Rant: Der eBook-Markt braucht professionelle Qualität?

Neu­lich wurde auf der Facebook-Seite zu Le­an­der Wat­tigs Pro­jekt »Ich mach was mit Bü­chern« ein Link zu ei­nem Blog­ein­trag auf »e-Book-Stern« ver­öf­fent­licht. Der Ver­fas­ser Ma­xi­mi­lian Buckstern (Pseud­onym) lässt sich darin über Self­publis­hing aus und stellt meh­rere Be­haup­tun­gen auf, von de­nen ei­nige mei­ner Ansicht nach arg pau­schal sind und an­dere jeg­li­che ar­gu­men­ta­tive Ba­sis ver­mis­sen las­sen. Ich wollte diese Aus­sa­gen nicht so ste­hen las­sen und möchte an die­ser Stelle meine An­mer­kun­gen dazu aus­füh­ren.

Gleich zu Be­ginn wer­den Au­to­ren die (aus­schließ­lich) di­gi­tal ver­öf­fent­li­chen pau­schal als »Hobby-Autoren« ab­ge­kan­zelt und mit dem in die­sem Ar­ti­kel her­ab­las­send wir­ken­den Be­griff »ePubber« be­zeich­net. Der Grund für diese Äuße­run­gen zei­gen sich spä­ter un­ten im Ar­ti­kel, denn er spricht Self­publis­hern pau­schal ab, qua­li­ta­tiv Hoch­wer­ti­ges er­zeu­gen zu kön­nen und macht das daran fest, dass sol­che Werke im Amazon-Shop »an der oft we­nig an­spre­chen­den Ti­tel­ge­stal­tung« er­kenn­bar seien.

Protoshop-Desaster bei Knaur

Protoshop-Desaster bei Knaur

Den Punkt greife ich gern gleich als ers­tes auf. Wenn man sich die Pro­gramme der deut­schen Pu­bli­kums­ver­lage ansieht, dann fällt nicht nur dem Photoshop-Kenner leicht auf, dass die Ge­stal­tung der Ti­tel­bil­der lei­der eben­falls allzu oft zu wün­schen übrig lässt — ins­be­son­dere im Be­reich Phan­tas­tik. Schnell aus Stock-Image-Sammlungen zu­sam­men­ge­klaubte Il­lus­tra­tio­nen wer­den mit Schrift ver­se­hen und fer­tig ist das Ti­tel­bild, das aus je­dem Pi­xel Be­lie­big­keit und Lan­ge­weile at­met. Mag zwar tech­nisch ein­wand­frei sein, des­we­gen aber nicht we­ni­ger ste­ril und be­lie­big. Bei Über­set­zun­gen fremd­spra­chi­ger Ro­mane wer­den die Ori­gi­nal­ti­tel­bil­der nicht ver­wen­det, weil man hier­für selbst­ver­ständ­lich den Ur­he­ber be­zah­len müsste (die of­fi­zi­elle Be­grün­dung ist »weil US-Cover für den deut­schen Markt un­ge­eig­net sind«) und greift des­we­gen lie­ber auf Ti­tel­bil­der zu­rück, die aus­se­hen, als hätte man aus Kos­ten­grün­den den zu­fäl­lig des We­ges kom­men­den Haus­meis­ter an den Mac ge­setzt und ei­nen Um­schlag ge­stal­ten las­sen. Das wirk­lich Er­bärm­li­che daran ist, dass das ge­rade auch und ins­be­son­dere ver­mehrt bei gro­ßen Pu­bli­kums­ver­la­gen vor­kommt; nach mei­nen Be­ob­ach­tun­gen sind Klein­ver­lage in Sa­chen Ti­tel­bild weit vorn, weil die sich noch Ge­dan­ken dar­über ma­chen und mit dem Herz bei der Sa­che sind, statt nur rasch eine Illu auf eine »schnell ge­drehte« Ware wie Schmusevampir-Romane (und ähn­li­che Schmon­zet­ten) pap­pen zu müs­sen.

Ergo: mit der Qua­li­tät der Co­ver ist es auch bei vie­len »pro­fes­sio­nel­len« Ver­la­gen nicht weit her.

Wei­ter­hin möchte Herr Buckstern die »Eu­pho­rie in Sa­chen ePubbing« re­la­ti­vie­ren und ver­weist des­we­gen auf die ge­rin­gen Ab­satz­zah­len von eBooks auf dem deut­schen Markt. Er be­zeich­net den eBook-Markt in Deutsch­land als »sehr klein« und nennt als Haus­num­mer »0,5 bis 1 % vom Ge­samt­markt«.

Se­hen wir uns das ein­mal et­was ge­nauer an: Der Bör­sen­ver­ein des deut­schen Buch­han­dels hat An­fang des Jah­res ei­nen Re­port (Stu­die möchte ich es auf­grund der mög­li­cher­weise nicht wis­sen­schaft­li­chen Her­an­ge­hens­weise nicht nen­nen, es wur­den of­fen­bar ca. 400 Sor­ti­men­ter von der GfK be­fragt) her­aus ge­bracht, der sich un­ter an­de­rem dem Thema wid­met, wie die Ver­kaufs­zah­len in Sa­chen eBooks im Jahr 2010 wa­ren.

