Demnächst: PERRY RHODAN 2700 – DER TECHNO-MOND von Andreas Eschbach

Der neue Zy­klus, der Ju­bi­lä­ums­band, der Gast­au­tor und Ge­dan­ken zu eBooks.

Die PER­RY RHO­DAN–Re­dak­ti­on lud an­läss­li­ch des an­ste­hen­den Er­schei­nens von PR 2700, und ei­nem da­mit be­gin­nen­den neu­en Hand­lungs­ab­schnitt, zum Pres­se­ter­min – und an­ders als son­st üb­li­ch dies­mal in Köln, mög­li­cher­wei­se we­gen der Me­di­en­prä­senz in der Rhein­me­tro­po­le.

Der Ein­ge­weih­te mag nun an­neh­men, dass an ei­nem Zy­klen­start wei­ter nichts Au­ßer­ge­wöhn­li­ches ist, denn so et­was hat­ten wir in der über 50-jäh­ri­gen Ge­schich­te der Heft­ro­man­se­rie be­reits oft ge­nug – aber dies­mal ist der Ro­man mit dem Ti­tel DER TECH­NO-MOND tat­säch­li­ch et­was Be­son­de­res, denn er wird nicht von ei­nem Ex­po­sé-Au­tor (oder sons­ti­gem Team­mit­glied) ver­fasst, wie son­st, son­dern vom Best­sel­ler­au­tor An­dre­as Esch­bach. Das ist na­tür­li­ch ein ge­schick­ter Schach­zug, denn auf die­sem Wege kann man mög­li­cher­wei­se Le­ser und ge­ra­de Esch­bach-Fans mit­neh­men, die an­sons­ten nie ei­nen Bli­ck auf die Aben­teu­er des ehe­ma­li­gen Ri­si­ko­pi­lo­ten ge­wor­fen hät­ten.

Man nennt ei­nen Ro­man, wie Esch­bach ihn schreibt, ei­nen »Gastroman«, den Ver­fas­ser des­sel­ben ei­nen »Gast­au­tor«. Neu war für mich die In­for­ma­ti­on, dass An­dre­as Esch­bach selbst vor Jah­ren die Idee dazu hat­te und sie an die PR-Re­dak­ti­on her­an­trug. In­spi­ra­ti­on hier­für wa­ren ame­ri­ka­ni­sche Fern­seh­se­ri­en, in de­nen im­mer wie­der Gast­stars auf­tre­ten. Ähn­li­ches kön­ne man doch auch bei der Heft­ro­man­se­rie ein­füh­ren, um die At­trak­ti­vi­tät zu stei­gern, so war der Geis­tes­blitz.

Ein durch­aus in­ter­es­san­tes Kon­zept und auch eine schlüs­si­ge Idee, denn zum ei­nen er­freu­en Gast­au­to­ren die PR-Fans, aber – und das er­scheint mir per­sön­li­ch viel wich­ti­ger – kön­nen sie mög­li­cher­wei­se da­für sor­gen, dass An­hän­ger die­ser Gast­au­to­ren (oder der Ge­bie­te die sie li­te­ra­ri­sch be­ackern) auf die­se Wei­se ih­ren Weg zur PER­RY RHO­DAN-Se­rie fin­den kön­nen. Und so konn­te man in den letz­ten Jah­ren ver­schie­de­ne Na­men in Gast­rol­len als Au­tor bei der dienst­äl­tes­ten kon­ti­nu­ier­li­ch lau­fen­den SF-Se­rie be­grü­ßen: Mar­kus Heitz, Gis­bert Ha­efs, Ti­tus Mül­ler, Ri­chard Dü­bell oder eben be­reits mehr­fach An­dre­as Esch­bach.

