Rechtlich bedenklich: Der Plagiatspranger auf Facebook

KopieparagraphIn den letz­ten Wo­chen gin­gen meh­re­re Fäl­le durch den vir­tu­el­len Blät­ter­wald der so­zia­len Me­di­en, bei de­nen Au­to­rin­nen ihre Bü­cher ab­ge­schrie­ben hat­ten. Das ist nun an sich nichts neu­es, AXO­LOTL ROAD­KILL lässt bei­spiels­wei­se grü­ßen. Neu ist al­ler­dings, dass sich Pla­gi­ats­jä­ger und -Jä­ge­rin­nen in ge­hei­men Grup­pen auf Face­book zu­sam­men­schlie­ßen, um nach Pla­gia­ten zu for­schen. Und wenn wel­che ge­fun­den wer­den, dann stellt man die­se auch mit Na­mens­nen­nung bei­spiels­wei­se auf Face­book, und das ohne jeg­li­ches Un­rechts­ge­fühl. Da­bei ist ein sol­ches Vor­ge­hen mei­ner An­sicht nach recht­lich äu­ßerst be­denk­lich, denn auch zi­vil- oder straf­recht­lich be­gan­ge­ne Ta­ten set­zen selbst­ver­ständ­lich die Per­sön­lich­keits­rech­te nicht au­ßer Kraft. Und ein ganz zen­tra­ler Punkt un­se­rer Ver­fas­sung ist die Un­schulds­ver­mu­tung, also dass man so lan­ge als un­schul­dig zu gel­ten hat, bis ein Rich­ter eine Schuld fest­ge­stellt hat – und da­bei ist es völ­lig ir­rele­vant, ob der Be­schul­dig­te sich ir­gend­wo selbst be­zich­tigt hat.

Jetzt mag man fra­gen, wo denn der Un­ter­schied zu bei­spiels­wei­se ei­nem Gut­ten­plag ist, auf dem die Pla­gia­te von zu Gut­ten­berg of­fen­ge­legt wur­den. Da gibt es di­ver­se: Er­stens war das Gut­ten­plag (und sind ähn­li­che An­ge­bo­te) öf­fent­lich und trans­pa­rent, sprich: man kann das Zu­sam­men­tra­gen der in­kri­mi­nier­ten Stel­len durch die ver­wen­de­te Wik­i­soft­ware und de­ren Ver­sio­nie­rung nach­ver­fol­gen. Zwei­tens kann man sie als jour­na­li­sti­sche An­ge­bo­te ein­stu­fen, die des­we­gen auch über ein Im­pres­sum ver­fü­gen, und sich der Sach­lich­keit ver­pflich­ten. Drit­tens geht es da­bei um Per­so­nen von zeit­ge­schicht­li­cher Re­le­vanz, das ist bei eher un­be­kann­ten Au­to­rIn­nen ganz si­cher nicht der Fall. Vier­tens wird auf sol­chen An­ge­bo­ten nicht la­men­tie­rend der Un­ter­gang des Abend­lan­des be­schwo­ren, denn das ist das ge­naue Ge­gen­teil von sach­li­cher und ob­jek­ti­ver Aus­ein­an­der­set­zung mit dem The­ma.

In­ter­es­sant sind die Re­ak­tio­nen, wenn man die Hand­lungs­wei­se der Pla­gi­ats­jä­ger auf Face­book kri­tisch hin­ter­fragt und auf die exi­stie­ren­den recht­li­chen Pro­ble­me und die Be­denk­lich­keit hin­weist. Die kann man mit Fug und Recht als agres­siv, ja ge­ra­de­zu »gif­tig« be­zeich­nen. Wenn man sol­che kri­ti­schen Fra­gen äu­ßert, wird ei­nem so­gar um­ge­hend un­ter­stellt, dass man ja wohl selbst Dreck am Stecken ha­ben müs­se, wenn und weil man die Pla­gia­to­ren »in Schutz neh­me«. Al­ter­na­tiv wird ver­mu­tet, dass man sich mit der ge­äu­ßer­ten Kri­tik nur wich­tig ma­chen möch­te, oder eine »He­xen­jagd« auf die Pla­gi­ats­su­cher er­öff­nen wol­le. Man muss sich fra­gen, war­um die Re­ak­tio­nen auf kri­ti­sche Fra­gen oder Hin­wei­se auf mög­li­che recht­li­che Pro­ble­me mit die­sem »Face­book-Pran­ger« so ex­trem aus­fal­len. Es ist zu­dem fest­zu­stel­len, dass Per­so­nen sich re­gel­recht mit der »Auf­deckung« sol­cher Fäl­le schmücken, sich als ver­meint­li­che Hel­den fei­ern las­sen und da­bei wort­reich dar­auf hin­wei­sen, wie »schreck­lich« das al­les sei, und wie sehr es dem An­se­hen der Zunft scha­de – und man das des­we­gen of­fen­le­gen müs­se. Man ge­riert sich also auch noch als Held.

Es exi­stiert of­fen­sicht­lich kei­ner­lei selbst­kri­ti­sche Ein­sicht und auch kein Un­rechts­be­wusst­sein, wenn Drit­te an den In­ter­net-Pran­ger ge­stellt und de­ren Per­sön­lich­keits­rech­te da­bei grund­le­gend ver­letzt wer­den. Eine tat­säch­li­che zi­vil- oder straf­recht­lich re­le­van­te Tat ist da­bei üb­ri­gens eben­so ir­rele­vant, wie eine even­tu­ell statt­ge­fun­de­ne Selbst­be­zich­ti­gung der Per­son.

Und das gilt aus­nahms­los. Ein un­sach­li­cher In­ter­net­pran­ger ist im­mer ein Ver­stoß ge­gen die Ach­tung der Men­schen­wür­de und eine Ver­let­zung der Per­sön­lich­keits­rech­te so­wie ein ekla­tan­ter Ver­stoß ge­gen die Un­schuld­ver­mu­tung, eine der Säu­len un­se­rer zi­vi­li­sier­ten Ge­sell­schaft. Rechts­an­walt Kar­sten Gul­den führt in sei­nem Ar­ti­kel ein­deu­tig aus:

Sind In­ter­net­pran­ger im­mer un­zu­läs­sig?

Ja, denn der Zweck hei­ligt nicht die Mit­tel. Ein Pran­ger im In­ter­net ver­stößt im­mer ge­gen die Ach­tung der Men­schen­wür­de, egal, was der oder die Ver­ant­wort­li­chen mit dem Pran­ger be­zwecken.

Was man selbst­ver­ständ­lich darf und auch tun soll­te, ist er­lang­te In­for­ma­tio­nen an Ge­schä­dig­te wei­ter­ge­ben, also bei­spiels­wei­se den pla­gi­ier­ten Au­tor oder des­sen Ver­lag – und da­ge­gen ist auch nichts ein­zu­wen­den. Al­les an­de­re ist ver­mut­lich rechts­wid­rig, egal mit wel­chen schön­ge­re­de­ten Be­grün­dun­gen die Pla­gi­ats­jä­ger die Öf­fent­lich­ma­chung auch ver­tei­di­gen wol­len. Und da­mit wer­den sie mög­li­cher­wei­se selbst zi­vil­recht­lich be­lang­bar und set­zen sich der Ge­fahr min­de­stens ei­ner Scha­dens­er­satz­for­de­rung aus. Mit Mei­nungs­frei­heit hat das al­les üb­ri­gens am al­ler­we­nig­sten zu tun.

Dis­c­lai­mer: Ich bin kein An­walt. Aber man kann sich die ver­link­ten Ar­ti­kel an­se­hen, die mei­ne Mei­nung un­ter­stüt­zen, oder auch mal eine Such­ma­schi­ne der ei­ge­nen Wahl be­mü­hen.

Bild von mir, CC0

AutorIn: Stefan Holzhauer

Meist harm­lo­ser Nerd mit na­tür­li­cher Af­fi­ni­tät zu Pi­xeln, Bytes, Buch­sta­ben und Zahn­rä­dern. Kon­su­miert zu­viel SF und Fan­ta­sy und schreibt seit 1999 on­line dar­über.

21 Kommentare for “Rechtlich bedenklich: Der Plagiatspranger auf Facebook”

Jac

sagt:

Ich glau­be das ist schlecht re­cher­chiert und stimmt auch nicht.
Selbst die FAZ hat über ei­nen Pla­gi­ats­fall be­rich­tet, der von ei­ner FB-Grup­pe auf­ge­deckt wur­de. Und na­tür­lich wur­de der Name der Au­to­rin dar­in ge­nannt, die vor­her selbst öf­fent­lich ge­macht hat­te, dass sie ab­ge­schrie­ben hat.
Da kann von Ver­let­zung der Per­sön­lich­keits­recht nicht mehr die Rede sein.

Beim näch­sten Mal bes­ser mal ei­nen An­walt für Ur­he­ber­recht fra­gen, be­vor man so ei­nen Ar­ti­kel ver­öf­fent­licht.

sagt:

Beim näch­sten Mal ge­nau­er le­sen. Ich habe ein­deu­tig ei­nen Un­ter­schied zwi­schen jour­na­li­sti­scher Be­richt­erstat­tung und simp­len An­pran­gern durch selbst­er­nann­te Wich­tig­tu­er ge­macht. Da ist über­haupt nichts »schlecht re­cher­chiert«, Du hast es nur nicht ver­stan­den, des­we­gen ist Dein »Glau­ben« falsch.

Was hat ei­gent­lich ein An­walt für Ur­he­ber­recht mit Per­sön­lich­keits- und Men­schen­rech­ten oder dem Grund­ge­setz zu tun? Ich er­klä­re es Dir gern: nichts.

