Rant: Wir brauchen keine neue Science Fiction – die ist längst da!

sfmond CC0: http://pixabay.com/de/saturn-space-weltraum-55958/

In der FAZ lässt sich ein Gün­ter Hack läng­li­ch, also im tl;dr;-Stil dar­über aus, dass wir eine »neue Sci­en­ce Fic­tion« be­nö­ti­gen. Die­ses Trak­tat wird an­ge­rei­chert mit un­er­träg­li­chen Schlau­sprech-Füll­wör­tern und ar­bei­tet sich an den ach so coo­len SF-Wer­ken der 70er und 80er ab (Dis­clai­mer: ich habe nichts ge­gen die, ganz im Ge­gen­teil, aber es wur­de auch da­na­ch noch coo­les Zeug ge­schrie­ben). Die ver­blüf­fen­de For­de­rung ist, zu­min­dest so wie ich das aus dem Ar­ti­kel und der Über­schrift ent­neh­me, dass die SF-Au­to­ren jetzt end­li­ch mal rein­hau­en sol­len, um Wer­ke zu schaf­fen, die Kon­tra­punk­te zu den or­well­schen Über­wa­chungs­kon­struk­ten, die uns alle um­ge­ben, be­schrei­ben.

Ich be­kom­me spon­tan tie­fe Griff­spu­ren an der Stirn und pflan­ze grö­ße­re Men­gen an Ge­sicht­spal­men. Und das wird im Lau­fe des Ar­ti­kels auch nicht mehr bes­ser, wenn mir bei­spiels­wei­se ein Bild­ein­schub ver­kli­ckern will, dass Phil­ip K. Dick mit BLA­DE RUN­NER das Gen­re »Cy­ber­punk« schuf (für In­ter­es­sier­te: Der Ti­tel der Vor­la­ge lau­te­te TRÄU­MEN AN­DRO­IDEN VON ELEK­TRI­SCHEN SCHA­FEN, weicht deut­li­ch von BLA­DE RUN­NER ab und ist auch nicht wirk­li­ch Cy­ber­punk, wenn­gleich man da­von aus­ge­hen kann, dass Au­to­ren wie Gib­son oder Ster­ling sich da­von in­spi­rie­ren lie­ßen). Je­dem, der auch nur an­satz­wei­se Ah­nung vom The­ma hat, sei es nun SF oder Cy­ber­punk, muss es an die­ser Stel­le das Hirn verz­wir­beln. Ins­be­son­de­re, wenn da­na­ch aus­führ­li­ch über Gib­son do­ziert wird. Oder wie damals[tm] die Au­to­ren al­les schon vor­her­ge­se­hen ha­ben.

Oder der Satz:

»Hag­bard Ce­li­ne, muss sich dar­in mit den Il­lu­mi­na­ti her­um­schla­gen, ei­ner Or­ga­ni­sa­ti­on, de­ren Ge­schäft die Täu­schung ist.«

Bei Eris … Der hat of­fen­bar ei­nen völ­lig an­de­ren Il­lu­mi­na­tus ge­le­sen als ich. Hät­te er bes­ser vor­her mal zu ewi­ger Blu­men­kraft ge­grif­fen. Fnord!

Ja, ver­dammt, et­was vor­her­se­hen kann, nein soll­te, eine Tu­gend von SF-Au­to­ren sein. Dar­aus zu kon­stru­ie­ren, dass die mit ih­ren Wer­ken da­mals qua­si schon ge­gen die heu­te statt­fin­den­de staat­li­che Über­wa­chung pro­tes­tiert ha­ben, ist völ­lig ab­strus. Noch ab­stru­ser ist es al­ler­dings, dass heu­te nie­mand mehr der­glei­chen schreibt.
Man ge­winnt beim Le­sen des Ar­ti­kels schnell den Ein­druck, dass aus der Sicht des Au­to­ren frü­her al­les bes­ser war und heu­te so­wie­so nix Coo­les mehr ver­fasst wird. Eine Mei­nung, die er mit nicht ge­rin­gen Men­gen von Mit­glie­dern des alt­ein­ge­ses­se­nen und er­grau­ten deut­schen SF-Fan­doms teilt. Auch da sind et­li­che der An­sicht, dass seit den frü­hen 80ern im Be­reich Sci­en­ce Fic­tion so­wie­so fast nur noch Schei­ße auf den Markt ge­wor­fen wur­de. Und über­haupt …