Be­trach­ten wir ei­nige der Zah­len die darin ste­hen (es ist übri­gens im PDF des Bör­sen­ver­eins nicht de­tail­liert be­schrie­ben, wie die zu­stande ka­men, man sollte sie also mit der nö­ti­gen Skep­sis be­trach­ten):

  • Der eBook-Markt macht 0,5 Pro­zent des Käufer-Buchmarkts aus
  • Es wur­den ge­rade mal zwei Mil­lio­nen eBooks ver­kauft
  • es gibt ca. 540000 Käu­fer von eBooks

Der Mensch aus der Buch­bran­che wird aus sei­ner Warte, wenn er den Ge­samt­um­satz die­ser deut­schen Buch­bran­che be­trach­tet (und den spricht Buckstern ja of­fen­bar an), diese Zah­len selbst­ver­ständ­lich als Sub-Peanuts be­trach­ten. Diese Be­trach­tungs­weise geht aber von völ­lig fal­schen Vor­aus­set­zun­gen aus, denn den ein­zel­nen Au­to­ren in­ter­es­siert es selbst­ver­ständ­lich über­haupt nicht, wie­viele Mil­li­ar­den die Buch­bran­che ins­ge­samt um­setzt und dass die eBook-Absätze für diese bis­lang ir­re­le­vant sind.

Man möge mir ver­ge­ben, wenn ich das so of­fen sage, aber da ist wohl jeg­li­ches Ver­ständ­nis für Re­le­vanz und Ver­hält­nis­mä­ßig­keit lange über Bord ge­gan­gen?

Aus Sicht ei­ner Per­son die eBooks her­aus­bringt, mög­li­cher­weise als Klein­ver­lag oder als Self­publis­her, sieht die Lage mit den­sel­ben Zah­len, aber aus ei­nem an­de­ren Blick­win­kel doch deut­lich an­ders aus:

  • es wur­den 2010 im­mer­hin zwei Mil­lio­nen (!) eBooks ver­kauft!
  • es gibt 540000 po­ten­ti­elle Le­ser

Ich füge noch hinzu:

Wenn man in die Be­trach­tung jetzt noch ein­be­zieht, dass die Early Ad­op­ter un­ter den eBook-Lesern nicht nur nach mei­nen Er­leb­nis­sen gut ver­netzt sind und ihre Er­fah­run­gen und Ent­de­ckun­gen un­ter­ein­an­der aus­tau­schen, ist die Chance, ein paar tau­send Ex­em­plare ei­nes Bu­ches ab­zu­set­zen gar nicht mal schlecht. Of­fen bleibt au­ßer­dem, ob in die Zah­len auch Ver­käufe spe­zia­li­sier­ter klei­ner Platt­for­men wie bei­spiels­weise epubbuy oder Beam-eBooks Ein­gang ge­fun­den ha­ben, oder nur sol­che von Bran­chen­pro­jek­ten wie li­breka oder libri.de.

Kindle & Kindle DX

Kindle & Kindle DX

Wenn man im di­rek­ten Ver­gleich be­trach­tet, mit wel­chen ge­rin­gen Stück– bzw. Ver­kaufs­zah­len Klein­ver­lage teil­weise agie­ren, ist man als Au­tor der ePubs ver­öf­fent­licht po­ten­ti­ell mit grö­ße­ren Ab­satz­zah­len da­bei. Und in Hin­sicht auf die ra­sant stei­gen­den Ab­sätze könnte der frühe Vo­gel den Wurm fan­gen.

Wenn der Ver­fas­ser des Ar­ti­kels auf e-Book-Stern also be­haup­tet:

Wir brau­chen in Eu­ropa noch et­li­che Mo­nate, bis es ge­nug eBook-Käufer und –Le­ser gibt.

… dann mag das aus der Elfenbeinturm-Sicht der Bran­che kor­rekt sein, nicht aber aus der Frosch­per­spek­tive ei­nes po­ten­ti­el­len Au­tors, der ja mög­li­cher­weise erst ein­mal schon mit ein paar tau­send Ver­käu­fen zu­frie­den ist. Das Pro­blem ei­nes Au­tors ist es nicht kei­nen Ver­lag zu ha­ben, der ei­nen ver­öf­fent­licht, das Pro­blem ei­nes Au­tors ist es, un­be­kannt zu sein, und dem kann man durch eBook-Veröffentlichungen (mög­li­cher­weise so­gar kos­ten­lo­sen, siehe Cory Doc­to­row oder Paulo Co­elho) mög­li­cher­weise ent­ge­gen wir­ken. Das gilt so auch für Klein­ver­lage.

Die nächs­ten bei­den Sätze ha­ben mich dann zu­ge­ge­be­ner­ma­ßen er­heb­lich er­hei­tert:

Aus mei­ner Sicht ist es keine Frage, dass eBooks ge­druckte Bü­cher und Buch­lä­den ver­drän­gen wer­den. Der Blick nach USA zeigt das.

