Tolkien Estate bedroht Autor mit rechtlichen Schritten

… und zwar nicht, weil er ir­gend­wel­che In­halte aus dem HERR DER RINGE oder an­de­ren Wer­ken J.R.R. Tol­kiens ver­wen­det hat, son­dern weil er den Pro­fes­sor als Cha­rak­ter in ei­nem fik­tio­na­len Ro­man auf­tau­chen läßt. Das mel­det der Guar­dian.

Die An­wälte des Tol­kien Es­tate for­dern die Ver­nich­tung al­ler Ko­pien von Steve Hil­lards Ro­man MIRK­WOOD: A NO­VEL ABOUT J.R.R. TOL­KIEN. Der 450-seitige Ro­man, vom Au­tor im Selbst­ver­lag ver­öf­fent­licht, er­zählt über die Odys­see ei­ner ju­gen Frau, die ih­ren Groß­va­ter fin­den möchte, nach­dem sie Do­ku­mente ent­deckt, die die­sem von Tol­kien über­ge­ben wur­den.

Das Es­tate un­ter Chris­to­pher Tol­kien — bzw. des­sen An­wälte — for­dert wei­ter­hin, dass der Ver­kauf des Ro­mans so­fort ein­ge­stellt wird; sollte den For­de­run­gen nicht nach­ge­kom­men wer­den, droht man mit Kla­gen. In ei­nem Schrei­ben an Hil­lard führt der An­walt des Es­ta­tes aus:

»At no time have our cli­ents gran­ted per­mis­sion to use the name and per­so­na­lity of JRR Tol­kien in the no­vel, nor would they in any fo­re­see­able cir­cum­stan­ces. [An] un­la­w­ful com­mer­cial ad­van­tage has been ta­ken of the estate’s va­lu­able rights, [Hillard´s] book tri­via­li­ses the name, per­so­na­lity and re­pu­ta­tion of the late pro­fes­sor«.

Soll­ten die Nach­lass­ver­wal­ter des Pro­fes­sors da­mit er­folg­reich sein, würde das weit­rei­chende Fol­gen ha­ben, denn es würde da­mit na­hezu un­mög­lich, eine his­to­ri­sche Fi­gur der jün­ge­ren Ge­schichte in ei­nem fik­tio­na­len Ro­man (oder Film oder Spiel) auf­tau­chen zu las­sen. Man kann sich nur fas­sungs­los fra­gen, wie die beim Tol­kien Es­tate ge­raucht ha­ben, um auf so ei­nen Un­sinn ver­fal­len, zu­mal die Dar­stel­lung J.R.R. Tol­kiens in dem Ro­man of­fen­bar in keins­ter Weise ent­wür­di­gend ist, son­dern durch­aus re­spekt­voll.

Man kann nur hof­fen, dass die US-Gerichte den An­wäl­ten das rechts und links um die Oh­ren schla­gen.

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Co­ver MIRK­WOOD, Co­py­right Steve Hil­lard

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7 Kommentare

  1. Rashka
    Erstellt am 28. Februar 2011 um 11:45 | Permanent-Link

    Beim ers­ten Blick aufs Cover/den Ti­tel kriege ich so­fort den Ein­druck ei­nes ›of­fi­zi­el­len‹ Pro­duk­tes, in­so­fern kann ich den ›Beiß­re­flex‹ des Tol­kien Es­ta­tes auf Ge­schäfts­ebene schon ver­ste­hen. Zu­mal Rech­te­in­ha­ben auch oft in klei­ne­ren Fäl­len von Rechts­ver­letz­tung rea­gie­ren mü­ßen, weil ih­nen das sonst in grö­ße­ren Fäl­len um die Oh­ren ge­hauen wer­den kann. (»Sie ha­ben auf xy nicht rea­giert, ob­wohl sie da­von wuß­ten, da­mit ha­ben sie die Rechte doch quasi auf­ge­ge­ben…«)

    Und beim Tol­kien Es­tate kommt dann noch die per­sön­li­che Kom­po­nente des Soh­nes mit hin­ein, der si­cher­lich ganz ei­gene Vor­stel­lun­gen da­von hat, wie er sei­nen Va­ter sieht. Bzw. ei­gene In­ter­es­sen daran, wie er sei­nen Va­ter in der Öffent­lich­keit prä­sen­tiert ha­ben will.