Und über­haupt ist das na­tür­li­ch ein gi­gan­ti­scher Hau­fen Bull­s­hit. Kor­rekt ist, dass die deut­schen Ver­la­ge ir­gend­wann in den 90ern da­mit auf­hör­ten, or­dent­li­che SF aus den Ver­ei­nig­ten Staa­ten oder an­ders­wo­her in nen­nens­wer­ter Men­ge zu im­por­tie­ren. Wer die all­jähr­li­chen Ver­öf­fent­li­chun­gen und Preis­ver­lei­hun­gen jen­seits des gro­ßen Teichs oder auch nur in Groß­bri­tan­ni­en ver­folgt, der weiß, was für eine schie­re Men­ge an Neu­erschei­nun­gen in je­dem Jahr auf den Markt kommt, von dem wir hier nur ei­nen ver­schwin­dend ge­rin­gen Bruch­teil zu se­hen be­kom­men, weil ir­gend­wel­che Voll­hon­ks in ir­gend­wel­chen Ver­la­gen ent­schei­den, was in Sa­chen Phan­tas­tik ge­kauft und über­setzt wird. Näm­li­ch Vam­pi­re. Und ein Scal­zi oder We­ber, weil die sich in den USA wie doof ver­kau­fen. GRRM so­wie­so, al­lein schon weil man aus des­sen Wäl­zern zwei ma­chen und dop­pelt ab­sah­nen kann. Da muss dann ja was dran sein.
Wer ei­nen Bli­ck über den Tel­ler­rand wagt – und der eng­li­schen Spra­che mäch­tig ist – der weiß, was für ein gi­gan­ti­scher Out­put an Sci­en­ce Fic­tion (von Phan­tas­tik all­ge­mein gar nicht zu re­den) in den USA und Groß­bri­tan­ni­en auf den Markt kommt. Nur eben nicht hier, denn hier ver­kauft sich SF ja nicht – sa­gen die Ver­la­ge. Aus dem, was in Deutsch­land an­ge­bo­ten wird, dann dar­auf zu schlie­ßen, dass die­se dö­si­gen SF-Schrei­ber­lin­ge ja nichts mehr zu ak­tu­el­len po­li­ti­schen und ge­sell­schaft­li­chen The­men zu sa­gen ha­ben und da­mit end­li­ch mal wie­der los­le­gen soll­ten, ist von ei­ner Eng­stir­nig­keit, die mit bei­den Au­gen durch ein Schlüs­sel­loch schau­en kann.

Und selbst wenn man über­setz­te Ro­ma­ne hin­zu­nimmt, hat er Un­recht. Ich nen­ne als ein bei­spiel nur: Cory Doc­to­row, der hat mit LITT­LE BRO­THER ei­nen der geils­ten sys­tem­kri­ti­schen Ro­ma­ne des letz­ten Jahr­zehnts ver­fasst und der schreibt auf den Punkt ge­n­au die Din­ge, die Hack in der SF so ver­misst. Da­bei ist Doc­to­row nicht ein­mal an­satz­wei­se der Ein­zi­ge. Ein Bli­ck über den Teich wür­de hau­fen­wei­se So­zi­al-, Po­li­tik-, und Ge­sell­schafts­kri­tik im Gen­re auf­tun, die sich mit ge­n­au den The­men be­fasst, die Hack ver­geb­li­ch sucht. Man könn­te ne­ben Doc­to­row noch vie­le mehr nen­nen, Da­ni­el Sua­rez bei­spiels­wei­se. Über­wa­chung, Droh­nen, Kam­pfro­bo­ter, Ein­schrän­kung der Men­schen­rech­te, Tech­no­lo­gie au­ßer Rand und Band. Es ist al­les da. Wenn man nur die Au­gen auf­macht und den deutsch­spra­chi­gen Raum nicht für das Zen­trum des Uni­ver­sums hält.