Edit: Üb­ri­gens kann sich so­gar ein jour­na­li­sti­sches An­ge­bot wie die FAZ ei­ner Ver­let­zung der Per­sön­lich­keits­rech­te schul­dig ma­chen. Ein­fach mal die von mir ver­link­ten Ar­ti­kel le­sen und zu ver­ste­hen ver­su­chen. Dass die ir­gend­was schrei­ben und/oder ver­öf­fent­li­chen ist nun wahr­lich kein Ar­gu­ment.

sagt:

Ich wur­de dar­auf hin­ge­wie­sen, dass die Un­schulds­ver­mu­tung nichts mit der Ver­fas­sung zu tun hat. Tat­säch­lich fin­det sich sich in der in Art. 11 Abs. 1 der All­ge­mei­nen Er­klä­rung der Men­schen­rech­te der Ver­ein­ten Na­tio­nen von 1948 so­wie in Art. 6 Abs. 2 der Eu­ro­päi­schen Men­schen­rechts­kon­ven­ti­on (EMRK) und so­wie in Deutsch­land aus dem Rechts­staats­prin­zip in Art. 20 Abs. 3 und Art. 28 Abs. 1 Satz 1 Grund­ge­setz.

Üb­ri­gens wer­den »Ver­fas­sung« und »Grund­ge­setz« oft syn­onym ver­wen­det, auch wenn das nicht im­mer ganz kor­rekt sein mag. Im vor­lie­gen­den Fall hal­te ich das für Ko­rin­thenk­acke­rei.

sagt:

Lie­ber Ste­fan,

sor­ry, aber in dem Ar­ti­kel geht so ei­ni­ges durch­ein­an­der.
Be­gin­nen wir mal mit dem The­ma Un­schulds­ver­mu­tung. Die straf­recht­li­che Un­schulds­ver­mu­tung („in du­bio pro reo“) gilt nur im Ver­hält­nis zwi­schen Bür­ger und Straf­ver­fol­gungs­be­hör­de und nicht zwi­schen Bür­ger und Bür­ger. Ich als Otto Nor­mal­ver­brau­cher darf also je­mand an­de­res „Schuld“ ver­mu­ten, so­viel ich will, so lan­ge ich da­bei kei­ne für je­der­mann gel­ten­den Straf­vor­schrif­ten ver­let­ze. Aber dazu gleich mehr. Das­sel­be gilt üb­ri­gens auch für das von Dir mehr­fach zi­tier­te Per­sön­lich­keits­recht aus Art. 1 Abs. 1 i.V.m. Art. 2 Abs. 1 Grund­ge­setz. Da­bei han­delt es sich um ein Grund­recht und auch Grund­rech­te bin­den pri­mär den Staat, und nicht die Bür­ger un­ter­ein­an­der, wie man z.B. Art. 1 Abs. 3 GG ent­neh­men kann.
Und da­mit kom­men zum zwei­ten The­ma. Zwar be­haup­test Du in dem Ar­ti­kel mehr­mals, die Per­so­nen, die Pla­gia­te öf­fent­lich der­art an­pran­gern wür­den, müss­ten selbst straf­recht­li­che Ver­fol­gung fürch­ten. Al­ler­dings lässt die­sen Fi­schen kei­ne But­ter fol­gen, d.h. Du nennst die be­tref­fen­den Straf­vor­schrif­ten nicht. In­fra­ge kom­men hier aber al­len­falls die Üble Nach­re­de und die Ver­leum­dung, §§ 186 und 187 StGB. Schau­en wir uns da­her die bei­den Nor­men mal et­was ge­nau­er an. Vor­aus­set­zung für die Straf­bar­keit ist bei bei­den Nor­men die Ver­brei­tung von Tat­sa­chen. Eine Tat­sa­che ist im Ge­gen­satz zum Wert­ur­teil eine Be­haup­tung, die dem Be­weis zu­gäng­lich ist. Sage ich also: „Au­tor XY ist ein fan­ta­sie­lo­ser Schmock“, so ist das ein Wert­ur­teil und da­mit al­len­falls eine Be­lei­di­gung im Sin­ne von § 185 StGB. Sage ich hin­ge­gen: „Au­tor XY hat das Buch a Au­tor Z pla­gi­iert, so ist dies dem Be­weis zu­gäng­lich und da­mit eine Tat­sa­che. So weit, so gut. Eine Straf­bar­keit kommt al­ler­dings nach bei­den Nor­men NICHT in Be­tracht, wenn die be­haup­te­te Tat­sa­che er­weis­lich WAHR ist. In­so­fern liegst Du falsch, wenn Du z.B. meinst, es spie­le kei­ne Rol­le, ob die Per­son, ge­gen die sich die Be­haup­tung rich­tet, sich ir­gend­wo selbst be­zich­tigt habe. Tat­säch­lich wäre so ein Ge­ständ­nis von ho­her Re­le­vanz. Hat ein Straf­tä­ter sei­ne Straf­tat öf­fent­lich ge­stan­den, so kommt eine Straf­bar­keit ei­nes Drit­ten, der ihn die­ser Straf­bar­keit be­zich­tigt, we­gen Üb­ler Nach­re­de oder Ver­leum­dung nicht in Be­tracht, weil die Tat­sa­che sei­ner Schuld durch sein Ge­ständ­nis be­legt ist. Selbst wenn er dies Ge­ständ­nis spä­ter zu­rück­zie­hen soll­te, hät­te der ihn Be­zich­ti­gen­de je­den­falls im­mer noch in gu­tem Glau­ben ge­han­delt.
Ei­nem Ge­ständ­nis kommt es gleich, wenn der Be­zich­ti­gen­de sel­ber Be­wei­se für die Schuld des Be­zich­tig­ten hat, also in un­se­rem Fall die Pla­gia­te vor­wei­sen kann. Da­bei spielt es al­ler­dings – an­ders als von Dir ver­mu­tet – kei­ne Rol­le, ob der Be­zich­ti­gen­de sei­ne Be­zich­ti­gung öf­fent­lich und trans­pa­rent durch die ihm vor­lie­gen­den Be­wei­se un­ter­mau­ert (den Vro­ni­plag-Be­trei­bern wur­de sei­ner­zeit er­folg­los ihre teil­wei­se An­ony­mi­tät vor­ge­wor­fen). Für die Straf­bar­keit i.S.d. §§ 186 u. 187 StGB kommt es al­lein dar­auf an, ob er den Be­weis der Wahr­heit sei­ner Be­zich­ti­gung spä­ter in ei­nem even­tu­el­len Straf­ver­fah­ren zu füh­ren in der Lage ist. Selbst wenn der Be­zich­ti­gen­de sich in sei­ner An­nah­me ei­nes Pla­gi­ats irrt, kommt eine Straf­bar­keit we­gen des schwer­wie­gen­de­ren De­likts der Ver­leum­dung schon des­we­gen nicht in Be­tracht, weil er in die­sem Fall das Pla­gi­at je­den­falls in gu­tem Glau­ben, aber nicht vor­sätz­lich wi­der bes­se­res Wis­sen be­haup­tet hat. Üb­ri­gen bleibt dann al­lein eine even­tu­el­le Straf­bar­keit we­gen Üb­ler Nach­re­de und selbst in sol­chen Fäl­len dürf­te es kaum zu ei­ner Ver­ur­tei­lung kom­men, wenn der Be­zich­ti­gen­de sich in ei­nem schwer zu be­ur­tei­len­den Zwei­fels­fall letzt­lich ge­irrt hat.
Liegt aber tat­säch­lich ein Pla­gi­at vor, dann be­steht – wie schon ge­sagt – si­cher­lich kei­ne Straf­bar­keit des Be­zich­ti­gen­den. Da­bei spielt es auch kei­ne Rol­le, ob sei­ne Be­haup­tung in eher sach­li­cher oder po­le­mi­scher Form vor­ge­bracht wur­de (auch die Gut­ten­plag- und Vro­ni­plag-Be­trei­ber wa­ren in ih­ren Pres­se­äu­ße­run­gen nicht im­mer zim­per­lich). Die Straf­bar­keit hängt auch nicht dar­an, ob eine Web­site ein Im­pres­sum auf­weist oder nicht. Die Im­pres­sums­pflicht gilt, wenn sie denn ge­ge­ben ist, un­ab­hän­gig von den ver­brei­te­ten In­hal­ten. Auch die Fra­ge, ob eine Per­son zeit­ge­schicht­li­che Re­le­vanz be­sitzt, spielt für die Straf­bar­keit kei­ne Rol­le (sonst wür­de das in §§ 186, 187 StGB auf­tau­chen), son­dern höch­stens für die zi­vil­recht­li­che Wer­tung der gan­zen An­ge­le­gen­heit, zu der ich zum Ab­schluss kom­men möch­te.
Vor­aus­set­zung für die von Dir be­haup­te­te Mög­lich­keit ei­ner Scha­den­er­satz­for­de­rung ge­gen die An­pran­gern­den wäre zu­al­ler­erst ein­mal, dass der An­ge­pran­ger­te über­haupt ei­nen nach­weis­ba­ren ma­te­ri­el­len Scha­den er­lit­ten hat. Ein sol­cher kommt al­ler­dings dann nicht in Be­tracht, wenn – wie in den der­zeit vi­ru­len­ten Fäl­len – er­tapp­te Au­to­ren ihre Bü­cher selbst off­line neh­men, denn dann fehlt es an dem er­for­der­li­chen Kau­sal­zu­sam­men­hang zwi­schen An­pran­ge­rung und mög­li­chem Scha­den. Im Üb­ri­gen ist ein Scha­den in Form von nicht­ver­kauf­ten Bü­chern vor Ge­richt oh­ne­hin sehr schwer zu be­wei­sen, weil der Be­weis ja eine Even­tu­al­ar­gu­men­ta­ti­on be­inhal­tet. Der Ge­schä­dig­te müss­te in der Lage sein hand­fest nach­zu­wei­sen, dass und wie vie­le Bü­cher er auf­grund der An­pran­ge­rung we­ni­ger ver­kauft hat. Und selbst wenn er ei­nen sol­chen Be­weis füh­ren könn­te, wäre ana­log zum Straf­recht eine zi­vil­recht­li­che Haf­tung dann nicht ge­ge­ben, wenn tat­säch­lich ein Pla­gi­at vor­liegt, da es dann schon an der von § 823 BGB ge­for­der­ten „Rechts­ver­let­zung“, min­de­stens aber an de­ren „Wi­der­recht­lich­keit“ man­gelt. Denn die rich­ter­li­che Aus­le­gung die­ser Be­grif­fe muss nicht al­lein das Per­sön­lich­keits­recht des An­ge­pran­ger­ten, son­dern auch die Mei­nungs­äu­ße­rungs­frei­heit des An­pran­gern­den in Be­tracht zie­hen. Letz­te­re dürf­te aber re­gel­mä­ßig dann über­wie­gen, wenn der An­pran­gern­de die Wahr­heit sei­ner Äu­ße­rung be­wei­sen kann. Aus den­sel­ben Grün­den dürf­te dann auch die Gel­tend­ma­chung ei­nes ide­el­len Scha­dens we­gen Ver­let­zung des Per­sön­lich­keits­rechts, also qua­si ei­ner Art see­li­schen Schmer­zens­gel­des schei­tern.
Die theo­re­tisch denk­ba­re Be­an­tra­gung ei­ner straf­be­wehr­ten Un­ter­las­sungs­er­klä­rung (vul­go Ab­mah­nung) durch den An­ge­pran­ger­ten dürf­te eben­falls dann schei­tern, wenn die an­ge­pran­ger­ten Um­stän­de er­weis­lich wahr sind. An­de­ren­falls hät­te auch Frei­herr zu Gut­ten­berg durch­aus ge­gen die ge­gen sein Pla­gi­at ge­rich­te­ten Platt­for­men vor­ge­hen kön­nen.
Im End­ergeb­nis wird man dazu kom­men, dass das öf­fent­li­che An­pran­gern von Pla­gia­ten, dass ja üb­ri­gens im von Dir zi­tier­ten Fall He­ge­mann von di­ver­sen Feuil­le­tons prak­ti­ziert wur­de, ohne dass ir­gend­je­mand je da­ge­gen ein­ge­schrit­ten ist, zu­min­dest so lan­ge ri­si­ko­los ist, so lan­ge die Pran­gern­den in der Lage sind, ein Pla­gi­at im Zwei­fel auch nach­zu­wei­sen.
Was die von Dir zi­tier­ten Quel­len an­geht, so möch­te ich an­mer­ken, dass zum ei­nen ju­ri­sti­sche Zi­ta­te aus ei­ner öster­rei­chi­schen Quel­le für die deut­sche Rechts­la­ge weit­ge­hend ir­rele­vant sind. Zu den bei­den an­de­ren Quel­len möch­te ich sa­gen, dass es sich da­bei um Blog­ein­trä­ge bzw. Po­stings von An­wäl­ten mit of­fen­sicht­lich wer­ben­dem Cha­rak­ter han­delt. Die sind nun ge­ra­de nicht als recht­li­che Ex­per­ti­sen ge­dacht, son­dern sol­len eher dar­auf zie­len, dem sich äu­ßern­den An­walt neue Man­dant­schaft ins Haus zu brin­gen.
Bit­te ver­steh mich nicht falsch: So­zio­lo­gisch mag man über die Be­rech­ti­gung und den ethi­schen Wert der­ar­ti­ger Pran­ger durch­aus strei­ten. Auch das Jagd­fie­ber man­cher Vro­ni­plag­ler er­schien mir mit­un­ter et­was su­spekt. An­de­rer­seits fin­de ich es zu­min­dest nach­voll­zieh­bar, wenn eine Grup­pe von Au­to­ren ihre Peer­group (Self Pu­blisher) von dem dro­hen­den Ge­ne­ral­ver­dacht des Pla­gia­to­ren­tums öf­fent­lich wir­kungs­voll ab­gren­zen will. Man soll­te m.E. auch im Auge be­hal­ten, dass das in­itia­le Un­recht nicht die An­pran­ge­rung, son­dern das Pla­gi­at war. Das scheint mir in Dei­nem Text ein we­nig un­ter den Tisch zu fal­len.