Ein­schub: An­dre­as Esch­bach

An­dre­as Esch­bach und Mi­ri­am Hofheinz

An­dre­as Esch­bach kam am 15. Sep­tem­ber 1959 in Ulm zur Welt. Nach­dem er ei­ni­ge Se­mes­ter Luft- und Raum­fahrt­tech­nik in Stutt­gart stu­diert hat­te, bau­te er eine ei­ge­ne Fir­ma auf und ar­bei­te­te als Soft­ware-Ent­wick­ler. Schon als Ju­gend­li­cher schrieb er SF-Sto­rys und ver­folg­te sei­nen Her­zens­wunsch, Schrift­stel­ler zu wer­den.
Be­reits mit DIE HAAR­TEP­PICH­KNÜP­FER, sei­ner ers­ten Ver­öf­fent­li­chung im Jahr 1995, er­rang er Li­te­ra­tur­prei­se. Mit sei­nem drit­ten Ro­man DAS JE­SUS-VI­DEO schaff­te er den kom­mer­zi­el­len Durch­bruch. Die­ser Stoff wur­de auch für ei­nen TV-Zwei­tei­ler ver­filmt.
Nach der Space-Ope­ra QUEST, in der er 2001 Mo­ti­ve sei­nes De­büt-Ro­mans auf­griff, wand­te sich Esch­bach von der rei­nen Sci­en­ce Fic­tion ab, sei­ne wei­te­ren Wer­ke zei­gen aber im­mer wie­der phan­tas­ti­sche An­sät­ze. So bie­tet er in sei­nem Thril­ler AUS­GE­BRANNT fun­dier­te wie un­ter­halt­sa­me Ant­wor­ten auf die Fra­ge: »Was wäre, wenn das Öl aus­geht?«
Dem Gen­re Sci­en­ce Fic­tion blieb er mit sei­ner Ju­gend­buch­rei­he im Arena-Ver­lag ver­haf­tet. Von DAS MAR­S­PRO­JEKT er­schie­nen fünf Tei­le, die in­zwi­schen als Ta­schen­bü­cher bei Lüb­be er­schie­nen sind. Der Thril­ler BLACK-OUT (2010) über ein 17-jäh­ri­ges Ha­cker-Ge­nie be­geis­tert auch er­wach­se­ne Le­ser.
An­dre­as Esch­bach ver­wirk­lich­te sei­nen al­ten Ju­gend­traum, als er den ers­ten PER­RY RHO­DAN-Gastroman schrieb. DER GE­SANG DER STIL­LE er­schien als Band 1935 und zählt längst zu den High­lights der Se­rie. Zwei wei­te­re Gastroma­ne folg­ten.
Bei­spiel­haft ist sein En­ga­ge­ment für den Au­to­ren­nach­wuchs. Jah­re­lang gab er Schreib­se­mi­na­re an der Bun­des­aka­de­mie für kul­tu­rel­le Bil­dung in Wol­fen­büt­tel. Sei­ne Er­kennt­nis­se und Rat­schlä­ge wur­den re­gel­mä­ßig in der Zeit­schrift »phan­tas­ti­sch!« ver­öf­fent­licht und sind auf sei­ner Home­page nach­zu­le­sen.
An­dre­as Esch­bachs Ro­man HERR AL­LER DIN­GE er­schien im Sep­tem­ber 2011 bei Lüb­be. Die er­s­te öf­fent­li­che Prä­sen­ta­ti­on des Ro­mans fand auf dem PER­RY RHO­DAN-Welt­Con 2011 statt. Es ging um die Fra­ge, ob alle Men­schen reich sein könn­ten.

