Wer ist Amanda Hocking? Über Selfpublishing

Tja, das wer­den sich viele Ver­le­ger eben­falls ge­fragt ha­ben. Amanda Ho­cking ist et­was, das man als »Indie-Autorin« be­zeich­nen könnte. Ihre Bü­cher (auch aus dem Be­reich Phan­tas­tik) er­schei­nen haupt­säch­lich als eBooks und wur­den erst nach gran­dio­sen Ver­käu­fen auch als Pa­pier­ver­sio­nen ver­legt. Sie stellte ihre Ro­mane auf Ama­zon zum Kauf zur Ver­fü­gung und setzt in­zwi­schen ca. 100000 e-Bücher pro Mo­nat ab.

Das ist or­dent­lich, aber im Ver­gleich zu an­de­ren Au­to­ren, die von den Ver­la­gen mit Pea­nuts ab­ge­speist wer­den, er­hält sie von Ama­zon 70% der Um­sätze aus­ge­zahlt — eine Marge von der Print-Autoren nur träu­men kön­nen.

Klar ist das nicht die Re­gel, an­dere Indie-Autoren ver­kau­fen deut­lich we­ni­ger — aber auch 70 Pro­zent von 3000 * $3,99 im Mo­nat sind 8379,00 Dol­lar vor Steuer.

Hier er­wächst ein Pro­blem für die klas­si­schen Ver­le­ger, das die­sen ent­we­der noch nicht klar ist und wenn doch eine rie­sige Angst ein­ja­gen dürfte, denn Self­publis­hing wird mei­ner Ansicht nach das nächste ganz große Ding im Web, auch wenn das von Ver­tre­tern der Bran­che ve­he­ment be­strit­ten wird oder man ver­sucht, es ins Lä­cher­li­che zu zie­hen (wie mir ge­gen­über neu­lich kon­kret in ei­nem Facebook-Kommentar ge­äu­ßert — ich ver­schweige, wel­cher Ver­le­ger aus dem Be­reich Phan­tas­tik das war).

Ge­rade bei den Special-Interest-Themen wird Self­publis­hing via eBook ganz schnell eine feste Größe wer­den — al­lein schon des­halb, weil die hie­si­gen gro­ßen Ver­lage viel zu schwer­fäl­lig und eng­stir­nig sind, um auf Trends ein­zu­ge­hen, die sich in Zei­ten des In­ter­net viel schnel­ler ver­brei­ten, als die trä­gen Di­no­sau­rier es über­haupt mer­ken. Bis dann in den Ent­schei­de­re­ta­gen je­mand den neuen Trend be­merkt hat und ver­zwei­felt ver­sucht, In­halte über das Thema an­zu­kau­fen, ist das Web (und da­mit die Welt) schon wei­ter.

Mit­tels Self­publis­hing kön­nen Au­to­ren aber schnell rea­gie­ren oder — und das ist viel wich­ti­ger — SELBST zum Trend­set­ter wer­den. Und das Pu­bli­kum, also der Le­ser, hat die Mög­lich­keit, das zu le­sen, was ihm an­ge­bo­ten wird, ohne auf eine Vor­aus­wahl der Ver­lage an­ge­wie­sen zu sein.

Ich höre schon die Ar­gu­men­ta­tion der Ver­le­ger (denn sie ist nicht neu): »Ja, aber wir bie­ten lek­t­o­rierte Qua­li­tät!«

Ist das so? Qua­li­tät liegt oft im Auge des Be­trach­ters und was dem Le­ser zu­zu­mu­ten ist, kann der gut selbst ent­schei­den, ohne da­bei auf die Gän­ge­lung und Vor­aus­wahl durch Ver­lage an­ge­wie­sen zu sein. Auch bei ei­nem »pro­fes­sio­nell« ver­leg­ten Ro­man kann ich nur den Klap­pen­text und eine Le­se­probe le­sen, um fest­zu­stel­len ob er mir ge­fällt — und längst nicht al­les was man uns vor die Füße wirft ist wirk­lich qua­li­ta­tiv hoch­wer­tig. Das kann ich bei ei­nem vom Au­tor selbst ver­kauf­ten eBook ganz ge­nau so tun. »Völ­li­ger Mist« wird sich auch als selbst­ver­leg­tes eBook nicht ver­kau­fen wie ge­schnit­ten Brot, aber der Au­tor wird sich selbst dann über ein paar hun­dert Ver­käufe freuen. Und Best­sel­ler ver­kau­fen sich auch in die­ser Form wie blöd — nur er­hält hier der Au­tor den Mam­mut­an­teil der Ein­nah­men und nicht ein Ver­lag — der das Werk mög­li­cher­weise auch gar nicht erst ge­nom­men hätte.