Be­ste Grü­ße, Dein Tho­mas

sagt:

Aha, da hat man also gleich mal Tho­mas El­bel ge­gen mich in Stel­lung ge­bracht, ich füh­le mich ge­ehrt. Wer wis­sen möch­te wer das ist, und was er auch in Sa­chen Ur­he­ber­rech­te ver­tritt, emp­feh­le ich eine In­ter­net-Su­che. Ich wür­de ihn als Ur­he­ber­rechts-ul­tra­kon­ser­va­tiv be­zeich­nen, in mei­nen Au­gen agi­tiert er ge­gen No­vel­lie­run­gen des Ur­he­ber­rechts, die den Nut­zer und auch an­de­re Ur­he­ber – also uns alle – bes­ser stel­len wür­de, bei­spiels­wei­se beim Recht auf Re­mix. Ich wei­se dar­auf hin, da­mit man sei­ne Äu­ße­run­gen viel­leicht ein we­nig bes­ser ein­schät­zen kann.

Ich wer­de mich in­halt­lich nicht zu dem oben­ste­hen­den Ju­ri­sten­sprech-Over­kill äu­ßern, da ich, wie auch am Ende des Ar­ti­kels steht, kein An­walt bin, und man mich na­tür­lich un­end­lich mit be­lie­bi­gen Pa­ra­gra­phen voll­bom­ben kann, ohne dass ich das wi­der­le­gen könn­te. Nur so­viel: Wer An­wäl­te kennt, der weiß: Drei An­wäl­te fünf Mei­nun­gen. Und auch dass die Mei­nung an­de­rer An­wäl­te als un­be­deu­tend oder ge­ra­de mal als Wer­be­maß­nah­me dis­kre­di­tiert wer­den soll, ist in mei­nen Au­gen eher ty­pi­sches An­walts-Al­pha­männ­chen-Ge­ha­be, als ein Be­leg, dass de­ren Aus­sa­gen falsch sind.

Auch Mi­mi­ka­ma könn­te man ken­nen. De­ren Ser­ver steht zwar in Öster­reich, aber sie be­han­deln kei­nes­wegs nur The­men die die­ses Land be­tref­fen, son­dern sol­che rund um so­zia­le Me­di­en all­ge­mein.

sagt:

Ach ja: Dass »straf­recht­li­che Un­schulds­ver­mu­tung („in du­bio pro reo“)« … »nur im Ver­hält­nis zwi­schen Bür­ger und Straf­ver­fol­gungs­be­hör­de und nicht zwi­schen Bür­ger und Bür­ger« gilt, mag for­mal­ju­ri­stisch so sein. Be­trach­tet man al­ler­dings die Her­kunft aus den all­ge­mei­nem Er­klä­run­gen der Men­schen­rech­te, er­kennt man, dass es ne­ben der ju­ri­sti­schen auch noch eine mo­ra­lisch-ethi­sche Ebe­ne gibt. Wer sagt »ich bin nur ein Bür­ger, das gilt für mich nicht!«, der zeigt in mei­nen Au­gen eine er­schrecken­de Igno­ranz ge­gen­über den Men­schen­rech­ten.

kay

sagt:

Herr El­bel ver­kennt, dass bei der Be­ur­tei­lung zB von Scha­dens­er­satz­an­sprü­chen von Bür­gern (Au­to­rin) ge­gen Bür­ger (»Jä­ger«) selbst­ver­ständ­lich das Grund­recht der Mei­nungs- und Pres­se­frei­heit ge­gen das all­ge­mei­ne Per­sön­lich­keits­recht ab­ge­wo­gen wird.

Herr El­bel ver­kennt wei­ter, dass die Un­schulds­ver­mu­tung in der EMRK ver­an­kert ist, die als Zen­tra­les Be­kennt­nis der Eu­ro­päi­schen Ge­mein­schaft zur Rechts­staat­lich­keit na­tür­lich Leit­bild jeg­li­chen öf­fen­ti­chen Ver­hal­tens sein muss, da es die »Ge­sell­schaft« bil­det.
Es ge­hört ge­ra­de NICHT zur Mei­nungs­frei­heit, hier Le­gis­la­ti­ve (was ist ein Pla­gi­at), Exe­ku­ti­ve (wir er­mit­teln) und Ju­ris­dik­ti­on (wir stra­fen durch An­pran­gern) in Per­so­nal­uni­on aus­zu­üben. Das UrhG, das hier al­lein ver­letzt ist, re­gelt nicht etwa den Schutz der All­ge­mein­heit vor au­then­ti­schen Wer­ken, son­dern das Recht des Ur­he­bers, sei­ne Wer­ke wirt­schaft­lich zu ver­wer­ten. Das geht hier völ­lig un­ter.

Ich hal­te es da­von un­ab­hän­gig für grenz­wer­tig »bi­gott«, ei­ner­seits ho­heit­li­che Maß­nah­men wie die Strafverfolgung/Schutz der Öf­fent­lich­keit für sich zu be­an­spru­chen, aber an­de­rer­seits dann zu ver­kün­den, dass die Grund­rech­te, die die ho­heit­li­che Hand bin­den, für ei­nen per­sön­lich nicht gel­ten. Wür­de man die­se Auf­fas­sung tat­säch­lich tei­len (und die Mehr­heit auch der Recht­spre­chung tut dies in die­ser Ab­so­lut­heit nicht), wäre in der Kon­se­quenz De­nun­zi­an­ten­tum be­lie­bi­ger Form Tür und Tor ge­öff­net, so­lan­ge man nur für sich, noch dazu ge­heim ge­hal­te­ne Be­wei­se für eine Glaub­haft­ma­chung der Tat­sa­chen in Hän­den hält (wenn ein »Be­weis« nicht hält, hat man sich halt ge­irrt, macht nichts, auch wenn der Scha­den ir­rever­si­bel ist). 

