Rant: Das große Branchengeheule um die angebliche »Erpressung« durch Amazon

prozente

Die näch­ste Run­de im gro­ßen Ama­zon-Ge­bas­he sei­tens der Buch­bran­che ist ein­ge­läu­tet. Auf den ein­schlä­gi­gen Platt­for­men wie Börsenblatt.de und ähn­li­chen pro­du­zie­ren sich Fi­gu­ren aus Bör­sen­ver­ein und rest­li­cher Bran­che mit Schaum vor dem Mund ob der Un­ver­schämt­hei­ten Ama­zons.

Doch was ist pas­siert? Fan­gen wir mal da­mit an, dass ge­ra­de vor ein paar Ta­gen ge­mel­det wur­de, Ama­zon habe beim On­line­ver­kauf von Bü­chern ei­nen An­teil von un­ge­fähr 80%. Das ist viel. Fast schon ein Mo­no­pol. Und was kann man ma­chen, wenn man fast schon ein Mo­no­pol hat? Na klar: an der Preis­schrau­be dre­hen. Und ge­n­au das macht Ama­zon ge­ra­de. Der US-Kon­zern ver­langt von Ver­la­gen statt der üb­li­chen Ra­bat­te auf eBooks in Höhe von 30% nun neu­er­dings 40 bis 50 %. Ver­lan­gen kann man das mal, ein Ver­lag muss dar­auf nicht ein­ge­hen. Ama­zon re­agiert auf die Wei­ge­rung, in­dem sie die Bü­cher die­ser Ver­lags­grup­pe nur ver­zö­gert aus­lie­fern.

Nein, das ist nicht nett. Echt nicht.

Und? Ich kann mich an Be­rich­te er­in­nern, dass Tha­lia an­geb­li­ch ganz ähn­li­che Num­mern durch­ge­zo­gen ha­ben soll. Wenn man sich den Wün­schen der Ket­te nicht un­ter­warf, dann wur­den Bü­cher halt in der Be­sen­kam­mer ne­ben dem Not­aus­gang aus­ge­stellt, statt auf pro­mi­nent platzier­ten Ti­schen. Wo blieb denn da der gro­ße Auf­schrei? Oder an­ders ge­fragt: War­um jetzt das Ge­heu­le? Weil es da­mals qua­si bran­chen­in­tern blieb und heu­te Ama­zon als bran­chen­frem­de Fir­ma das­sel­be durch­zieht – und man darf sich nur in­ner­halb der Buch­bran­che über den Tisch zie­hen? Oder was?

Es ist im­mer wie­der das­sel­be: Die Buch­bran­che, al­len vor­an der Bör­sen­ver­ein, de­ren Ober­muf­tis re­gel­mä­ßig Gift und Gal­le in Rich­tung Ama­zon spei­en, hät­te sich schon vor Jah­ren auf den Arsch set­zen müs­sen, um ge­mein­sam eine Platt­form zu eta­blie­ren, die Ama­zon Pa­ro­li bie­ten kann, so­wohl was das An­ge­bot, aber auch die im­men­se Kun­den­freund­lich­keit an­geht. Ein­zel­ne oder der le­gen­dä­re klei­ne Buch­händ­ler kön­nen das nicht stem­men, eine gan­ze Bran­che aber schon. Doch statt­des­sen kö­cheln hau­fen­wei­se Prot­ago­ni­sten ei­ge­ne Süpp­chen, die al­le­samt mehr oder we­ni­ger un­er­folg­reich sind. War­um tun die das? Ein­fach: weil je­der von ih­nen selbst das gro­ße Geld ver­die­nen will und das dem Rest nicht gönnt. Das ist kurz­sich­tig und dumm.

Ge­nauso kurz­sich­tig und dumm ist es, wenn man Ni­schen­pro­duk­te (ge­ra­de aus dem Phan­ta­stik-Be­reich) in der Buch­hand­lung nicht be­kommt, weil sie in ir­gend­wel­chen ok­kul­ten Ka­ta­lo­gen nicht ge­li­stet sind. Ama­zon hat die. Dann be­stel­le ich dort. Ähn­li­ches gilt für eng­li­sche Ta­schen­bü­cher und eBooks: wenn die beim Buch­händ­ler oder in Bran­chen­shops das dop­pel­te bis fünf­fa­che des Ama­zon-Prei­ses ko­sten, dann ist auch hier klar, wo ich kau­fe.