Das Grund­pro­blem für Au­to­ren bleibt aber das­selbe wie beim Print: man muss sich und seine Werke be­kannt ma­chen. Trotz­dem ist es bes­ser, die Ro­mane quasi ohne Ri­siko als eBook selbst zu ver­le­gen, als über­haupt nicht, weil kein Ver­lag sie an­nimmt.

In UK ver­kauft die Metro-Gruppe den ers­ten eInk-eReader für 40 Euro. Der Mas­sen­markt für eBooks kommt nä­her…

Ich werde den ers­ten Ro­man von Amanda Ho­ckings TRYLLE-Trilogie auf je­den Fall als eBook kau­fen und test­le­sen, denn der Klap­pen­text von SWIT­CHED liest sich ins­be­son­dere für mich als Ur­ban Fantasy-Freund viel­ver­spre­chend:

When Wendy Everly was six years old, her mo­ther was con­vin­ced she was a mons­ter and tried to kill her. It isn’t un­til ele­ven years la­ter that Wendy dis­co­vers her mo­ther might have been right.

With the help of Finn Hol­mes, Wendy finds her­self in a world she ne­ver knew exis­ted — a world both be­au­ti­ful and frigh­te­n­ing, and Wendy’s not sure she wants to be a part of it.

Als Wendy Everly sechs Jahre alt war ver­suchte ihre Mut­ter sie zu tö­ten, denn diese war über­zeugt, sie sei ein Mons­ter. Elf Jahre spä­ter muss Wendy ent­de­cken, dass ihre Mut­ter Recht ge­habt ha­ben könnte.

Mit der Hilfe von Finn Hol­mes fin­det Wendy sich in ei­ner Welt wie­der, von der sie nicht ein­mal ge­ahnt hatte, dass sie exis­tiert — eine Welt gleich­zei­tig wun­der­schön und er­schre­ckend — und Wendy ist nicht si­cher, ob sie ein Teil da­von sein möchte.

Ihr ak­tu­el­les­tes Buch ist HOL­LOW­LAND:

»…ein Zombie-Urban-Fantasy-Roman in ei­ner dysto­pi­schen na­hen Zu­kunft. Es ist ein we­nig ge­walt­tä­ti­ger und dre­cki­ger als meine an­de­ren Ro­mane, aber man fin­det auch Ro­manze darin…«

Creative Commons License

Bild Amanda Ho­cking und Co­ver SWIT­CHED Co­py­right Amanda Ho­cking

Kei­nen ver­wand­ten In­halt ge­fun­den.

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12 Kommentare

  1. Erstellt am 2. März 2011 um 13:02 | Permanent-Link

    Ich halte für­ge­gen.

    Für den Er­folg von Self­publis­hing spricht, daß läs­tige Zwi­schen­händ­ler und Fil­ter weg­fal­len. Der Zu­gang zu den Märk­ten wird leich­ter, der Zu­gang zu den Kun­den nicht un­be­dingt, aber auch nicht schwe­rer, wenn die Such­tech­no­lo­gien Schritt hal­ten.

    Ge­gen den Er­folg von Self­publis­hing spricht, daß Mar­ke­ting mehr ist als bloß Markt­schreie­rei, Pro­fit­ma­xi­mie­rung und Kon­kur­renz­aus­schluß, es be­deu­tet eben auch, daß man et­was zu Markte trägt, was dort auch eine Chance hat.