Herr El­bel lässt (da er ja Ju­rist ist) ver­mut­lich be­wusst au­ßen vor, dass die »Jä­ger« in Blogs und FB-Grup­pen agie­ren, also dem Pres­se­recht un­ter­wor­fen sind. Hier gibt es eine vom BVerfG als Kor­rek­tiv zur Pres­se­frei­heit in stän­di­ger Recht­spre­chung ent­wickel­te »Jour­na­li­sti­sche Sorg­falts­pflicht«, die hier ver­misst wird. Es wird er­war­tet, dass die Pres­se als »vier­te Ge­walt« sich frei­wil­lig den Grund­rech­ten un­ter­ord­net. Selbst die Bild muss von Ver­däch­ti­gen schrei­ben, die Be­richt­erstat­tung an­ony­mi­sie­ren und auf die na­ment­li­che Nen­nung im Er­mitt­lungs­ver­fah­ren ver­zich­ten.
Es ist eine Selbst­ver­ständ­lich­keit, dass den Be­schul­dig­ten zB in ei­nem Ar­ti­kel die Ge­le­gen­heit zur Stel­lung­nah­me ein­ge­räumt wird und dar­auf hin­ge­wie­sen wird, dass die­se ge­währt (und ggf. ab­ge­lehnt) wur­de. Die Quel­len und die Grund­la­gen der Mei­nungs­bil­dung sind um­fas­send nach­voll­zieh­bar auf­zu­decken. Die Pres­se­frei­heit ent­springt ei­nem In­for­ma­ti­ons­an­spruch der Öf­fent­lich­keit zu ei­ge­ner Mei­nungs­bil­dung und nicht etwa der ei­ge­nen Mei­nungs­frei­heit der Ver­fas­ser. Ein Dis­c­lai­mer (»Un­schulds­ver­mu­tung be­steht fort«) ist gleich­falls Zei­chen se­riö­ser Be­richt­erstat­tung.

Auch ein Ge­ständ­nis ent­bin­det ent­ge­gen der Auf­fas­sung von Herrn El­bel nicht von der Er­mitt­lungs­pflicht. Im Ge­gen­teil, es ist Aus­fluss des Amts­er­mitt­lungs­grund­sat­zes §§ 160, 244 StPO, RiSt­BV, dass trotz Ge­ständ­nis wei­ter­er­mit­telt wer­den muss, so­wohl das Ge­richt als auch die Staats­an­walt­schaft. War­um? Weil es ne­ben »gu­ten« Grün­den für ein fal­sches Ge­ständ­nis (Scha­dens­mi­ni­mie­rung in der Öf­fent­lich­keit, psychi­ische Grün­de, Schutz Drit­ter wie der Fa­mi­lie, die bei na­ment­li­cher Nen­nung mit­be­trof­fen ist), auch noch ne­ben dem er­füll­ten Tat­be­stand die Rechts­wid­rig­keit und die Schuld ge­son­dert zu prü­fen und zu be­ja­hen sind. Ent­fällt nur ei­ner die­ser Punk­te, en­det das Ver­fah­ren in ei­nem Frei­spruch!

Die von Herrn El­bel so ver­harm­lo­sten Ehr­de­lik­te, §§ 185ff. StGB, er­fah­ren im Zeit­al­ter so­zia­ler Netz­wer­ke und In­ter­net­kom­mu­ni­ka­ti­on eine er­heb­li­che An­wen­dungs­ver­schär­fung (stren­ge­rer Maß­stab in­ner­halb des be­stehen­den Straf­rah­mens) um so ein not­wen­di­ges Kor­rek­tiv zu schaf­fen, dass der enorm er­höh­ten Reich­wei­te ei­ner ehr­ver­let­zen­den Be­haup­tung und dem da­mit an­ge­rich­te­ten Scha­den für das Op­fer kor­re­spon­diert (»Cy­ber Mob­bing« als pro­mi­nen­tes Bei­spiel). Dem sind ins­be­son­de­re me­di­al er­fah­re­ne Per­sö­nen wie die »Jä­ger« in­so­fern be­son­ders ver­pflich­tet, als sie sich nicht mit dem gu­ten Glau­ben auf ihre »Re­cher­chen« be­ru­fen kön­nen, die kei­nes­falls ein ge­richt­li­ches Gut­ach­ten sind (selbst ihre mit der Prü­fung be­trau­ten, na­ment­lich nicht ge­nann­ten und da­mit in ih­rer Sach­kun­de nicht über­prüf­ba­re »Ex­per­ten« wä­ren vor Ge­richt nur »Par­tei­gut­ach­ter«, also so­ge­nann­te »sach­ver­stän­di­ge Zeu­gen«).
Die von Ste­fan auf­ge­wor­fe­ne Fra­ge, ob eine Per­son zeit­ge­schicht­li­che Re­le­vanz be­sitzt, ist zwar nicht für das Straf­recht, wohl aber für das Zi­vil­recht (Scha­dens­er­satz nach §823 Abs.1 BGB und Pres­se­recht von Re­le­vanz, bei de­nen eben öf­fent­li­che und pri­va­te In­ter­es­sen ge­gen­ein­an­der ab­ge­wo­gen wer­den. Hier greift Herr El­bel wis­sent­lich zu kurz.
Ich habe in der öf­fent­li­chen Dis­kus­si­on auch sei­tens der »Jä­ger« meh­re­re Äu­ße­run­gen ge­le­sen, die auf­grund der Ton­la­ge je­den­falls den An­fangs­ver­dacht ei­ner Be­lei­di­gung zu be­grün­den ver­mö­gen. Vor­ver­ur­tei­lun­gen, sug­ge­sti­ven Ti­tel und For­mu­lie­run­gen sind min­de­stens pres­se­recht­lich haf­tungs­re­le­vant, ggf. auch straf­bar. (»Es darf nicht durch die Art der For­mu­lie­rung der Ein­druck er­weckt wer­den, die Per­son sei schul­dig und nur die As­pek­te der Tat sei­en zu klä­ren, z.B. „War­um hat X das ge­tan?“ – Ba­sis­wis­sen jour­na­li­sti­scher Ar­beit – upload-magazin.de).
Un­ab­hän­gig da­von, dass na­tür­lich ein wirt­schaft­li­cher Scha­den durch den so auf­ge­bau­ten »Druck« ent­stan­den ist (wenn man z.B. je­man­den dazu treibt, dass er von der Brücke springt, ist man auch ein Mör­der, ob­wohl man nicht ge­schubst hat), bleibt die Kom­po­nen­te Schmer­zens­geld für im­ma­te­ri­el­le Schä­den bei El­bel völ­lig au­ßen vor.
Der Ver­gleich mit Gut­ten­berg hinkt mehr­fach:
1. ist G als Bun­des­mi­ni­ster nach­weis­lich ein A-Pro­mi und nicht ir­gend­ein al­len­falls sze­ne­be­kann­ter Au­tor (ein­ge­schränk­tes Per­sön­lich­keits­recht);
2. ging es um we­sent­lich ein­fa­cher nach­zu­wei­sen­de wis­sen­schaft­li­che Pla­gi­ats­fäl­le, bei de­nen nicht das Ur­he­ber­recht des Erst­werks ge­gen die Kunst­frei­heit des po­ten­ti­el­len Pla­gi­ats ge­gen­ein­an­der ab­zu­wä­gen ist, weil nach An­sicht des BVerfG der Kunst im­ma­nent ist, sich auch mit sich selbst fort­lau­fend kri­tisch aus­ein­an­der­zu­set­zen (z.B. mit­tels Par­odie, In­ter­tex­tua­li­tät, An­spie­lung, Pa­ra­phra­se etc. )
3. wur­den die »Mo­ge­lei­en« in ei­nem Eil­ver­fah­ren auch zu­min­dest hoch­schul­recht­lich wirk­sam fest­ge­stellt und zur Ab­erken­nung der Dok­tor­wür­de führ­ten; ein Kor­rek­tiv durch die of­fi­zi­el­le Ver­wal­tungs­ge­richts­bar­keit hat m.W. nicht statt­ge­fun­den, weil es G. nicht woll­te);

Das hat nichts da­mit zu tun, ob nicht die an­ge­pran­ger­ten Wer­ke am Ende ei­ner rechts­staat­li­chen Über­prü­fung durch hier­zu von der Ge­sell­schaft be­auf­trag­te In­stan­zen Pla­gia­te sind, son­dern da­mit, dass auch ich ein scha­les Ge­fühl bei der Art und In­ten­si­tät der Be­richt­erstat­tung habe und des­halb der Rechts­auf­fas­sung von Herrn El­bel eine an­de­re ent­ge­gen­hal­ten möch­te.

sagt:

Dan­ke für den Kom­men­tar.

Noch ein Nach­trag: Man macht sich kei­ne Vor­stel­lun­gen, was mir auf­grund die­ses Ar­ti­kels auf Face­book ent­ge­gen ge­schla­gen ist. Selbst­ver­ständ­lich be­inhal­tet das Recht auf freie Mei­nungs­äu­ße­rung auch, dass man auf die ge­äu­ßer­te Mei­nung ge­gen­tei­li­ge Rück­mel­dun­gen be­kommt. Da­mit habe ich ge­rech­net. Wo­mit ich nicht ge­rech­net habe ist, dass sich Per­so­nen, von de­nen ich im Le­ben noch nie ge­hört habe, per­sön­lich an­ge­grif­fen fühl­ten und zum Teil … sa­gen wir mal freund­lich … dra­sti­sche Äu­ße­run­gen mir ge­gen­über zu dem The­ma tä­tig­ten oder mir Din­ge un­ter­stell­ten, die man aus dem obi­gen Ar­ti­kel nur mit ei­ner er­heb­lich über­bor­den­den Phan­ta­sie her­aus­le­sen kann. Von ei­nem Shitstorm möch­te ich al­ler­dings nicht spre­chen, da­für war das sich er­ei­fern­de Häuf­chen doch arg über­schau­bar.

Was ich kei­nes­falls tun wer­de ist, mich in ir­gend­wel­che Bitch­fights in frem­den Are­nen ver­wickeln las­sen. Ich ent­schei­de, wo ich mich dem Dis­kurs stel­le. Wer mir et­was zu dem Ar­ti­kel zu sa­gen hat, kann das selbst­ver­ständ­lich gern hier tun. Ich las­se mir al­ler­dings de­fi­ni­tiv we­der vor­schrei­ben, wo ich zu dis­ku­tie­ren habe, noch las­se ich mich in Kom­men­ta­ren be­lei­di­gen oder un­sach­lich dis­kre­di­tie­ren.

Es wur­de üb­ri­gens un­ter an­de­rem der Vor­wurf er­ho­ben, ich hät­te den Ar­ti­kel zu­gun­sten oder im Auf­trag Drit­ter ver­fasst. Ich habe ge­lacht.