Er­schwe­rend kommt mei­ner Mei­nung nach hin­zu, dass ich die In­ten­ti­on » kri­ti­sche SF-Ro­ma­ne wer­den al­les bes­ser ma­chen« grund­sätz­li­ch nicht nach­voll­zie­hen kann. Le­sen ist un­cool. Ein lei­der nicht ge­rin­ger Teil der Deut­schen liest ne­ben der Corn­flake­s­pa­ckung ge­ra­de mal noch die BLÖD-Zei­tung und ver­dummt an­sons­ten bei von Steu­er­hin­ter­zie­hern ge­steu­er­tem Fus­sek, DSDS und müh­se­lig ge­hyp­ten Tat­ort-Fol­gen auf Lai­en­spiel­ni­veau. Die fas­sen kei­ne SF an, nicht mal mit der Kneif­zan­ge. Und in den li­te­ra­ri­schen Zir­keln Deutsch­lands gilt Phan­tas­tik trotz des groß­ar­ti­gen deut­schen Er­bes in die­sem Gen­re nach wie vor als tri­via­ler Ab­schaum, der mit Miss­ach­tung ge­straft wer­den muss. Auch die wer­den dem­nach kei­ne ge­sell­schafts­kri­ti­schen SF-Ro­ma­ne an­fas­sen, um da­na­ch die Bil­dungs­eli­ten in den Feuil­le­tons da­mit auf­zu­rüt­teln, dass man mal den neu­en Doc­to­row le­sen muss, um zu ver­ste­hen, wie die Ge­heim­diens­te uns über­wa­chen – und was man da­ge­gen tun könn­te.

Was soll also der Bull­s­hit-Ar­ti­kel? Es gibt die ge­for­der­te neue SF, die sich mit dem be­fasst, was in un­se­rer Ge­sell­schaft schief geht. Hau­fen­wei­se. Zum Teil abs­tra­hiert und zum Teil sehr deut­li­ch. Und sie in­ter­es­siert hier­zu­lan­de nur die Nerds, die zu­dem der eng­li­schen Spra­che mäch­tig sind, denn die hie­si­gen Ver­la­ge in­ter­es­sie­ren sich nicht da­für. Sich an­ge­sichts des­sen dar­über zu be­kla­gen, dass ein Tel­ler­rand eine un­über­wind­li­che Bar­rie­re ist, ent­behrt nicht ei­ner ge­wis­sen trau­ri­gen Ko­mik. Zeit­ge­nös­si­sche SF nicht zu ken­nen und sich dar­an ab­zu­ar­bei­ten, dass »da­mals« al­les bes­ser war und die Schrei­ber­lin­ge heu­te nix mehr auf die Rei­he be­kom­men ist al­ler­dings nur noch pein­li­ch. Zu for­dern, dass SF-Au­to­ren in ei­nem Deutsch­land et­was be­wir­ken sol­len, des­sen Be­woh­ner sich mehr­heit­li­ch vom Dschun­gel­camp un­ter­hal­ten las­sen, oder in pseu­do-eli­tä­ren El­fen­bein­tür­men woh­nen, ist in sei­ner Rea­li­täts­fer­ne fast schon wie­der nied­li­ch. Ich be­kom­me an­ge­sichts sol­cher Ide­en al­ler­dings eher das Be­dürf­nis, mich dem Suff hin­zu­ge­ben.

Dem Ar­ti­kel­schrei­ber möch­te ich ab­schlie­ßend noch den Tipp ge­ben: abon­nier das Ma­ga­zin LO­CUS und lese es von mir aus auf eben die­sem. Das er­wei­tert den Ho­ri­zont. Und ver­mei­de zu­künf­tig in sol­ch ei­nem Ar­ti­kel das Wort »Uto­pi­en«. Das er­in­nert mich an die DDR. Da wur­den die da­mals wie »Ütöpi­en« aus­ge­spro­chen. Habe ich selbst er­lebt. Mann. Au­ßer­dem sind „Uto­pi­en“ po­si­ti­ve Sich­ten der Zu­kunft. War­um soll­ten ge­ra­de die sich mit den ak­tu­el­len po­li­ti­schen The­men be­schäf­ti­gen, die deut­li­ch dys­to­pi­sch sind?