    In ein paar Jah­ren wer­den wir se­hen, ob die Ab­ge­wie­se­nen es dann doch ge­schafft ha­ben, die Zer­be­russe der Ver­lags­in­dus­trie, Re­dak­teure und Lek­to­ren, aus­zu­trick­sen, oder ob die Zer­be­russe in Wahr­heit Hüte­hunde sind.

  2. Stefan Holzhauer
    Erstellt am 2. März 2011 um 13:05 | Permanent-Link

    Ge­schieht in den USA schon zu­hauf, weil die Ak­zep­tanz (und der Ab­satz) elek­tro­ni­scher Le­se­ge­räte dort of­fen­bar deut­lich grö­ßer ist als bei uns. Ist aber mei­ner Ansicht nach nur eine Frage der Zeit…

  3. Camo
    Erstellt am 2. März 2011 um 13:09 | Permanent-Link

    Ein ver­nünf­ti­ges Lek­to­rat ist aber tat­säch­lich nicht zu ver­ach­ten. Ich habe mir vor ei­ni­ger Zeit das (ge­druckte) Buch ei­nes Au­tors aus ei­nem Druck­kos­ten­zu­schuss­ver­lag ge­kauft… und war ehr­lich ge­sagt ent­setzt. Je­der Lek­tor hätte ei­nen Kreis­lauf­kol­laps beim Le­sen er­lit­ten, das Ding war ein­fach nur Schund.

    Self-Publishing kann gute Werke her­vor­brin­gen. Aber zum Groß­teil wird es Murks, weil die »Au­to­ren« zwar ein star­kes Ego, aber im bes­ten Fall schwa­che hand­werk­li­che Fer­tig­kei­ten ha­ben. Und den Lek­tor sel­ber zu zah­len kos­tet ein paar tau­send Euro mehr, fürchte ich… und starke Egos ver­su­chen meis­tens, die Ge­fahr zu mei­den, dass ih­nen ge­sagt wird dass sie Murks fa­bri­ziert ha­ben.
    An­sons­ten wür­den die Druck­kos­ten­zu­schuss­ver­lage und der ganze Kom­plex ei­nen grö­ße­ren An­teil am Buch­markt­ku­chen ein­neh­men.

    Für den Au­to­ren ist es nö­tig, den gan­zen Promo-Rummel sel­ber zu be­strei­ten, sprich Le­sun­gen, aber auch Buch­hand­lun­gen ab­klap­pern und Re­zen­si­ons­ex­em­plare an Zeit­schrif­ten ver­sen­den, was an­sons­ten vom Ver­lag ge­macht wird.
    Für Le­ser ist im­mer die Ge­fahr, dass sie ein un­fer­ti­ges oder hand­werk­lich mie­ses Buch er­hal­ten, das vom Au­tor in »Va­ter­freude« über den grü­nen Klee ge­lobt wird. Jeg­li­che »Vor­aus­wahl« oder »Vor­ab­kri­tik« der Ver­lage fehlt hier, es ent­schei­det nur der Au­tor, ob et­was »druck­reif« ist. Und kein Au­tor ist wirk­lich neu­tral, wenn es um seine Werke geht. ;)

    Aber ja, es gibt dann und wann Per­len dar­un­ter, die sind aber recht sel­ten, der Groß­teil ist Mit­tel­klasse oder weit dar­un­ter.
    Aber Self-Publishing gibt es heut­zu­tage schon, es gibt viele Mög­lich­kei­ten, seine Mach­werke zu pu­bli­zie­ren. Man zahlt aber als Au­tor erst ein­mal sehr viel Geld und muss hof­fen, es spä­ter wie­der ein­neh­men zu kön­nen. Dann setzt man sehr viel Zeit da­für ein, die PR-Maschinerie der Ver­lage nach­zu­ah­men, ohne de­ren Ef­fi­zi­enz zu er­rei­chen. Denn auch die Ver­lags­ver­tre­ter, die Buch­händ­ler über Ro­mane in­for­mie­ren hat man nicht. Im End­ef­fekt muss man je­den Buch­händ­ler per­sön­lich an­spre­chen und da­von über­zeu­gen, den Ro­man ins Pro­gramm zu neh­men. Eine Amazon-Listung (um nur ein Bei­spiel zu nen­nen) bringt da näm­lich gar nichts. Wer­bung ist ein har­tes, zeit­rau­ben­des Ge­schäft, zu­min­dest wenn man es best­mög­lich ma­chen möchte, um gute Ver­käufe zu er­zie­len.