Quel­le Bio­gra­fie: PER­RY RHO­DAN-Re­dak­ti­on

Coverkünstler Dirk Schulz

Co­ver­künst­ler Dirk Schulz

In­ter­es­sant an DER TECH­NO-MOND ist eben ge­ra­de, dass er nicht – wie son­st üb­li­ch – vom Ex­po­sé-Re­dak­teur der Se­rie ver­fasst wird. Das ist ein Ex­pe­ri­ment und man soll­te an­neh­men, ein sehr span­nen­des, aber An­dre­as Esch­bach ou­te­te sich wäh­rend der Pres­se­kon­fe­renz als lang­jäh­ri­ger RHO­DAN-An­hän­ger, der das Uni­ver­sum des Hel­den nach ei­ge­nem Be­kun­den in- und aus­wen­dig kennt. Das hilft na­tür­li­ch da­bei, eine Ge­schich­te in­ner­halb die­ses Uni­ver­sums zu schrei­ben, auch wenn man kei­nen gro­ßen Über­bli­ck über das Ex­po­sé des neu­en Zy­klus´ hat. Tat­säch­li­ch wur­de of­fen­ge­legt, dass Esch­bach wäh­rend des Schrei­bens des Ro­mans 2700 jede Men­ge ei­ge­ne Ide­en ein­ge­bracht hat. In wie weit die­se sich even­tu­ell auf den neu­en Zy­klus aus­wir­ken wer­den, wur­de na­tür­li­ch nicht ver­ra­ten, aber es zeigt, wie vie­le Frei­hei­ten man dem wahr­schein­li­ch be­kann­tes­ten und er­folg­reichs­ten deut­schen Phan­tas­tik-Au­tor sei­tens der Re­dak­ti­on und der Ex­po­sé-Schmie­de ein­räum­te. Aber: das fällt si­cher­li­ch deut­li­ch leich­ter, wenn sich je­mand eben im Stoff aus­kennt – und viel­leicht so­gar als Fan be­zeich­net wer­den kann.

Ein­schub: der neue Zy­klus im Per­ry­ver­sum

Der nächs­te Hand­lungs­ab­schnitt der PER­RY RHO­DAN-Rei­he trägt den Ti­tel DAS ATO­PI­SCHE TRI­BU­NAL. Der Wer­be­text hier­zu und zum Ju­bi­lä­ums­band liest sich wie folgt:

Das Jahr 1514 Neu­er Ga­lak­ti­scher Zeit­rech­nung:

Wie eine Wu­che­rung über­zieht das so­ge­nann­te Tech­no­ge­flecht den Mond, nie­mand kann den Tra­ban­ten der Erde er­rei­chen. Was ge­schieht in di­rek­ter Nähe der Erde, wel­che Macht hat sich hier ein­ge­nis­tet?

Exposéautor Christian Montillon

Ex­po­sé­au­tor Chris­ti­an Mon­til­lon

Es wird span­nend wer­den zu le­sen, was das neue Team aus Ex­po­sé-Au­to­ren, na­ment­li­ch Chris­ti­an Mon­til­lon und Wim Van­de­ma­an (ali­as Chris­to­ph Dit­tert und Dr. Hart­mut Kas­per) sich für den neu­en Zy­klus aus­ge­dacht hat. Und dar­über hin­aus, möch­te ich an­fü­gen, denn man soll­te nicht aus den Au­gen ver­lie­ren, dass mit Band 3000 schon in ca. sechs Jah­ren das nächs­te Ju­bi­lä­um an­steht.

PER­RY RHO­DAN –  was ist das ei­gent­li­ch?

Für die an­we­sen­den Pres­se­ver­tre­ter wur­de die Se­rie grund­le­gend vor­ge­stellt, et­li­che der In­for­ma­tio­nen sind na­tür­li­ch für den An­hän­ger gar nichts neu­es, aber man muss da­von aus­ge­hen, dass ein Groß­teil der An­we­sen­den zwar mal was von PR ge­hört hat­te, wei­te­re In­fos aber fehl­ten. Und auch hier für die Un­in­iti­ier­ten mal ein paar Fak­ten:

Bis­lang sind 2700 Heft­ro­ma­ne, über 400 Ta­schen­bü­cher und über 120 Hard­co­ver er­schie­nen.
Ganz zu schwei­gen von E-Books, Hör­bü­chern, Com­pu­ter­spie­len, Mo­dell­bau­sät­zen, Plüsch­fi­gu­ren, Mu­sik-CDs, Co­mics und zahl­lo­sen an­de­ren Pro­duk­ten. Die Ge­samt­auf­la­ge der Print-Pro­duk­te hat al­lein in Deutsch­land längst die Mil­li­ar­den­gren­ze über­schrit­ten, hin­zu kom­men Aus­ga­ben in Frank­reich, den Nie­der­lan­den, Tsche­chien, Bra­si­li­en, Ja­pan und den USA.