Sarah

sagt:

Ich bin kein Ju­rist und ob und wie das straf­recht­lich zu wer­ten ist, kann und will ich auch gar nicht be­ur­tei­len. Ich den­ke, du über­siehst bei dei­nem Ar­ti­kel ein we­nig, was ein Pla­gi­at emo­tio­nal be­deu­tet. Für alle an­de­ren Au­to­ren, nicht nur für den, der pla­gi­iert wur­de.

1.) Der Neid­fak­tor. Ja, ich geb’s of­fen und ehr­lich zu, mir geht re­gel­mä­ßig das Ge­impf­te auf, wenn ich sehe, dass Pla­gia­to­ren bes­se­re Ver­kaufs­zah­len ha­ben als ich. Ich racker mir den Arsch ab, und die neh­men sich ein­fach was, was je­mand an­de­rer ge­macht hat und ih­nen gut ge­fällt, ko­pie­ren das und ha­ben dann noch gute Ver­kaufs­zah­len da­für. Das ist un­fair! Ich muss mit dem aus­kom­men, was ich sel­ber in der Lage bin, zu schrei­ben, und kann mir nicht mal eben schnell mit Har­ry Pot­ter eine gol­de­ne Nase ver­die­nen und oben­drein den Ruhm für ein­sacken. Was die ma­chen, ist un­fair, und wenn die dann noch Ver­kaufs­zah­len bzw Ver­kaufs­rän­ge auf Ama­zon ha­ben, von de­nen ich nur träu­men kann … Boah. Wut.

2.) Na­tür­lich die Angst, dass man sel­ber mal Op­fer von so­was wird. Dass je­mand an­ders mit mei­nen Fe­dern schmücken und das Geld ein­sacken könn­te, das mir zu­steht. Das ver­un­si­chert.

3.) Wer­den mal wie­der schnell alle Self­pu­blisher in den Topf der un­se­riö­sen Nichts­nut­ze ge­wor­fen, oder es kommt ei­nem sub­jek­tiv so vor, und das ist na­tür­lich auch un­schön.

Ein Pla­gi­at ist kei­ne Ba­ga­tel­le. Wenn man das so ab­kan­zelt, als wär’s ei­gent­lich eh nichts Schlim­mes, und sich noch für Tä­ter­schutz ein­setzt, ist das auch nicht okay. Ich den­ke, wenn man ein Pla­gi­at fin­det (also zwei­fels­frei, man kennt das Ori­gi­nal, man hats ver­gli­chen, man hat ge­se­hen, es ist ein­deu­tig ein Pla­gi­at) dann muss man das auch sa­gen dür­fen. Die Fäl­le häu­fen sich in letz­ter Zeit schon ge­wal­tig, und ich find’s aus oben­ge­nann­ten drei Grün­den gut, wenns da ein Be­wusst­sein für gibt. Das Jagd­fie­ber muss da auch je­der ver­ste­hen, als Au­tor fühlt man sich da halt im­mer per­sön­lich be­droht und be­trof­fen, auch, wenns ei­nen nicht di­rekt be­trifft. Ist ein nor­ma­les Ge­fühl, das bei vie­len auf­taucht in sol­chen Fäl­len, und wo­für man auch Ver­ständ­nis ha­ben muss.

sagt:

Dein Kom­men­tar geht völ­lig am In­halt mei­nes Ar­ti­kels vor­bei. Ich habe aus­drück­lich dar­auf hin­ge­wie­sen, dass man Pla­gia­te mel­den soll­te. An kei­ner Stel­le habe ich das als Ba­ga­tel­le »ab­ge­kan­zelt«. Ob je­mand pla­gi­iert und wie das zu be­wer­ten ist, ist aber hier nicht der Punkt. Der Punkt ist, dass po­le­mi­sche Öf­fent­lich­ma­chung in­klu­si­ve nach­fol­gen­dem »vir­tu­el­len Lynch­mob« recht­lich und mo­ra­lisch be­denk­lich sind. Man stellt sich da­mit durch­aus auf eine ähn­li­che Stu­fe, wie die Pla­gia­to­ren. Es fehlt jeg­li­ches Un­rechts­be­wusst­sein, auch et­was, das den »Ab­schrei­bern« gern vor­ge­wor­fen wird.

Ich kann ehr­lich nicht nach­voll­zie­hen, was dar­an so schwer zu ver­ste­hen ist und war­um im­mer wie­der dar­auf her­um­ge­rit­ten wird, wie »ver­werf­lich« das Ab­schrei­ben ist. Si­cher ist es das, das steht nicht zur De­bat­te und das habe ich nir­gend­wo an­ders ver­tre­ten. Das ist hier aber nicht der Punkt. Eine selbst­er­nann­te »Bür­ger­wehr« im Netz ist ge­nau­so ver­werf­lich. Und kei­ne Dei­ner oben ge­nann­ten am Kern vor­bei­ge­hen­den Ar­gu­men­te ent­kräf­tet das. Per­sön­li­che Be­find­lich­kei­ten spie­len da­bei schon gar kei­ne Rol­le und soll­ten es auch nicht. Und ge­nau we­gen der ge­se­he­nen Emo­tio­na­li­tät und per­sön­li­chen Be­trof­fen­heit muss man die Auf­klä­rung auch den­je­ni­gen über­las­sen, de­ren Job das ist: Ge­rich­ten.

Am Ran­de: Wer »die Self­pu­blisher« pau­schal für recht­li­che Ent­glei­sun­gen ein­zel­ner ver­an­stort­lich macht, dem ist oh­ne­hin nicht mehr zu hel­fen. Das ist das­sel­be Bull­shit-Ar­gu­ment wie »alle Flücht­lin­ge sind Ver­be­cher«.

Sarah

sagt:

Ich hab schon ver­stan­den, was du mit dem Ar­ti­kel sa­gen woll­test. Dass Shitstorms aus­lö­sen kei­ne Lö­sung ist und even­tu­ell so­gar straf­bar. Aber bei dem The­ma geht’s um die Wurst. Shitstorms ent­ste­hen im­mer dort, wo es für vie­le Leu­te per­sön­lich um et­was geht – oder ge­fühlt per­sön­lich. Wenn Blog­gern un­ge­recht­fer­tigt recht­li­che Schrit­te für ir­gend­was an­ge­droht wer­den – ich er­in­ner mich da an den Fall von Mu­ri­el mit der 1-Ster­ne-Rezi oder an Jack Wolfs­kin, die das Ver­wen­den von Pfo­ten­ab­drücken auf Hä­kel­decken ab­ge­mahnt ha­ben. Wenn so­was pas­siert, muss man sich weh­ren dür­fen. Und wenn so­was pas­siert, ma­chen sich vie­le Leu­te für die Sa­che stark, die nicht ak­tu­ell per­sön­lich be­trof­fen sind. Kann man als Lynch­mob be­zeich­nen, ganz egal wie man dazu sagt. Wenn das aus ei­nem be­rech­tig­ten Grund pas­siert, dann ist es zwar viel­leicht im­mer noch nicht rech­tens, aber auch nicht das Übel. Das Übel ist in dem Fall nicht der Shitstorm, son­dern das, was dem vor­aus­geht. Das soll­te man da­bei nicht aus den Au­gen ver­lie­ren.

Ich hab sel­ber auch noch kei­nen Shitstorm aus­ge­löst und noch bei kei­nem mit­ge­mischt. Da nut­ze ich mei­ne Zeit lie­ber sinn­vol­ler und gehe Hem­den bü­geln oder fahr mein Auto wa­schen. Aber wo wür­den wir da hin­kom­men, wenn sich nicht mehr je­der auf­re­gen dürf­te, wor­über er will. Da wär das In­ter­net ganz schön leer. (gilt üb­ri­gens auch für das Ge­gen-Auf­re­gen wie hier, auch wenn der gra­vie­ren­de Un­ter­schied ist, dass du kei­ne Na­men nennst … Wenn ge­nug Leu­te mit dem Ar­ti­kel mit­ge­hen wür­den, wür­den ir­gend­wann Na­men fal­len, und dann gin­ge der Lynch­mob in die an­de­re Rich­tung los. Das glei­che in Grün)

Es­senz der Aus­sa­ge: ich find’s auch nicht gut, Ver­ur­tei­lun­gen pau­schal zu ver­ur­tei­len.

sagt:

Ich »ver­ur­tei­le Ver­ur­tei­lun­gen nicht pau­schal«. Ich weiß nicht, an wel­cher Stel­le Du das er­ken­nen willst, aber viel­leicht magst Du die kon­kre­te Stel­le ja mal be­nen­nen. Es ist er­staun­lich, was in den Text hin­ein­in­ter­pre­tiert oder -phan­ta­siert wird.

Ich ver­ur­tei­le recht­lich und mo­ra­li­sche frag­wür­di­ge Prak­ti­ken, wenn noch nicht rechts­kräf­tig Ver­ur­teil­te an den Face­book-Pran­ger ge­stellt wer­den und so­mit im Prin­zip eine Art Selbst­ju­stiz be­trie­ben wird.

Das ist üb­ri­gens et­was völ­lig an­de­res, als das Vor­ge­hen ge­gen oder Öf­fent­lich­ma­chen von frag­wür­di­gen Prak­ti­ken ei­ner Fir­ma. Fir­men ha­ben kein Per­sön­lich­keits­recht. Des­we­gen hinkt der Ver­gleich ge­wal­tig.