    Wirk­lich über­ra­schen sollte es ei­nen Au­to­ren der groß Tol­kien auf sein Co­ver schreibt nicht, daß das Tol­kien Es­tate rea­giert, es ist ja all­ge­mein be­kannt, das da ein grö­ße­res wirt­schaft­li­ches In­ter­esse hin­ter­steht. Das wäre es wahr­schein­lich ge­schick­ter ge­we­sen nicht so pla­ka­tiv mit Tol­kien zu wer­ben.

  2. Stefan Holzhauer
    Erstellt am 28. Februar 2011 um 11:50 | Permanent-Link

    Es geht aber ex­pli­zit in den An­schul­di­gun­gen NICHT ums Ur­he­ber­recht, son­dern darum, ob man die his­to­ri­sche Per­son JRR Tol­kien als Fi­gur in ei­nem Ro­man mit fik­ti­ver Hand­lung auf­tau­chen las­sen darf…

  3. Rashka
    Erstellt am 1. März 2011 um 09:21 | Permanent-Link

    Sa­gen die An­wälte der Ge­gen­seite ;-). Das Es­tate be­haup­tet laut dem Guardian-Artikel noch 1 oder 2 an­dere Punkte zu ha­ben, u.a. das der Stil des Co­vers ih­ren De­signs zu ähn­lich ist.

    Ach, jetzt müßte man mal das Buch da­ha­ben zum selbst­le­sen — Pu­bli­city hat es dem Au­tor schon ge­bracht.

  4. Stefan Holzhauer
    Erstellt am 1. März 2011 um 09:55 | Permanent-Link

    »Ih­ren De­signs zu ähn­lich ist«???

    Das ist ja noch schlim­mer… Da­mit könnte man zu­hauf Gra­fi­ken zu Pla­gia­ten er­klä­ren. Das macht die Ak­tion nicht bes­ser, im Ge­gen­teil.

    Was das Buch an­geht: Ama­zon hilft, nur die Lie­fer­dauer ist un­schön. Al­ter­na­tiv gibt’s MIRK­WOOD als eBook.

  5. Ursel
    Erstellt am 1. März 2011 um 10:15 | Permanent-Link

    Bei buecher.de ge­ben sie eine kür­zere Lie­fer­zeit an, aber dort kos­tet es wie­der zwei Euro mehr.

    (Bin arg in Ver­su­chung … Ur­ban Fan­tasy mag ich so­wieso …)

  6. Rashka
    Erstellt am 1. März 2011 um 16:13 | Permanent-Link

    Das mit der Ver­sand­zeit be­stä­tigt die Theo­rie das die Me­di­en­auf­merk­sam­keit den Ver­kauf­zah­len gut tut. ;-)

    Über ei­nen (auch für mich ) of­fen­sicht­li­chen Fall von »ich glaub es hackt!«-Fall bin ich heute im Netz ge­sto­ßen: Die Pro­duk­tion ei­nes But­tons mit der Auf­schrift »While you were rea­ding Tol­kien, I was watching Evan­ge­lion.« wurde ein­ge­stellt, weil das Tol­kien Es­tate mit recht­li­chen Schrit­ten drohte. Hier nach­zu­le­sen.

  7. Stefan Holzhauer
    Erstellt am 1. März 2011 um 16:19 | Permanent-Link

    Das ist ja auch ein Knül­ler… :O

    Wird of­fen­bar Zeit für ei­nen Shits­torm in Rich­tung Chris­to­pher Tol­kien… ;o)

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