Der Aus­weg: Eine gro­ße Platt­form, vor­ur­teils­frei und ge­gen ein an­ge­mes­se­nes Ent­geld (und eben nicht mit völ­lig über­teu­er­ten Ein­stell- oder Jah­res­ge­büh­ren, und auch nicht mit über­zo­ge­nen Ver­kaufs­be­tei­li­gun­gen) auch für die Pro­duk­te von Klein­ver­le­gern und In­die-Au­to­ren, kun­den­freund­li­ches Agie­ren, schnel­le Lie­fe­rung. Fai­re Ein­bin­dung auch klei­ner Buch­hand­lun­gen, de­nen man bei­spiels­wei­se eBook-Käu­fe an­tei­lig gut­schrei­ben las­sen kann. Das kann doch nicht so schwer sein, dass es in all den Jah­ren noch nicht ge­schafft wor­den ist? Und war­um ar­bei­tet kei­ner dar­an?

So­lan­ge die Bran­che sich lie­ber ge­gen­sei­tig aus­ste­chen will, wird Ama­zon der la­chen­de Drit­te blei­ben. Wenn die Bran­che nicht schnell mit ei­nem An­ge­bot wie oben skiz­ziert aus der Höh­le kommt, das al­ler­dings auch funk­tio­nie­ren muss (di­ver­se hoch­ge­hyp­te An­ge­bo­te der letz­ten Jah­re wa­ren un­er­träg­li­che Rohr­kre­pie­rer, weil man vor­her nicht mal je­man­den ge­fragt hat, der sich da­mit aus­kennt), dann bleibt Ama­zons Markt­macht er­hal­ten und wird sich auch noch stei­gern.

An­ge­sichts der Tat­sa­che, dass die Buch­bran­che es aber seit Jah­ren nicht schafft, ein auch nur an­satz­wei­se ähn­li­ch at­trak­ti­ves An­ge­bot auf die Bei­ne zu stel­len, und auch jetzt nichts da­von zu se­hen ist, hal­te ich das Dau­er­ge­heu­le für pein­li­ch bis lä­cher­li­ch.

Ach ja, eins noch: Wenn Tor­sten Ca­si­mir auf boersenblatt.net be­zo­gen auf den Han­del ab­seits Ama­zons schreibt:

Er kann mit E-Re­a­dern über­zeu­gen, die an­ders als der Kind­le dem Kun­den sei­ne Frei­heit las­sen.

… dann kann ich das nur als Volks­ver­dum­mungs­ver­su­ch wer­ten. Er hat of­fen­bar noch nie ver­sucht, ein mit Ado­be DRM ver­seuch­tes Buch auf ei­nem eRe­a­der ab­seits des Kind­le zu le­sen. Wenn er das für »Frei­heit las­sen« hält, kann ich nur vor­sätz­li­che Falsch­aus­sa­ge oder mas­si­ve Rea­li­täts­ver­lu­ste ver­mu­ten.

Quint­es­senz: Lie­be Buch­bran­che: Ruft nicht nach dem Ge­setz­ge­ber. Wer­det ein­fach bes­ser als Ama­zon. Wie wäre es da­mit? Dann wird auch wie­der bei euch ge­kauft und Ama­zon könn­te kei­ne Raub­rit­ter­kon­di­tio­nen mehr ver­lan­gen (das macht dann viel­leicht wie­der ir­gend­ei­ne nam­haf­te Buch­han­dels­ket­te …). Wenn der Bör­sen­ver­ein hier fe­der­füh­rend ist, dann stoppt das viel­leicht so­gar die Aus­tritts­wel­le, die es ge­ra­de dem Ver­neh­men nach ge­ben soll.