»Man muss sich doch weh­ren dür­fen« ist eben­falls kein Ar­gu­ment. Son­dern Selbst­ju­stiz. Weh­ren darfst Du Dich über Ge­rich­te, falls Du per­sön­lich be­trof­fen bist. Falls Du Dich für an­de­re »wehrst« … sie­he oben.

sagt:

@Kay Noa:
»> „Herr El­bel ver­kennt, dass bei der Be­ur­tei­lung zB von Scha­dens­er­satz­an­sprü­chen von Bür­gern (Au­to­rin) ge­gen Bür­ger (“Jä­ger”) selbst­ver­ständ­lich das Grund­recht der Mei­nungs- und Pres­se­frei­heit ge­gen das all­ge­mei­ne Per­sön­lich­keits­recht ab­ge­wo­gen wird.“
Das ver­ken­ne ich kei­nes­falls. Tat­säch­lich steht es so­gar in mei­nem Kom­men­tar. Zi­tat: „Denn die rich­ter­li­che Aus­le­gung die­ser Be­grif­fe muss nicht al­lein das Per­sön­lich­keits­recht des An­ge­pran­ger­ten, son­dern auch die Mei­nungs­äu­ße­rungs­frei­heit des An­pran­gern­den in Be­tracht zie­hen.“ Wer le­sen kann, ist wie im­mer klar im Vor­teil.
In­ter­es­sant üb­ri­gens die Dik­ti­on: Der Pla­gi­ie­ren­de ist „Au­tor“, der das Pla­gi­at Auf­decken­de ist „Jä­ger.
»>„Herr El­bel ver­kennt wei­ter, dass die Un­schulds­ver­mu­tung in der EMRK ver­an­kert ist, die als Zen­tra­les Be­kennt­nis der Eu­ro­päi­schen Ge­mein­schaft zur Rechts­staat­lich­keit na­tür­lich Leit­bild jeg­li­chen öf­fen­ti­chen Ver­hal­tens sein muss, da es die »Ge­sell­schaft« bil­det.
Es ge­hört ge­ra­de NICHT zur Mei­nungs­frei­heit, hier Le­gis­la­ti­ve (was ist ein Pla­gi­at), Exe­ku­ti­ve (wir er­mit­teln) und Ju­ris­dik­ti­on (wir stra­fen durch An­pran­gern) in Per­so­nal­uni­on aus­zu­üben.“
Bit­te noch mal ge­nau Art. 1 EMRK le­sen, aus dem ge­nau her­vor­geht, wen die nach­fol­gen­den Men­schen­rech­te bin­den, näm­lich die Ver­trags­par­tei­en, also die un­ter­zeich­nen­den Staa­ten, NICHT de­ren Bür­ger.
»>„Das UrhG, das hier al­lein ver­letzt ist, re­gelt nicht etwa den Schutz der All­ge­mein­heit vor au­then­ti­schen Wer­ken, son­dern das Recht des Ur­he­bers, sei­ne Wer­ke wirt­schaft­lich zu ver­wer­ten. Das geht hier völ­lig un­ter.“
Ge­nau. Und in die­ses Ver­wer­tungs­recht greift ein, wer frem­de Wer­ke pla­gi­iert. Ich hal­te üb­ri­gens ne­ben­bei auch ei­nen Be­trug nicht für völ­lig ab­we­gig, wenn je­mand ein frem­des Werk als sein ei­ge­nes ver­kauft, denn der Käu­fer kauft das Buch im Ver­trau­en auf des­sen Au­then­ti­zi­tät.
»>“Ich hal­te es da­von un­ab­hän­gig für grenz­wer­tig »bi­gott«, ei­ner­seits ho­heit­li­che Maß­nah­men wie die Strafverfolgung/Schutz der Öf­fent­lich­keit für sich zu be­an­spru­chen, aber an­de­rer­seits dann zu ver­kün­den, dass die Grund­rech­te, die die ho­heit­li­che Hand bin­den, für ei­nen per­sön­lich nicht gel­ten. Wür­de man die­se Auf­fas­sung tat­säch­lich tei­len (und die Mehr­heit auch der Recht­spre­chung tut dies in die­ser Ab­so­lut­heit nicht), wäre in der Kon­se­quenz De­nun­zi­an­ten­tum be­lie­bi­ger Form Tür und Tor ge­öff­net, so­lan­ge man nur für sich, noch dazu ge­heim ge­hal­te­ne Be­wei­se für eine Glaub­haft­ma­chung der Tat­sa­chen in Hän­den hält (wenn ein »Be­weis« nicht hält, hat man sich halt ge­irrt, macht nichts, auch wenn der Scha­den ir­rever­si­bel ist).“
Noch­mal: Die Grund­rech­te sind Re­geln die den Staat in sei­nem Han­deln ge­gen­über den Bür­gern bin­den. Sie sind kein all­gül­ti­ger Mo­ral­ko­dex, auch wenn das von Lai­en im­mer wie­der ger­ne so be­haup­tet wird. Das ist ju­ri­stisch be­trach­tet, ge­fähr­li­ches Halb­wis­sen. Auch die viel­be­schwo­re­ne Leh­re von der so ge­nann­ten un­mit­tel­ba­ren Dritt­wir­kung be­deu­tet nur, dass die Ge­rich­te auch im Fal­le von Strei­tig­kei­ten un­ter Bür­gern bei der Aus­le­gung von pri­vat­recht­li­chen Nor­men die Ein­strah­lungs­wir­kung von Grund­rech­ten in Be­tracht zie­hen müs­sen. Das hat aber eben kei­ne DI­REK­TE Bin­dungs­wir­kung von Grund­rech­ten für Bür­ger zur Fol­ge.
»>“Herr El­bel lässt (da er ja Ju­rist ist) ver­mut­lich be­wusst au­ßen vor, dass die »Jä­ger« in Blogs und FB-Grup­pen agie­ren, also dem Pres­se­recht un­ter­wor­fen sind. Hier gibt es eine vom BVerfG als Kor­rek­tiv zur Pres­se­frei­heit in stän­di­ger Recht­spre­chung ent­wickel­te »Jour­na­li­sti­sche Sorg­falts­pflicht«, die hier ver­misst wird. Es wird er­war­tet, dass die Pres­se als »vier­te Ge­walt« sich frei­wil­lig den Grund­rech­ten un­ter­ord­net. Selbst die Bild muss von Ver­däch­ti­gen schrei­ben, die Be­richt­erstat­tung an­ony­mi­sie­ren und auf die na­ment­li­che Nen­nung im Er­mitt­lungs­ver­fah­ren ver­zich­ten.“
Es ist schon blan­ker Un­sinn, über­haupt von ei­nem mo­no­li­thi­schen „Pres­se­recht“ zu spre­chen. Tat­säch­lich sind die Pres­se be­tref­fen­de Vor­schrif­ten über vie­le Ge­set­ze ver­streut. Noch blan­ke­rer Un­sinn ist, es zu be­haup­ten Blog­ger oder Po­stings auf Face­book sei­en die­sem „Pres­se­recht“ kom­plett un­ter­wor­fen. Tat­säch­lich kann die Zu­ord­nung ei­nes Blogs oder Po­stings zum Be­reich „Pres­se“ im­mer nur am Ein­zel­fall ent­schie­den wer­den. Das spielt es z.B. laut Me­di­en­dien­ste-Staats­ver­trag eine Rol­le, ob das Blog „jour­na­li­stisch-re­dak­tio­nell ge­stal­tet“ ist, und „pe­ri­odisch“ an­ge­bo­ten wird. 

»>„Es ist eine Selbst­ver­ständ­lich­keit, dass den Be­schul­dig­ten zB in ei­nem Ar­ti­kel die Ge­le­gen­heit zur Stel­lung­nah­me ein­ge­räumt wird und dar­auf hin­ge­wie­sen wird, dass die­se ge­währt (und ggf. ab­ge­lehnt) wur­de. Die Quel­len und die Grund­la­gen der Mei­nungs­bil­dung sind um­fas­send nach­voll­zieh­bar auf­zu­decken. Die Pres­se­frei­heit ent­springt ei­nem In­for­ma­ti­ons­an­spruch der Öf­fent­lich­keit zu ei­ge­ner Mei­nungs­bil­dung und nicht etwa der ei­ge­nen Mei­nungs­frei­heit der Ver­fas­ser. Ein Dis­c­lai­mer (“Un­schulds­ver­mu­tung be­steht fort”) ist gleich­falls Zei­chen se­riö­ser Be­richt­erstat­tung.“
Die hier an­ge­spro­che­nen Sorg­falts­pflich­ten, Ge­gen­dar­stel­lungs­recht etc. ent­sprin­gen zum Teil den Lan­des­pres­se­ge­set­zen bzw. dem (recht­lich nicht ver­bind­li­chen) Pres­se­ko­dex, der aber eben nur für Pres­se­or­ga­ne gilt. Aber wie schon eben ge­sagt, nicht je­der Blog­ein­trag oder je­des Face­book­po­sting ist als „Pres­se­be­richt­erstat­tung“ zu qua­li­fi­zie­ren. Man kann an die Mei­nungs­äu­ße­rung pri­va­ter In­di­vi­du­en nicht die­sel­ben Qua­li­täts­an­sprü­che stel­len, wie an pro­fes­sio­nel­le Jour­na­li­sten. Das ist schlicht un­sin­nig.
»>“Auch ein Ge­ständ­nis ent­bin­det ent­ge­gen der Auf­fas­sung von Herrn El­bel nicht von der Er­mitt­lungs­pflicht. Im Ge­gen­teil, es ist Aus­fluss des Amts­er­mitt­lungs­grund­sat­zes §§ 160, 244 StPO, RiSt­BV, dass trotz Ge­ständ­nis wei­ter­er­mit­telt wer­den muss, so­wohl das Ge­richt als auch die Staats­an­walt­schaft. War­um? Weil es ne­ben »gu­ten« Grün­den für ein fal­sches Ge­ständ­nis (Scha­dens­mi­ni­mie­rung in der Öf­fent­lich­keit, psychi­ische Grün­de, Schutz Drit­ter wie der Fa­mi­lie, die bei na­ment­li­cher Nen­nung mit­be­trof­fen ist), auch noch ne­ben dem er­füll­ten Tat­be­stand die Rechts­wid­rig­keit und die Schuld ge­son­dert zu prü­fen und zu be­ja­hen sind. Ent­fällt nur ei­ner die­ser Punk­te, en­det das Ver­fah­ren in ei­nem Frei­spruch!“
Das mag ja al­les stim­men, gilt aber eben nur für die Straf­ver­fol­gungs­be­hör­den. Blog­ger sind kei­ne sol­chen, auch wenn sie sich qua­si pri­vat­de­tek­ti­vi­stisch be­tä­ti­gen.
»>„Die von Herrn El­bel so ver­harm­lo­sten Ehr­de­lik­te, §§ 185ff. StGB, er­fah­ren im Zeit­al­ter so­zia­ler Netz­wer­ke und In­ter­net­kom­mu­ni­ka­ti­on eine er­heb­li­che An­wen­dungs­ver­schär­fung (stren­ge­rer Maß­stab in­ner­halb des be­stehen­den Straf­rah­mens) um so ein not­wen­di­ges Kor­rek­tiv zu schaf­fen, dass der enorm er­höh­ten Reich­wei­te ei­ner ehr­ver­let­zen­den Be­haup­tung und dem da­mit an­ge­rich­te­ten Scha­den für das Op­fer kor­re­spon­diert (“Cy­ber Mob­bing« als pro­mi­nen­tes Bei­spiel). Dem sind ins­be­son­de­re me­di­al er­fah­re­ne Per­sö­nen wie die »Jä­ger« in­so­fern be­son­ders ver­pflich­tet, als sie sich nicht mit dem gu­ten Glau­ben auf ihre »Re­cher­chen« be­ru­fen kön­nen, die kei­nes­falls ein ge­richt­li­ches Gut­ach­ten sind (selbst ihre mit der Prü­fung be­trau­ten, na­ment­lich nicht ge­nann­ten und da­mit in ih­rer Sach­kun­de nicht über­prüf­ba­re »Ex­per­ten« wä­ren vor Ge­richt nur »Par­tei­gut­ach­ter«, also so­ge­nann­te »sach­ver­stän­di­ge Zeu­gen”).“
Er­stens ver­harm­lo­se ich über­haupt nichts. Ich habe le­dig­lich die in Fra­ge ste­hen­den Hand­lun­gen (öf­fent­li­ches An­pran­gern von Pla­gia­ten in Face­book­grup­pen oder Blogs) kon­kret an den in Fra­ge kom­men­den Vor­schrif­ten der §§ 186, 187 StGB ge­mes­sen und bin zu dem Schluss ge­kom­men, dass we­der die eine noch die an­de­re Norm er­füllt ist. Und zwar weil bei­de Nor­men min­de­stens die Be­haup­tung ei­ner nicht er­weis­lich wah­ren Tat­sa­che vor­aus­set­zen. Hier aber ist die Tat­sa­che er­weis­lich war, weil die Pla­gi­ie­ren­den sie öf­fent­lich ein­ge­stan­den ha­ben. Selbst wenn die­ses Ge­ständ­nis aus wel­chen Grün­den auch im­mer un­wahr sein soll­te, be­fän­den sich die Pran­gern­den dann in ei­nem so ge­nann­ten vor­satz­aus­schlie­ßen­den Tat­be­standsirr­tum, so dass eine straf­recht­li­che Ver­fol­gung der­sel­ben gleich­wohl nicht in Be­tracht kommt.
War­um Per­so­nen, die sol­che Pla­gia­te pri­vat­in­itia­tiv auf­klä­ren, au­to­ma­tisch „me­di­al er­fah­ren“ sein sol­len, er­schließt sich mir nicht. Für den gu­ten Glau­ben der Pran­gern­den im Rah­men ei­ner mög­li­chen Straf­bar­keit gem. §§ 186, 187 StGB spielt es nicht die ge­ring­ste Rol­le, ob ihre Re­cher­chen vor Ge­richt der Rang ei­nes Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­tens oder le­dig­lich ei­ner Par­tei­ein­ver­nah­me zu­kommt (hier wird üb­ri­gens of­fen­sicht­lich straf­recht­li­ches und zi­vil­recht­li­ches Pro­zess­recht durch­ein­an­der ge­wor­fen, denn eine Par­tei­ein­ver­nah­me gibt es im Straf­pro­zess gar nicht). 