p.s.: kann mir ei­gent­li­ch ir­gend­je­mand maß­geb­li­che SF-Wer­ke des Schrift­stel­lers Gün­ter Hack nen­nen?
p.p.s: in die Kom­men­ta­re bit­te gern auch Bei­spie­le, dass es sol­che Wer­ke wie im FAZ-Ar­ti­kel ge­for­dert eben doch gibt.
p.p.p.s: Dank an Cynx für den Hin­weis auf den Ar­ti­kel

Creative Commons License

Bild von Pixabay, CC0

AutorIn: Stefan Holzhauer

Meist harm­lo­ser Nerd mit na­tür­li­cher Af­fi­ni­tät zu Pi­xeln, Bytes, Buch­sta­ben und Zahn­rä­dern. Kon­su­miert zu­viel SF und Fan­ta­sy und schreibt seit 1999 on­line dar­über.


. Bookmarken: Permanent-Link
. Kommentieren oder ein Trackback hinterlassen: Trackback-URL.

23 Kommentare

  1. Marcus
    Erstellt am 18. Februar 2014 um 12:25 | Permanent-Link

    Ganz aus­ge­zeich­net und sehr tref­fend. Den „Gib­son-Mo­ment“ hat­te ich auch, als ich den FAZ-Schmonz ge­le­sen habe. Au­ßer­dem hat Dei­ne Ti­ra­de ei­nen sehr gu­ten EIn­druck Dei­nes Ge­sichts­aus­drucks wäh­rend des Ver­fas­sens des Ar­ti­kels (oh, ein Ge­ne­tiv!) ver­mit­telt.

    Grü­ße!

  2. Erstellt am 18. Februar 2014 um 12:29 | Permanent-Link

    Du hast al­les ge­sagt …. ;-)

  3. Erstellt am 18. Februar 2014 um 12:29 | Permanent-Link

    rofl. ich hab jetzt noch ein schmerz­ver­zerr­tes Ge­sicht, wenn ich dran den­ke … :)

  4. Erstellt am 18. Februar 2014 um 13:03 | Permanent-Link

    Lau­ter wah­re Worte. Mir fie­len noch 100 wei­te­re Bei­spie­le ein, Ba­ci­ga­lu­pi, Ro­bert Charles Wil­son, Lau­ren De­Beu­kes … (auch wenn das The­ma nicht im­mer Über­wa­chung ist). 

    Die Ein­ord­nung der Sci­en­ce Fic­tion in die Gat­tung „Uto­pie“ ist ei­ner der größ­ten Fehl­grif­fe der Ger­ma­nis­tik. Ir­gend­wer soll­te sich mal be­mü­hen, das zu re­vi­die­ren.

    Es ist we­der die Auf­ga­be der Sci­en­ce Fic­tion, die Zu­kunft vor­her­zu­sa­gen, noch, idea­le Ge­sell­schafts­mo­del­le zu pos­tu­lie­ren. Der zi­tier­te Phil­ip K. Dick ist das be­s­te Bei­spiel: Sei­ne Zu­kunfts­wel­ten er­ge­ben kaum Sinn und sind längst über­holt, aber sei­ne Ide­en, Kon­zep­te und Wahr­neh­mun­gen von ge­sell­schaft­li­chen Ten­den­zen sind heu­te ak­tu­el­ler als vor 50 Jah­ren.

    Aber so lan­ge der deutsch­spra­chi­ge Feuil­le­ton mit sol­chem auf­ge­bla­se­nen Mist durch­kommt und die Gren­zen zwi­schen Li­te­ra­tur und Gen­re hoch­hält, wer­den das halt nur die Fans ver­ste­hen.

    Üb­ri­gens: Die An­glis­ten sind zum Glück et­was wei­ter als die Ger­ma­nis­ten. ;-)

  5. Erstellt am 18. Februar 2014 um 13:06 | Permanent-Link

    Ui, https://twitter.com/guenterhack ist auf Twit­ter. Show­er him with prai­se.