Ich wür­de wirk­li­ch gern wie­der bei euch kau­fen. Macht es mir doch ein­fach leicht, das auch zu kön­nen. Tre­tet ge­gen­über den Kun­den sym­pa­thi­sch auf. Ent­schlackt euch. Gönnt euch ge­gen­sei­tig Um­sät­ze. Dann kann Ama­zon se­hen, wo es bleibt.

p.s.: Ach ja – wenn euch das Ver­hal­ten Ama­zons so stört, dann ver­kauft doch ein­fach nicht mehr über die Platt­form? Was? 80% Markt­an­teil? Ah so …

p.p.s.: Wenn das Frei­han­dels­ab­kom­men mit den USA durch­ge­wun­ken wird, wer­det ihr euch wun­dern, was Ama­zon dann noch al­les kann …

Bild »Pro­zen­te« von Pixabay, CC0

 

AutorIn: Stefan Holzhauer

Mei­st harm­lo­ser Nerd mit na­tür­li­cher Af­fi­ni­tät zu Pi­xeln, Bytes, Buch­sta­ben und Zahn­rä­dern. Kon­su­miert zu­viel SF und Fan­ta­sy und schreibt seit 1999 on­line dar­über.

18 Kommentare for “Rant: Das große Branchengeheule um die angebliche »Erpressung« durch Amazon”

sagt:

Hin­zu kommt doch noch, dass die Ver­la­ge ger­ne E-Book-VK-Prei­se auf­ru­fen, die jen­seits der ma­gi­schen 10-Euro-Gren­ze lie­gen. Da kriegt ein KDP-Au­tor oder -Kleinst­ver­lag bei Ama­zon nur noch 35 Pro­zent, »ge­währt« Ama­zon also qua­si 65 Pro­zent Ra­batt. Klas­si­sche Ver­la­ge wol­len hier wei­ter­hin nur 30 Pro­zent an Ama­zon ab­drücken und schrei­en »Faul«. Se­pus be­kom­men sol­che Kon­di­tio­nen bei KDP nur bei ei­nem VK für E-Books zwi­schen rund 3 und 10 Euro. Wo bleibt hier ei­gent­li­ch der Auf­schrei in die an­de­re Rich­tung? Sei es hin­sicht­li­ch der Fra­ge, ob Ama­zon + Ver­la­ge so Se­pus be­nach­tei­li­gen, oder auch hin­sicht­li­ch je­ner, ob die der­zei­ti­gen Kon­di­tio­nen für gro­ße Ver­la­ge nicht die ho­hen Prei­se der E-Books aus eben je­nen Ver­la­gen ze­men­tie­ren – und ob das über­haupt im In­ter­es­se der Le­ser (und so­gar der Au­to­ren) ist.

Aber wir dür­fen wet­ten, dass die ein­schlä­gi­gen Platt­for­men der Buch­bran­che die­ser Fra­ge­stel­lung auch wei­ter­hin kei­nen Platz wid­men wer­den.

sagt:

Hal­lo Ste­fan,

Du sprich­st mir aus der See­le. Ich kau­fe sehr gern bei Ama­zon ein, nicht, weil es Ama­zon ist, son­dern weil mich die im­men­se Aus­wahl, die aus­ge­zeich­ne­te Kun­den­freund­lich­keit und die blitz­schnel­le Lie­fe­rung be­ein­druckt ha­ben.
Wür­de es eine ver­gleich­ba­re Platt­form in Deutsch­land ge­ben, die von re­gu­lä­rem Buch­han­del ge­tra­gen wor­den wäre, hät­te ich es auch gern auf­ge­sucht, aber da gibt es nichts brauch­ba­res. Statt über Ama­zon zu jam­mern, soll­te sich die Buch­bran­che lie­ber auf ei­nen ge­wis­sen Hin­ter­teil set­zen und eine Kon­kur­renz­platt­form zu er­stel­len, die mit Ama­zon mit­hal­ten kann oder den An­bie­ter so­gar über­holt. Dann gebe es ei­nen Grund zu kla­gen.