    Und — ohne jetzt die Ver­lage in Schutz neh­men zu wol­len — das ist der Grund, wa­rum die Ver­lage ih­ren Teil vom Ku­chen ab­ha­ben wol­len. Würde man das ge­gen­rech­nen ge­gen den Auf­wand, den der selbst pu­bli­zie­rende Au­tor be­trei­ben muss, so würde der im ers­ten Au­gen­blick recht gut aus­se­hende Ge­winn recht schnell recht stark zu­sam­men­schmel­zen, da ein zeit­li­cher Auf­wand in Kos­ten um­ge­rech­net wer­den muss. Sollte man bei ei­ner Ge­samt­be­trach­tung nicht ver­ges­sen.

  4. Stefan Holzhauer
    Erstellt am 2. März 2011 um 13:13 | Permanent-Link

    Al­les keine Ar­gu­mente da­ge­gen. Schund stört nicht, denn der wird nicht ge­kauft, aber hun­derte po­si­tive Be­spre­chun­gen auf ei­ner Ver­triebs­platt­form hel­fen ei­nem bei ei­ner Kauf­ent­schei­dung ga­ran­tiert (Grund­in­tel­li­genz sollte beim Ein­kauf im Web im­mer vor­han­den sein :o). Plus die Mög­lich­keit der Le­se­probe — auf ein paar Sei­ten Vor­gu­cker sollte ich mer­ken, ob der Au­tor schrei­ben kann oder ob sein Werk in die Tonne ge­hört.

  5. Erstellt am 2. März 2011 um 13:34 | Permanent-Link

    Die Selbst­re­gu­lie­rung wird nur bis zu ei­nem ge­wis­sen Punkt funk­tio­nie­ren und dann von sta­tis­ti­schen Wir­kun­gen be­grenzt wer­den.

    Stell Dir nur vor, wie groß die Fülle der selbst­pu­bli­zier­ten Ti­tel sein kann! Wenn das Äpfel wä­ren, könnte ich die nicht mehr alle pro­bie­ren, ge­schweige denn ver­glei­chen!

    Die Sta­gna­tion wird über­wun­den durch die er­folg­rei­che­ren Selbst­pu­bli­zie­rer, die es sich leis­ten kön­nen, die Dienste pro­fes­sio­nel­ler Mar­ke­ter in An­spruch zu neh­men und flugs wäre die Zwei­klas­sen­ge­sell­schaft wie­der­her­ge­stellt.

    Ich liebe Eu­pho­rie, aber wo Geld ist, da sind auch wel­che, die ih­ren Teil ab­ha­ben wiol­len.

  6. Stefan Holzhauer
    Erstellt am 2. März 2011 um 13:42 | Permanent-Link

    Ich stelle über­haupt nicht in Ab­rede, dass sich hier neue Ge­schäfts­mo­delle ent­wi­ckeln wer­den. :o)

    Man muss die aber auch of­fen­siv und pro­gres­siv an­ge­hen, statt sich in nur evo­lu­ti­ons­re­sis­tent zu nen­nen­der Ma­nier an Über­kom­me­nes zu klam­mern — wie viele Ver­le­ger hier­zu­lande…

    …und ich bin fest der Ansicht, dass die »Mar­ke­ting­macht« der »Crowd« (Buzzword-Bingo!) schwer un­ter­schätzt wird.

