Hamburger Tactica 2012

Vom 25. bis 26. Febru­ar 2012 fand im Bür­ger­haus Wil­helms­burg in Ham­burg die inzwi­schen sieb­te Tac­ti­ca statt, eine der größ­ten Ver­an­stal­tun­gen zum The­ma Table­top und Minia­tu­ren hier­zu­lan­de. Zwei Tage lang tra­fen sich hier War­ga­mer aus Deutsch­land, Eng­land, Polen und ande­ren Län­dern, um sich mit­ein­an­der aus­zu­tau­schen, Neu­hei­ten zu bestau­nen, den durch die Bank schö­nen Spiel­plat­ten Bewun­de­rung zu zol­len und die eige­nen Bestän­de auf­zu­sto­cken, man hat ja nie zu vie­le Figu­ren.

Mit unge­fähr ein­tau­send Besu­chern war die Tac­ti­ca gut besucht und hat im Ver­gleich zum letz­ten Jahr deut­lich zuge­legt. Schö­ne gro­ße Ver­kaufs­stän­de bie­ten Waren an, die man nicht unbe­dingt ohne Ver­sand­han­del bekommt, dazu vie­le Neu­hei­ten und Schnäpp­chen. Es tum­mel­ten sich sowohl loka­le Händ­ler als auch sol­che aus dem Rest Deutsch­lands, und auch aus Eng­land waren bekann­te Namen ange­reist. Kata­lo­ge in – zum Bei­spiel – pol­ni­scher Spra­che las­sen ver­mu­ten, dass auch ande­re Län­der ver­tre­ten waren.

Im Sor­ti­ment fan­den sich all die Din­ge, die man so braucht: Minia­tu­ren in allen Grö­ßen und Mate­ria­li­en von nam­haf­ten und unbe­kann­te­ren Her­stel­lern, Gelän­de­tei­le, Hecken, Bäu­me, Häu­ser in allen Vari­an­ten, Detail­zu­be­hör für Diora­men wie Blät­ter (ja, rich­tig gele­sen, ein­zel­ne Minia­tur­blät­ter), Gras­bü­schel, Tas­sen und Tel­ler, sogar Tei­le für einen varia­blen Dun­ge­on in exzel­len­ter Qua­li­tät – inklu­si­ve Geheim­tü­ren! – waren zu bestau­nen. Dane­ben natür­lich Pin­sel, Far­ben, Kle­ber, Lacke, Wür­fel und Basen lie­ßen kei­ner­lei Wün­sche offen – außer dem Wunsch nach einer bes­ser gefüll­ten Brief­ta­sche viel­leicht.

Dane­ben waren aller­lei Spiel­ti­sche zu sehen, an denen der inter­es­sier­te Besu­cher auch die ver­schie­de­nen Ange­bo­te aus­tes­ten durf­te. Fan­ta­sy, Anti­ke, Mit­tel­al­ter, Neu­zeit, zwei­ter Welt­krieg, Sci­ence Fic­tion, Wes­tern, Steam­punk oder ein recht amü­san­tes Sce­n­a­rio mit Vam­pi­ren (»Vam­pi­re glit­zern nicht in der Son­ne, sie ver­bren­nen!«, ein Hor­ror­sze­na­rio nach SONGS OF FEAR & FAITH), es war für jeden etwas dabei. In ent­spann­ter Atmo­sphä­re wur­den so neue Erfah­run­gen gemacht oder alte Res­sen­ti­ments über Bord gewor­fen. Auch die drei­di­men­sio­na­le Vari­an­te des Brett­spiel­klas­si­kers TALISMAN ver­dient Erwäh­nung.

Gene­rell war ein­fach viel zu viel zu sehen, um alles auf­zäh­len zu kön­nen, dar­um möch­te ich nur ein paar mei­ner per­sön­li­chen High­lights her­aus­stel­len. Das bedeu­tet jedoch nicht, das mir nur das gefal­len hat, ganz im Gegen­teil. Für mich war die Tac­ti­ca 2012 einer der Höhe­punk­te die­ses Jah­res und ich freue mich jetzt schon auf die Ver­an­stal­tung im nächs­ten Jahr.

Ich bin vor­ein­ge­nom­men, ich geste­he es. Aber die DYSTOPIAN WARS-Plat­te war in mei­nen Augen das, wor­an ich mich wohl am bes­ten erin­nern wer­de. Hat­te schon der Bau­be­richt mich neu­gie­rig gemacht, so war die fer­ti­ge Plat­te noch ein­mal ein Erleb­nis für sich. Detail­reich, schön gemacht und etwas, nach dem ich von nun an selbst stre­ben kann. Mei­ne Plä­ne, die Plat­te unge­se­hen in mein Auto zu schaf­fen und dann unge­scho­ren zu ent­kom­men habe ich jeden­falls ganz schnell auf­ge­ge­ben, selbst wenn ich den Erbau­ern hät­te ent­ge­hen kön­nen, so hät­ten mich vie­le ande­re bestimmt zur Stre­cke gebracht, in deren ver­träum­ten Gesichts­aus­drü­cken ich ähn­li­che Plä­ne ver­mu­ten konn­te.