Grü­ße

Da­ni­el

sagt:

[…] tra­di­tio­nel­le Ge­schäfts­mo­del­le, kon­kur­rie­ren mit klas­si­schen und eta­blier­ten Me­di­en, neh­men ih­nen Um­sät­ze, Reich­wei­te und da­mit auch Macht weg und ha­ben so ihre Rei­bungs­flä­chen mit dem eben­so […]

sagt:

Kindle/Amazon: ich lebe in Prag, seit 23 Jah­ren und ich kann we­gen des Stand­orts in Prag kei­ne deut­schen Bü­cher über kind­le down­loa­den. Und bei den ge­druck­ten Bü­chern: mei­st ko­sten Por­to und Bank­ge­büh­ren mehr als das Buch. Von Ama­zon wur­de mir auf eine An­fra­ge dies­be­züg­li­ch ge­ant­wor­tet: Ma­chen Sie doch eine Rei­se nach Deutsch­land, Öster­reich oder in die Schweiz, dort kön­nen sie pro­blem­los deut­sche Bü­cher down­loa­den.

sagt:

Ich kann zwar nicht so ganz er­ken­nen, wie der vor­ste­hen­de Kom­men­tar zum In­halt des Ar­ti­kels passt, aber gut.

Ama­zons Geo­lo­ca­ti­on soll­te man in so ei­nem Fall mit ei­nem ge­än­der­ten DNS-Ein­trag oder der Nut­zung ei­nes VPN um­ge­hen kön­nen, und schon kann man eBooks her­un­ter­la­den. Ich wür­de al­ler­dings da­von aus­ge­hen, dass da­für ein Bank­kon­to in Deutsch­land nö­tig sein könn­te. Viel­leicht reicht aber auch eine Kre­dit­kar­te.

sarkytob

sagt:

Ich kann durch­aus er­ken­nen wie der Kom­men­tar von Mi­lena Find­eis zum Ar­ti­kel passt. Die Quint­es­senz ist: Kind­le bzw. das Mobi For­mat hat Re­strik­tio­nen die den Be­nut­zer ein­schrän­ken und nimmt da­mit Be­zug auf den Ab­satz über Tors­ten Ca­si­mir. Das sich die­se Re­strik­tio­nen von tech­ni­kaf­fi­nen Men­schen aus­he­beln las­sen, än­dert nichts dar­an, dass sie vor­han­den sind.
Ich gehe im üb­ri­gen da­von aus, dass Herr Ca­si­mir die Frei­heit der Wahl des Re­a­ders und des Ge­schäf­tes in dem ich mei­ne Ebooks kau­fe mein­te. Bei Ama­zon muss ich mir ein Kind­le oder die Kind­le App zu­le­gen um de­ren ver­kauf­te Ebooks le­sen zu kön­nen und muss mei­ne Ebooks bei Ama­zon kau­fen, bei al­len an­de­ren kann ich je­den be­lie­bi­gen Re­a­der nut­zen (der ge­n­au die Fea­tures hat, die mir wich­tig sind) au­ßer halt dem Kind­le und kann mei­ne Ebooks kau­fen wo ich will, au­ßer halt bei Ama­zon.
Klar ist Ado­be DRM lä­stig, aber ich per­sön­li­ch hat­te bis­lang noch kei­ne Pro­ble­me da­mit und ich lese viel. Die Da­ten die ich da­mit von mir Preis gebe, wür­de ich auf­grund des ge­schlos­se­nen Öko­sy­stems auch bei Ama­zon preis­ge­ben, nur der Be­sit­zer wäre eben ein an­de­rer.

Klar kann ich in vie­len Fäl­len ohne gro­ßen Auf­wand die bei­den For­ma­te in­ein­an­der um­wan­deln aber das ist wohl kaum ein Ar­gu­ment für oder ge­gen ei­nes der bei­den Sy­ste­me.

sagt:

Ich hal­te mich für äu­ßer­st tech­ni­kaf­fin und wer­de al­lein aus be­ruf­li­chen Grün­den täg­li­ch mit tech­ni­schen Pro­ble­men kon­fron­tiert und den­no­ch nervt mich Ado­be DRM je­des­mal aufs Neue. Klar kann man Ado­be DRM ge­schütz­te In­hal­te auch auf sein Ge­rät be­kom­men, der Auf­wand da­für ist aber (nicht nur) in mei­nen Au­gen viel zu hoch und das Ver­fah­ren über­aus lä­stig. Ob man sich nun an den ei­nen oder and an­de­ren An­bie­ter bin­det, ist letzt­li­ch ver­mut­li­ch Ge­schmacks­sa­che. Ein An­bie­ter der mir das Le­ben mit DRM schwer macht (was ja auch dazu führt, dass ich die In­hal­te eben nicht auf be­lie­bi­gen Ge­rä­ten le­sen kann – wo ist da die an­ge­prie­se­ne Frei­heit?), muss sich nicht wun­dern, wenn ich da­von ab­se­he, sei­ne eBooks zu kau­fen.