Man muss sich das auf der Zun­ge zer­ge­hen las­sen: 2700 Hef­te mal ca. 60 Sei­ten, das sind 162000 Sei­ten.

Die Re­dak­ti­on schreibt zu PER­RY:

Er ist der po­pu­lärs­te As­tro­naut der Welt, be­kann­ter als Neil Arm­strong, Ju­rij Ga­ga­rin oder John Glenn. Er be­trat als ers­ter Men­sch den Mond und stieß für die Mensch­heit das Tor zu den Ster­nen auf. Er ist ge­bür­ti­ger Ame­ri­ka­ner, aber sei­ne Vä­ter sind Deut­sche – und sei­ne Na­tio­na­li­tät längst die ei­nes »Ter­ra­ners«, ei­nes Men­schen, der sich als Bür­ger des ge­sam­ten Uni­ver­sums be­greift.

Sein Name: Per­ry Rho­dan.

Der Wer­de­gang Per­ry Rho­dans be­gann 1960, als Wal­ter Ern­sting (ali­as Clark Darl­ton) und Karl-Her­bert Scheer, die bei­den be­lieb­tes­ten Au­to­ren der deut­schen Nach­kriegs-Sci­en­ce-Fic­tion, ein Kon­zept für eine neue Se­rie ent­war­fen. Ihre Prä­mis­se: Was wäre, wenn Men­schen un­se­rer Zeit auf dem Mond lan­de­ten – da­mals noch eine von vie­len als Spin­ne­rei ab­ge­ta­ne Uto­pie – und dort auf Au­ßer­ir­di­sche trä­fen?
Die bei­den stell­ten ihr Kon­zept dem Mo­e­wig-Ver­lag vor und rann­ten dort of­fe­ne Tü­ren ein. Be­reits am 8. Sep­tem­ber 1961 war es so­weit: PER­RY RHO­DAN Num­mer eins er­schien un­ter dem Ti­tel »Un­ter­neh­men STAR­DUST« und läu­te­te ein neu­es Zeit­al­ter der deut­schen Sci­en­ce Fic­tion ein.
»Un­ter­neh­men STAR­DUST« ent­führ­te die Le­ser in das da­mals noch in der Zu­kunft lie­gen­de Jahr 1971. Das Raum­schiff STAR­DUST mit sei­nem Kom­man­dan­ten Per­ry Rho­dan, dem Ma­jor der ame­ri­ka­ni­schen Space Force, und drei wei­te­ren As­tro­nau­ten bricht zu un­se­rem Nach­bar­tra­ban­ten auf. Der Flug ver­läuft nach Plan, doch beim Lan­de­an­flug setzt aus un­er­klär­li­chen Grün­den die Steue­rung aus. Rho­dan ge­lingt nur knapp eine Not­lan­dung.
Bald dar­auf sto­ßen die As­tro­nau­ten auf den Grund ih­res Bei­na­he-Ab­stur­zes: ein ge­wal­ti­ges Raum­schiff der men­schen­ähn­li­chen Ar­ko­ni­den. Rho­dan lässt sich von der tech­ni­schen Über­le­gen­heit der Ar­ko­ni­den nicht ein­schüch­tern. Es ge­lingt ihm, Zu­gang zu ih­rer Tech­no­lo­gie zu er­hal­ten. Er ver­hin­dert den Drit­ten Welt­krieg und eint die Mensch­heit. Das Tor zu den Ster­nen steht den Ter­ra­nern, wie sie sich von die­sem Mo­ment an nen­nen, of­fen …
Beim Start von PER­RY RHO­DAN gin­gen Scheer und Ern­sting von drei­ßig, bes­ten­falls fünf­zig Aus­ga­ben aus, aber an­ders als beim Da­tum der ers­ten Mond­lan­dung, das sie nur knapp ver­fehl­ten, grif­fen sie da­mit gründ­li­ch da­ne­ben.