  6. Erstellt am 18. Februar 2014 um 13:22 | Permanent-Link

    Wer das Zeug von Gün­ter Hack ( folgt ihm auf Twit­ter, dam­mi­ch: https://twitter.com/guenterhack ) kennt, und halb­wegs weiß, wie man als Jour­na­list sei­ne Tex­te nach dem Me­di­um & des­sen Ziel­grup­pe aus­rich­tet, für das man schreibt, fin­det den Bei­trag über Wech­sel­wir­kung SF & Technik/Überwachung nicht halb so skan­da­lös, wie ihr das hier auf­bläht.

    Rich­tig fin­de ich al­ler­dings den Hin­weis, dass es an der man­geln­den Ver­mitt­lungs­ar­beit deut­scher (Mainstream-)Verlage liegt, war­um die in­tel­li­gen­te, re­le­van­te SF auf Deut­sch so eine Rand­stel­lung ein­nimmt.

  7. Erstellt am 18. Februar 2014 um 13:25 | Permanent-Link

    „skan­da­lös“, „auf­bläht“? Ein Rant ist ein Rant ist ein Rant.

    Und eins wer­de ich nach die­sem FAZ-Ar­ti­kel ganz si­cher nicht tun: ihm auf Twit­ter fol­gen. Dei­ne Aus­sa­ge „sei­ne Tex­te nach dem Me­dium & des­sen Ziel­gruppe aus­rich­tet“ klingt für mich eher, als wür­de er sein Män­tel­chen nach dem Wind hän­gen.

  8. Erstellt am 18. Februar 2014 um 13:39 | Permanent-Link

    Ich schlie­ße mich dem an und fol­ge dem Wunsch aus dem pps: Darf man Ei­gen­wer­bung ma­chen? Ich habe ak­tu­el­le The­men in mei­nem ei­ge­nen Ro­man Ad­he­lion ge­nom­men und ex­tra­po­liert. Wei­ter ge­führt auf ein Le­vel, das nicht ganz un­rea­lis­ti­sch ist, aber er­schre­ckend wäre, wenn wir dort an­kä­men. Ich glau­be Herr Hack sucht ver­zwei­felt nach dem An­schluss an sei­ne Ju­gend, ei­ner Form des Gen­res, wie es da­mals auf­ge­stellt war und wahr­ge­nom­men wur­de.

  9. Erstellt am 18. Februar 2014 um 13:43 | Permanent-Link

    Span­nen­der Rant, in der Tat …

    Um kurz was zu dem Uto­pie-Be­griff zu er­gän­zen:
    Der liegt ge­ra­de in der Ger­ma­nis­tik ja eh quer und sperrt sich ein we­nig ge­gen die land­läu­fi­ge Les­art. Denn die Dys­to­pie als sol­che fin­dest du dort meist gar nicht (ge­ra­de mal ge­schaut, Metz­lers Li­te­ra­tur­le­xi­kon etwa kenn den Be­griff nicht), das ist hier­zu­lan­de al­les uto­pi­sch.
    Da­bei wird dann wahl­wei­se die Un­ter­gat­tung der Anti-Uto­pie auf­ge­macht (Metz­ler) oder aber in po­si­ti­ve und ne­ga­ti­ve Uto­pi­en un­ter­schie­den (fragt mich nicht mehr nach der Quel­le, aber so hab ich’s „ge­lernt“), da­mit mal auch ja ar­tig Tho­mas Mo­rus und Ge­or­ge Or­well in ei­nen Sack ge­steckt be­kommt ;)

    Will da­mit den FAZ-Ar­ti­kel gar nicht in Schutz neh­men, woll­te es nur er­gän­zen, ge­ra­de im Hin­bli­ck auf den letz­ten Ab­satz.
    Man könn­te noch er­gän­zen, dass ja zu­min­dest Klein­ver­la­ge sich ein we­nig mü­hen und ein paar SF-Wer­ke eben doch zu­min­dest über den Teich brin­gen, was aber an der Mas­sen­wir­kung na­tür­li­ch nichts macht …

    Aber im Grun­de ist es ja auch kein neu­es Ge­heim­nis: Wir brau­chen kei­ne neue SF, wir brau­chen Ver­la­ge, die sich mal wie­der was trau­en.
    Und al­lei­ne für die­se Bot­schaft ge­hört der Rant ge­lobt ;)