Aus mei­ner Sicht ist es keine Frage, dass eBooks ge­druckte Bü­cher hier­zu­lande auf Jahr­zehnte hin nicht ver­drän­gen wer­den, viel­leicht so­gar nie. Diese Ver­drän­gung dar­aus ab­zu­lei­ten, dass in den USA die eBook-Verkäufe (bei Ama­zon!) den Ab­satz ge­druck­ter Bü­cher über­trof­fen ha­ben, geht fehl, denn in Deutsch­land ist der Kon­su­ment deut­lich kon­ser­va­ti­ver. Selbst ich als aus­ge­spro­che­ner eBook-Fan sehe das Me­dium nicht als Er­satz, son­dern als Er­gän­zung zum ge­druck­ten Buch. Der Blick in die Ver­ei­nig­ten Staa­ten zeigt, dass eBooks ein Thema sind, dem sich nie­mand mehr ver­schlie­ßen kann, eine voll­stän­dige Ver­drän­gung kann man dar­aus al­ler­dings nur mit sehr viel Phan­ta­sie ab­lei­ten.

Zum nächs­ten Punkt:

Wer gute In­halte pro­du­ziert, sollte alle Ver­öf­fent­li­chungs­wege in Be­tracht zie­hen und ver­su­chen zu nut­zen. Das über­for­dert ePubber ganz er­heb­lich!

Den letz­ten Satz greift er aus der Luft und lässt ihn un­be­grün­det ste­hen. Was ge­nau über­for­dert »ePubber«? Wa­rum sollte man alle Ver­triebs­wege in Be­tracht zie­hen, wenn man seine Ziel­gruppe mög­li­cher­weise mit der ge­wähl­ten Pu­bli­ka­ti­ons­form deut­lich ex­ak­ter er­rei­chen kann, als über »kon­ven­tio­nelle« Ver­triebs­ar­ten? Was hin­dert den ePubber daran, auch wei­ter­hin an Ver­lage heran zu tre­ten? Klar — ein Ver­lag wird mög­li­cher­weise ein Werk das be­reits als ebook an­ge­bo­ten wird nicht mehr ver­le­gen wol­len, aber das ist Den­ken von ges­tern, von dem sich die Bran­che mög­li­cher­weise schnel­ler wird ver­ab­schie­den müs­sen, als ihr lieb ist.

Dann wird dem Le­ser ein­fach mal fol­gen­der Satz um die Oh­ren ge­hauen:

Auch die Qua­li­tät bleibt auf der Stre­cke. …

Es wer­den die Vor­züge von Ver­la­gen aus Sicht des Ver­fas­sers dar­ge­legt, diese leis­ten nach sei­ner Ansicht drei wich­tige Dinge:

  • sie tre­ten in Vor­leis­tung in­dem sie aus­ge­wählte Buch­pro­jekte fi­nan­zie­ren und in de­ren Rea­li­sie­rung in­ves­tie­ren
  • sie »ver­edeln« pro­fes­sio­nell ei­nen Text durch Lek­to­rat und Lay­out
  • sie ver­trei­ben und ver­kau­fen

Punkt eins: ja und? Der Au­tor tritt in Vor­leis­tung, in­dem er ei­nen Text schreibt. Die Pro­duk­tion ei­nes eBooks (wir er­in­nern uns: wir re­den hier über »ePubber«, also letzt­end­lich eBooks in Form von ePubs) kann heut­zu­tage je­der mit Open-Source-Software rea­li­sie­ren und die Er­geb­nisse ste­hen den »pro­fes­sio­nell« und an­geb­lich »teuer er­zeug­ten« Pro­duk­ten der gro­ßen Ver­lage in nichts nach. ePub ist Text.

Cover fast okay, Inhalt nicht

Co­ver fast okay, In­halt nicht

Punkt zwei: …und des­we­gen ist das Lay­out bei ePubs nach­ran­gig, viel­leicht ab­ge­se­hen vom Co­ver. Zum Co­ver habe ich wei­ter oben schon la­men­tiert.
Lese ich dann wie­der ein­mal pau­scha­li­siert über das »Ver­edeln« ei­nes Tex­tes durch Lek­to­rat, zu dem »ePubber« nicht in der Lage sein sol­len, dann fal­len mir spon­tan die di­ver­sen Ver­feh­lun­gen ein, die mir nicht nur in letz­ter Zeit in deut­schen Bü­chern so zu Au­gen ge­kom­men sind; ich will hier nicht mei­ner­seits pau­scha­li­sie­ren, aber wenn das was man in vie­len Phantastik-Romanen (und an­derswo) vor­ge­setzt be­kommt »pro­fes­sio­nel­les Lek­to­rat« ist…
Kommt dann noch eine Über­set­zung hinzu, geht’s bis­wei­len so­gar ins Gro­teske. Wer mir nicht glaubt, der sollte bei­spiels­weise mal ei­nen Blick in die deut­sche Fas­sung von Gail Car­ri­gers SOULLESS wer­fen (mit dem be­knack­ten Ti­tel GLÜ­HENDE DUN­KEL­HEIT bei Blan­va­let), je­mand der mir hier ernst­haft von ei­nem »pro­fes­sio­nel­len Lek­to­rat« vor­schwär­men möchte, hat ein­deu­tig schwere Rea­li­täts­ver­luste. Und das war nur ein Bei­spiel von zahl­lo­sen.

Ich gehe da­von aus, dass sich mög­li­cher­weise aus den be­reits jetzt exis­tie­ren­den Au­to­ren­fo­ren, mög­li­cher­weise aus an­de­ren ein­schlä­gi­gen Kris­tal­li­sa­ti­ons­ker­nen im Web eine Art »Lek­to­rats­ge­mein­schaf­ten« bil­den wer­den, die der »Schwar­min­tel­li­genz« des Net­zes das Lek­t­o­rie­ren ei­nes Tex­tes oder Bu­ches über­las­sen — wer ein Buz­zword da­für be­nö­tigt: man könnte das als »Crowd-Editing« be­zeich­nen. Der Au­tor könnte sich da­für bei­spiels­weise da­durch be­dan­ken, dass er ei­nen Teil sei­ner Ein­nah­men dann wie­der der Platt­form zur Ver­fü­gung stellt.