  7. Camo
    Erstellt am 2. März 2011 um 13:58 | Permanent-Link

    Naja… Schund wird durch­aus ge­kauft… man schaue sich nur die Biss-Reihe an *fg*

    Wo­bei aber die von dir er­wähn­ten hun­derte po­si­ti­ver Re­zen­sio­nen erst ein­mal ent­ste­hen müs­sen. Wenn du aber über Self-Publishing sprichst, musst du dazu sa­gen, dass an­fangs kei­ner das Buch kennt oder wahr­nimmt. Es muss also be­wor­ben wer­den, da­mit es be­geis­terte Le­ser fin­det, die es an­de­ren emp­feh­len. Bis da­hin ist es aber ein lan­ger, stei­ni­ger Weg, der viel Zeit und Ein­satz kos­tet. Denn das nimmt nie­mand ei­nem selbst­pu­bli­zie­ren­den Ver­le­ger ab.
    Aber die Ver­mu­tung, dass ein un­be­kann­tes Buch ohne Auf­wand sich wie ge­schnit­ten Brot ver­kauft (auch wenn es das tollste Buch al­ler Zei­ten sein sollte) ist ein­fach nur un­rea­lis­tisch. In der Rea­li­tät steckt da ein er­heb­li­cher Wer­be­auf­wand da­hin­ter, dass man wahr­ge­nom­men wird. Hun­derte hoff­nungs­vol­ler Au­to­ren glau­ben den Wer­be­spruch, dass man mit Self-Publishing reich wird, weil man ja alle Ein­nah­men sel­ber be­kommt. Der Wer­be­spruch er­wähnt aber nicht, was die Ver­lage da­für tun, um ih­ren An­teil zu be­kom­men. Zu­mal ein selbst­pu­bli­zie­ren­der Au­tor erst ein­mal in Vor­leis­tung tre­ten muss… mit Zeit und Geld für Wer­bung, mit Geld für das Pu­bli­zie­ren… wäh­rend ein Ver­lag all dies über­nimmt.

    Die meis­ten Self-Publishing-Organisationen neh­men al­les an, egal wie gut oder schlecht das ist. Es gibt so­gar Ver­su­che, wo der Out­put ei­nes »Gedichte-Generators« ei­ner der­ar­ti­gen Firma über­ge­ben wurde… die Re­ak­tion ver­wen­dete die Worte »po­ten­ti­el­ler Best­sel­ler«… der Kos­ten­vor­an­schlag war 5stellig, meine ich.

    Ich habe kein Pro­blem mit dem Self-Publishing, auch wenn es für mich nicht in Frage kommt. Aber es ist im Nor­mal­fall halt nicht die Ver­dienst­ma­schine, als die es gerne hin­ge­stellt wird, zu­min­dest nicht für die Au­to­ren. Die »Ver­lage« ver­die­nen sich dumm und dus­se­lig daran, des­we­gen gibt es der­art viele der­ar­tige An­ge­bote. Wer also die­sen Weg be­schrei­ten möchte, sollte sich be­wusst sein, auf was er sich ein­lässt. Es kos­tet viel Geld im Vor­aus, es kos­tet viel Zeit in Sa­chen Wer­bung und sehr viel per­sön­li­chen Ein­satz. Da­ge­gen steht dann der mög­li­che Ge­winn, wo­bei ein paar tau­send ver­kaufte Ex­em­plare eher die Aus­nahme sind, die nur mit gu­ter und flä­chen­de­cken­der Wer­bung er­reicht wer­den kön­nen. Im Nor­mal­fall sind ein­hun­dert ver­kaufte Ex­em­plare schon ein recht gu­tes Er­geb­nis. Ob sich das ge­gen den Auf­wand rech­net, muss je­der selbst ent­schei­den. Das sind die Tat­sa­chen, die von Au­to­ren, die selbst pu­bli­ziert ha­ben, durch­aus be­stä­tigt wer­den kön­nen.

  8. Stefan Holzhauer
    Erstellt am 2. März 2011 um 14:08 | Permanent-Link

    Ich rede hier nicht über »die meis­ten Self-Publishing-Organisationen« son­dern über Ama­zon. Ja, die neh­men auch al­les. Aber bie­ten eine Platt­form zur Dar­stel­lung und dem Le­ser zum Kom­men­tie­ren. Man darf den US-Markt selbst­ver­ständ­lich nicht di­rekt mit dem rein deut­schen Markt ver­glei­chen, al­lein schon auf­grund der er­heb­lich ge­rin­ge­ren Zahl po­ten­ti­el­ler Kun­den. Und weil die eReader-Nutzung hier nur sehr schlep­pend an­läuft.