    Vie­le Grü­ße,
    Tho­mas

  10. Erstellt am 18. Februar 2014 um 13:47 | Permanent-Link

    Ich kann nur fest­stel­len, dass ich Eure Re­ak­ti­on auf den Ar­ti­kel für eine (viel­leicht so­gar mut­wil­lig an­ge­streb­te) Fol­ge von Fehl­lek­tü­re ei­nes Zei­tungs­bei­trags hal­te. War­um z.B. dem Au­to­ren eine Bild­un­ter­schrift an­krei­den, wenn er im Text au­ge­wo­ge­ner schreibt => sie­he ›Dick schuf Cy­ber­punk‹ … Hab Guen­ter grad via Twit­ter ge­fragt & wie es bei Zei­tun­gen üb­li­ch ist (was man wis­sen, oder zu­min­dest ver­mu­ten kann) stam­men Über­schrift, Lead (= 1st pa­ra­gra­ph) und Bild­un­ter­schrif­ten von der Re­dak­ti­on. — Grund­fal­sch halt, den Text als Kla­ge über Stand der SF zu le­sen.

  11. Erstellt am 18. Februar 2014 um 13:50 | Permanent-Link

    Ja, ich habe mir schon ge­dacht, dass Teaser und Ein­schübe mög­li­cher­wei­se nicht vom Au­to­ren sind. Den­no­ch steht sein Name dran, egal wer es letzt­end­li­ch ver­bro­chen hat.

    An­sons­ten geht un­se­re sub­jek­ti­ve Wahr­neh­mung of­fen­sicht­li­ch aus­ein­an­der.

  12. Erstellt am 18. Februar 2014 um 14:01 | Permanent-Link

    Das stimmt wohl und ich habe si­cher­li­ch auch et­was pi­kier­ter auf Dei­nen Rant re­agiert, als höf­li­ch ist.

    Mei­ne sub­jek­ti­ve Tra­gik ist halt, dass Dei­ne Re-Ak­ti­on auf Hacks FAZ-Text ein Zeug­nis ist für die un­frucht­ba­re Kol­li­si­on zwei­er von mir ge­schätz­ter In­ter­net-Freun­de. Als je­mand der Dich und Hack schätzt na­tür­li­ch eine trau­ri­ge Sa­che. Des­halb mein Ap­pell, dem Mann eine Chan­ce zu ge­ben (guck Dir z.B. sei­ne Tex­te für den ORF an. Er hat z.B. eine sehr gute Be­spre­chung über Tho­mas Pyn­chons »Blee­ding Edge« ver­fasst).

  13. Erstellt am 18. Februar 2014 um 14:03 | Permanent-Link

    Aber eine Aus­sa­ge wie

    „Die­se Sta­gna­ti­on der Sci­en­ce-Fic­tion ist ge­fähr­li­ch“

    fin­de ich halt ein­deu­tig. Und ein­deu­tig fal­sch.

  14. Erstellt am 18. Februar 2014 um 14:13 | Permanent-Link

    Ach komm. Da ver­su­che ich, mit ei­ner ver­söhn­li­chen, per­sön­li­chen Note aus der De­bat­te aus­zu­stei­gen, und dann kommst Du mit dem un­schlag­ba­ren Ma­nö­ver ›Zi­tat aus dem Zu­sam­men­hang her­aus­klau­ben‹. — Bis Du denn wirk­li­ch der Mei­nung, dass in der Meta-Er­zäh­lung ›Wech­sel­wir­kung SF, Real-Tech­nik & –Po­li­tik‹ al­les su­per­du­pi ist, und es kei­ner­lei An­lass gibt, ein paar ver­grü­bel­te Ge­dan­ken in den Raum zu stel­len.

  15. Erstellt am 18. Februar 2014 um 14:20 | Permanent-Link

    Ich sehe das Zi­tat durch­aus nicht als „aus dem Zu­sam­men­hang ge­ris­sen, weil es mei­ner An­sicht nach viel­mehr eine schö­ne Quint­es­senz dar­stellt.