ABENTEUER IN BRUEGELBURG – AUF DER JAGD NACH DEM MONDMANN war auch eine Extra-Erwäh­nung wert. Das war eher ein Rol­len­spiel-ähn­li­ches Sze­na­rio vor der fol­gen­den Hin­ter­grund­ge­schich­te:

»Die Dreh­ar­bei­ten für einen neu­en Fan­ta­sy­film ste­hen kurz vor dem Beginn. Außen­auf­nah­men wer­den in einem fan­tas­tisch aus­ge­stat­te­ten Set in der Nähe des ech­ten Städt­chens Brue­gel­burg nahe der Hol­län­di­schen Gren­ze gedreht. Alle Betei­lig­ten, sowie die Pro­duk­ti­ons­fir­ma sind begeis­tert vom Detail­reich­tum und der Authen­ti­zi­tät des Sets, ers­te Bil­der gab es bereits im Inter­net im soge­nann­ten ›Lead Adven­ture Forum‹ zu sehen.
Einer der Haupt­dar­stel­ler, Mel Gib­son, wur­de aus der Pro­duk­ti­on ent­las­sen, nach­dem er wie­der­holt durch unflä­ti­ges Ver­hal­ten auf­ge­fal­len ist, wir gehen hier nicht wei­ter auf Details ein…
An sei­ner Stel­le hat die Pro­duk­ti­ons­fir­ma einen rus­si­schen Dar­stel­ler, Vla­di­mir Nobukov, Bru­der einer gewis­sen Oks­a­na, enga­giert.
Die Stell­pro­ben der Kom­par­sen vor Dreh­be­ginn wur­den wie­der­holt durch eine mys­te­riö­se Gestalt, die man nur als ›Mond­mann‹ bezeich­net, gestört.
Mel Gib­son ver­sucht sich wie­der in die Pro­duk­ti­on zu drän­gen, indem er wie­der­holt , als Magd ver­klei­det, mit sei­nem Assis­ten­ten am Set auf­taucht. Er schäumt vor Wut als er erfährt, das man sehr schnell kom­pe­ten­ten Ersatz gefun­den hat…
Ein Spie­ler spielt Mel Gib­son und sei­nen Assis­ten­ten Mike, ein Spie­ler spielt den bekann­ten rus­si­schen Schau­spie­ler Vla­di­mir Nobukov und des­sen Assis­ten­ten Iwan. Bei­de ver­su­chen den Mond­mann zu fan­gen.«

Ein tol­les und klein­teil­rei­ches Gelän­de, eine extrem wit­zi­ge Idee und Spie­ler, denen man den Spaß ansah. So soll es sein.

Der WIKINGERANGRIFF AUF DIE HAMMABURG war eben­falls sehr schön gemacht. Eine gro­ße Plat­te vol­ler Details, her­vor­ra­gend umge­setz­ter Schif­fe und lie­be­voll bemal­ter Figu­ren. Die Tiger­en­te in dem klei­nen Teich war nur ein klei­ner Humor-Akzent, der mir sehr gefal­len hat­te.

Last but not least war da die­se impe­ria­le Burg. Beein­dru­ckend, mit viel Lie­be zum Detail, aber im End­ef­fekt hat mei­ne Toch­ter dafür gesorgt, dass die Burg hier auf­taucht. Mit­ten drin war eine »Sta­tue« eines Pfer­des auf­ge­stellt wor­den. Als Kern die­ser Sta­tue dien­te eines die­ser sam­mel­ba­ren FILLY UNICORNS, was mei­ne Toch­ter natür­lich sofort begeis­ter­te. Mich zwar eher die Ver­ar­bei­tung und die Ide­en, die dort hin­ein gewan­dert waren, aber es muss ja nicht immer um mich gehen.

Auch eine schö­ne Über­ra­schung gab es dann auf der Tac­ti­ca noch: die exzel­len­ten, etwas wei­ter vorn erwähn­ten Dun­ge­on­tei­le der Fir­ma »Dwar­ven For­ge« sind nun auch hier­zu­lan­de ein­fa­cher zu bekom­men. Die Qua­li­tät und die vie­len klei­nen, ver­spiel­ten Details wie Geheim­tü­ren hin­ter Bücher­re­ga­len sind ein­fach umwer­fend und immer einen Blick wert.
Eben­falls erwäh­nens­wert ist das eher aus Groß­bri­tan­ni­en bekann­te »Bring & Buy«. Hier kann der mit Über­schuss geplag­te Besu­cher Din­ge abge­ben, die er ver­kau­fen möch­te, die Ver­an­stal­ter haben eine Kas­se auf­ge­stellt und am Schluss erhält man dann den Erlös abzüg­lich 10%. Stress­frei und bequem.

Fazit: Eine äußerst emp­feh­lens­wer­te Ver­an­stal­tung, die ich auch beim nächs­ten Mal ganz bestimmt wie­der besu­chen wer­de.

Abschlie­ßend noch ein paar wei­te­re Impres­sio­nen von einem rund­her­um gelun­ge­nen Wochen­en­de.

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Bild­nach­weis: Logo Tac­ti­ca Copy­right Ham­bur­ger Tac­ti­ca e.V., alle Fotos Copy­right Bernd Mey­er

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AutorIn: Bernd Meyer

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