SWORDS FOR A DEAD LADY – ein gelungener Debutroman von Jim Webster

Gute, alte Fan­ta­sy gefäl­lig? Ohne Dämo­nen, mäch­ti­ge Zau­be­rer, rie­si­ge Hee­re oder einen über­mäch­ti­gen Dunk­len Herr­scher? Schwer zu fin­den, heut­zu­ta­ge sind all die­se Din­ge übli­cher­wei­se unent­behr­li­che Zuta­ten geworden.

Aber SWORDS FOR A DEAD LADY bricht aus die­sen Kli­schees aus. Ange­sie­delt in einer eige­nen, äußerst inter­es­sant gespon­ne­nen Welt, kommt die­ses Debüt ganz ohne die oben genann­ten Bei­ga­ben aus. Und ist trotz­dem span­nend und mit­rei­ßend, zumin­dest wenn man der eng­li­schen Spra­che mäch­tig ist. Magie gibt es zwar, aber sie wird eher neben­bei erwähnt, nicht als tra­gen­des Ele­ment. Trotz­dem ver­misst man sie kei­nes­wegs, es gibt genug tra­di­tio­nel­le Aben­teu­er, auf die man mit­ge­nom­men wird.

Info­text:

Swords for a Dead Lady is perhaps best thought of as a fan­ta­sy adven­ture. The­re is the dis­co­very of the naked body of a woman has­ti­ly buried in a mar­sh, the quest to dis­co­ver her iden­ti­ty and hunt down her kil­ler leads our prot­ago­nists into ambush, civil stri­fe and even light opera.

Die Geschich­te beginnt in Toelar, einer zivi­li­sier­ten Stadt, wie ihre Bewoh­ner nicht müde wer­den zu beto­nen. Wir begeg­nen Benor Dorf­inn­gil, einem mit 50 Jah­ren schon etwas älte­ren gelehr­ten Kar­to­gra­phen – den Freu­den des Lebens nicht abge­neigt – wäh­rend er vor einer Grup­pe äußerst ärger­li­cher Per­so­nen flieht. Ange­führt wer­den die Ver­fol­ger von einem Kauf­mann, für des­sen jun­ge Frau Benor zu viel übrig hat­te, zumin­dest für den Geschmack des Ehe­manns. Auf der Flucht begeg­net er dann einem jun­gen Urlan namens Roth­red, der auf die Suche nach Benor geschickt wur­de. Der Anblick des gerüs­te­ten Krie­gers lässt den Ehe­mann die Ver­fol­gung abbrechen.
Bei eini­gen Krü­gen Ale erfährt Benor dann, dass er den jun­gen Krie­ger in die Sümp­fe beglei­ten soll, wo einer der Anfüh­rer der Sumpf­be­woh­ner um ein Tref­fen gebe­ten hat. Mit eini­gen Schwie­rig­kei­ten gelan­gen sie schließ­lich zu die­sem Tref­fen, nicht ohne ein paar Angrei­fer besiegt zu haben.
Der Grund die­ses Tref­fens ist der Fund einer nack­ten Frau­en­lei­che, die schein­bar Ver­bin­dun­gen zu den Urlans hat­te. Eine Garot­te, die mit ihr zusam­men gefun­den wur­de, legt einen gewalt­sa­men Tod nahe, außer­dem war die Frau schwan­ger. Benor und Roth­red tun sich zusam­men, um her­aus­zu­fin­den, wer die­se Frau war, wer sie getö­tet hat und war­um sie ster­ben muss­te. Ein Unter­neh­men, das sie auf eine lan­ge und ver­schlun­ge­ne Rei­se durch eine leben­dig beschrie­be­ne Welt mit einer sau­ber aus­ge­ar­bei­te­ten Ver­gan­gen­heit führt, hin­ein auch in weit zurück­rei­chen­de Ereig­nis­se. Sogar bis zu einem Auf­stand in einer Stadt führt sie ihre Suche, bei der sie ler­nen, dass nicht immer alles so ist, wie es scheint.

