Eins gleich vorweg: wer in den letzten 16 Jahren unter einem Stein gelebt hat und noch nie etwas von MINECRAFT gehört hat, für den ist dieser Film nicht geeignet. Ich gehe sogar noch weiter: Er ist ebenfalls nicht für Personen geeignet, die MINECRAFT noch nie gespielt haben. Denn die Handlung ist eigentlich weitestgehend irrelevant und ein Großteil des Gezeigten ergibt nur dann einen Sinn, wenn man das Spiel auch tatsächlich kennt und gespielt hat.
Ich hatte mich im Vorfeld gefragt, wie man MINECRAFT überhaupt in einen Film umsetzen will und die Macher haben einen Weg gewählt, den man wählen kann und der in meinen Augen auch sinnvoll ist.
Denn man versucht nicht einmal ansatzweise, das Ganze ernst zu nehmen und setzt stattdessen auf 100% Unsinn und Klamauk, der skurrilen Spielvorlage, die damals alle Genregrenzen sprengte ist das auch angemessen, denn die vermeintlichen Widersprüche im Spiel sind offensichtlich und die kennen alle Gamerinnen natürlich. Zu versuchen, dem eine irgendwie geartete weltliche Logik überzustülpen muss einfach schief gehen, deswegen hat man davon abgesehen.
Ich kann mir gut vorstellen, dass unbedarfte Kritiker°Innen aus den Feuilletons, die normalerweise Genre-Filme verreißen, weil man das in Deutschland halt so tut, von A MINECRAFT MOVIE komplett überfordert sind. Weil der nicht den Anspruch hat, Anspruch haben zu wollen, sondern einfach nur mal knapp über anderthalb Stunden kompletten Unsinn mit MINECRAFT-Bezug über den Zuschauerinnen auszuschütten. Und das mit dem Unsinn meine ich ausdrücklich positiv. ich habe schon lange keinen Film mehr gesehen, der kontinuierlich dermaßen überdreht Gagsalven abfeuert. Ich fühlte mich stellenweise an Filme der 0er oder 90er erinnert. Natürlich trifft nicht jeder Gag, ein paar davon sind sogar ein wenig cringe. Das wird noch verstärkt durch eine unfassbar schlechte deutsche Synchronisation, bei denen man deutlich merkt, dass die Dialogregie ernste Schwierigkeiten hatte, die Gags zu übersetzen (was bei manchen Wortspielen auch gar nicht geht). An der MINECRAFT-Nomenklatur liegt das nicht, die stimmte (selbstverständlich), aber Übersetzungsqualität und Timing waren stellenweise hart daneben. Noch viel mehr daneben der Versuch, Jack Blacks Gesangseinlagen ins Deutsche zu übertragen. Wer Jack Black kennt, der weiß, dass das fehlschlagen muss. Das kann man nicht übersetzen. Untertiteln wäre hier die deutlich bessere Wahl gewesen und ich freue mich sehr auf die englische Originalversion von A MINECRAFT MOVIE.
Wie gesagt: Hier geht es um dauerhaftes Gag-Abfeuern in einer MINECRAFT-Umgebung, die Handlung wird da mehr oder weniger nebensächlich (ist aber vorhanden), dass man sich an der Standardschablone für Plots orientiert und auch wirkliche Überraschungen in der Handlung fehlen, mag die in oder andere bemängeln, tritt aber in meinen Augen angesichts der schieren Freude an Humbug und bekloppten Ideen zumindest für mich in den Hintergrund.
Dass das alles zündet, zeigen mehrere Dinge. Zum einen war das Kino für die Vorpremiere voll wie ich es schon lange nicht gesehen habe. Offensichtlich voller MINECRAFT-affiner Personen, darunter auch ich in meinem Creeper-T-Shirt. Vor mir saß eine Familie, Mutter, Vater, Kind, bei denen Mutter und Kind über das Game diskutierten und die Mutter sinngemäß sagte »Ja, ist klar, erzähl noch einen, Du stirbst doch immer lange vor mir«. MINECRAFT ist generationenübergreifend. Kinder, die geboren wurden, als Notch die Alpha veröffentlichte, sind heute 16 Jahre alt.
Und so hat das anwesende Publikum den Film auch goutiert, es gab Lacher an den richtigen Stellen und am Ende des Films sogar Applaus, das hatte ich schon sehr lange nicht mehr. Die Zielgruppe, darunter ich, hatte eindeutig ihren Spaß. Und diese Zielgruppe macht sich – so wie ich in den 80ern – auch keine Gedanken über Drehbücher, Plots oder Kameraeinstellungen, sondern erfreut sich an einem hochunterhaltsamen, durchgeknallten Film zum Gamerinnen-Hobby und zu einem Popkultur-definierenden Spiel.
