STARDUST — DER STERNENWANDERER

Filmplakat StardustIch bin mir nicht si­cher, ob es hilf­reich war, dass ich die Gaiman-Vorlage nicht kannte, als ich ges­tern das Licht­spiel­haus auf­suchte, um mir DER STER­NEN­WAN­DE­RER an­zu­se­hen. Man hegt ja bei Kennt­nis der Vor­lage oft­mals un­er­füll­bare An­sprü­che, die gern auch mal un­er­füllt blei­ben, so dass auch eine ge­lun­gene Um­set­zung nicht recht ge­fal­len will. Eher bin ich je­doch der Ansicht, dass der Film mir ge­fiel, weil er ein­fach lie­be­voll ge­macht ist und zeigt, dass ein Mär­chen­film Kin­der we­der als Haupt­dar­stel­ler noch als Ziel­gruppe be­nö­tigt.
Ir­gendwo in Eng­land exis­tiert eine mys­te­riöse Mauer mit ei­nem Durch­bruch darin, be­wacht von ei­nem ält­li­chen Wäch­ter. Auf der an­de­ren Seite der Mauer soll sich ein Zau­ber­land be­fin­den und das Durch­schrei­ten des Lo­ches ist ver­bo­ten. Wa­rum? Egal, ist ein Mär­chen, es fragt auch kei­ner, wo eine Hexe den gan­zen Zu­cker für ihr Leb­ku­chen­haus her hat, oder?

Je­den­falls durch­schrei­tet ein jun­ger Mann nach Aus­trick­sen des Wäch­ters die Mauer und fin­det sich nach kur­zer Stre­cke in ei­ner fan­tas­ti­schen, mit­tel­al­ter­lich an­ge­hauch­ten Stadt wie­der. An ei­nem Markt­stand er­hält er von ei­ner jun­gen Frau eine Blume als Ge­gen­leis­tung für ei­nen Kuss. Sie be­haup­tet, eine Prin­zes­sin zu sein, die von ei­ner Hexe zur Ar­beit ge­zwun­gen wurde. Dann zerrt sie den jun­gen Mann ohne viel wei­te­res Fe­der­le­sens in den Wohn­wa­gen der Hexe…
Der junge Mann fin­det nach Hause zu­rück und nicht lange da­nach wird ihm ein Körb­chen über­bracht, in dem sich ein Kind be­fin­det. Der kleine Tris­tan ist das Er­geb­nis des Wohn­wa­gen­auf­ent­halts.
Acht­zehn Jahre spä­ter ist Tris­tan (Char­lie Cox) ein eher er­folg­lo­ser — aber net­ter — La­den­ge­hilfe, der ein Auge auf eine lo­kale Schön­heit ge­wor­fen hat, die je­doch ei­nem bla­sier­ten Schnö­sel zu­ge­tan ist. Das übli­che: der Fatzke ist schö­ner, rei­cher, coo­ler. Den­noch lässt Tris­tan nicht lo­cker und lädt seine An­ge­be­tete zu ei­nem Champagner-Picknick bei Ster­nen­schein ein. Als eine Stern­schnuppe vom Him­mel fällt, er­klärt er, dass er ihr den ge­fal­le­nen Stern ho­len würde, um seine Liebe zu be­wei­sen. Sie — be­ein­druckt — stimmt zu und gibt Tris­tan eine Wo­che.

Der Zu­schauer weiss, wa­rum ein Stern vom Him­mel fiel, das hängt di­rekt da­mit zu­sam­men, dass im na­hen Zau­ber­reich Storm­hold der Kö­nig ver­stirbt und ei­ner sei­ner Söhne sein Nach­fol­ger wer­den soll. Aber ich will hier nicht zu­viel ver­ra­ten!

Tris­tan macht sich auf den Weg nach Storm­hold, um den Stern zu ho­len. Doch… Der Stern kommt in Ge­stalt ei­ner jun­gen Frau (der wort­wört­lich zau­ber­haf­ten Claire Da­nes als Yvaine) da­her und auch an­dere wol­len ihn um je­den Preis ha­ben.

STAR­DUST (im Deut­schen aus nicht nach­voll­zieh­ba­ren Grün­den DER STER­NEN­WAN­DE­RER) ist ein Fantasy-Märchenfilm in der Tra­di­tion der Ver­fil­mung der »BRAUT DES PRIN­ZEN«, opu­lent in sei­nen Bil­dern, skur­ril und schwarz in sei­nem Hu­mor und den­noch an­rüh­rend in sei­ner Ge­schichte, eine er­fri­schende Ab­wechs­lung vom Fantasy-Overkill, den uns Hol­ly­wood seit dem HERRN DER RINGE bie­ten möchte. Ne­ben ei­ner hoch­ka­rä­ti­gen Be­set­zung spie­len re­la­tive New­co­mer in ei­ner Mi­schung die ob ih­rer Leich­tig­keit zu über­ra­schen und zu er­freuen weiss — zu­min­dest bei Per­so­nen, die sich die Freude an sol­chen The­men be­wahrt ha­ben. Dan­kens­wer­ter­weise ver­zich­tet man trotz der Ro­man­tik des The­mas (die auch de­fi­ni­tiv nicht aus­ge­spart wird, im Ge­gen­teil) auf Disney-eske Schmalz­über­la­dung, son­dern agiert locker-leicht, so­wohl was Re­gie als auch Schau­spie­le­rei an­geht.
Mi­chelle Pfeif­fer (Hexe La­mia) und Ro­bert deNiro (Cap­tain Shake­speare) merkt man den Spass an, den die Dreh­ar­bei­ten of­fen­sicht­lich ge­macht ha­ben müs­sen, denn beide spie­len ihre Rol­len mit Hin­gabe, ins­be­son­dere Frau Pfeif­fer gibt das He­xen­mist­stück, dass es eine Freude ist.