Jim Webs­ter hat ein span­nen­des und atmo­sphä­risch dich­tes Werk geschaf­fen, das den Leser an frem­de Orte und durch vie­le Aben­teu­er führt. Eine leben­di­ge, far­ben­fro­he Welt umrahmt die Hand­lung, deren Bewoh­ner ganz und gar nicht ein­di­men­sio­nal sind. Der leben­di­ge Hin­ter­grund umfasst Städ­te mit eige­ner Geschich­te, die stim­mig in das Gesamt­bild ein­ge­fügt sind. Toelar zum Bei­spiel ver­fügt mit sei­nen »Dach­läu­fern« (im Ori­gi­nal Roofrun­ner) über eine schö­ne Facet­te, die auch ver­nünf­tig aus­ge­ar­bei­tet und immer mal wie­der erwähnt wird. Klei­ne Details, wie die Aus­sa­ge, dass auf jedem Dach zwei Plan­ken lie­gen, damit man immer zum nächs­ten Dach gelangt, sor­gen für Leben­dig­keit. Auch das Zusam­men­spiel der Städ­te und deren Umland ist stim­mig. In den Sümp­fen gibt es ein Wege­netz, das hoch über dem Boden zu fin­den ist, an Bäu­men auf­ge­hängt oder wie eine Brü­cke mit Pfei­lern gesi­chert. Spä­ter erwähn­te Städ­te sind immer noch dabei, die Spu­ren von Plün­de­run­gen zu ent­fer­nen, was natür­lich den Ambi­tio­nen von Aben­teu­rern Tür und Tor öff­net. Dem ent­ge­gen stellt sich eine Wache, die für das gesam­te Gebiet zustän­dig und dar­um viel­leicht nicht immer vor Ort ist, wenn gera­de etwas geschieht. Dies alles durch­wo­ben mit einer inter­es­san­ten His­to­rie, die immer mal wie­der durch­scheint, run­det das Gesamt­bild ab.
Beson­ders posi­tiv hat mich der gerin­ge Stel­len­wert der Magie über­rascht, was deut­lich gegen den all­ge­mei­nen Trend in der Fan­ta­sy geht. Magie ist in der Welt vor­han­den, wird aber anschei­nend wie ande­re Wis­sens­ge­bie­te – bei­spiels­wei­se Mathe­ma­tik oder Kar­to­gra­phie – nicht als etwas Welt­erschüt­tern­des betrach­tet, eher als ein ein­fa­ches »Fach­ge­biet«. Sie wird erwähnt, ver­fügt aber nicht über einen beson­de­ren Stel­len­wert oder die her­aus­ra­gen­de Ver­än­de­rungs­macht wie man das sonst bei Fan­ta­sy gewöhnt ist. Dadurch, und durch die Tat­sa­che, dass nur kurz gegen Ende eine magi­sche Aka­de­mie erwähnt wird, bekommt sie eher den Man­tel der Bana­li­tät übergestreift.

Ein paar Recht­schreib- und Gram­ma­tik­feh­ler sind im Text ent­hal­ten, aber nach Aus­sa­ge des Autors wer­den die noch ent­sorgt. Wie mir eben­falls mit­ge­teilt wur­de, ist ein Nach­fol­ge­band in Arbeit, auf den ich schon sehr gespannt bin. Eine der­ar­tig fas­zi­nie­ren­de Welt soll­te auch wei­ter­hin mit Leben erfüllt wer­den, alles ande­re wäre schade.

Alles in allem eine sehr emp­feh­lens­wer­te Lek­tü­re, die auch durch die Feh­ler nicht getrübt wird.

SWORDS FOR A DEAD LADY – Jim Webster
Fantasy
For­mat: Kindle
Spra­che: Englisch
Datei­grö­ße: 657 KB, Preis: EUR 6,30
21. Novem­ber 2011
ASIN: B006C4C8OO
AUK Authors

 

Titel­bild Copy­right Jim Webster

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AutorIn: Bernd Meyer

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