schatz­kar­te die auf ei­nen my­sti­schen Ort un­be­rührt von ei­ser­nen Schie­nen hin­weist – führt zu mehr Pro­ble­men als er sich vor­ge­stellt hat­te. Bald wird er von al­len Sei­ten ge­jagd: von Pi­ra­ten, Zug­be­woh­nern, Mon­stren und Ber­gungs­wüh­lern. Und mög­li­cher­wei­se wird sich nicht nur Shams Le­ben än­dern, son­dern das der ge­sam­ten Schienen­see.

An­mer­kung: Wie geil ist das denn? Hal­lo Herr Szameit: als Welt­ent­wurf krea­tiv ge­nug?

THE DROW­NED CI­TIES von Pao­lo Ba­ci­g­alu­pi

In THE DROW­NED CI­TIES kehrt der Au­tor auf die Welt aus dem mehr­fach aus­ge­zeich­ne­ten Ro­man SHIP BREA­KER zu­rück:

Pao­lo Ba­ci­g­alu­pi cap­tures a dark fu­ture Ame­ri­ca that has de­vol­ved into un­en­ding ci­vil wars, dri­ven by dem­ago­gues who re­cruit child­ren to be­co­me soul­less kil­ling ma­chi­nes. Two re­fu­gees of the­se wars, Mah­lia and Mou­se, are known as »war mag­gots«: sur­vi­vors who have ba­re­ly ma­na­ged to es­cape the un­speaka­ble vio­lence pla­guing the war-torn lands of the Drow­ned Ci­ties. But their fra­gi­le safe­ty is threa­tened when they dis­co­ver a woun­ded half-man–a bio­en­gi­nee­red war be­ast na­med Tool, who is hun­ted by a ven­ge­ful band of sol­di­ers. When tra­ge­dy strikes, Mah­lia is fa­ced with an im­pos­si­ble de­ci­si­on: risk ever­y­thing to save the boy who once saved her, or flee to her own safe­ty.

Pao­lo Ba­ci­g­alu­pi be­schreibt ein dü­ste­res zu­künf­ti­ges Ame­ri­ka das sich in eine schein­bar un­end­li­che Fol­ge von Bür­ger­krie­gen zu­rück ent­wickelt hat, ge­führt von Dem­ago­gen, die Kin­der re­kru­tie­ren, um sie zu see­len­lo­sen Tö­tungs­ma­schi­nen zu ma­chen. Zwei Flücht­lin­ge die­ses Kriegs, Mah­lia und Mou­se, ge­hö­ren zu den »Kriegs­ma­den«: Über­le­ben­de, die es ge­ra­de eben ge­schafft ha­ben, der un­aus­sprech­li­chen Ge­walt in den vopm Krieg zer­ris­se­nen Län­dern der »Ver­sun­ke­nen Städ­te« zu ent­kom­men. Doch ihre zer­brech­li­che Si­cher­heit ge­rät in Ge­fahr, als sie ei­nen ver­wun­de­ten Halb­men­schen fin­den – ein durch Bio­in­ge­nieu­re er­schaf­fe­nes Kriegs­we­sen na­mens Tool, das von ei­ner rach­süch­ti­gen Ban­de Sol­da­ten ver­folgt wird. Als es zu ei­ner Tra­gö­die kommt, sieht Mah­lia sich vor eine schwe­re Ent­schei­dung ge­stellt: soll sie al­les ris­kie­ren, um um den Jun­gen zu ret­ten, der einst sie ret­te­te oder soll sie flie­hen und sich selbst in Si­cher­heit brin­gen.

An­mer­kung: die dys­to­pi­schen Wel­ten des Pao­lo Ba­ci­g­alu­pi soll­ten auch dem kri­ti­sche­ren SF-Freund an­spre­chen­de Le­se­stun­den be­sche­ren.

2312 von Kim Stan­ley Ro­bin­son

The year is 2312. Sci­en­ti­fic and tech­no­lo­gi­cal ad­van­ces have ope­ned gate­ways to an ex­tra­or­di­na­ry fu­ture. Earth is no lon­ger humanity’s only home; new ha­bi­tats have been crea­ted throug­hout the so­lar sy­stem on moons, pla­nets, and in bet­ween. But in this year, 2312, a se­quence of events will force hu­ma­ni­ty to con­front its past, its pre­sent, and its fu­ture.