    Si­cher kann man ver­grü­bel­te Ge­dan­ken in den Raum stel­len, al­ler­dings ge­hen sie mei­ner An­sicht nach in die­sem Fall von ei­ner fal­schen Prä­mis­se aus, näm­li­ch dass es heu­te kei­ne ernst­zu­neh­men­de oder brauch­ba­re Aus­ein­an­der­set­zung mit den an­ge­spro­che­nen The­men­kom­ple­xen in der SF gibt. Und das hal­te ich für ob­jek­tiv fal­sch. Mal von den über­flüs­si­gen Schlau­sprech-An­rei­che­run­gen im Ar­ti­kel ganz ab­ge­se­hen.

    An der Dis­kus­si­on und dem da­mit ein­her­ge­hen­den Zur­schau­stel­len un­ter­schied­li­cher Mei­nun­gen sehe ich al­ler­dings nix Schlech­tes. Wäre dem so, hät­te ich die Kom­men­tar­funk­ti­on de­ak­ti­viert. :)

  16. Erstellt am 18. Februar 2014 um 14:42 | Permanent-Link

    Ein Hoch auf ak­ti­vier­te Kom­men­tar­funk­tio­nen!

  17. Erstellt am 18. Februar 2014 um 14:53 | Permanent-Link

    Ich hat­te bei dem Ar­ti­kel , wie auch schon mo­lo­sovs­ky, den Ein­druck, er sei nicht für Ken­ner der Sci­Fi ge­schrie­ben und als sol­chen fand ich den Ar­ti­kel OK. Al­ler­dings mus­s­te ich auch an „Litt­le Bro­ther“ von Cory Doc­to­row den­ken.

    Ich wür­de mich freu­en, wenn hier in den Kom­men­ta­ren noch wei­te­re Bü­cher ge­nannt wür­den die zei­gen „was in un­se­rer Ge­sell­schaft schief geht“. Das Pro­blem ist al­ler­dings, dass ja so ei­ni­ges schief geht. Hier­für liest man viel­leicht auch bes­ser kei­ne Ro­ma­ne, son­der z.B. die Bü­cher von Ha­rald Wel­zer.

    Von Sua­rez ken­ne ich nur die WDR Hör­spie­le Da­e­mon & Dar­knet. Ich nahm die als so Ok war aber auch als An­wär­ter auf eine Block­bus­ter Ver­fil­mung. Die zei­gen zwar schon, zu was Tech­nik fä­hig ist, aber son­der­li­ch „vi­sio­när“ fand ich die nicht und ei­nen Kom­men­tar zum „Snow­den Skan­dal“ sind die auch nicht. Auch die Cha­rak­tä­re blie­ben ei­gent­li­ch im­mer eher kli­schee­haft. Wie ge­sagt ich ken­ne aber nur die Hör­spie­le.

    Noch was zu Gi­bon und Bla­de Run­ner. In ei­nem In­ter­view wur­de er auf den Film an­ge­spro­chen:

    IN­TER­VIEW­ER: There’s a fa­mous sto­ry about your being un­able to sit through Bla­de Run­ner whi­le wri­ting Neu­ro­man­cer.

    GIB­SON: I was af­raid to watch Bla­de Run­ner in the thea­ter be­cau­se I was af­raid the mo­vie would be bet­ter than what I myself had been able to ima­gi­ne.

    Sie­he: http://www.theparisreview.org/interviews/6089/the-art-of-fiction-no-211-william-gibson

  18. Erstellt am 18. Februar 2014 um 15:15 | Permanent-Link

    Gut ge­brüllt, Löwe!

    Ich habe es auf­ge­ge­ben, mich über sol­che Ar­ti­kel auf­zu­re­gen. Es än­dert sich bei den so­gann­ten Hoch­li­te­ra­ten ein­fach nichts.

  19. Erstellt am 18. Februar 2014 um 15:19 | Permanent-Link

    Die­se Af­fi­tü­de ›WIR‹ ge­gen ›DIE Hoch­li­te­ra­ten‹ & ›Schlau­sprech‹ ist ein­fach nur arm und nützt nie­man­den.

  20. Erstellt am 18. Februar 2014 um 15:58 | Permanent-Link

    Der Ana­ly­se un­se­rer Markt­si­tua­ti­on wür­de ich mich weit­ge­hend an­schlie­ßen. Wo­bei die meis­ten Ver­la­ge, die ich ken­ne, den Schwar­zen Pe­ter wahr­schein­li­ch dem (feh­len­den) Käu­fer zu­schie­ben wür­den, der die letz­ten Jah­re anscheinend/vermeintlich lie­ber Fan­ta­sy als SF kauf­te.