Quel­le Pres­se­text: PER­RY RHO­DAN-Re­dak­ti­on

Chefredakteur Klaus N. Frick und Andreas Eschbach

Chef­re­dak­teur Klaus N. Frick und An­dre­as Esch­bach

PER­RY RHO­DAN und die eBooks

be­son­ders in­ter­es­sant fand ich als eBook-An­hän­ger und –Ver­fech­ter ei­ni­ge In­for­ma­tio­nen rund um das The­ma elek­tro­ni­sche Bü­cher, die man auf der Pres­se­kon­fe­renz er­fah­ren konn­te. Die PR-Re­dak­ti­on war schon früh um­trie­big in Sa­chen eBooks und heut­zu­ta­ge ge­hört man zu den­je­ni­gen, die in die­sem Be­reich in Deutsch­land ganz weit vor­ne mit da­bei sind. Je­der PER­RY RHO­DAN-Ro­man kommt zeit­gleich mit der Heft­aus­ga­be auch als eBook her­aus, das gilt so­wohl für die Erst­auf­la­ge, wie auch für den Ab­le­ger PER­RY RHO­DAN NEO oder die be­rühm­ten Sil­ber­bän­de. Man ar­bei­tet ge­ra­de dar­an, die ge­sam­te Se­rie in gän­gi­gen eBook-For­ma­ten be­reit zu stel­len, ei­nen gro­ßen Teil gibt es be­reits.

Chef­re­dak­teur Klaus N. Frick stell­te den gro­ßen Vor­teil des For­ma­tes ge­gen­über den Heft­ro­ma­nen oder Ta­schen­hef­ten her­aus: das »alte« For­mat ver­schwin­den nach ei­ner Wo­che aus den Re­ga­len, die eBooks je­doch blei­ben er­hält­li­ch – und wer­den tat­säch­li­ch noch lan­ge nach dem Er­schei­nungs­ter­min ge­kauft. PER­RY RHO­DAN NEO Num­mer eins er­schien – wenn ich mich kor­rekt er­in­ne­re – im Ok­to­ber 2011 und geht heu­te im­mer noch re­gel­mä­ßig über die vir­tu­el­le La­den­the­ke. Dank An­bie­tern wie bei­spiels­wei­se Beam-eBooks kann man äl­te­re Zy­klen der Se­rie on­line eben­so pro­blem­los er­wer­ben, wie Abos für ak­tu­el­le Pu­bli­ka­tio­nen. Für ei­nen Ver­lag, der Jahr­zehn­te lang dar­auf an­ge­wie­sen war, sei­ne Pro­duk­te in ei­ner Wo­che so gut als mög­li­ch an die Le­ser zu brin­gen, muss das wie ein Wun­der wir­ken.

PR Infografik

PR In­fo­gra­fik

Und tat­säch­li­ch wer­den die eBook-Pro­duk­te von die­sen Le­sern auch an­ge­nom­men, trotz der ne­ga­ti­ven Stim­men, die man im­mer wie­der mal von Hard­core-Print-Ver­fech­tern ver­nimmt. Klaus Frick äu­ßer­te, dass er zu­nächst Sor­ge hat­te, weil Abon­ne­ments ge­kün­digt wur­den, aber hier au­gen­schein­li­ch tat­säch­li­ch ein Me­di­en­wan­del statt­fin­det: die Le­ser stei­gen auf das kom­for­ta­ble­re For­mat eBook um, das kann man aus Zu­schrif­ten und Ver­kaufs­zah­len ent­neh­men.