The first event ta­kes place on Mer­cu­ry, on the city of Ter­mi­na­tor, its­elf a mi­ra­cle of en­gi­nee­ring on an un­pre­ce­den­ted sca­le. It is an un­ex­pec­ted de­ath, but one that might have been fo­re­se­en. For Swan Er Hong, it is an event that will chan­ge her life. Swan was once a wo­man who de­si­gned worlds. Now she will be led into a plot to de­stroy them.

Wir schrei­ben das Jahr 2312. Wis­sen­schaft­li­cher und tech­no­lo­gi­scher Fort­schritt ha­ben eine au­ßer­ge­wöhn­li­che Zu­kunft er­mög­licht. Die Erde ist nicht mehr die ein­zi­ge Hei­mat der Mensch­heit; durch das ge­sam­te Son­nen­sy­stem wur­den neue Ha­bi­ta­te auf Mon­den, Pla­ne­ten und an Or­ten da­zwi­schen er­schaf­fen. Doch im Jahr 2312 wird die Mensch­heit durch eine Ab­fol­ge von Ge­scheh­nis­sen ge­zwun­gen, sich mit ih­rer Ver­gan­gen­heit, Ge­gen­wart und Zu­kunft aus­ein­an­der zu set­zen.

Das er­ste Er­eig­nis ge­schieht auf dem Mer­kur: in der Stadt Ter­mi­na­tor, selbst ein un­er­mess­li­ches Wun­der­werk der In­ge­nieurs­kunst. Es kommt zu ei­nem un­er­war­te­ten Tod, den man je­doch hät­te vor­aus­se­hen müs­sen. Für Swan Er Hong ist es ein Er­eig­nis, das ihr Le­ben ver­än­dern wird. Swan war ein­mal eine Frau, die Wel­ten er­schuf. Jetzt wird sie in Ge­sche­nis­se ver­wickelt, die dazu füh­ren, dass sie Wel­ten zer­stö­ren wird.

An­mer­kung: Kim Stan­ley Ro­bin­son, ei­ner der­je­ni­gen Au­to­ren, die die wohl durch­dach­te­sten zu­künf­ti­gen Wel­ten er­son­nen ha­ben, ist zu­rück. Es wür­de mich doch sehr wun­dern, wenn wir es hier mit Szameits tum­ber Ac­tion zu tun hät­ten.

So weit an die­ser Stel­le erst ein­mal, ge­schätz­te Le­ser. In Kür­ze wer­de ich im zwei­ten Teil des Ar­ti­kels wei­te­re SF-Neu­erschei­nun­gen 2012 vor­stel­len. Die­se dann mög­li­cher­wei­se et­was kür­zer, denn je wei­ter man im Jahr fort­schrei­tet, de­sto spär­li­cher wer­den die In­for­ma­tio­nen zu den neu­en Bü­chern. Wie be­reits im In­tro er­wähnt: Es han­delt sich hier­bei um ei­nen mi­kro­sko­pi­schen Aus­schnitt aus dem eng­lisch­spra­chi­gen Markt. Wenn Herr Szameit auch nur ober­fläch­lich sucht, wird er zahl­lo­se wei­te­re un­ge­wöhn­li­che, le­sens­wer­te und vi­sio­nä­re SF-Ro­ma­ne fin­den. Man muss al­ler­dings mit den Su­chen zu­min­dest ein­mal an­fan­gen.

Bild­nach­wei­se: Co­ver CIN­DER Co­py­right Puf­fin, Co­ver DEEP STA­TE Co­py­right Or­bit, Co­ver THE FOURTH WALL Co­py­right Or­bit, THE NIGHT SES­SI­ONS Co­py­right Pro­me­theus Books, Co­ver RAIL­SEA Co­py­right Del­Rey, Co­ver THE DROW­NED CI­TIES Co­py­right Bril­li­an­ce Cor­po­ra­ti­on, Co­ver 2312 Co­py­right Or­bit

Gra­fik »SF am Ende« von mir

Kei­nen ver­wand­ten In­halt ge­fun­den.

AutorIn: Stefan Holzhauer

Meist harm­lo­ser Nerd mit na­tür­li­cher Af­fi­ni­tät zu Pi­xeln, Bytes, Buch­sta­ben und Zahn­rä­dern. Kon­su­miert zu­viel SF und Fan­ta­sy und schreibt seit 1999 on­line dar­über.