Ich habe üb­ri­gens zwei eRe­a­der, ei­nen Sony PRS-T2 und ei­nen Kind­le Pa­perw­hi­te (da­vor be­reits seit 2009 ei­nen Han­von), ich kann Vor- und Nach­tei­le bei­der Ge­rä­te und de­ren In­fra­struk­tur also durch­aus ab­wä­gen.

Da ich eng­lisch­spra­chi­ge Bü­cher oh­ne­hin nur noch im Ori­gi­nal lese (die Grün­de hier­für sind viel­fäl­tig: mi­se­ra­ble Über­set­zun­gen, viel zu teu­er, Auf­tei­lung von Ro­ma­nen in meh­re­re Bü­cher u.v.a.m.) kom­me ich an Ama­zon oh­ne­hin nicht vor­bei, denn ich bin nicht be­reit, die gro­tes­ken Mond­prei­se zu zah­len, die von deut­schen An­bie­tern auf­ge­ru­fen wer­den.

Dass man in Prag kei­ne eBooks bei Amazon.de kau­fen kann, dürf­te li­zenz­recht­li­che Grün­de ha­ben, ich gehe nicht da­von aus, dass Ama­zon das nicht an­bie­tet, weil sie nicht dort ver­kau­fen wol­len … Ich kann ja lei­der auch nicht bei Amazon.com mei­ne eBooks ein­kau­fen.

sagt:

Also ich bin Au­tor und ver­kau­fe nur über Ama­zon.
Es gibt kei­ne Ein­stell- und kei­ne Jah­res­ge­büh­ren, Man hat mir auch mei­ne 70% Tan­tie­men von eBooks noch nicht ge­kürzt.

Wie ich mein Buch in den lo­ka­len Buch­lä­den un­ter­be­kom­me, weiß ich nicht. Ver­la­ge woll­ten es nicht ha­ben. Ama­zon druckt al­les, was be­stellt wird. Rich­tig ge­hört – Erst wird be­stellt, dann wird ge­druckt.
Wenn die Ver­la­ge das an­ders­her­um ma­chen und des­we­gen hohe Ko­sten und vor al­lem Ri­si­ken ha­ben – selbst Schuld.

Wenn das al­les stimmt, was Du da schreib­st, dann geht das ein­deu­tig ge­gen die Ver­la­ge -nicht ge­gen die Au­to­ren. Und das ist doch gar nicht so schlimm, denn was ma­chen denn Ver­la­ge schon ?
Ei­nen Lek­tor be­schäf­ti­gen, ein Co­ver-De­si­gnen, ein Buch drucken,
und das Buch zum Händ­ler lie­fern. Die letz­ten 3 Din­ge mach Ama­zon selbst. Ama­zon ist ein di­rek­ter Kon­kur­rent der Ver­la­ge,
heu­te zwar noch Teil der Lie­fer­ket­te und eher nur Händ­ler, aber es über­nimmt mehr und mehr die Funk­tio­nen der Ver­la­ge.

Ama­zon ver­sucht even­tu­ell die Ver­la­ge aus dem Ge­schäft zu drän­gen, da­mit die Au­to­ren di­rekt zu ama­zon ge­hen. 70% bei Ama­zon sind doch schliess­li­ch bes­ser als 5% beim Ver­lag. Ama­zon wirbt um Au­to­ren, Ver­la­ge wer­ben nicht um Au­to­ren, de­nen geht man als Au­tor nur auf die Ner­ven.