Ich sage es schon lan­ge: das eBook ist der Heft­ro­man des 21. Jahr­hun­derts. Und zwar un­ter ganz an­de­ren Vor­zei­chen: der Heft­ro­man der 70er und 80er Jah­re war eine Mas­sen­pu­bli­ka­ti­on, schnel­le Lek­tü­re in ei­ner Zeit ohne In­ter­net, Com­pu­ter und Apps. Heut­zu­ta­ge je­doch kann man mit die­sem Me­di­um ver­gleichs­wei­se güns­tig und ohne auf­wen­di­ge La­ger­hal­tungs- und Trans­port­lo­gis­tik die Le­ser er­rei­chen, auch wenn die gi­gan­ti­schen Ab­satz­zah­len von da­mals längst Ge­schich­te sind. Was zählt ist: dass man ef­fi­zi­ent Le­ser er­rei­chen kann.

Miriam Hofheinz

Mi­ri­am Hofheinz

In­ter­es­sant auch die In­for­ma­tio­nen von Mi­ri­am Hofheinz, die hat­te im PR-Mar­ke­ting ge­ar­bei­tet, ist aber heu­te für den eBook-Dienst­leis­ter Book­wire tä­tig (der auch PER­RY RHO­DAN an die Le­ser bringt): tat­säch­li­ch ge­hen Sci­en­ce Fic­tion und Phan­tas­tik im eBook-Be­reich nach ih­ren Aus­sa­gen über­durch­schnitt­li­ch gut.
Ich hat­te sie nach der Pres­se­kon­fe­renz noch ein­mal dar­auf an­ge­spro­chen und sie be­stä­tig­te mir mei­ne lan­ge ge­heg­ten An­sich­ten:

Et­li­che SF-Fans ver­le­gen sich auf eBooks, sind tech­ni­sch in­ter­es­siert und ha­ben we­ni­ger Be­rüh­rungs­ängs­te mit neu­en Tech­no­lo­gi­en. Und da­bei be­zieht sich das auch ih­rer An­sicht nach nicht nur auf deutsch­spra­chi­ge Aus­ga­ben, son­dern es wer­den im­mer häu­fi­ger gleich die eng­li­schen Fas­sun­gen ge­kauft, weil man kei­ne Lust hat, erst jah­re­lang auf eine deut­sche Fas­sung zu war­ten. Und ich füge hin­zu: von der man zu­dem nie weiß, ob sie über­haupt er­schei­nen wird, oder wenn nicht viel­leicht schlecht über­setzt ist.

Di­ver­se Pu­bli­kums­ver­la­ge aber ins­be­son­de­re auch zahl­lo­se Buch­händ­ler sind der An­sicht, dass Sci­en­ce Fic­tion (und auch viel sons­ti­ge Phan­tas­tik) »nicht mehr geht« – wer das nicht glaubt, der soll­te ei­nen Bli­ck in die Re­ga­le wer­fen, und dort die Spinn­we­ben ab­seits der Schmu­se­vam­pi­re zäh­len. Das mag im Print-Be­reich tat­säch­li­ch so sein, denn nicht nur das eBook kan­ni­ba­li­siert die­sen Markt, des­sen An­hän­ger jah­re­lang durch stief­müt­ter­li­che Be­hand­lung dazu ge­drängt wur­den, Al­ter­na­ti­ven zu su­chen. Und sie ha­ben die­se ge­fun­den, denn ab­seits der Pu­bli­kums­ver­la­ge wa­ren die »Klei­nen« viel agi­ler, was eBooks und Phan­tas­tik an­ging und ha­ben den »Gro­ßen Al­ten« den Rang ab­ge­lau­fen. Doch die Gen­re-Klein­ver­la­ge ste­hen beim fast schon sprich­wört­li­chen „Buch­händ­ler um die Ecke“ qua­si nie im Re­gal.