10 Kommentare for “Science Fiction ist am Ende! Eine Auswahl an Neuerscheinungen 2012 – Teil eins”

sagt:

Aus­nah­men be­stä­ti­gen na­tür­lich die Re­gel. Es gibt schon ei­nen all­ge­mei­nen Trend hin zum Trash und weg vom Geist, der ge­ra­de in ei­nem »brai­ny« Gen­re wie Sci­Fi weh tut. Ich fin­de aber, es gibt durch­aus Per­len: John Var­leys Bü­cher, die von Ro­bert Charles Wil­son, Mie­viel­le (wie er­wähnt) und Jas­per Ffor­de (wo­bei der eher Weird als Sci­Fi ist).

Stefan Holzhauer

sagt:

Ich wi­der­spre­che dem: es gibt kei­nen Trend zum »Trash«, es wur­de und wird im­mer »Trash« ver­öf­fent­licht. Der Vor­wurf es wer­de im­mer mehr Trash ver­öf­fent­licht kommt seit Jahr­zehn­ten im­mer und im­mer wie­der von den­sel­ben Na­sen, wenn sie den »Nie­der­gang der SF« zu be­le­gen ver­su­chen.

Es wird der­zeit im Be­reich SF nicht mehr »Trash« ver­öf­fent­licht als zu frü­he­ren Zei­ten, wer an­de­rer Mei­nung ist, möge die­se nach­voll­zieh­bar be­le­gen. Über­haupt hal­te ich den Be­griff für höchst pro­ble­ma­tisch. Wer legt denn bit­te fest, was »Trash« ist? Pro­fes­sio­nel­le Kri­ti­ker? Nein dan­ke. Hard­core-SF-Fans? Aus noch tie­fe­rem Her­zen: nein dan­ke! Kul­tur­chau­vi­ni­sten? Schon gar nicht.

Ich ver­wei­se im­mer wie­der gern dar­auf, dass heu­ti­ge (so­ge­nann­te) Klas­si­ker (ich be­zie­he das nicht un­be­dingt auf die SF) zur Zeit ih­res Er­schei­nens von »Kri­ti­kern« als »Trash« (min­der­wer­tig, tri­vi­al) dis­qua­li­fi­ziert wur­den. Man soll­te mit sol­chen Ab­qua­li­fi­zie­run­gen äu­ßerst vor­sich­tig sein. Eben­so ist es nicht ziel­füh­rend, wenn SF-An­spruchs­fa­na­ti­ker aus ih­ren Elf­gen­bein­tür­men her­ab­las­send auf Pop­kul­tur-SF her­ab blicken und de­ren Tri­via­li­tät von da oben un­ters Volk schrei­en. Denn: die sit­zen ziem­lich al­lein zwi­schen un­er­träg­lich lang­wei­li­gem An­spruchs­zeug in ih­ren El­fen­bein­tür­men, wäh­rend an de­ren Fü­ßen das Le­ben tobt. :o)

Wer sich al­ler­dings auf den deutsch­spra­chi­gen Markt be­schränkt, der wird ei­nen deut­li­chen Rück­gang an SF-Ver­öf­fent­li­chun­gen fest­stel­len. Al­ler­dings soll­te man kei­nen Nie­der­gang der Sci­ence Fic­tion be­schwö­ren, wenn man nur das kennt, was die deut­schen Pu­bli­kums­ver­la­ge freund­li­cher­wei­se im deutsch­spra­chi­gen Raum ver­öf­fent­li­chen – es er­scheint in­ter­na­tio­nal (mit ei­nem deut­li­chen Schwer­punkt auf den eng­lisch­spra­chi­gen Raum) groß­ar­ti­ges Zeug, das der deut­sche Le­ser nie zu se­hen be­kommt.

Und was – um Him­mels Wil­len – ist denn »der Geist der SF«? Bei ei­nem der­art breit­ban­di­gen Gen­re dürf­te es mehr als schwer­fal­len, ei­nen all­ge­mein­gül­ti­gen »Geist« zu de­fi­nie­ren. Drei SF-Fans wer­den hier mit Si­cher­heit fünf un­ter­schied­li­che Mei­nun­gen ha­ben – min­de­stens.

sagt:

Zu­stim­mung, Ste­fan! Vom (wie­der ein­mal) trau­ri­gen Zu­stand der SF bei deut­schen Groß­ver­la­gen auf *DIE* SF (in­ter­na­tio­nal – ja, und eine krea­ti­ve Sze­ne ab­seits des Main­stream gibt es schließ­lich auch bei uns) schlie­ßen zu wol­len, ver­rät schon ei­nen ge­wis­sen Tun­nel­blick.