Punkt drei: macht Ama­zon auch. Und wei­tere spe­zia­li­sierte An­bie­ter kom­men fast täg­lich hinzu. Klar, ohne die Markt­ma­schi­ne­rie der eta­blier­ten Ver­lage und den Buch­han­del ha­ben es Self­publis­her noch un­gleich schwe­rer als die »Pro­fis«, in Er­schei­nung und in das Be­wusst­sein der Le­ser zu tre­ten, aber die Er­fah­run­gen der letz­ten Jahre im Netz zei­gen, dass Mund­pro­pa­ganda und (so­ziale) Ver­net­zung von Freun­den und Be­kann­ten mit ih­ren Emp­feh­lun­gen und vi­ra­len Mög­lich­kei­ten be­reits jetzt ein nicht zu un­ter­schät­zen­der Fak­tor sind und das im­mer ge­wich­ti­ger wird. Nicht ohne Grund set­zen im­mer mehr Fir­men auf diese Mög­lich­kei­ten des Me­di­ums In­ter­net — auf den Trich­ter sind die tra­di­tio­nell kon­ser­va­ti­ven deut­schen Ver­lage je­doch erst ganz frisch ge­kom­men — und kon­fron­tie­ren uns Blog­ger im­mer wie­der mal mit Ak­tio­nen um ge­druckte Bü­cher zu ver­kau­fen die eher zur Be­lus­ti­gung bei­tra­gen. Junge Player im Markt, wie bei­spiels­weise EPIDU, müs­sen kom­men, um Platt­for­men wie »Blogg´ Dein Buch« zu rea­li­sie­ren und den gro­ßen zei­gen wo es lang geht.

Ent­lar­vend finde ich übri­gens den Halb­satz »Ver­lage sind keine Schma­rot­zer«. Wa­rum muss man das ex­tra be­to­nen..?

Bei all den vor­ste­hen­den Be­trach­tun­gen wurde zu­dem nur der deut­sche Markt heran ge­zo­gen. Via In­ter­net er­reicht man je­doch weit­aus mehr deutsch­spra­chige po­ten­ti­elle Le­ser.

Klar, es sind auch selbst­ver­öf­fent­lichte Bü­cher zu fin­den, die würde man noch nicht mal mit der Kneif­zange an­fas­sen, weil un­les­bar und von or­tho­gra­phi­schen Feh­lern strot­zend. Na und? Ers­tens fin­det viel­leicht so­gar so et­was Le­ser, dann hat es seine Be­rech­ti­gung. Zwei­tens glaube ich an die Kräfte des Web: wenn et­was gut oder groß­ar­tig ist, wird es meist auch ge­fun­den UND ver­brei­tet. Und im Ge­gen­satz zum ge­druck­ten Buch ist es ex­trem sim­pel eine Le­se­probe be­reit zu stel­len, da­mit sich der po­ten­ti­elle Le­ser ein Bild da­von ma­chen kann, ob das Werk sei­nem An­spruch ge­nügt. Aus dem am An­fang des Ab­sat­zes Ge­nann­ten ein grund­le­gen­des Qua­li­täts­pro­blem bei von Self­publis­hern ver­öf­fent­lich­ten eBooks ab­lei­ten zu wol­len, halte ich für ver­fehlt.

Ab­schlie­ßend frage ich mich, was der Ar­ti­kel soll? Am­bi­tio­nier­ten Au­to­ren ein­re­den, sie müss­ten un­be­dingt bei ei­nem Ver­lag un­ter­kom­men? Wäre schön, ja, aber die Ar­gu­men­ta­tio­nen sind zu ober­fläch­lich, zu be­lie­big, um ihm das wirk­lich ab­zu­kau­fen. Di­verse Ar­gu­mente sind flach oder ein­fach nur Be­haup­tun­gen ohne Be­lege. Okay, ein paar von mei­nen viel­leicht auch, aber ich sage auch »nur« meine Mei­nung ohne sie als uni­ver­selle Kon­stante hin­zu­stel­len. :o)

Po­ten­ti­elle Self­publis­her müs­sen sich dar­über im Kla­ren sein, dass sie auf den Bauch fal­len könn­ten, aber das sollte bloß nie­man­den daran hin­dern, es nicht trotz­dem zu ver­su­chen! Nach mei­ner Ansicht wird Self­publis­hing eher frü­her als spä­ter auch zu ei­nem Fak­tor im deutsch­spra­chi­gen Raum wer­den, ins­be­son­dere und zu­erst bei Internet-Affinen mit ih­ren Mul­ti­pli­ka­ti­ons­mög­lich­kei­ten. Das funk­tio­niert seit Jah­ren bei­spiels­weise bei Mu­sik oder Soft­ware ganz groß­ar­tig und ich sehe kei­nen Grund, wa­rum das bei Li­te­ra­tur nicht auch so sein sollte.

