DAS ERWACHEN DER MACHT – Schwer subjektive Betrachtungen zu einem Sternenkrieg

Poster The Force AwakensDAS ER­WA­CHEN DER MACHT – deut­scher Ki­no­start am 17.12.2015

Vor­be­mer­kung: Das hier ist kei­ne Film­be­spre­chung im üb­li­chen Sin­ne. Da­für ga­ran­tiert völ­lig spoiler­frei.

Im Jahr 1978 lief STAR WARS Epi­so­de IV im Kino, die heu­te als A NEW HOPE be­kannt ist. Ich war da­mals zwölf Jah­re alt, und auch, wenn ich vor­her be­reits SF-Fan ge­we­sen war (und des­we­gen ex­trem heiß auf den Film), än­der­te sich mit STAR WARS al­les, da­na­ch war ich nicht mehr zu re­so­zia­li­sie­ren, was Un­ter­hal­tung an­ging. Die da­na­ch fol­gen­den Epi­so­den wa­ren ein wich­ti­ger Teil mei­ner Ju­gend und ha­ben mich nach­hal­tig ge­prägt. Seit­dem hat STAR WARS mein Le­ben nie mehr wirk­li­ch ver­las­sen, ir­gend­was war im­mer, sei­en es Rol­len­spie­le (wie das le­gen­dä­re D6-Sys­tem von West End Ga­mes), die zahl­lo­sen Ro­ma­ne aus der Rei­he, die heu­te »Le­gends« heißt, weil Lu­cas­Film das Ex­pan­ded Uni­ver­se (glück­li­cher­wei­se) weg­ge­boxt hat, oder das MMO THE OLD RE­PU­BLIC.

Über die Epi­so­den I – III re­den wir an die­ser Stel­le mal nicht. Weil es um die nicht geht, ich habe dazu eine ei­ge­ne Mei­nung und die ist bei Wei­tem nicht so ne­ga­tiv wie die von man­ch an­de­rem, aber wie ge­sagt: die sind hier nicht The­ma.

Ich habe ges­tern DAS ER­WA­CHEN DER MACHT im Kino ge­se­hen, lei­der nur in deut­scher Spra­che, aber ich wer­de die Ori­gi­nal­ver­si­on nach­ho­len, falls ir­gend­eins der schnar­chi­gen Ki­nos hier dazu in der Lage ist, die zu zei­gen. Und was soll ich sa­gen?

Groß­ar­ti­ger Film.

Nein, es ist durch­aus kein per­fek­ter Film, aber wel­cher Strei­fen ist das schon? Da­für ist es ein Film, der in mei­nen Au­gen das STAR WARS-Fee­ling zu­rück holt, das so vie­le in den Epi­so­den I – III oder den Spe­cial Edi­ti­ons ver­misst ha­ben.
Nein, ich bin selbst­ver­ständ­li­ch nicht mehr so ge­flasht wor­den, wie da­mals im Al­ter von zwölf Jah­ren, aber das ist auch völ­lig nor­mal so, denn: Da­mals war das al­les völ­lig neu, man hat­te et­was wie STAR WARS im Kino in die­ser Fom noch nie ge­se­hen. Lu­cas zeig­te ein SF-Uni­ver­sum mit da­mals spek­ta­ku­lä­ren Spe­zi­al­ef­fek­ten und ei­ner ver­gleichs­wei­se simp­len Ge­schich­te, die aber mei­ner Mei­nung nach ge­n­au we­gen die­ser Ein­fach­heit so gut funk­tio­nier­te.
Heu­te hat man Block­bus­ter nach Block­bus­ter be­trach­tet und es ist deut­li­ch schwie­ri­ger ge­wor­den, im Licht­spiel­haus noch die­sen »boah!«-Effekt, den be­rühm­ten »sen­se of won­der«, zu be­kom­men. Denn wir ha­ben al­les schon ge­se­hen. Das der Epi­so­de VII an­zu­las­ten, ist selbst­ver­ständ­li­ch völ­lig da­ne­ben.