Hin­zu kommt noch ein Fak­tor, den Szameit selt­sa­mer­wei­se über­sieht: li­te­ra­ri­sche Mo­den. Es sind ge­ra­de Vam­pi­re Mode – na und? Das geht vor­bei.
Es gab – so­gar in Deutsch­land – Zei­ten, in de­nen (ne­ga­ti­ve) Uto­pi­en un­heim­lich »in« wa­ren – dann wie­der eher Sci­ence Fan­ta­sy, dann Cy­ber­punkt, dann auch Mal »har­te SF« – ja, und im­mer wie­der mal Flau­ten, in de­nen SF nicht geht.
Ich ver­mu­te ein­fach, dass Szameit sich sei­nen per­sön­li­chen Frust von der See­le ge­schrie­ben hat – den ich auch gut ver­ste­hen kann. Wer in Deutsch­land SF ver­öf­fent­li­chen woll­te, hat­te es nie leicht, und dank der Sor­ti­ments­po­li­tik deut­scher Groß­ver­la­ge hat man es z. Z. si­cher schwe­rer als, sa­gen wir mal vor 20 Jah­ren.
(Es ist ja kein Zu­fall, dass Deutsch­lands er­folg­reich­ste SF-Au­to­ren der Ge­gen­wart, An­dre­as Esch­bach und Frank Schät­zing, mei­stens nicht in den spe­zi­el­len SF-Rei­hen pu­bli­zie­ren – und auf ih­ren Ro­ma­nen oft nicht ein­mal Sci­ence Fic­tion drauf­steht, ob­wohl SF drin ist.)
Also, eine ge­wis­se Nost­al­gie nach der »gu­ten al­ten Zeit«, als es nicht ganz so schwer war, deut­sche SF un­ter­zu­brin­gen, kann ich nach­voll­zie­hen. In dem ei­nen oder an­de­ren Punkt gebe ich ihm so­gar recht, z. B. was SF im Fern­se­hen (von ei­ni­ge Aus­nah­men ab­ge­se­hen – die es ja auch nach wie vor gibt) an­geht.
Die ver­all­ge­mei­nern­den Schlüs­se, die Szameit aus ei­ner in Teil­be­rei­chen der SF (deut­sche Groß­ver­la­ge, Fern­seh­se­ri­en) be­stehen­den Mi­se­re zieht, hal­te ich je­doch für gro­tesk falsch.

sagt:

@Stefan Wie, Du weißt nicht, was »Geist« ist? Oh weh! Spaß Bei­sei­te: ich schreib nicht vom Geist der Sci­Fi, son­dern von Geist in der Sci­Fi.
Den Trend zum Trash kon­sta­tie­re ich nicht in der Sci­Fi al­lein, son­dern me­di­en­über­grei­fend. Bei­spiel­haft hier ein Ar­ti­kel, der das US-Fern­se­hen be­trach­tet, und Zah­len zur Zahl neu ge­star­te­ter Se­ri­en und de­ren Lauf­zeit ver­gleicht (wo­bei letz­te­res nur eine gute Nä­he­rung für Qua­li­tät ist, aber im­mer­hin…): Be­gin­nend 1980, ver­stärkt 2000 zeigt sich eine sehr deut­li­che Ent­wick­lung hin zum Schrot­flin­ten­prin­zip: Viel, aber schlecht ge­zielt. Trash eben.
http://www.wired.com/wiredscience/2012/01/how-to-search-for-the-golden-age-of-television/

Na­tür­lich gab es zu al­len Zei­ten Nost­al­gi­ker, die den Nie­der­der­gang von X be­klag­ten. Das be­deu­tet nicht, dass es kei­ne Qua­li­täts­schwan­kun­gen gibt, und die Kas­san­dras nicht auch mal Recht ha­ben.

Zu­letzt: dass die hoch­wer­ti­gen eng­lisch­spra­chi­gen Sa­chen in D nicht ver­öf­fent­licht wer­den, ist ja Teil der Grund­aus­sa­ge: Trash ru­les, Qua­li­ty doesn’t pay. Zu­min­dest für Deutsch­land hast Du das mit die­sem Ar­gu­ment also be­stä­tigt.

