Jim Butcher – THE DRESDEN FILES: TWELVE MONTHS

Book cover artwork. A dark-haired man in a fedora and long leather coat stands facing forward, holding a wooden staff topped with a glowing ember. A bright, circular magical sigil with runes glows behind his head like a halo, casting gold light. Green crystal formations rise around him in a shadowy, cavern-like setting. Bold white text reads “Jim Butcher” at the top and “Twelve Months” at the bottom, with the subtitle “A Novel of the Dresden Files.”

Der letz­te Har­ry Dres­den-Roman BATTLE GROUND war dann doch schon län­ger her, als ich gedacht hät­te, der erschien bereits 2021. Und dann war Funk­stil­le. Zum einen woll­te der Ver­lag wohl lei­der unbe­dingt, dass But­cher eine Fort­set­zung der Steam­punk-Rei­he CINDER SPIRES schrieb (deren ers­ter Roman THE AERONAUT’S WINDLASS mir gar nicht gefal­len hat­te, den hat­te ich mit­ten­drin abge­bro­chen), zum ande­ren hat der Autor ver­mut­lich­wei­ter­hin mit Depres­sio­nen zu kämp­fen und ver­ar­bei­tet das in sei­nen Wer­ken. Mit dafür ver­ant­wort­lich ist nach eige­nen Aus­sa­gen unter ande­rem der gro­ße Erfolg der Serie und der dar­aus resul­tie­ren­de Druck, sowie per­sön­li­che Pro­ble­me in der Ver­gan­gen­heit. Er hat­te wohl selbst nicht mit die­sem durch­schla­gen­den Erfolg von etwas gerech­net, das er selbst als »Ele­va­tor Pitch about Dir­ty ‘Har­ry Pot­ter’ « beschreibt, also ursprüng­lich offen­bar eher eine Schnaps­idee, die sich dann ver­selbst­stän­dig­te. Seit 26 Jah­ren lese ich jetzt die­se Roman­rei­he. Wow.

Und sei­ne gesund­heit­li­chen Pro­ble­me scheint er auch in die­sem Roman wie­der zu ver­ar­bei­ten, denn nach dem gro­ßen Kampf um Chi­ca­go in BATTLE GROUND ist der Magi­er Har­ry Dres­den ziem­lich am Boden.

Wer­be­text:

Har­ry Dres­den, Chicago’s only pro­fes­sio­nal wizard, has always mana­ged to save the day—but, in this powerful ent­ry in the New York Times best­sel­ling Dres­den Files, can he save hims­elf?

One year. 365 days. Twel­ve months.

Har­ry Dres­den has been through a lot, and so has his city. After Har­ry and his allies nar­row­ly mana­ged to save Chi­ca­go from being razed to the ground, ever­y­thing is different—and it’s not just the cur­rent lack of elec­tri­ci­ty.

In the batt­le, Har­ry lost peo­p­le he cared about. And that’s the kind of loss that takes a toll. Har­ry being Har­ry, he’s doing his level best to help the city and his fri­ends reco­ver and rebuild. But it’s a hea­vy load, and he needs time.

But time is one thing Har­ry doesn’t have. Ghouls are prow­ling Chi­ca­go and taking out inno­cent civi­li­ans. Harry’s brot­her is dying, and Har­ry doesn’t know how to help him. And last but cer­tain­ly not least, the Win­ter Queen of the Fae has allied with the White Court of vampires—and Harry’s been betro­thed to the seduc­ti­ve, dead­ly vam­pi­re Lara Raith to seal the deal.

It’s been a tough year. More than ever, the city needs Har­ry Dres­den the wizard—but after loss and grief, is the­re enough left of Har­ry Dres­den the man to rise to the chall­enge?