Es ist ein­fach nur eine alt­mo­di­sche Idee, dass man für eine Buch­ver­öf­fent­li­chung ei­nen Ver­lag bräuch­te.
Ge­ra­de die hohe Viel­falt an Bü­chern kann kein lo­ka­ler Buch­händ­ler bieten,die ver­su­chen alle nur von den Best­sel­lern zu le­ben, Au­to­ren mit 500 Stück Auf­la­ge ste­hen bei kei­nem Händ­ler im Re­gal, und nie­mand kann die­se sel­te­nen Sa­chen so schnell lie­fern wie amazon.Buchhändler kön­nen zwar auch be­stel­len, aber da muss dann der Kun­de ein zwei­tes Mal in den La­den kom­men.

Ich be­haup­te mal, das Buch wird über­le­ben, aber das was sich heu­te Buch­bran­che nennt, nicht.

Das The­ma Buch­preis­bin­dung fehlt viel­leicht noch, Wenn ama­zon erst­mal die Prei­se sen­ken dürf­te, wä­ren die lo­ka­len Händ­ler ganz schnell Plei­te. Den ge­setz­li­che Schutz des Off­line-Buch­han­dels ha­ben wir schon. Der Preis da­für sind teu­re Bü­cher. Bei Apo­the­ken ist das ähn­li­ch.

sagt:

Ich hab mich hier auf Phan­ta­News schon oft zur Buch­preis­bin­dung und zur (manch­mal man­gel­haf­ten) Qua­li­tät von Ver­lags­ar­beit ge­äu­ßert. Ein­fach mal die Su­che be­mü­hen.

Ich bin den Pu­bli­kums­ver­la­gen ge­gen­über ja auch kri­ti­sch ein­ge­stellt, aber ich den­ke nicht, dass man die obi­ge Kri­tik an den Ver­la­gen so pau­schal sa­gen kann. Ich ken­ne Klein­ver­la­ge, ge­ra­de aus dem Be­reich Phan­ta­stik, die sind mit Herz­blut bei der Sa­che, ge­ben sich Mühe, mö­gen ihre Au­to­ren und ma­chen wirk­li­ch gute Ar­beit.

Was die Tan­tie­men bei Ama­zon an­geht: ich bin ge­spannt, wie lan­ge die noch so gut blei­ben. Auch beim Self­pu­blis­hing hat Ama­zon ein un­ein­hol­ba­res Mo­no­pol. Und wer ein Mo­no­pol hat, kann die Prei­se dik­tie­ren.

Üb­ri­gens über­nimmt Ama­zon nicht nur Funk­tio­nen der Ver­la­ge, son­dern ist be­reits seit län­ge­rer Zeit auch kon­kret als Ver­lag tä­tig. Auch hier in Deutsch­land.

An­son­sten stim­me ich da­mit über­ein, dass das An­ge­bot Ama­zons an die Self­pu­blis­her ein sehr Gu­tes ist. Was den Buch­druck an­geht: das geht auch bei Klein­auf­la­gen in Sa­chen Au­to­ren­ex­em­pla­re gün­sti­ger als via Crea­te­S­pace. Ein Be­richt zu dem The­ma folgt, wenn ich mei­nen ge­ra­de lau­fen­den Test ab­ge­schlos­sen habe.

sagt:

Die Tan­tie­men sind bei Ama­zon-Crea­te­S­pace üb­ri­gens nicht fix.
Das Den­ken in Pro­zen­ten muss man ab­le­gen.
Ama­zon macht ein An­ge­bot was 1 Stück ko­stet, ganz nach­voll­zieh­bar, ein­fach so nach Sei­ten­an­zahl und da­na­ch kann ich mei­nen Preis fest­le­gen. Wenn Ama­zon sagt »ko­stet 6 Euro« dann hab ich na­tür­li­ch we­ni­ger Pro­zen­te, wenn ich für 10 Euro ver­kau­fe, als wenn ich für 49 Euro ver­kau­fe.

Was Ver­la­ge so lei­sten, weiß ich nicht, die prot­zen nicht ge­ra­de mit Ih­rer Lei­stung. Sie hat­ten es bis­her nicht nö­tig, Ihre Ar­beits­lei­stung zu be­grün­den und zu recht­fer­ti­gen. 5–10% für den Au­tor sind üb­li­ch – »Das ist über­all so. », »hat sich so ein­ge­bür­gert«. mehr er­fährt man nicht.