Stefan Holzhauer

sagt:

@Martin:

Vam­pi­re sind kei­ne SF :o)

Auch bei den Fern­seh­se­ri­en schwa­felt er nur. Earth Fi­nal Con­flict. Kann sich dar­an noch wer er­in­nern (ich kann, so schlecht war die nicht, stell­te zu­min­dest ein paar in­ter­es­san­te Fra­gen was sein könn­te, wenn ALi­ens lan­den). Wenn er NEW BSG als mi­li­ta­ri­sti­schen BS ab­tun möch­te, dann fra­ge ich mich al­ler­dings, ob er die­sel­be Se­rie ge­se­hen hat wie ich, oder ob er der An­sicht ist, nach dem Be­trach­ten von ein paar Epi­so­den eine Se­rie mit über­grei­fen­dem Hand­lungs­bo­gen be­ur­tei­len zu kön­nen. Eine Se­rie, der so­gar kri­ti­sche Stim­men ho­no­riert ha­ben, dass sie ethi­sche und phi­lo­so­phi­sche Fra­gen stellt, ge­sell­schafts­kri­tisch ist und auch das The­ma Re­li­gi­on kri­tisch be­leuch­tet (von Ca­pri­ca mal ganz ab­ge­se­hen, die war eben­falls groß­ar­tig, aber lei­der für US-Ame­ri­ka­ner zum ei­nen of­fen­bar viel zu schlau und zum an­de­ren wohl viel zu Chri­sten­tums-kri­tisch). Naja und Star­ga­te war zwar »plan­los im Welt­all« aber zu­min­dest we­nig­stens un­ter­halt­sam.

Wenn ich mir an­se­he, was in Sa­chen SF in Film und Fern­se­hen in den letz­ten Jahr­zehn­ten aus Deutsch­land ge­kom­men ist, lau­tet die Ant­wort: nichts! Rein! gar! nichts! (ich las­se Ijon Ti­chy als Spe­cial In­te­rest-Co­me­dy eben­so au­ßen vor wie »Traum­schiff Sur­pri­se«, eben­so in den USA pro­du­zier­te Fil­me und Se­ri­en mit deut­scher Be­tei­li­gung). An­ge­sichts der gäh­nen­den Lee­re in der Hin­sicht mit dem An­spruchs­fin­ger auf die USA zu zei­gen, soll­te Szameit viel­leicht lie­ber be­kla­gen, das die SF in der selbst­pro­du­zier­ten deut­schen TV- und Film­land­schaft über­haupt nicht statt­fin­det.

Wo­her er als ehe­ma­li­ger DDR-Au­tor of­fen­bar ei­gent­lich kommt, sieht man schon an sei­nem Satz (im Ar­ti­kel):

»Frü­her (und vor al­lem in der ost­eu­ro­päi­schen SF) wa­ren die Raum­fah­rer vor al­lem Ent­decker und For­scher auf der Su­che nach ’Brü­dern im All und im Gei­ste’, von Neu­gier und Wiss­be­gier­de bis an den Rand des Uni­ver­sums ge­trie­ben, ge­wis­ser­ma­ßen mit ei­nem Öl­zweig im Schna­bel«

Aha. Frü­her und im Osten war al­les bes­ser und fried­li­cher. Ich lach mich schlapp. :o)

Dan­ke für »gro­tesk falsch«. Made my day. :o)

Stefan Holzhauer

sagt:

@Michael

Als Be­trach­ter zahl­rei­cher US-Phan­ta­stik-Se­ri­en (im Ori­gi­nal) und als Be­ob­ach­ter die­ses Mark­tes (wie man ja al­lein aus den zahl­rei­chen Ar­ti­keln zu die­sem The­ma hier auf Phan­ta­News se­hen kann), be­zweif­le ich nach­drück­lich, dass die Dau­er der Lauf­zeit von Se­ri­en (also wie schnell sie wie­der ab­ge­setzt wer­den) eine Aus­sa­ge über de­ren Qua­li­tät zu­lässt. Es gab di­ver­se groß­ar­ti­ge Se­ri­en in den USA, die kei­ne Zu­schau­er fin­den konn­ten – weil sie für das dor­ti­ge Pu­bli­kum zu in­tel­li­gent wa­ren. Den Sen­dern ist völ­lig egal, ob et­was qua­li­ta­tiv hoch­wer­tig oder »Trash« ist, für die zäh­len ein­zig und al­lein die Ein­schalt­quo­ten. An­son­sten gilt das von mir wei­ter oben ge­sag­te zur De­fi­ni­ti­on von »Trash«. Des ei­nen »Trash« ist des an­de­ren Klein­od.

