Musikpiraten

alejandro fernandezEine der Fir­men, die mit am Lau­tes­ten über Mu­sik­pi­ra­te­rie schimp­fen und auch gern mal ver­su­chen, ih­ren Kun­den höchst il­le­gal auf Musik-CDs ein Root­kit auf den Rech­ner zu schmug­geln ist Sony Mu­sic. Aber of­fen­sicht­lich ist Mu­sik­klau im Gro­ßen Stil von ei­nem Ma­jor La­bel be­trie­ben in de­ren Au­gen mög­li­cher­weise kein Mu­sik­klau, son­dern nor­ma­les Ge­schäfts­ge­ba­ren.

In La­tein­ame­rika ist Ale­jan­dro Fernán­dez alias »El Po­trillo« ei­ner der be­kann­tes­ten und er­folg­reichs­ten Sän­ger, er hat meh­rere Dut­zend Hits pro­du­ziert und zwei »La­tin Gram­mys« er­hal­ten. Bis vor Kur­zem war er bei Sony Me­xico un­ter Ver­trag, der sie­ben CDs be­inhal­tete, al­ler­dings löste er die­sen Ver­trag im letz­ten Jahr und schloss ei­nen neuen mit Uni­ver­sal Mu­sic ab.
Sony war nun aber of­fen­sicht­lich der Ansicht, dass kein be­ste­hen­der Ver­trag sie nicht daran hin­dern dürfe, den­noch Lie­der, Fo­tos und Vi­deos des Künst­lers zu ver­öf­fent­li­chen. Wa­rum auch, Ver­träge wer­den wohl nach der Ansicht von Sony Me­xico über­be­wer­tet… Und so brachte man — man ver­zeihe mir den Aus­druck, aber mir fällt nichts an­de­res ein — ka­ckend­reist ein neues Al­bum mit Stü­cken von Fernán­dez her­aus.

Der war dar­über na­tür­lich nicht ge­rade er­freut und ließ sei­nen An­walt dem La­bel eine Un­ter­las­sungs­auf­for­de­rung zu­stel­len, die von die­sem al­ler­dings ge­flis­sent­lich igno­riert wurde. Was in­ter­es­siert so ei­nen Mu­sik­multi auch das Recht des Ur­he­bers?
Der An­walt schal­tete die Po­li­zei ein, die star­te­ten eine Raz­zia bei Sony in Me­xico City und be­schlag­nahm­ten 6397 Ex­em­plare der be­an­stan­de­ten CD so­wie ein Mas­ter und Cover-Art.

Sony ist übri­gens der Ansicht, recht­mä­ßig zu han­deln, wenn sie Stü­cke, die bei den vo­ri­gen sie­ben Al­ben keine Ver­wen­dung fan­den, in ein ach­tes pa­cken und ge­gen den er­klär­ten Wil­len des Künst­lers ver­öf­fent­li­chen. Fernán­dez´ An­walt Jose Luis Ca­bal­lero sieht das an­ders: »Es steht völ­lig au­ßer Frage, dass der Ver­trag auf sie­ben Al­ben be­schränkt war.«

End­gül­tig ent­schei­den wird nun ein me­xi­ka­ni­sches Ge­richt. Kein Wun­der, dass die Ma­jor La­bels von manch ei­nem als »Con­tent Ma­fia« be­zeich­net wer­den… An­ge­sichts des dau­er­haf­ten und laut­hal­sen La­men­tie­rens über Mu­sik­pi­ra­te­rie ist das Ver­hal­ten von Sony aber in mei­nen Au­gen höchst frag­wür­dig.

Bild: Ale­jan­dro Fernán­dez Au­gust 2008, aus der Wi­ki­pe­dia

Kei­nen ver­wand­ten In­halt ge­fun­den.

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