Las­sen wir ein­fach das Pau­scha­li­sie­ren und stel­len fest, dass es so­wohl auf Sei­ten der Ver­lage wie auch auf Sei­ten der Self­publis­her po­si­tive wie ne­ga­tive Bei­spiel gibt — viele Ar­gu­mente des Ver­fas­sers ge­gen Self­publis­hung je­doch nicht be­grün­det sind und des­we­gen nicht zie­hen. Bis zur ers­ten Amanda Ho­cking oder bis zum ers­ten John Lo­cke wird es im deutsch­spra­chi­gen Raum noch dau­ern — aber sie wer­den kom­men!

Viel­leicht bist Du es.

Creative Commons License

 

Teaser­bild mit eRe­a­der von Matt Ham­mond auf flickr, CC-BY-ND
Quelle der Ver­kaufs­zah­len: Pres­se­in­for­ma­tion des Bör­sen­ver­eins des deut­schen Buch­han­dels
Co­ver DAS AMU­LETT DER ZAU­BE­RIN Co­py­right Knaur
Co­ver GLÜ­HENDE DUN­KEL­HEIT Co­py­right Blan­va­let
Bild Kindle & Kindle DX aus der Wi­ki­pe­dia, von Shaka­ta­Ga­Nai, CC-BY-SA

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12 Kommentare

  1. Erstellt am 28. Juli 2011 um 20:37 | Permanent-Link

    Hallo Stef­fan,

    über Google habe ich zu­fäl­lig Dei­nen aus­führ­li­chen Kom­men­tar zu mei­nem Blog-Eintrag »Der eBook-Markt braucht pro­fes­sio­nelle Qua­li­tät« ge­fun­den. Ich würde mich sehr freuen, wenn Du Deine Ge­dan­ken (bitte et­was ver­kürzt) als Kom­men­tar am Blog ab­spei­cherst.
    Es freut mich kun­di­gen Wi­der­spruch zu be­kom­men. Na­tür­lich bin ich nicht mit al­lem ein­ver­stan­den, was Du sagt. Dazu würde ich gern dann Stel­lung neh­men und an­dere zu un­se­rer Dis­kus­sion ein­la­den. Bist Du da­bei?

    Viele Grüße,
    Max

  2. Stefan Holzhauer
    Erstellt am 28. Juli 2011 um 20:43 | Permanent-Link

    Hallo Max,

    es fehlt mir aus ver­schie­de­nen Grun­den im Mo­ment die Zeit, eine Zu­sam­men­fas­sung zu er­stel­len, um diese in Dei­nem Blog als Kom­men­tar zu ver­öf­fent­li­chen.

    Selbst­ver­ständ­lich kannst Du gern hier Stel­lung neh­men und das in Dei­nem Blog ver­lin­ken (das würde auch nicht zu im Web völ­lig un­nö­ti­ger Re­dun­danz füh­ren).

    Ich bin al­ler­dings et­was ver­wun­dert, dass Du mei­nen Bei­trag »zu­fäl­lig« fin­den muss­test, ich hatte Dein Blog ex­tra ver­linkt, da­mit es ei­nen Ping­back er­hält. Oder ver­fügt Blog­spot nicht über Pingback-Funktionalität?

    Viele Grüße,
    Ste­fan

  3. Erstellt am 28. Juli 2011 um 22:11 | Permanent-Link

    Ähn­lich wie die in­zwi­schen längst zu­guns­ten des Net­zes ab­ge­schlos­sene Aus­ein­an­der­set­zung zwi­schen „rich­ti­gen“ Jour­na­lis­ten und „Möch­te­gern­jour­na­lis­ten“ im Netz, be­ginnt jetzt die Dis­kus­sion um „rich­tige“ Au­to­ren und um „Hob­by­schrift­stel­ler“. – Was steckt da­hin­ter? Eta­blierte Ver­le­ger möch­ten ihre Ge­schäfts­grund­la­gen si­chern und dis­kri­mi­nie­ren den Nach­wuchs als spät pu­ber­tie­rende „E-Pubber“. (Ich ver­mute, dass Buckstern dies so nicht ge­meint hat, die ge­wählte Dik­tion of­fen­bart aber die tief schlum­mern­den Vor­ur­teile des Ver­fas­sers.)

    Viele Ver­lage fürch­ten die Macht der E-Book-Autoren, weil diese nicht mehr höf­lich war­ten, bis sie „ent­deckt“ wer­den son­dern selbst ak­tiv wer­den. Das tat­säch­lich Fas­zi­nie­rende an der ak­tu­el­len Ent­wick­lung ist näm­lich, dass die bis­lang häu­fig miss­brauchte Schlüs­sel­ge­walt der eta­blier­ten Ver­lage zum Buch­markt ge­bro­chen wird. Nur so konnte es zu den jüngs­ten Er­fol­gen von Ho­cking, Lo­cke und vie­len an­de­ren kom­men.

    In der Dis­kus­sion geht es nun nicht darum, das ge­druckte Buch zu ver­drän­gen, son­dern die Be­wer­tungs­kom­pe­tenz der Ver­lage in Frage zu stel­len. Jetzt ent­schei­den nicht mehr Lek­to­ren göt­ter­gleich über die Qua­li­tät ei­nes Au­tors, jetzt ent­schei­det das Pu­bli­kum. Das ist Her­aus­for­de­rung und Chance zu­gleich.