SF-eBooks (und Print­bü­cher aus den Klein­ver­la­gen) be­kommt man im In­ter­net leicht, bei vie­len gro­ßen Ver­la­gen und Buch­händ­lern je­doch nicht mehr. Eine Kat­ze, die sich in den Schwanz beißt? Heut­zu­ta­ge ganz si­cher, doch aus­ge­löst wur­de die­se Ent­wick­lung mei­ner An­sicht nach durch die Kon­zen­trie­rung der Pu­bli­kums­ver­la­ge auf Main­stream und da­durch, dass man so­wohl sei­ne Kun­den, als auch das Web un­ter­schätzt hat.

Klaus N. Frick und Andreas Eschbach vor dem Cover

Klaus N. Frick und An­dre­as Esch­bach vor dem Co­ver von PR 2700

Die Ver­ant­wort­li­chen bei PER­RY RHO­DAN ha­ben das Po­ten­ti­al der elek­tro­ni­schen Bü­cher (und nicht nur die­ses Me­di­um) früh er­kannt und ge­nutzt, auch das hebt die Se­rie von Pu­bli­ka­tio­nen an­de­rer Ver­la­ge ab. Das letz­te, was mich per­sön­li­ch im Mo­ment noch da­von ab­hält, die Se­rie kom­plett im eBook-For­mat zu le­sen (ich tue das der­zeit nur dann, wenn mir ein Heft durch die Lap­pen geht), sind die in die­ser Aus­ga­be feh­len­den Zu­satz­in­hal­te wie Re­port oder Ma­ga­zin. Auf An­fra­ge sag­te Klaus Frick aber, dass die­ses Pro­blem (das haupt­säch­li­ch ein Rech­te­pro­blem war) hof­fent­li­ch bald ge­löst wer­den kann.

Zum Ab­schluss

Der PER­RY RHODAN-»Jubelband« 2700 mit dem Ti­tel DER TECH­NO-MOND von An­dre­as Esch­bach er­scheint am 17. Mai 2013, eBook-Le­ser kön­nen ihn so­gar Be­reits ei­nen Tag vor­her be­kom­men, bei­spiels­wei­se bei Ama­zon. Wer SF mag und noch nie ei­nen PR ge­le­sen hat, darf ru­hig mal ei­nen Bli­ck wer­fen, denn der Start ei­nes neu­en Hand­lungs­ab­schnit­tes ist im­mer ein gu­ter Ein­stieg in die Se­rie. Man muss sich na­tür­li­ch dar­über im Kla­ren sein, dass PER­RY RHO­DAN seit über 50 Jah­ren ge­wach­sen ist und man auch beim Start ei­nes neu­en Zy­klus´ eine ge­wis­se Be­reit­schaft auf­brin­gen soll­te, sich mit der Se­rie und ih­rem kom­ple­xen Hin­ter­grund aus­ein­an­der­set­zen zu wol­len.

Für lang­jäh­ri­ge Fans oder Wie­der­ein­stei­ger dürf­te es wie oben schon er­wähnt über­aus span­nend sein zu se­hen, was die bei­den neu­en Ex­po­sé-Au­to­ren Mon­til­lon und Van­de­ma­an für eine Sto­ry er­son­nen ha­ben, und wo­mit der Held und sei­ne Mit­strei­ter kon­fron­tiert wer­den.

Die Le­se­pro­be zu DER TECH­NO-MOND im PDF-For­mat (ca. 860 kB)

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Co­ver­ab­bil­dun­gen, Le­se­pro­be und Foto Mi­ri­am Hofheinz Co­py­right VPM, alle an­de­ren Bil­der von mir, CC BY-NC-SA

AutorIn: Stefan Holzhauer

Meist harm­lo­ser Nerd mit na­tür­li­cher Af­fi­ni­tät zu Pi­xeln, Bytes, Buch­sta­ben und Zahn­rä­dern. Kon­su­miert zu­viel SF und Fan­ta­sy und schreibt seit 1999 on­line dar­über.


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