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Und man gibt sich alle Mühe, dem ER­WA­CHEN DER MACHT ein »hand­ge­mach­tes« Ge­fühl zu ge­ben, man sieht in zahl­lo­sen Sze­nen, wie prak­ti­sche Ef­fek­te ein­ge­setzt wer­den. Das wirkt für den heu­ti­gen Ki­no­gän­ger an di­ver­sen Stel­len merk­wür­dig, ist man doch com­pu­ter­ge­ne­rier­te Per­fek­ti­on ge­wöhnt, aber es sorgt da­für, dass die­ser Film im Ge­gen­satz zu den com­pu­ter­ef­fekt­über­frach­te­ten Spe­cial Edi­ti­ons »at­met«, dass er sich or­ga­ni­sch an­fühlt, echt wirkt.

Die Ma­cher stan­den vor dem Di­lem­ma, dass so­wohl die ur­alten Fans (wie ich) zu­frie­den ge­stellt wer­den muss­ten, man zum an­de­ren aber fast 40 Jah­re nach dem ers­ten Film auch die neu­en Zu­schau­er ge­win­nen mus­s­te. In mei­nen Au­gen ha­ben sie die­se schwie­ri­ge Ar­beit da­bei wirk­li­ch gut ge­macht. Ja, es gibt ge­wis­se Red­un­dan­zen zu frü­he­ren Fil­men, aber mei­ne Güte, man kann sich auch künst­li­ch auf­re­gen.

Was zählt ist doch, dass die Cha­rak­te­re mit­ein­an­der funk­tio­nie­ren – und dass man STAR WARS be­kommt, denn STAR WARS steht drauf. Es ist eine wah­re Freu­de, den neu­en Fi­gu­ren da­bei zu­zu­se­hen, wie sie mit­ein­an­der spie­len und es da­bei tat­säch­li­ch schaf­fen, eine ganz ähn­li­che Che­mie auf­zu­bau­en, wie es in der ers­ten Tri­lo­gie der Fall war.

Dies war der Er­öff­nungs­film ei­nes neu­en Zeit­al­ters. Die Ma­cher muss­ten das alte mit dem neu­en ver­mi­schen, um alle Ziel­grup­pen an­zu­spre­chen. Das ist in mei­nen Au­gen trotz klei­ner Schwä­chen aus­ge­spro­chen gut ge­lun­gen. Da­mit ist aber auch eins völ­lig klar: Bei Epi­so­de VII hat­ten sie Wel­pen­schutz und ich sehe ih­nen an­ge­sichts des Er­geb­nis­ses pro­blem­los nach, dass man Kom­pro­mis­se ein­ge­hen mus­s­te. Der nächs­te STAR WARS-Film wird zei­gen, was tat­säch­li­ch in ih­nen steckt, da wer­den sie tat­säch­li­ch auch Plot-In­no­va­tio­nen brin­gen müs­sen. Denn der Auf­takt, die Wei­ter­ga­be der Fa­ckel, ist jetzt durch. Jetzt muss But­ter bei die Ban­t­has.

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Ich gehe ins Kino, um mich un­ter­hal­ten zu las­sen, ins­be­son­de­re bei Pop­corn­ki­no stö­ren mich da­bei Lo­gik­lö­cher nicht un­be­dingt. Viel wich­ti­ger ist, dass ich gut un­ter­hal­ten wer­den, dass man mich zum La­chen oder zum Wei­nen bringt. All das kann die­ser Film, und zu­sätz­li­ch ist er für mich ab­so­lut in der Lage, die­ses STAR WARS-Fee­ling wie­der her­zu­stel­len. STAR WARS steht drauf, und STAR WARS wur­de ge­lie­fert. Wer da­mit nicht zu­recht kommt, oder wem das nicht reicht, der soll­te sei­ne Er­war­tungs­hal­tung drin­gend über­prü­fen und viel­leicht auch mal re­flek­tie­ren, ob er den Film mög­li­cher­wei­se mit den Au­gen ei­nes Er­wach­se­nen zu ana­ly­sie­ren ver­sucht. Und nicht mit de­nen ei­nes Kin­des, oder ei­nes Er­wach­se­nen, der noch fä­hig ist, zu träu­men und nicht auf Sith komm raus al­les hin­ter­fra­gen muss. Oder kurz ge­sagt: Par­ty­po­oper und Be­rufs­ha­ter: geht mir nicht auf den We­cker.