Man fin­det ei­ni­ges zum Schmun­zeln in STAR­DUST, jede Menge kleine — zum Teil recht schwarze — Scherze und di­verse di­verse Run­ning Gags, die je­doch zu kei­ner Zeit ein zen­tra­ler Punkt des Films wer­den und eben­so­we­nig allzu sehr ins kla­mauk­hafte ab­drif­ten (wie es ja wei­land bei der BRAUT DES PRIN­ZEN lei­der ge­schah, der zwar wirk­lich nett ist, ge­gen Ende je­doch stark nach­lässt). Ein High­light (und ech­ter Brül­ler) hier un­be­dingt deNi­ros Dar­stel­lung des »et­was an­de­ren« Pi­ra­ten­ka­pi­täns.

Ja, es gibt na­tür­lich auch Spe­zi­al­ef­fekte, zum Teil auch sehr deut­li­che, aber Selbst­zweck sind diese ei­gent­lich nie, sie pas­sen sich in die ge­samte ab­ge­run­dete Aus­stat­tung des Mär­chens durch­aus ho­mo­gen ein. Viel wich­ti­ger sind die Cha­rak­tere, de­ren Be­weg­gründe und de­ren Ent­wick­lung im Ver­lauf der Ge­schichte. Die zahl­lo­sen Ne­ben­fi­gu­ren sind eben­falls lie­be­voll ein­ge­baut und dar­ge­stellt und nah­men zu­min­dest in mei­nem Auf­merk­sam­keits­fo­kus deut­lich mehr Raum ein, als die SFX.

Es ist mir reich­lich un­ver­ständ­lich, wa­rum die­ser Mär­chen­film al­lent­hal­ben von Kri­ti­kern ver­ris­sen wird. Tat­säch­lich be­kommt der Ki­no­be­su­cher ein Mär­chen vor­ge­spielt, nicht mehr und nicht we­ni­ger. Wer nicht be­reit ist, sich dar­auf ein­zu­las­sen, oder am Thema so gar nichts fin­den kann, der ist in die­sem Strei­fen de­fi­ni­tiv falsch. Sollte ihn dann aber auch nicht zu be­wer­ten ver­su­chen.

Der Genre-Fan wird zwei Stun­den leichte aber nicht seichte, manch­mal ko­mi­sche aber nicht kla­mau­kige, ro­man­ti­sche aber nicht schmal­zige Un­ter­hal­tung ge­bo­ten be­kom­men, in ei­ner Form, die un­be­dingt ins Kino ge­hört und für die das Kino ur­sprüng­lich mal ge­macht wurde. Die­ser feine, kleine und zu un­recht re­la­tiv un­be­ach­tete Film ist Kult und sollte den Ma­chern der SFX-Overkill-Fantasy-Streifen der letz­ten Zeit zei­gen, wie es auch ge­hen kann — und sollte! Auch ohne Kin­der oder Tiere als Haupt­dar­stel­ler.

De­fi­ni­tiv gut ge­tan dürfte es dem Film ha­ben, dass Neil Gai­man mit­pro­du­ziert hat und so­mit wohl auch ein Wort mit­zu­re­den hatte…

Fa­zit: An­se­hen!

Der Stern­wan­de­rer

Ori­gi­nal­ti­tel: Star­dust
Pro­duk­ti­ons­land: UK, USA
Pro­duk­ti­ons­firma: Pa­ra­mount Pic­tures
Er­schei­nungs­jahr: 2007
Länge: 128–130 Mi­nu­ten
Ori­gi­nal­spra­che: Eng­lisch
Al­ters­frei­gabe: FSK 12

Re­gie: Matthew Vaughn; Dreh­buch: Jane Gold­man, Matthew Vaughn; Ro­man­vor­lage: Neil Gai­man; Pro­duk­tion: Lo­renzo di Bo­na­ven­tura, Mi­chael Dryer, Neil Gai­man, Matthew Vaughn; Mu­sik: Ilan Esh­keri; Ka­mera: Ben Da­vis; Schnitt: Jon Har­ris

Be­set­zung:

* Claire Da­nes: Yvaine
* Char­lie Cox: Tris­tan Thorn
* Mi­chelle Pfeif­fer: La­mia
* Sa­rah Alex­an­der: Em­pusa
* Jo­anna Scan­lan: Mormo
* Ro­bert De Niro: Cap­tain Shake­speare
* Si­enna Mil­ler: Vic­to­ria
* Ri­cky Ger­vais: Ferdy
* Pe­ter O’Toole: Kö­nig von Storm­hold
* Na­tha­niel Par­ker: Duns­tan Thorn
* Mark Strong: Sep­ti­mus
* Ru­pert Everett: Se­kun­dus
* Ja­son Fle­myng: Pri­mus
* Kate Mago­wan: Una
* Me­la­nie Hill: Ditch­wa­ter Sal
* Henry Ca­vill: Hum­phrey
* Da­vid Wal­liams: Geist
* Ian McKel­len: Er­zäh­ler (in der eng­li­schen Ver­sion)

Links:
Wi­ki­pe­dia
of­fi­zi­elle Seite (stark ge­flasht, aber se­hens­wert)

Film­pla­kat: Co­py­right 2007 Pa­ra­mount

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