Ach­so, den Trend zum Trash be­sprichst Du me­di­en­über­grei­fend … Und ich dach­te, wir re­den hier über SF..? ;o)

Dei­ne Schluss­fol­ge­rung zum deut­schen Markt be­weist üb­ri­gens nur, dass die de­ustchen Ver­la­ge nur ver­öf­fent­li­chen, was sich schnell dre­hen lässt, aber nicht dass es im­mer mehr »Trash« gibt. Und da sehe ich hier­zu­lan­de eins der Kern­pro­ble­me. So­lan­ge die Pu­bli­kums­ver­la­ge auf Num­mer si­cher ge­hen und nur noch Har­ry-Pot­ter- und Twi­light-Epi­go­nen ver­öf­fent­li­chen, und die Über­set­zun­gen von US-Ro­ma­nen so mies blei­ben, wie sie sind, wer­de ich sie wei­ter­hin mei­den. Auch das ist aber ein Pro­blem der Bran­che und der Le­ser, nicht des Gen­res.

sagt:

Klar, die Vam­pir-Ge­schich­ten sind, bis auf sel­te­nen Aus­nah­men, kei­ne SF, aber nun mal von
Sz­a­meit als »Li­te­ra­tur, die bei deut­schen Groß­ver­la­gen geht« ge­nannt – »Fan­ta­sy« ist ein so­ooo wei­tes Feld, dass es als Bei­spiel ei­nes Trends oder auch nur ei­ner li­te­ra­ri­schen Mode nicht taugt. :-)
Der ge­wis­se »An­ti­ame­ri­ka­nis­mus« in Sz­a­meits Kri­tik stößt auch mir un­an­ge­nehm auf, eben­so, dass er ein, wie ich fin­de, sehr idyl­li­sches Bild von der »Ost-SF« (vor 1989, ver­mu­te ich mal) zeich­net. Es gab z. B. in Po­len ei­nen Lem, in Russ­land die Ge­brü­der Stru­gat­ski, in der DDR ei­nen Rai­ner Fuhr­mann usw. – aber: die »Wis­sen­schaft­li­che Phan­ta­stik« (DDR-deutsch) tblocks hat auch zahl­lo­se heu­te zu­recht ver­ges­se­ne all­zu po­li­tisch »li­ni­en­treue« Wer­ke (und ziem­lich öder) Wer­ke ge­ge­ben.

Har­ry Pot­ter (ja, auch kei­ne SF ;-) ) ist üb­ri­gens ein schö­nes Bei­spiel für das (nicht auf Deutsch­land) be­schränk­te Phä­no­men »si­che­re Schnell­dre­her« pro­du­zie­ren zu wol­len. Denn Frau Row­ling hat­te ur­sprüng­lich be­kannt­lich ge­wal­ti­ge Schwie­rig­kei­ten ge­habt, ihre Bü­cher an den Ver­lag zu brin­gen – »man« wuss­te ge­nau, dass die »Kids von heu­te« kei­ne dicken Wäl­zer mehr le­sen, dass In­ter­nats-Ro­ma­ne »out« sind usw. usw.. Aber in dem Mo­ment, in dem der Er­folg da war, wa­ren Ro­ma­ne nach die­sem Strick­mu­ster auf ein­mal »das Größ­te«.
Auch das Feh­len deut­scher SF-Film und -Fern­seh­pro­duk­tio­nen be­ruht mei­nes Er­ach­tens auf die­ser Kom­bi­na­ti­on aus Bes­ser­wis­se­rei (»Wir wis­sen ge­nau, was der Zu­schau­er / Le­ser mag – und zwar bes­ser als er selbst«) und dem (meist ver­geb­li­chen) Ver­such, Er­fol­ge zu imi­tie­ren.