    Ich pro­mote als „al­ter Hase“ die Idee des E-Books, weil ich darin die his­to­ri­sche Chance sehe, dass die bis­lang häu­fig miss­brauchte Schlüs­sel­ge­walt der eta­blier­ten Ver­la­gen zum Buch­markt ge­bro­chen wird. Das be­deu­tet nicht, dass ich mich nicht an schön ge­druck­ten Bü­chern er­freuen kann (jetzt muss man schon mit Dis­clai­mer ar­bei­ten) und diese übri­gens auch sam­mele.

  4. Stefan Holzhauer
    Erstellt am 28. Juli 2011 um 23:12 | Permanent-Link

    Schön ge­sagt (auch wenn der Link zu Ama­zon nah am Spam ist…).

    Mich stört per­sön­lich fast we­ni­ger die Aus­wahl zu ver­öf­fent­li­chen­der Au­to­ren durch Re­dak­teure — wenn sie ih­ren Job als Vor­sor­tie­rer und Aus­wäh­ler gut ma­chen wür­den. Es wird sei­tens der Ver­lage gern dar­über sal­ba­dert, dass man »Qua­li­tät« ver­öf­fent­li­chen möchte. Die Rea­li­tät sieht aber (zu­min­dest bei den Pu­bli­kums­ver­la­gen) so aus, dass man den Mas­sen­markt be­dient und nicht un­be­dingt qua­li­ta­tiv Hoch­wer­ti­ges son­dern gut Ab­setz­ba­res ver­legt und das ei­gene Schwa­dro­nie­ren über Qua­li­tät da­mit selbst wi­der­legt (ich kenne mich pri­mär im Phantastik-Bereich aus und weise des­we­gen auf die Markt­über­schwem­mung mit Schmusevampir-Gedöhns hin).

    Ich sehe das eBook auch als Heftro­man des 21. Jahr­hun­derts. Nur mit dem Un­ter­schied, dass der Zu­gang zum Markt für je­den Au­to­ren po­ten­ti­ell deut­lich ein­fa­cher ist, als wei­land bei den ein­schlä­gi­gen Ver­la­gen. UND es gibt kei­ner­lei für mich nach­voll­zieh­bare Ar­gu­men­ta­tion, wa­rum ein Prin­zip das bei an­de­ren Me­dien funk­tio­niert (Mu­sik, Soft­ware, Blogs) auf ein­mal bei Bü­chern nicht mehr klap­pen soll…?

    nur der Voll­stän­dig­keit hal­ber an die­ser Stelle der Hin­weis auf die Steampunk-Chroniken :o)

  5. Erstellt am 29. Juli 2011 um 18:10 | Permanent-Link

    Dei­nen An­satz »Heftro­man des 21. Jahr­hun­derts« finde ich span­nend! Na­tür­lich gibt es kein wirk­li­ches Ar­gu­ment ge­gen E-Books, ob­wohl wir am An­fang der Ent­wick­lung ste­hen und erst schritt­weise be­grei­fen, wel­che Mög­lich­kei­ten sich al­len be­tei­lig­ten Par­teien er­öff­nen. Ich habe selbst 30 Be­rufs­jahre im Print und da­nach erst zehn Jahre »di­gi­ta­les Pu­bli­zie­ren« auf dem Rü­cken und denke oft noch wie ein Sau­rier an die good old ti­mes. Aber Um– und Wei­ter­den­ken hat noch nie­man­dem ge­scha­det.

    Viel­leicht in die­sem Zu­sam­men­hang ein Hin­weis ge­stat­tet auf (und das ist nur wirk­lich kein Spam, ich habe da­mit nichts zu tun) The Fan­tas­tic Fly­ing Books of Mr. Mor­ris, das die im dop­pel­ten Sinne phan­tas­ti­schen Mög­lich­kei­ten des E-Books der un­mit­tel­ba­ren Zu­kunft an­deu­tet: http://www.vimeo.com/25833596

  6. Erstellt am 29. Juli 2011 um 22:00 | Permanent-Link

    @Stefan Holz­hauer
    Die »Ge­gen­dar­stel­lung« ist wirk­lich ge­lun­gen.
    Mir scheint je­doch, das der Au­tor Ma­xi­mi­lian Buckstern mit sei­nem re­la­tiv la­pi­da­ren Blog­ein­trag ein­fach nur pro­vo­zie­ren und mit ent­spre­chen­dem Kal­kül eine Dis­kus­sion an­re­gen wollte, ver­mut­lich um da­durch in­di­rekt auf sein ei­ge­nes eBook hin­zu­wei­sen.

    Hier noch mal der Kom­men­tar, den ich — der sich eben­falls an­ge­grif­fen fühlte und in die Falle tappte — auf sei­ner Seite hin­ter­las­sen habe:

    Der Blog­ein­trag er­scheint mir doch sehr ein­sei­tig. Self­publis­her kom­men hier ziem­lich schlecht weg, wäh­rend­des­sen die Ver­lage in die Höhe ge­lobt wer­den.