D.h. ganz egal wel­che Prei­se ama­zon ein­mal fest­legt, es liegt im­mer im Er­mes­sen des Au­tors, ob er dann den Buch­preis er­höht, d.h. an die Kun­den wei­ter­gibt, was zur Zeit ver­bo­ten ist, oder ob er auf Tan­tie­men ver­zich­tet.

Lei­der fehlt durch die Buch­preis­bin­dung auch die­se Aus­pro­bier­mög­lich­keit die je­der Floh­markt­händ­ler hat »Für 49 Euro kauft es nie­mand, ich ver­su­che es mal für 39 zu ver­kau­fen«. Das ist ge­setz­li­ch ver­bo­ten.

Die Ak­zep­tanz sol­ch ho­her Prei­se für Fach­bü­cher in klei­nen Stück­zah­len rührt auch nur da­her, dass das für ei­nen Ver­lag sehr teu­er zu pro­du­zie­ren ist. Das ein Fach­buch 49 Euro ko­stet, sind die Leu­te ge­wohnt. Wer weiß wie lan­ge es dau­ert, bis die Le­ser sich das ab­ge­wöh­nen .

Lei­der ist von Ge­set­zes­sei­te da noch we­nig Be­we­gung drin.
Es fehlt die Lob­by. Denn der ein­zi­ge der die Self-Pu­blis­her als Or­ga­ni­sa­ti­on ver­tre­ten könn­te, wäre ama­zon. Hät­te auch nicht ge­dacht, das ich mal sage, dass in Ber­lin noch Lob­by­isten feh­len.

sagt:

Ach, es gibt im Be­reich Self­pu­blis­hing be­reits di­ver­se Platt­for­men, die sich als Al­ter­na­ti­ve ge­rie­ren. Ich habe eine Men­ge da­von un­ter­sucht und mus­s­te fest­stel­len, dass sie alle Nach­tei­le ha­ben und kei­ne da­von der­art vie­le Vor­tei­le bie­tet wie Ama­zon.

Ich fin­de den An­satz von log.os aber sehr an­spre­chend und wün­sche viel Glück. Im Mo­ment ist da aber noch nicht ab­zu­se­hen, wie schnell es zu Pot­te kommt. Das kann ja noch Jah­re dau­ern.

sagt:

Groß­ar­ti­ger Ar­ti­kel! Cha­peau!

Die Bü­cher- und Ver­lags-Bran­che ist we­der kun­den- noch au­to­ren­freund­li­ch. Oder wie soll man es son­st nen­nen, wenn man er­fährt, dass ein­ge­sand­te Ma­nu­skript von Ver­lags­prak­ti­kan­ten un­ge­le­sen in den Pa­pier­korb be­för­dert wer­den? Es sei denn, man hat ei­nen eng­li­sch an­ge­hauch­ten Na­men und war im eng­lisch­spra­chi­gen Aus­land mit sei­nem Werk be­reits er­folg­reich. Auf die­sen Zug springt man ganz ger­ne auf!

Die Ver­la­ge ma­ßen sich an, zu ent­schei­den, was der Le­ser le­sen soll, bzw. möch­te und was nicht. Und dann wun­dern sie sich und jau­len auf, wenn so­wohl Au­to­ren als auch Le­ser sich an den bö­sen Mo­no­po­li­sten wen­den.

Was bleibt ei­nem als Au­tor denn an­de­res üb­rig, als zu Ama­zon zu ge­hen, wenn ei­nem mit so we­nig Wert­schät­zung be­geg­net wird?

Herz­li­che Grü­ße,
Sy­bil­le

sagt:

Et­was spät ge­le­sen, sor­ry, aber den­no­ch dan­ke und ein gro­ßes Lob für die Ge­gen­be­we­gung: Na­tür­li­ch ist Ama­zon kein Hei­li­ger, doch die ha­ben ihre Me­tho­den nur von den Ver­lags­häu­sern ge­lernt.

Zi­tat:
Wenn man sich den Wün­schen der Ket­te nicht un­ter­warf, dann wur­den Bü­cher halt in der Be­sen­kam­mer né­ben dem Not­aus­gang aus­ge­stellt, statt auf pro­mi­nent plat­zier­ten Ti­schen.

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