Stefan Holzhauer

sagt:

Schö­ne Be­trach­tun­gen, un­ter­schrei­be ich! Dan­ke für den Kom­men­tar! :)

Andy Simon

sagt:

Wenn ich mir an­sehe, was in Sa­chen SF in Film und Fern­se­hen in den letz­ten Jahr­zehn­ten aus Deutsch­land ge­kom­men ist, lau­tet die Ant­wort: nichts! Rein! gar! nichts! (ich las­se Ijon Ti­chy als Spe­cial In­te­rest-Co­me­dy eben­so au­ßen vor wie »Traum­schiff Sur­prise«, eben­so in den USA pro­du­zierte Fil­me und Se­rien mit deut­scher Be­tei­li­gung). An­ge­sichts der gäh­nen­den Lee­re in der Hin­sicht mit dem An­spruchs­fin­ger auf die USA zu zei­gen, soll­te Sz­a­meit viel­leicht lie­ber be­kla­gen, das die SF in der selbst­pro­du­zier­ten deut­schen TV– und Film­land­schaft über­haupt nicht statt­fin­det.

Es ist we­nig, aber das, was raus­kommt soll­te doch nicht ver­ges­sen wer­den: z.B. Trans­fer.

Wo­her er als ehe­ma­li­ger DDR-Au­tor of­fen­bar ei­gent­lich kommt, sieht man schon an sei­nem Satz (im Ar­ti­kel):

»Frü­her (und vor al­lem in der ost­eu­ro­päi­schen SF) wa­ren die Raum­fah­rer vor al­lem Ent­de­cker und For­scher auf der Su­che nach ›Brü­dern im All und im Gei­ste‹, von Neu­gier und Wiss­be­gierde bis an den Rand des Uni­ver­sums ge­trie­ben, ge­wis­ser­ma­ßen mit ei­nem Öl­zweig im Schna­bel«

Aha. Frü­her und im Os­ten war al­les bes­ser und fried­li­cher. Ich lach mich schlapp. :o)

Das hat er nicht ge­sagt! Eher schon, dass die Schrift­stel­ler des so­zia­li­sti­schen Ostens (nicht zu­letzt we­gen der grau­en Welt, in der sie sich be­fan­den) ei­nen grö­ße­ren »sen­se of won­der« ze­le­briert ha­ben. Und da hat Szameit recht: den gibt’s der­zeit in der SF prak­tisch nicht. In der obi­gen Li­ste sehe ich ihn viel­leicht noch bei 2312.

Stefan Holzhauer

sagt:

Eher schon, dass die Schrift­stel­ler des so­zia­lis­ti­schen Os­tens (nicht zu­letzt we­gen der grau­en Welt, in der sie sich be­fan­den) ei­nen grö­ße­ren »sen­se of won­der« ze­le­briert ha­ben.

Das ist sub­jek­ti­ve Wahr­neh­mung und ob­jek­tiv si­cher nicht be­leg­bar. (sie­he auch die An­mer­kung oben zu »li­ni­en­treu« und »öde«)

Und da hat Sz­a­meit recht: den gibt’s der­zeit in der SF prak­tisch nicht. In der obi­gen Li­ste sehe ich ihn viel­leicht noch bei 2312.

Und kei­ne Dis­kus­si­on über den du­bio­sen und im­mer wie­der gern als Tot­schlag­ar­gu­ment her­an ge­zo­ge­nen »sen­se of won­der«. Je­der hat ei­nen an­de­ren, es han­delt sich um ei­nen nicht de­fi­nier­ba­ren Be­griff und er taugt über­haupt nicht als Be­grün­dung. Schon gar nicht als Be­grün­dung für an­geb­lich schlech­te SF oder de­ren Nie­der­gang. Das ist eine Flos­kel, eine pure Wort­hül­se, die seit Jah­ren, wenn nicht Jahr­zehn­ten, von den­je­ni­gen ver­wen­det wird, die die je­weils ak­tu­el­le SF mies ma­chen wol­len.

Das hat er nicht ge­sagt!

Nicht? »For­scher … Neu­gier und Wiss­be­gierde … mit ei­nem Öl­zweig im Schna­bel«.

Üb­ri­gens: »Frü­her … wa­ren die Raum­fah­rer vor al­lem Ent­de­cker und For­scher auf der Su­che nach ›Brü­dern im All und im Gei­ste‹, von Neu­gier und Wiss­be­gierde bis an den Rand des Uni­ver­sums ge­trie­ben, ge­wis­ser­ma­ßen mit ei­nem Öl­zweig im Schna­bel« klingt für mich wie eine ziem­lich ex­ak­te Be­schrei­bung. Von Star Trek.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.