    Mein mul­ti­me­dia­les eBook »Der Erbe der Zeit« ver­kauft sich im App-Store bes­ser als je­der an­dere Ro­man von Heyne, Pi­per, Carl­sen, Eg­mont Lyx und und und… Doch trotz der über 4000 ver­kauf­ten Ex­em­plare zu ei­nem Durch­schnitts­preis von 6.99€ und vie­ler Fan­briefe konnte ich kei­nen gro­ßen Ver­lag über­zeu­gen das Buch ins Pro­gramm auf­zu­neh­men.

    http://www.der-erbe-der-zeit.de
    http://itunes.apple.com/de/app/der-erbe-der-zeit-der-letzte/id420460468

    Zwar wurde ich von vie­len Gro­ßen der Bran­che auf ei­nen Cafe ein­ge­la­den, mir scheint je­doch, das ich da­bei nur aus­ge­horcht wurde. Of­fen­sicht­lich woll­ten die ent­spre­chen­den Agen­tu­ren und Ver­lage ein­fach nur mal die ak­tu­elle Lage im eBook-Markt ab­che­cken. Wenn man hier nicht von ei­nem De­fi­zit der Ver­lage spre­chen kann, dann weiß ich auch nicht. Ei­nen Vor­teil hat es je­doch, auf diese Weise bin ich viel Nä­her am Le­ser dran. Von da­her liebe ich mein Self­publis­her­da­sein oder wie man­che es ein we­nig ab­wer­tend nen­nen wol­len ePup(p)er Da­sein. :)

  7. Erstellt am 4. August 2011 um 08:25 | Permanent-Link

    In die­sem Zu­sam­men­hang ist auch der Aus­blick auf das Jahr 2025 im Zu­sam­men­hang mit dem Buch­markt in­ter­es­sant. http://www.boersenblatt.net/449209/ Die Prot­ago­nis­ten der alt­ein­ge­ses­se­nen Bran­chen ha­ben von der Mu­sik­bran­che nichts ge­lernt. Ja, ich bin noch nicht mal si­cher, ob die Mu­sik­bran­che in­zwi­schen ka­piert, was um sie ab­läuft.
    Wie soll eine Ur­alt­bran­che wie die Ver­lags­bran­che ka­pie­ren, dass der Um­schwung in vol­lem Gange ist? Klar: noch sind die eBook-Leser re­la­tiv we­nige. Aber die Ad­op­tion »neuer« Tech­no­lo­gien geht im­mer schnel­ler (iPhone (Smart­phone), iPad, Kindle (eRe­a­der und mehr) usw.) Es ist in­ter­es­sant, wie Heer­scha­ren von selbst­er­nann­ten Pro­fis aus den klas­si­schen Bran­chen sich im­mer dreis­ter in die ei­gene Ta­sche lü­gen, quasi ein Reality-Distortion-Field um sich auf­bauen.
    Wenn man iBooks auf dem Apple ansieht, dann ist es sehr in­ter­es­sant, wie da un­ter den kos­ten­lo­sen Bü­chern sich ein wah­rer »Kult« um man­che »Hobby«-Autoren auf­baut. Klar, das Lek­to­rat fehlt ein­fach hier und da, aber die Ge­schich­ten ha­ben zum Teil ver­blüf­fende Qua­li­tä­ten (An­de­rer­seits ist die Recht­schrei­bung in Deutsch­land so­wieso am Bo­den: »währe«, »Stan­dart« usw. usf.). Was viel schlim­mer ist, ist die Tat­sa­che, wie stief­müt­ter­lich die gro­ßen Ver­lage ihr ei­ge­nes eBook-Angebot auf iBooks bei­spiels­weise be­han­deln. Bes­tes Bei­spiel: We­bers Ho­nor Harrington-Reihe. Hab ich als Buch nie ge­kauft, weil nie alle Bände in der Buch­hand­lung vor­rä­tig wa­ren. Zu Amazon-Zeiten hats mich nim­mer so in­ter­es­siert. In­zwi­schen ist es im iBook-Store. Ich habe den ers­ten Band ge­kauft und musste ler­nen, dass diese Schwach­ma­ten nicht mal in der Lage wa­ren, alle Bü­cher FORT­LAU­FEND ein­zu­stel­len. Die ers­ten 10 Bände sind lei­der nur zur Hälfte im iBook-Store, je­den zwei­ten Band muss man »real« kau­fen. Was für ein Scheiss. Von fal­schen Ti­tel­bil­dern mal ganz zu schwei­gen. Wir ha­ben es also mit ei­ner Bran­che zu tun, in der sich Prot­ago­nis­ten tum­meln, die sich ver­mut­lich von der Se­kre­tä­rin noch ihre E-Mails aus­dru­cken las­sen. Von ei­ner ge­wis­sen »Internet«-Kompetenz ganz zu schwei­gen. Aber das rächt sich bald (nicht erst 2025), die Mu­sik­in­dus­trie hats vor­ex­er­ziert …

  8. Stefan Holzhauer
    Erstellt am 8. August 2011 um 11:46 | Permanent-Link

    @Ruprecht Frie­ling:

    Danke für den Hin­weis, ich habe das Buch be­reits kurz vor­ge­stellt.

  9. Stefan Holzhauer
    Erstellt am 8. August 2011 um 11:47 | Permanent-Link

    @C. Schnei­der:

    Danke für die An­mer­kun­gen und das Mit­tei­len Dei­ner Er­fah­run­gen!