»>„Die von Ste­fan auf­ge­wor­fe­ne Fra­ge, ob eine Per­son zeit­ge­schicht­li­che Re­le­vanz be­sitzt, ist zwar nicht für das Straf­recht, wohl aber für das Zi­vil­recht (Scha­dens­er­satz nach §823 Abs.1 BGB und Pres­se­recht von Re­le­vanz, bei de­nen eben öf­fent­li­che und pri­va­te In­ter­es­sen ge­gen­ein­an­der ab­ge­wo­gen wer­den.“
Wie ge­sagt: Es ist höchst zwei­fel­haft ob hier „Pres­se­recht“ über­haupt auch nur in Tei­len zur An­wen­dung kom­men wür­de. Aber selbst wenn ich das für ei­nen Mo­ment un­ter­stel­le, kann man im Fal­le ei­nes wirt­schaft­lich sehr er­folg­rei­chen Ama­zon-Au­tors wohl durch aus zu ei­ner zu­min­dest re­la­ti­ven Re­le­vanz kom­men. Auch das Er­eig­nis des Pla­gi­ats selbst ver­mag zur Be­grün­dung ei­ner Re­le­vanz bei­zu­tra­gen, weil es ein durch­aus be­rich­tens­wer­ter Vor­gang ist, wie man an den Fäl­len der zahl­rei­chen Wis­sen­schafts­pla­gia­te im Ge­fol­ge der Gut­ten­berg-Af­fä­re ge­se­hen hat.
»>“Hier greift Herr El­bel wis­sent­lich zu kurz.“
Da scheint je­mand hell­se­he­ri­sche Fä­hig­kei­ten zu be­sit­zen.

»>“Ich habe in der öf­fent­li­chen Dis­kus­si­on auch sei­tens der »Jä­ger« meh­re­re Äu­ße­run­gen ge­le­sen, die auf­grund der Ton­la­ge je­den­falls den An­fangs­ver­dacht ei­ner Be­lei­di­gung zu be­grün­den ver­mö­gen.“
Vor­sicht. Eine Be­lei­di­gung liegt nur vor, wenn die Äu­ße­rung in ei­nem Wert­ur­teil be­steht. Die Be­haup­tung ei­nes Pla­gi­ats aber ist eine Tat­sa­che und kann da­her kei­ne Be­lei­di­gung sein.
»>“Vor­ver­ur­tei­lun­gen, sug­ge­sti­ven Ti­tel und For­mu­lie­run­gen sind min­de­stens pres­se­recht­lich haf­tungs­re­le­vant, ggf. auch straf­bar. (“Es darf nicht durch die Art der For­mu­lie­rung der Ein­druck er­weckt wer­den, die Per­son sei schul­dig und nur die As­pek­te der Tat sei­en zu klä­ren, z.B. „War­um hat X das ge­tan?“ – Ba­sis­wis­sen jour­na­li­sti­scher Ar­beit – upload-magazin.de).“
Und noch­mal: Es ist blan­ker Un­sinn, hier pau­schal zu un­ter­stel­len, es han­de­le sich um Pres­se­be­rich­te und die Äu­ße­run­gen dann an pres­se­recht­li­chen Sorg­falts­maß­stä­ben zu mes­sen, die man sich von der Pres­se in Fäl­len wie dem Ka­chel­mann-Pro­zess ge­wünscht hät­te. Hier aber hat­te man es so­gar mit ge­stän­di­gen Tä­ter zu tun. Eine Ver­pflich­tung ei­nen Rechts­bre­cher in ei­nem be­son­ders freund­li­chen, sei­ne Tat er­klä­ren­den Licht dar­zu­stel­len, kennt so­gar das Pres­se­recht nicht.

»>“Un­ab­hän­gig da­von, dass na­tür­lich ein wirt­schaft­li­cher Scha­den durch den so auf­ge­bau­ten »Druck« ent­stan­den ist (wenn man z.B. je­man­den dazu treibt, dass er von der Brücke springt, ist man auch ein Mör­der, ob­wohl man nicht ge­schubst hat), bleibt die Kom­po­nen­te Schmer­zens­geld für im­ma­te­ri­el­le Schä­den bei El­bel völ­lig au­ßen vor.“
Also dem­zu­fol­ge bin ich für Schä­den haft­bar, die ein be­trü­ge­ri­scher Im­mo­bi­li­en­fonds­ma­na­ger da­durch er­lei­det, dass er in­fol­ge der Auf­deckung sei­ner Be­trü­ge­rei­en durch mich sei­ne Ge­schäf­te ein­stellt. Dass das nun wirk­lich gröb­ster Un­fug ist, dürf­te so­gar ju­ri­sti­schen Lai­en ein­leuch­ten. Zur Fra­ge des „Schmer­zens­gel­des“ (laut BGH ist es dog­ma­tisch be­trach­tet kein sol­ches, da § 847 BGB Ver­let­zun­gen des Per­sön­lich­keits­rechts nicht er­fasst) habe ich mich wie folgt ge­äu­ßert: „Aus den­sel­ben Grün­den dürf­te dann auch die Gel­tend­ma­chung ei­nes ide­el­len Scha­dens we­gen Ver­let­zung des Per­sön­lich­keits­rechts, also qua­si ei­ner Art see­li­schen Schmer­zens­gel­des schei­tern.“ Aber sorg­fäl­ti­ges Le­sen scheint ja nicht so zu Frau Noas Stär­ken zu ge­hö­ren.

»>“Der Ver­gleich mit Gut­ten­berg hinkt mehr­fach:
1. ist G als Bun­des­mi­ni­ster nach­weis­lich ein A-Pro­mi und nicht ir­gend­ein al­len­falls sze­ne­be­kann­ter Au­tor (ein­ge­schränk­tes Per­sön­lich­keits­recht);“
Ein wirt­schaft­lich er­folg­rei­cher Au­tor ist aber auch kein Otto Nor­mal­ver­brau­cher und muss sich da­her laut Sphä­ren­theo­rie des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts ge­ra­de dann Ein­schrän­kun­gen sei­nes Per­sön­lich­keits­rechts ge­fal­len las­sen, wenn er sich im öf­fent­li­chen Raum be­wegt, wie es bei schrift­stel­le­ri­scher Tä­tig­keit nun mal der Fall ist. Es gab üb­ri­gens auch Dut­zen­de von Fäl­len der Auf­deckung von Wis­sen­schafts­pla­gia­ten weit we­ni­ger pro­mi­nen­ter Per­so­nen durch vro­ni­plag.