MINECRAFT-Spielerinnen werden neben den ganz offensichtlichen auch zahllose kleine und Randreferenzen finden, die man in großer Menge in den Film eingestreut hat, darunter auch welche, die vielleicht sogar altgedienten Veteran°Innen nicht auffallen werden, beispielsweise ein Cameo, auf das ich hier nicht weiter eingehen werde.
Dass Jack Black hier abliefert, mit angesichts des überbordenden Klamauks angebrachtem Overacting und Mimik die völlig drüber ist, sollte nicht überraschen, wenn man den Mimen kennt. noch überraschender fand ich allerdings Jason Momoa, der den Ex-Arcade-Weltmeister und Volltrottel mit einem Spaß spielt, dass es eine helle Freude ist. Dem vergibt man auch die aus den 80ern gefallenen Sprüche, denn bei diesem Charakter sind sie mehr als angemessen. Momoa beweist hier wieder einmal, dass er mehr kann als nur körperbetonte Actionfilme und sich nicht zu schade ist, sich für einen Charakter in einer Komödie zum Deppen zu machen.
Sebastian Eugene Hansen als Henry und eigentliche Hauptfigur hat es nicht leicht gegen die beiden Schwergewichte anzuspielen und geht angesichts von deren Overacting leider ein wenig unter. Auch für Emma Myers hätte ich mir etwas mehr Screentime und Handlungswichtigkeit gewünscht, nachdem sie am Anfang des Films als für den Bruder wichtig aufgebaut worden war. Ähnlich gilt das für Danielle Brooks.
Die Musik ist ein Mix aus orchestral und natürlich zahllosen Popsongs, darunter wegen Momoas Figur Referenzen auf die 1980er, sowie den Black-schen Gesangseinlagen, die man – wie oben bereits angedeutet – besser im Original belassen hätte.
Ich bin sicher, dass es ein paar MINECRAFT-Puristen geben wird, weil man sich an ein paar Stellen hinsichtlich der Spielvorlage ein paar Freiräume heraus genommen hat (zum Beispiel wann genau und warum Creeper eigentlich explodieren), aber es handelt sich halt um eine Adaption in eine andere Kunstform und das ist Genörgel auf hohem Niveau.
Man muss sich darauf einlassen können, dass man hier 101 Minuten mit maximalem Klamauk und ungebremstem, überbordendem Spaß vollgeballert wird, wer nicht darauf steht, wird mit diesem Film vermutlich einige Probleme haben. Wer noch dazu MINECRAFT noch nie gespielt hat, dem möchte ich von einem Besuch eigentlich sogar abraten, denn große Teile von A MINECRAFT MOVIE müssen für solche Personenkreise unverständlich bleiben.
Ja, Schwächen in Drehbuch und Handlung sind definitiv da, aber: geschenkt. Denn einen derart einfach nur unterhaltsamen Klamauk-Film mit Popcorn-Eyecandy und Spaß nach vorsätzlicher Hirnabschaltung habe ich schon lange nicht mehr gesehen.
A MINECRAFT MOVIE ist hunderte Chunks weit davon entfernt ein perfekter Film zu sein – aber es ist der unterhaltsamste Film, den ich seit langem gesehen habe.
Ich hatte spontan Bock, mal wieder einen MINECRAFT-Server aufzusetzen
Just one more block …
A propos »just one more block«. Dass die Cineastin bis zum Ende des Abspanns sitzen bleibt, ist ohnehin Ehrensache. Sollten alle anderen hier ebenfalls tun.
A MINECRAFT MOVIE
Besetzung: Jason Momoa, Jack Black, Sebastian Eugene Hansen, Emma Myers, Danielle Brooks, Jennifer Coolidge, Rachel House, Allan Henry, Bram Scott-Breheny, Moana Williams u.v.a.m.
Regie: Jared Hess
Drehbuch: Hubbel Palmer, Chris Bowman, Neil Widener
Produzent°Innen: Jon Berg, Cale Boyter, Vu Bui, Roy Lee, Jill Sobel Messick, Jason Momoa, Mary Parent, Torfi Frans Ólafsson
Ausführende Produzen°Innen: Jay Ashenfelter, Pete Chiappetta, Todd Hallowell, Andrew Lary, Brian Andrew Mendoza, Jon Spaihts, Anthony Tittanegro, Kayleen Walters
Kamera: Enrique Chediak
Schnitt: James Thomas
Musik: Mark Mothersbaugh (u.v.a.m.)
Produktionsdesign: Simon Bright
Casting: Rachel Tenner
101 Minuten
USA 2025
Promofotos Copyright Warner Bros.