Wenn die Me­di­en statt über den Film an sich vor al­lem dar­über schwa­dro­nie­ren, was das al­les kos­tet und wie viel das gan­ze Mer­chan­di­sing bringt, dann zeigt sich dar­in wie­der ein­mal, dass sie nichts ver­stan­den ha­ben. Für et­li­che von uns ist STAR WARS seit Jah­ren ein ganz nor­ma­ler Teil un­se­res Le­bens. Ein Teil, der es uns er­mög­licht, den be­schis­se­nen Rea­li­tä­ten auf der Erde auch mal zu ent­flie­hen. Sich dar­an zu er­freu­en, über gan­ze Ge­ne­ra­tio­nen hin­weg. Et­was, das viel mehr ist, als nur ir­gend­wel­che Fil­me, Fern­seh­se­ri­en, Bü­cher, Com­pu­ter­spie­le oder R2-D2-Salz­streu­er. Das al­lein auf den fi­nan­zi­el­len As­pekt zu be­schrän­ken zeigt, wie we­nig ihr von all dem ver­steht.

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Nein, ich wer­de nicht auf ech­te oder ver­meint­li­che Un­zu­läng­lich­kei­ten in DAS ER­WA­CHEN DER MACHT ein­ge­hen, das tun be­reits ge­nug an­de­re, und es wer­den noch jede Men­ge wei­te­re Wich­tig­tu­er ma­chen. Das ist mir al­les völ­lig egal, und dar­um geht es auch gar nicht. Und wenn ich in Be­spre­chun­gen lese, dass »neue Sto­ry­ele­men­te Fehl­an­zei­ge« sei­en, dann muss ich ganz klar in ei­nem an­de­ren Film ge­we­sen sein.
In ei­ner ein­zi­gen Sze­ne hat­te ich kurz die Be­fürch­tung, dass sie es jetzt ver­sau­en könn­ten – und dann ha­ben sie ge­n­au das Rich­ti­ge ge­tan.

Ich habe mich in kei­ner Se­kun­de ge­lang­weilt und ich habe mich an kei­ner Stel­le ge­är­gert. Ich habe mich die ge­sam­te Zeit gut, so­gar groß­ar­tig, un­ter­hal­ten ge­fühlt und für mich ist Epi­so­de VII STAR WARS wie ich es ha­ben will. Für mich ist STAR WARS zu­rück­ge­kehrt.
Ich wer­de mir den ga­ran­tiert min­des­tens noch ein­mal im Kino an­se­hen. Und wenn keins in der Nähe eine Ori­gi­nal­ver­si­on schafft, dann halt noch­mal die deut­sche Fas­sung, so schlimm war die Syn­chro ja gar nicht.

p.s.: Aus der eng­li­schen Wi­ki­pe­dia:

On the re­view ag­gre­ga­tor web­site Rot­ten To­ma­toes, The Force Awa­kens has a ra­ting of 95%, ba­sed on 245 re­views, with an aver­a­ge ra­ting of 8.2/10.

Of­fen­bar ste­he ich mit mei­ner Mei­nung nicht al­lei­ne da …

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STAR WARS – DAS ER­WA­CHEN DER MACHT – THE FORCE AWA­KENS
Schau­spie­ler u.a.: Har­ri­son Ford, Mark Ha­mill, Car­rie Fis­her, Adam Dri­ver, Da­i­sy Rid­ley, John Boy­e­ga, Os­car Isaac, Lu­pi­ta Nyong’o, Andy Ser­kis, Domhnall Glee­son, An­t­hony Da­ni­els, Pe­ter May­hew, Max von Sy­dow
Re­gie: J.J. Ab­rams
Dreh­buch: La­wren­ce Kas­dan, J.J. Ab­rams, Mi­cha­el Arndt
Pro­du­zen­ten: J.J. Ab­rams, Bryan Burk, Kath­le­en Ken­ne­dy
Mu­sik: John Wil­liams
Ka­me­ra: Da­ni­el Min­del
Lu­cas­film Ltd und Walt Dis­ney Pic­tures
USA 2015

Pro­mo­fo­tos Coyp­right Walt Dis­ney Pic­tures & Lu­cas­Film Ltd.

AutorIn: Stefan Holzhauer

Meist harm­lo­ser Nerd mit na­tür­li­cher Af­fi­ni­tät zu Pi­xeln, Bytes, Buch­sta­ben und Zahn­rä­dern. Kon­su­miert zu­viel SF und Fan­ta­sy und schreibt seit 1999 on­line dar­über.


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