»>“2. ging es um we­sent­lich ein­fa­cher nach­zu­wei­sen­de wis­sen­schaft­li­che Pla­gi­ats­fäl­le, bei de­nen nicht das Ur­he­ber­recht des Erst­werks ge­gen die Kunst­frei­heit des po­ten­ti­el­len Pla­gi­ats ge­gen­ein­an­der ab­zu­wä­gen ist, weil nach An­sicht des BVerfG der Kunst im­ma­nent ist, sich auch mit sich selbst fort­lau­fend kri­tisch aus­ein­an­der­zu­set­zen (z.B. mit­tels Par­odie, In­ter­tex­tua­li­tät, An­spie­lung, Pa­ra­phra­se etc. )“
Ob ein Pla­gi­at leicht nach­zu­wei­sen ist oder nicht, hängt von der Art des Pla­gi­ats ab. In den der­zeit zi­tier­ten Pla­gi­ats­fäl­len wa­ren die Pla­gia­te je­den­falls of­fen­sicht­lich so deut­lich, dass die pla­gi­ie­ren­den Au­to­ren sich auf die Of­fen­le­gung des Pla­gi­ats hin ge­zwun­gen sa­hen, die Bü­cher aus dem Ver­trieb zu neh­men. Kei­ner der be­trof­fe­nen Au­to­ren hat sich wie wei­land Frau He­ge­mann auf „trans­for­ma­ti­ve Nut­zung“ oder „In­ter­tex­tua­li­tät“ be­ru­fen (wo­bei ich das schon im Fall He­ge­mann eher für eine Schutz­be­haup­tung ge­hal­ten habe). Die Art der Fäl­le legt eine eher re­fe­ren­zi­el­le Be­schäf­ti­gung mit dem Ori­gi­nal­werk auch nicht ge­ra­de nahe. Soll­te eine trans­for­ma­ti­ve Nut­zung der Aus­gangs­wer­ke ge­wollt ge­we­sen sein, hät­ten die pla­gi­ie­ren­den Au­to­ren dies ja auch durch ei­nen ent­spre­chen­den Quel­len­hin­weis of­fen­le­gen kön­nen. Mit der Kunst­frei­heit lässt sich nicht je­des plat­te Ab­schrei­ben oder Ko­pie­ren we­sent­li­cher Ele­men­te ei­nes Bu­ches recht­fer­ti­gen.

»>“3. wur­den die »Mo­ge­lei­en« in ei­nem Eil­ver­fah­ren auch zu­min­dest hoch­schul­recht­lich wirk­sam fest­ge­stellt und zur Ab­erken­nung der Dok­tor­wür­de führ­ten; ein Kor­rek­tiv durch die of­fi­zi­el­le Ver­wal­tungs­ge­richts­bar­keit hat m.W. nicht statt­ge­fun­den, weil es G. nicht woll­te);“
Die hoch­schul­ver­wal­tungs­recht­li­che Be­schäf­ti­gung mit Gut­ten­berg und den vie­len an­de­ren Fäl­len war der Auf­deckung durch die ein­schlä­gi­gen Blogs und der sich dar­an an­schlie­ßen­den Pres­se­be­richt­erstat­tung weit nach­ge­la­gert. Es ist also kei­nes­falls so, dass sich die Blogs und Pres­se­ar­ti­kel bei ih­rer Be­richt­erstat­tung schon auf qua­si rechts­fe­ste Ent­schei­dun­gen der Exe­ku­ti­ve stüt­zen konn­ten.
»>“Das hat nichts da­mit zu tun, ob nicht die an­ge­pran­ger­ten Wer­ke am Ende ei­ner rechts­staat­li­chen Über­prü­fung durch hier­zu von der Ge­sell­schaft be­auf­trag­te In­stan­zen Pla­gia­te sind, son­dern da­mit, dass auch ich ein scha­les Ge­fühl bei der Art und In­ten­si­tät der Be­richt­erstat­tung habe und des­halb der Rechts­auf­fas­sung von Herrn El­bel eine an­de­re ent­ge­gen­hal­ten möch­te.“
Das ist ja gut und schön. Aber statt des Wer­fens ju­ri­sti­scher Ne­bel­ker­zen wie „EMRK“ oder „Pres­se­recht“ wür­de ich das vor­schla­gen, was ich in sol­chen Fäl­len auch mei­nen Stu­den­ten vor­schla­ge, näm­lich die ei­ge­ne Mei­nung ein­fach mal an­hand der Prü­fung ei­ner kon­kre­ten straf- oder zi­vil­recht­li­chen Haf­tungs­norm zu über­prü­fen und zwar Tat­be­stands­vor­aus­set­zung für Tat­be­stands­vor­aus­set­zung.
Mit vor­züg­li­cher Hoch­ach­tung,
Prof. Dr. iur. Tho­mas El­bel LL.M. (Emo­ry Uni­ver­si­ty)

sagt:

Dem Herrn El­bel scheint das doch sehr am Her­zen zu lie­gen und of­fen­bar hat er als Pro­fes­sor auch mehr als ge­nug Zeit, hier läng­li­che Kom­men­ta­re (durch Nicht­ver­wen­den des vor­han­de­nen Zi­tat­sy­stems zu­dem schwer les­ba­re) zu ver­fas­sen und an­walt­li­ches Arm­drücken zu be­trei­ben.

Den läs­sig ein­ge­streu­ten Hin­weis auf den Pro­fes­so­ren­sta­tus soll­te man als das neh­men, was es in mei­nen Au­gen ist: der Ver­such ei­nes an­walt­li­chen Schwanz­ver­gleichs oder Do­mi­nanz­ge­ha­bes. Viel­leicht soll­te man sich fra­gen, ob Theo­re­ti­ker oder Prak­ti­ker die Si­tua­ti­on eher be­wer­ten kön­nen.

Letzt­end­lich bleibt es eine Tat­sa­che: Nicht An­wäl­te spre­chen Recht, son­dern Rich­ter, von da­her muss das al­les bis zu ei­ner rich­ter­li­chen Be­wer­tung (die auch im­mer nur den Ein­zel­fall be­trach­tet) aka­de­misch blei­ben.

sagt:

Nach­trag: Den­je­ni­gen, die den Herrn El­bel hier­auf an­ge­setzt ha­ben, scheint eine Men­ge an ei­ner un­ver­züg­li­chen Frei­schal­tung der Kom­men­ta­re zu lie­gen, zu­min­dest ent­neh­me ich das dar­aus, dass Drit­te dazu auf­ge­for­dert wer­den, mir mit­zu­tei­len, ich habe ge­fäl­ligst so­fort was frei­zu­schal­ten (üb­ri­gens nur Mi­nu­ten nach­dem der Kom­men­tar ein­ge­stellt wur­de). Sie mö­gen zur Kennt­nis neh­men, dass ich nicht 24/7 am Rech­ner sit­ze oder auf Kom­men­ta­re von ir­gend­wel­chen Pro­fes­so­ren war­te. An Lä­cher­lich­keit ist die­ses Ge­ha­be je­den­falls mei­ner Mei­nung nach kaum noch zu über­bie­ten.

sagt:

@Stefan Holz­hau­er
Fin­den Sie es nicht auch höchst iro­nisch ei­nen Ar­ti­kel zu schrei­ben, in dem sie das An­pran­gern von Pla­gia­ten an­pran­gern, weil es aus ih­rer Sicht un­sach­lich ist und sie mich, wenn ich dar­auf­hin in ei­nem Kom­men­tar das An­pran­gern der Pla­gia­te ver­tei­di­ge, wie­der­um als »Ur­he­ber­rechts­ul­tra­kon­ser­va­ti­ven« an­pran­gern, der Ur­he­bern und Nut­zern durch sein »Agi­tie­ren« scha­det?
Das er­scheint mir sehr un­sach­lich von Ih­nen.
Und ich fra­ge mich schon sehr, was mei­ne Ein­stel­lung zu Re­for­men des Ur­he­ber­rechts und zum »Recht auf Re­mix« über­haupt mit die­ser De­bat­te zu tun hat, oder wol­len Sie jetzt ge­stän­di­ge Pla­gia­to­ren, wie z.B. Herrn Gut­ten­berg zu »Re­mi­xern« er­klä­ren?

sagt:

Ich bin der An­sicht, dass mei­ne Le­ser sich ein Bild ma­chen soll­ten, wer Sie sind und wie man Ihre Äu­ße­run­gen zu be­wer­ten kann und habe des­we­gen eine Mei­nung ge­äu­ßert (die auch durch For­mu­lie­run­gen wie »mei­ner An­sicht« und Kon­junk­ti­ve als sol­che zu er­ken­nen ist). Wenn Sie das für un­sach­lich hal­ten, ist Ih­nen das selbst­ver­ständ­lich un­be­nom­men. Über­dies zi­tie­ren Sie mich falsch, aber ich gehe da­von aus, dass Ih­nen das be­wusst ist.

sagt:

Dis­c­lai­mer: Ich ver­las­se jetzt den Rech­ner. Es kann also dau­ern, bis wei­te­re Kom­men­ta­re frei­ge­schal­tet wer­den.

Thomas Elbel

sagt:

Die Er­klä­rung, nur ihre Le­ser auf­klä­ren zu wol­len, könn­ten dann ja auch die Pla­gi­atspran­ge­rer für sich in An­spruch neh­men.
Ich hal­te für mich fest, Herr Holz­hau­er pran­gert ger­ne sel­ber, fin­det es aber be­denk­lich, wenn an­de­re das tun.

sagt:

Ach Herr El­bel, ge­schenkt. Net­ter Ver­such, aber in den Vor­aus­set­zun­gen un­ter­schei­den sich die bei­den The­men voll­stän­dig. Oder habe ich Ih­nen et­was zi­vil- oder straf­recht­lich Re­le­van­tes un­ter­stellt und/oder ei­nen vir­tu­el­len Lynch­mob auf Sie an­ge­setzt? Ich be­ant­wor­te das ger­ne selbst, da­mit Sie das nicht tun müs­sen: Nein, habe ich nicht. Durch­sich­ti­ger Dis­kre­di­tie­rungs­ver­such ih­rer­seits.

Freu­en Sie sich doch, dass ich die Le­ser auf­for­de­re, sich selbst ein Bild über Sie zu ma­chen, viel­leicht fin­den Sie ja neue Fans …

Thomas Elbel

sagt:

Naja,wenn sie glau­ben, dass ihre Le­ser dazu nicht selbst in der Lage sind …

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Bitte die nachfolgende Rechenaufgabe lösen *