    Es geht mei­nes Er­ach­tens in der SF nicht dar­um, die Zu­kunft vor­her­zu­sa­gen, son­dern wenn dann eher dar­um, vor ak­tu­el­len Ent­wick­lun­gen zu war­nen (hoch­ju­beln ist ja eher aus der Mode ge­kom­men …). Das mit PKD ist in der Tat pein­li­ch. Das mit Gib­son habe ich nicht rich­tig ver­stan­den — wo liegt er da in­halt­li­ch fal­sch? Habe das Ori­gi­nal aber auch nur flüch­tig ge­le­sen, weil ich das „Früher“-Gejammer auch nicht ab kann.

  21. MissCdW
    Erstellt am 19. Februar 2014 um 14:53 | Permanent-Link

    Auch wenn mei­ne Lieb­lings-Schlech­te-Se­rie (Tat­ort – schön, wenn man ge­n­au mal eben nicht nach­den­ken will und ei­nen über­a­schungs­frei­en Kri­mi se­hen will. Wer was an­de­res will soll Miss­Mar­ple, ‚der drit­te mann‘ o. Ä. schau­en) ab­fäl­lig und in ei­nem Satz mit ei­nem wirk­li­ch ver­ab­scheu­ungs­wür­di­gen Sprin­ger-Ver­lags­pro­dukt ge­nannt wird: Ein su­per Ar­ti­kel. Fin­de ich, ob­wohl ich eh­rer sel­ten SiFi, aus der Bi­blio­thek aus­ge­lie­hen, lese.

    PS: Steu­er­hin­ter­zie­her le­sen ver­mut­li­ch über­durch­schnitt­li­ch viel – Steu­er­li­te­ra­tur, BFH-Ur­tei­le, etc. – da sind sie manch­mal ver­dammt nah an dem Kon­sum von SiFi-Li­te­ra­tur dran …

  22. Torsten
    Erstellt am 23. Februar 2014 um 06:08 | Permanent-Link

    Moin!
    Bin in Sa­chen SF lei­der schon né Wei­le raus, kann also nich wirk­li­ch was zur Sa­che bei­tra­gen.
    Doch komm ich nicht um­hin, bei ei­ner Sa­che nach zu ha­ken:
    “ Das er­in­nert mich an die DDR. Da wur­den die da­mals wie »Ütöpi­en« aus­ge­spro­chen.“ <- Hol­zi, in wel­cher Ecke warst du da­mals?! Das ist ein­deu­tig Dia­lekt!
    Wäre ja so, als wür­de man dem BRD-Bür­ger un­ter­stel­len nur Krach­le­der­ne und weiß­blau ka­rier­te Hem­den zu tra­gen, weil man eben nur mal kurz in Bay­ern war, oder Gum­mi­stie­fel und Frie­senn­erz der Nord­lich­ter. ;)

  23. Erstellt am 24. Februar 2014 um 10:11 | Permanent-Link

    Es ist ein Rant … Und es war in Ei­sen­ach. Die Ver­käu­fe­rin war of­fen­sicht­li­ch zu­ge­wan­dert.

3 Trackbacks

  1. […] Nach­trag (ganz ver­ges­sen): auf den Ar­ti­kel von Hack hat üb­ri­gens Ste­fan Holz­hau­er von  Phan­ta­news eine sehr elo­quen­te und char­man­te Ent­geg­nung ver­fasst: http://phantanews.de/wp/aartikel/rant-wir-brauchen-keine-neue-science-fiction-die-ist-laengst-da/ […]

  2. […] an­de­re ge­wun­dert ha­ben. Ei­nen recht un­ter­halt­sa­men Ver­riss des Ar­ti­kels plus net­ter Kom­men­ta­re kann hier […]

Ihr Kommentar

Ihre E-Mail wird niemals veröffentlicht oder verteilt. Benötigte Felder sind mit * markiert

Du kannst diese HTML Tags und Attribute verwenden: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

*
*

Bitte die nachfolgende Rechenaufgabe lösen * Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.