Der Roman dreht sich dar­um, wie jeman­dem, der zwar immer wie­der Schlä­ge hin­neh­men muss­te, aber sich stets wie­der auf­ge­rafft hat, der­ma­ßen der Boden unter den Füßen weg­ge­zo­gen wird, dass er nicht weiß, wie er damit zurecht kom­men soll. Kein Wun­der nach den Ereig­nis­sen in BATTLE GROUND, in deren Rah­men nicht nur Tei­le sei­ner Stadt Chi­ca­go ein­ge­eb­net wur­den, son­dern auch Kar­rin Mur­phy getö­tet wor­den war – und das gleich nach­dem die bei­den nach all den Jah­ren fest­ge­stellt hat­ten, dass da offen­bar doch mehr zwi­schen ihnen war. Und so ist TWELVE MONTHS ein ande­rer Roman als man sie aus der Rei­he kennt. Nor­ma­ler­wei­se spie­len sich die Ereig­nis­se in den Büchern in kur­zen Zeit­rah­men ab, in die­sem nimmt sich der Atur Zeit, Dres­den über ein Jahr zu beglei­ten. Das ist ein Kunst­griff. Zum ers­ten Mal ist Dres­den so am Boden zer­stört, dass er eigent­lich nicht mehr wei­ter machen möch­te. Aber das Leben geht wei­ter und da sind Men­schen, die auf ihn zäh­len und die ihm ver­trau­en und denen er hel­fen muss. Und so han­delt län­ge­re Tei­le des Buches dar­über, wie der »Held« ver­sucht, wie­der auf dei Füße zu kom­men. Dass But­cher sich dafür die not­wen­di­ge Hand­lungs­zeit nimmt ist nur kon­se­quent und dra­ma­tur­gisch völ­lig rich­tig.

Und dabei ist nichts davon lang­wei­lig oder lang­at­mig, ganz im Gegen­teil. Ins­be­son­de­re da die DRESDEN FILES-Roman in der ich-Form geschrie­ben sind, ist man bei dem gesam­ten Pro­zess viel­leicht noch näher am Prot­ago­nis­ten als in der Ver­gan­gen­heit, viel­leicht abge­se­hen von GHOST STORIES, dem Roman in dem der Autor sei­nen Selbst­mord­ver­such ver­ar­bei­te­te.

Und wie man es bei dem Cha­rak­ter und dem seit Jah­ren auf­ge­bau­ten Uni­ver­sum erwar­ten kann, lässt das Leben Dres­den eben auch nicht in Ruhe. Das ist aller­dings eben auch ein Aspekt davon, wie­der auf die Füße zu kom­men, denn im Prin­zip hat er oft gar kei­ne ande­re Wahl, als sich auf­zu­raf­fen und wei­ter zu machen. Glück­li­cher­wei­se hat er sei­ne Begleiter°Innen und Freund°Innen, die ihn dabei unter­stüt­zen – mehr oder weni­ger sub­til. Und im Gegen­satz zu sonst hat Dres­den es hier mit Pro­ble­men zu tun, die nicht sofort mit Action gelöst wer­den müs­sen, son­dern für die er mehr Zeit hat als sonst, zudem stellt die Geschich­te immer wie­der mal her­aus, dass eine Ein­tei­lung in »gut« und »böse« viel zu ein­fach ist und das Leben und per­sön­li­che Moti­va­tio­nen deut­lich kom­ple­xer sein kön­nen, als es auf Anhieb den Anschein haben mag. Stich­wort: Lara Raith.

So ist die­ser Roman eine Geschich­te über eine Rei­se zur Hei­lung und dar­über, dass es am Ende immer irgend­wie wei­ter­geht. Dabei ist Dres­den stel­len­wei­se deut­lich düs­te­rer und wüten­der als man ihn kennt, aber das ist auf­grund sei­ner Erleb­nis­se nur kon­se­quent. Trotz­dem bleibt Har­ry Har­ry und But­cher sag­te dar­über in einem Inter­view gegen­über Grim­dark Maga­zi­ne:

Dres­den is who he’s always been—but he’s so much more bat­te­red, tired, and iso­la­ted than he’s been befo­re. He’s much angrier at hims­elf. He reg­rets his choices, and for the first time the weight of tho­se reg­rets has beco­me more than he can rea­di­ly car­ry. What I real­ly want the rea­der to still find true about Har­ry is that he’s the kind of guy you’d want to invi­te over to your bar­be­cue, have a beer with, and have a fri­end­ly dis­cus­sion over the merits of the exis­tence of the Grey Jedi or whe­ther Spi­der-Man could hand­le Batman’s rogues gal­lery. He’s got­ta stay reco­gnizable as that basic fri­end­ly nerd, or none of the­se sto­ries are going to work right.