    Dass das ein­fa­che Ein­stel­len von In­hal­ten — wo auch im­mer — kein Ga­rant für Er­folg und Ver­käufe ist ver­steht sich von selbst. Klap­pern ge­hört zum Hand­werk, ebenso wie grund­le­gende schrift­stel­le­ri­sche Fä­hig­kei­ten.

    Auch habe ich im Ar­ti­kel­text dar­auf hin­ge­wie­sen, dass das größte Pro­blem ei­nes Au­to­ren ist, un­be­kannt zu sein.

    Das ändert aber al­les nichts daran, dass sich hier im­mense Chan­cen auf­tun (ich habe nie be­haup­tet: für alle und je­den) und dass Ver­lage da­bei sind, das zu ver­schla­fen oder so­gar Angst da­vor ha­ben.

  9. Camo
    Erstellt am 2. März 2011 um 14:21 | Permanent-Link

    Die Chan­cen gibt es aber nicht erst mit Ama­zon. Das geht auch mit an­de­ren An­bie­tern, wie ge­sagt.

    Und die »Mar­ke­ting­macht« der »Crowd« ist nor­ma­ler­weise durch die schwar­zen Schafe ein­ge­schränkt. Das Selbst­ver­le­gen ist durch die Hor­den von Schund­wer­ken nicht we­nig be­schä­digt, ge­rade weil es keine Kon­troll­me­cha­nis­men gibt. Des­we­gen wer­den viele zö­gern, be­vor sie sich auf das Ex­pe­ri­ment ein­las­sen.

    Das die­ses »Zö­gern« und die Vor­ur­teile nicht im­mer zu­tref­fen, ist be­kannt. Aber wie soll man die gu­ten Werke aus den gro­ßen Hau­fen her­aus­pi­cken? Da fehlt even­tu­ell eine »In­for­ma­ti­ons­in­stanz«, ein un­ab­hän­gi­ges Re­zen­si­ons­por­tal. Das würde auch das Pro­blem der Be­kannt­heit et­was min­dern. Viel­leicht wäre das ein Lö­sungs­an­satz, ab­seits vom Ver­triebs­por­tal, in dem Fall also Ama­zon.

    Wie ge­sagt, ich möchte das nicht ver­dam­men, nur auch die Schat­ten­sei­ten auf­zei­gen. Und da gibt es nicht we­nige, lei­der. Hab zu viele hoff­nungs­volle Au­to­ren ge­se­hen, die nicht auf die War­nun­gen hö­ren woll­ten und dann »völ­lig über­ra­schend« mit der Rea­li­tät zu­sam­men­prall­ten ;)

    Wo­bei die Ver­lage sich zum Groß­teil des­sen be­wusst sind, was da pas­siert… dann und wann tre­ten sie auch an »Independent-Bestseller« heran und ver­su­chen sie zu über­neh­men. Ist aber sel­ten. Die Ver­lage müs­sen aus­sor­tie­ren, was sie pro­du­zie­ren kön­nen, wenn es aber je­mand ab­seits da­von schafft, ist durch­aus In­ter­esse da.
    Angst dürfte da aber nicht vor­han­den sein, weil halt das Meiste, was im Self-Publishing er­scheint, eher Murks ist, zum Teil auch von den Ver­la­gen ab­ge­lehnt wurde… und das zu Recht ;)

  10. Stefan Holzhauer
    Erstellt am 2. März 2011 um 15:20 | Permanent-Link

    die »Mar­ke­ting­macht« der »Crowd« ist nor­ma­ler­weise durch die schwar­zen Schafe ein­ge­schränkt.

    Was ist da­mit kon­kret ge­meint? Dass es »Ge­fäl­lig­keits­re­zen­sio­nen« von Ver­wand­ten und Freun­den gibt?