  10. Stefan Holzhauer
    Erstellt am 8. August 2011 um 16:05 | Permanent-Link

    In die­sem Zu­sam­men­hang möchte ich auch noch ein­mal auf mein an­de­res Pro­jekt hin­wei­sen, das sich eben­falls mit Self­publis­hing be­fasst:

    http://steampunk-chroniken.de

    hier­bei soll eine An­tho­lo­gie mit phan­tas­ti­schen Kurz­ge­schich­ten aus dem Steampunk-Genre erst ein­mal aus­schließ­lich als DRM-freies eBook er­schei­nen. Die ePub-Version wird es ge­gen eine be­lie­bige Spende ge­ben, was das eBook bei Ama­zon kos­ten wird, wird sich noch her­aus­stel­len.

    In­ter­es­sierte Au­to­ren kön­nen noch bis Ende Au­gust Ge­schich­ten ein­rei­chen.

  11. Erstellt am 11. August 2011 um 15:05 | Permanent-Link

    Ich finde es Klasse, dass sich die Welt ver­än­dert. Als ich vor vier Jah­ren das Hör­buch »The Long Tail« von Chris An­der­son ge­hört habe, hat es in mei­nem Kopf klick ge­macht. Mein Traum war es im­mer zu schrei­ben, doch ich konnte mir nie vor­stel­len da­von zu le­ben. Mit mei­nem Mann habe ich zu­sam­men ein IT-Unternehmen (seit 1991) und wir nut­zen in­zwi­schen für den Ver­trieb nur noch das In­ter­net.
    Wir hat­ten hef­tige Dis­kus­sio­nen dar­über, wes­halb ich mein Buch un­be­dingt in ei­nem Ver­lag ver­öf­fent­li­chen wollte. Es sind meine ei­ge­nen »tie­fen« Vor­ur­teile, die mich ge­hemmt ha­ben, es sel­ber zu ver­su­chen. Wer sagt mir, dass mein Ma­nu­skript gut ge­nug ist? Was ist mit mei­ner Recht­schreib­schwä­che? Ich be­ob­ach­tete wie Erst-Autoren ver­such­ten in der Bran­che Fuß zu fas­sen und kann nur sa­gen, ei­gene In­ves­ti­tion, ei­ge­nes Mar­ke­ting und »kein« Lek­to­rat, ka­men häu­fig vor. Le­sen wir nur mal ge­nauer. Am meis­ten hat es mich er­schreckt, wie schlecht das letzte Harry Pot­ter Buch über­setzt wor­den ist. Ich bin wirk­lich nicht emp­find­lich und lese auch mal »Schund­ro­mane«, aber es gab Mo­mente, wo ich diese Buch we­gen der stän­di­gen »hatte« weg le­gen musste, ob­wohl ich den In­halt span­nend fand. Mit an­de­ren Wor­ten ich stimme dir zu, die Qua­li­tät der Bü­cher aus re­nom­mier­ten Ver­la­gen ist mei­ner Mei­nung nach in den letz­ten Jah­ren schlech­ter ge­wor­den. Ver­mut­lich liegt es an den Kos­ten und der Ge­winn­op­ti­mie­rung (ich war mal Con­trol­le­rin beim Deut­schen Bü­cher­bund).
    Ich ging dann zu ei­nem Se­mi­nar in Wol­fen­büt­tel zum Thema »Als Be­ruf Au­tor«, was ei­nem schnell die ro­sa­rote Brille weg nimmt. Mit Markt­zah­len, Fak­ten, am­bi­tio­nier­ten Au­to­ren und mei­ner kli­schee­haf­ten Ge­schichte wurde mir klar, vom Schrei­ben zu le­ben ist fast so gut wie »Lotto« spie­len. In den letz­ten drei Jah­ren habe ich hart an mir ge­ar­bei­tet und für mei­nen ers­ten EBook Ro­man mit ei­nem Lek­tor zu­sam­men­ge­ar­bei­tet, des­sen Ar­beit mir, in den von ihm lek­t­o­rier­ten Bü­chern (z.B. Skrip­tum), ge­fal­len hat. Er lek­t­o­rierte das erste Ka­pi­tel als Ar­beits­probe, so dass ich vor mei­ner In­ves­ti­tion be­ur­tei­len konnte, ob wir zu­sam­men pass­ten.
    Für mich stellt das EBook die Mög­lich­keit da, als Au­tor selbst das »un­ter­neh­me­ri­sche« Ri­siko zu tra­gen. Ich kann ein Pro­dukt zu ei­nem Preis er­stel­len, der mei­ner Vor­stel­lung ei­nes gu­ten Preis-Leistungs-Verhältnisses ent­spricht. Ein EBook lässt sich ak­tu­ell nicht ver­lei­hen oder wie­der­ver­kau­fen, also be­kommt der Le­ser we­ni­ger Rechte und dass sollte sich im Preis spie­geln.
    Wei­ter­hin be­komme ich als Au­tor die ein­ma­lige Chance mit mei­nen Le­sern in di­rek­ten Aus­tausch zu ge­hen. Je nach Men­ta­li­tät kann ich mich so­gar ent­schei­den, sie am Pro­zess der Ent­ste­hung ei­nes Bu­ches teil­ha­ben zu las­sen. Das ist viel Ar­beit, die mir per­sön­lich sehr viel Freude macht.

  12. Stefan Holzhauer
    Erstellt am 11. August 2011 um 15:11 | Permanent-Link

    Hallo Kers­tin, vie­len Dank für Deine An­mer­kun­gen!

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