Dres­den ist der­sel­be geblie­ben, der er immer war – aber er ist viel mehr ange­schla­gen, müde und iso­liert als zuvor. Er ist viel wüten­der auf sich selbst. Er bereut sei­ne Ent­schei­dun­gen, und zum ers­ten Mal ist die Last die­ses Bereu­ens grö­ßer gewor­den, als er ohne Wei­te­res tra­gen kann. Was ich mir wirk­lich wün­sche, ist, dass die Leser Har­ry wei­ter­hin als den Typen sehen, den man ger­ne zu einer Grill­par­ty ein­la­den wür­de, um bei einem Bier eine freund­schaft­li­che Dis­kus­si­on über die Vor­tei­le der Exis­tenz der Grau­en Jedi zu füh­ren oder dar­über, ob Spi­der-Man es mit Bat­mans Erz­fein­den auf­neh­men könn­te. Er muss als der freund­li­che Nerd erkenn­bar blei­ben, sonst funk­tio­nie­ren die­se Geschich­ten nicht rich­tig.

Selbst­ver­ständ­lich kommt aller­dings auch die Action nicht zu kurz, gegen Ende, als es ihm bes­ser geht (und das ist an die­ser Stel­le sicher­lich kein Spoi­ler) gibt es gleich zwei dra­ma­ti­sche Ereig­nis­se, über die ich hier kein Wort ver­lie­ren wer­de.

Zudem deu­tet But­cher auch hier noch­mal einen Über­plot an, den man viel­leicht fast schon wie­der aus den Augen ver­lo­ren hat und der sich um soge­nann­te »Out­si­ders« dreht, uralte Wesen außer­halb unse­rer Vor­stel­lungs­kraft, viel­leicht ansatz­wei­se inspi­riert von Cthul­hu-Mythos, und die danach stre­ben, alles Leben in unse­rer Rea­li­tät aus­zu­lö­schen. Wie frü­her bereits ange­deu­tet  ist es eben so, dass auch die ambi­va­len­te­ren über­na­tür­li­chen Figu­ren in die­ser Rei­he mit dem, was sie tun, einen grö­ße­ren Plan ver­fol­gen, der direkt mit die­ser Bedro­hung zusam­men hängt.

Man darf gespannt sein, wie But­cher das wei­ter führt (nach eige­nem Bekun­den weiß er das meist selbst nicht und Bücher ent­wi­ckeln sich beim Schrei­ben); im nächs­ten Buch, das hat er bereits ange­deu­tet, wird er aller­dings von der aktu­el­len Hand­lung abwei­chen und der Prot­ago­nist bekommt es mit einer par­al­le­len Rea­li­tät zu tun – ich ver­mu­te, so wie ich den Autoren ein­schät­ze, mit einer, in der Kar­rin Mur­phy noch lebt, was die Wun­den dann wie­der auf­reißt. Hof­fen wir, dass es nicht wie­der fünf Jah­re dau­ert. Unter­schrie­ben hat er für 25 Roma­ne – das wären noch sie­ben …

TWELVE MONTH ist ein gran­dio­ser neu­er Dres­den, in dem der Autor es der Leser­schaft erlaubt, dem Hel­den dabei bei­zu­ste­hen, wie­der auf die Füße zu kom­men – und dabei wird man auch noch vor­treff­lich unter­hal­ten. Ich habe nichts aus­zu­set­zen, bin aber auch – wie bereits geschrie­ben – ein Fan­boi. Per­sön­lich fin­de ich es über­aus bemer­kens­wert, wie Jim But­cher es immer wie­der schafft, die­se Rei­he neu zu erfin­den, ins­be­son­de­re ange­sichts sei­ner per­sön­li­chen Pro­ble­me.

Book cover artwork. A dark-haired man in a fedora and long leather coat stands facing forward, holding a wooden staff topped with a glowing ember. A bright, circular magical sigil with runes glows behind his head like a halo, casting gold light. Green crystal formations rise around him in a shadowy, cavern-like setting. Bold white text reads “Jim Butcher” at the top and “Twelve Months” at the bottom, with the subtitle “A Novel of the Dresden Files.”

TWELVE MONTHS
THE DRESDEN FILES Band 18
Jim But­cher
Urban Fan­ta­sy
20 Janu­ar 2026
Taschen­buch:
ISBN 978–0593199336
480 Sei­ten, ca. EUR 16,40
eBook:
ca. EUR 13,99

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