    Die In­for­ma­ti­ons­in­stanz gibt es be­reits heute: für so ziem­lich je­des Genre gibt es spe­zi­elle Web­sei­ten, die über in­ter­es­sante In­halte be­rich­ten. Die wer­den sich auch selbst­pu­bli­zierte In­halte vor­neh­men und de­ren Exis­tenz ver­brei­ten, wenn sie les­bar sind. Das wird sich nicht ändern, im Ge­gen­teil. Wenn ich was über Steam­punk wis­sen will, su­che ich pas­sende Sei­ten auf und werde dort auf ent­spre­chende Pu­bli­ka­tio­nen hin­ge­wie­sen — hat bei mir bei­spiels­weise mit den STEAMPUNK-TALES bes­tens funk­tio­niert. Wir als Fans soll­ten froh sein, dass es ab so­fort die Mög­lich­keit gibt, uns auch ab­seits des Mas­sen­mark­tes zu be­die­nen.

    Die TWILIGHT-Trilogie ist übri­gens ein prima Bei­spiel da­für, dass die Ein­schät­zung ob ir­gend et­was »Schund« ist stark im Auge des Be­trach­ters liegt. :)

  11. Camo
    Erstellt am 2. März 2011 um 15:52 | Permanent-Link

    Ge­fäl­lig­keits­re­zen­sio­nen sind durch­aus nicht un­üb­lich, fürchte ich. Was ich aber meinte ist, das es durch­aus be­grün­dete »Vor­ur­teile« gibt durch die Mas­sen an schlech­ten Selbst­pu­bli­ka­tio­nen. Diese »Vor­ur­teile« müs­sen auch die Per­len erst ein­mal über­win­den, was nicht im­mer ein­fach ist. Es fehlt ein­fach die »Qua­li­täts­kon­trolle« im Vor­aus. Und dann und wann fehlt nur ein klein we­nig, um et­was gut sein zu las­sen… das wird aber beim Self-Publishing nicht be­ach­tet, ein Ver­lag würde das um­set­zen. Da sehe ich die Ge­fahr, dass nicht we­nige po­ten­ti­elle Ta­lente we­gen ver­meid­ba­rer Schwä­chen ver­küm­mern, weil die Le­ser sie ein­fach ab­stra­fen, ohne aber ih­nen Hin­weise zu ge­ben, wie es bes­ser ge­hen könnte.

    Wo­bei ich auch vor den Amazon-eBooks mich ab­seits des Mas­sen­mark­tes bis­her gut be­dient fühlte… pu­bli­ziert wurde das ja schon län­ger, man musste nur wis­sen wo. Ist also nicht viel an­ders als jetzt, oder? ;)
    Zu­mal viele Per­len nie in Deutsch­land ver­öf­fent­licht wur­den, da­für aber in an­de­ren Län­dern sich gut ver­kau­fen. Das wird sich aber mit Self-Publishing nicht un­be­dingt ändern, denke ich.
    Es geht im­mer um Geld… und wenn die Ver­lage ir­gendwo ge­nug Ge­winn se­hen grei­fen sie auch zu, man schaue sich nur das Thema Steam­punk an. Das wird nun auf­ge­grif­fen und an­ge­gan­gen. Wurde lange ver­lacht. Aber sie ha­ben ge­merkt, dass der Markt da ist, wenn er auch nicht über­wäl­ti­gend groß ist ;)

  12. Stefan Holzhauer
    Erstellt am 3. März 2011 um 23:58 | Permanent-Link

    Ich war ei­nen Tag schnel­ler als der Spie­gel… :)

    Aber man kommt dort zu durch­aus ähn­li­chen Schluss­fol­ge­run­gen.

    http://www.spiegel.de/kultur/literatur/0,1518,748220,00.html

    Trotz­dem ist es wohl nur noch eine Frage der Zeit, bis der erste Indie-Bestseller die deut­sche Ver­lags­szene er­schüt­tern wird. Viel­leicht be­greift die Bran­che dann, dass di­gi­tale Raub­ko­pien nicht ihr größ­tes Pro­blem sein wer­den auf der neuen Ver­kaufs­platt­form: Bei Ge­schwin­dig­keit, Preis­fle­xi­bi­li­tät und Com­mu­nity schla­gen die In­dies je­den Ver­lag.

    Und auch der Spie­gel weist dar­auf hin, dass haupt­säch­lich Genre-Titel in die­ser Form ver­trie­ben wer­den… :o)

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